DAB+ NRW: Statt Domradio WDR2 mit weiteren Lokalzeiten

Veröffentlicht am 05. Jul. 2020 von unter Deutschland

In den Frühstunden des Mittwochs (1.7.) verabschiedete sich das „Domradio“ von seinen DAB+ Hörern in Nordrhein-Westfalen. Die freigewordene digitale Übertragungskapazität wird der WDR für seine Programme nutzen. Ab Montag (6.7.) werden alle WDR-Lokalzeiten auf DAB+ aufgeschaltet. Anbieter kommerzieller landesweiter Hörfunkprogramme warten weiterhin auf eine Ausschreibung digitaler Programmplätze durch die Landesanstalt für Medien NRW (LfM NRW).

Domradio fliegt in NRW aus DAB+ raus

Das „Domradio“ hat als letztes durch die LfM NRW zugelassenes Programm den landesweiten DAB+ Multiplex am 1. Juli 2020 verlassen (RADIOSZENE berichtete). Seit dem 1. Juli informiert eine Ansage-Schleife die Hörer über die Abschaltung. „Domradio“, das Hörfunkprogramm des Bildungswerks der Erzdiözese Köln, war seit 1. August 2004 über DAB+ in NRW zu empfangen.

 

Alle kommerziellen Programme, die jetzt noch in NRW über DAB+ zu empfangen sind, kommen aus anderen Bundesländern. Frequenzen für kommerzielle Anbieter aus NRW stehen zurzeit nicht zur Verfügung. Im Herbst 2018 gingen 44 Interessenbekundungen für mindestens einen Platz in einem DAB+ Multiplex bei der Landesmedienanstalt NRW ein, drei weitere Bekundungen stammen von Netzbetreibern. 

Alle WDR 2 Lokalzeiten über DAB+

WDR 2Von Montag bis Freitag schaltet der WDR seine zweite Hörfunkwelle achtmal am Tag für drei Minuten in acht Regionalfenster auseinander. Samstags erhalten die WDR 2-Hörer viermal am Tag Informationen aus ihrer Region in der sogenannten ‚Lokalzeit‘. Bis jetzt wurden nur die Lokalzeiten Dortmund, Rhein-Ruhr aus Düsseldorf und Rheinland aus Köln über DAB+ verbreitet, ab Montag (6.7.) kommen die Lokalzeiten Aachen, Südwestfalen aus Siegen, Bergisches Land aus Wuppertal, Münsterland aus Münster und Ostwestfalen-Lippe aus Bielefeld auf DAB+ hinzu. Auf UKW war der Empfang des jeweiligen Fensterprogramms auf eine Region beschränkt, über DAB+ werden die Fenster in ganz NRW zu empfangen sein. Valerie Weber, WDR-Programmdirektorin NRW, Wissen und Kultur begrüßt den neuen Service:

 

WDR-Programmdirektorin Valerie Weber (Foto: ©WDR/Annika Fußwinkel)

Bild: ©WDR/Annika Fußwinkel

„Die ‚WDR Lokalzeit‘ – ob im Fernsehen oder Radio – ist eines unserer wichtigsten Angebote für die Menschen in Nordrhein-Westfalen. Künftig können viele Pendlerinnen und Pendler im Auto ihre ,Lokalzeit‘ einfach mitnehmen.“

 

Der WDR empfiehlt am Montag einen manuellen Suchlauf durchzuführen, wenn ihr Empfänger die neuen WDR 2 Regionalversionen nicht automatisch in der Senderliste aufführt.

VERA nur noch über das Internet

Damit mehr WDR 2 Regionalfenster in DAB+ ausgestrahlt werden können, muss das VErkehrsRAdio „VERA“ weichen. „So wird der Verkehrskanal VERA künftig nur noch im Internet und über WDR Apps zu empfangen sein,“ teilt der WDR mit.

Reduzierung der Audioqualität 

Die Audioqualität der WDR-Programme werde gesenkt. Um mehr Programme unterzubringen, spart der WDR an der Datenübertragungsrate einzelner Programme. 

„Dabei wird darauf geachtet, dass etwa WDR 3 mit seinem klanglich anspruchsvollen Programm mit klassischer Musik auch weiterhin auf dem Niveau der Klassik-Programme anderer ARD-Landesrundfunkanstalten liegt.“

Die Datenübertragungsrate variiert stark bei den ARD-Klassikwellen, je höher der Wert, umso besser das Hörempfinden. Die Unterschiede sind gravierend:

  • 96 kbps sind es bei der zweiten Welle des Südwestrundfunks in Rheinland-Pfalz und 128 kbps für das gleiche Programm in Baden-Württemberg
  • 96 kbps sind es auch bei „rbbKultur“, während der NDR je nach Standort 96 kbps bzw. 104 kbps bei „NDR Kultur“ seinen Hörern anbietet
  • 112 kbps sind es bei „MDR KLASSIK“ vom Mitteldeutschen Rundfunk aber nur 88 kbps bei „MDR KULTUR“
  • 120 kbps bietet „SR 2 Kulturradio Radio“ an 
  • 128 kbps stellte Radio Bremen bei seiner Kulturwelle ein
  • 144 kbps sind es bei „hr 2“ vom Hessischen Rundfunk und „BR-Klassik“ vom Bayerischen Rundfunk.  

WDR 3WDR 3 lag bis jetzt mit 128 kbps im oberen Feld der ARD-Anstalten. Doch die Zahlen täuschen. Tatsächlich steht für die reine Audioqualität weit weniger Datenübertragungsrate zur Verfügung. Bereits im Jahr 2008 beschrieb die Bayerische Landeszentrale für neue Medien (BLM) in der Broschüre „Der Systemstandard DAB+ – Grundlagen und Möglichkeiten des Einsatzes“ – die Funktionsweise von DAB+. Mit dem Wechsel von DAB zu DAB+ wurde ein zusätzlicher Fehlerschutz („Reed Solomon“) und ein sogenanntes „Virtual Interleaving“ eingebaut. Viele Empfänger zeigen bei „WDR 3“ die Bitrate 128 kbit/s an. Die Tatsächliche Netto-Bitrate ist bei „WDR 3“ um 10 Prozent geringer und beträgt 115,8 kbit/s. Für die Diashow, Musiktitelanzeige und weitere PAD-Datendienste müssen beim WDR weitere 10 Prozent abgezogen werden. Für den Ton bleiben dann nur noch ca. 105 kbit/s übrig. Sichtbar wird die tatsächliche Audio-Bandbreite erst mit DAB+ Programmen für den Computer, wie dem kostenlosen DAB-Player von Andreas Gsinn und kostenpflichtigen professionellen Lösungen. 

Dem WDR ist die schlechte Qualität bewusst: 

„Die etwas geringeren Datenraten im Pilotbetrieb sollen vorübergehend sein. Der WDR ist dabei, Lösungen zu entwickeln, um zusätzliche Kapazitäten für noch mehr Audioqualität zu schaffen.“

Das Pilotprojekt der Landesmedienanstalt NRW und des WDRs endete offiziell am 31.12.2019. Seit 1.1.2020 steht dem WDR ein ganzer Multiplex im Regelbetrieb zur Verfügung. Für ein halbes Jahr Verzichtete der WDR auf 6,25 % der Kapazität seines Multiplexes zugunsten von Domradio.

Auf unsere Anfrage, wann die WDR-Hörer bei allen Hörfunkprogrammen mit guter Audioqualität rechnen können, erhielten wir keine Antwort. Die Frage dürfte für den WDR schwer zu beantworten sein, denn weitere Finanzmittel für den DAB+ Ausbau genehmigte dem WDR die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) erst für die nächste Gebührenperiode 2021 bis 2024. Der WDR hat auch noch keine weitere Frequenz für einen weiteren DAB+ Multiplex bei der Staatskanzlei des Landes NRW beantragt. Gleichzeitig zeigte der WDR kein Interesse an einer landesweiten Frequenz für das Digitalradio, die von der Landesmedienanstalt NRW für den Privatfunk beantragt wurde. Ohne zusätzliche Frequenz und Finanzmittel für den Ausbau kann der WDR bei gleichbleibender Anzahl der Programme die Audioqualität nicht erhöhen. 

DAB+: Privatfunk in NRW

Landesanstalt für Medien NRWDie Landesanstalt für Medien NRW hat im März 2019 die Zuordnung von Übertragungskapazitäten für den Privatfunk bei der Staatskanzlei NRW beantragt. Bestellt wurde eine landesweite Bedeckung und eine fünf- bzw. sechsfach unterteile Bedeckung für Regionalprogramme. Die Koordinierung mit den Nachbarländern erweist sich als schwierig. 

„Wann Übertragungskapazitäten für die regionalisierte DAB+-Bedeckung zugeordnet werden können, ist noch nicht bekannt. Hierzu steht die Landesanstalt für Medien NRW aber in engen Austausch mit der Staatskanzlei des Landes NRW und der BNetzA.“

Peter Widlok (Bild: LfM)

Peter Widlok (Bild: LfM)

teilte uns LfM-Sprecher Peter Widlok mit. Die Bundesnetzagentur hat dem Land NRW bis jetzt nur den beantragten landesweiten Kanal zur Verfügung gestellt. Das Deutschlandradio und der WDR wurden über die geplante Zuordnung des Kanals 9 D an die LfM NRW entsprechend § 11 des Landesmediengesetzes NRW informiert. Beide öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten haben der Zuordnung der Übertragungskapazität an die Landesmedienanstalt NRW nicht widersprochen und auch keinen eigenen Antrag eingereicht. 

„Wir warten jetzt auf die Zuordnung von Übertragungskapazitäten für die landesweit einheitliche DAB+ Bedeckung durch den Ministerpräsidenten des Landes NRW. Möglicherweise kann diese schon im Juli dieses Jahres erfolgen,“

so LfM-Sprecher Peter Widlok weiter. Die Zuordnung der Übertragungskapazitäten an die Landesmedienanstalt NRW wird vier Wochen nach der Unterzeichnung durch den Ministerpräsidenten des Landes NRW Armin Laschet rechtswirksam. Die Klagefrist gegen den Rechtsakt beträgt vier Wochen. Anfang August dürfte der Prozess abgeschlossen sein und die Medienkommission der Landesmedienanstalt NRW kann über die Ausschreibung beschließen. 

Die nächste reguläre Sitzung der Medienkommission soll am Freitag, dem 21.08. stattfinden. Mehrere Präsenzsitzungen der Medienkommission sind Corona-bedingt ausgefallen, die Mitglieder stimmten über eilige Anträge im stillen Verfahren ab. Noch ist unklar,  

„ob die Medienkommission im Rahmen einer Präsenzsitzung [Anm. d. Red.: über die Ausschreibung] entscheiden muss.“

Die Frist für die Ausschreibung beträgt mindestens zwei Monate. 

„Wie lange im Anschluss das sog. Zuweisungsverfahren dauern wird, hängt davon ab, wie viele Anbieter sich bewerben. Sollten die Landesmedienanstalt NRW mehr Bewerbungen als verfügbare Kapazitäten bekommen – wovon auszugehen ist – wird das Verfahren entsprechend aufwändiger. Mit einem Sendebeginn kann frühestens Mitte kommenden Jahres gerechnet werden“,

erklärt Widlok.


Aktualisierung vom Dienstag, 07.07.2020

Die Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen hat der Landesanstalt für Medien NRW (LfM NRW) die Übertragungskapazitäten für einen landesweiten DAB+-Multiplex zugeordnet. Aus dem Newsroom der Staatskanzlei erfuhren wir: „Die Zuordnung an die LfM NRW ist mit Schreiben vom 3. Juli 2020 erfolgt.“

Die gleichzeitig bestellte fünf bis sechsfach unterteilte landesweite Bedeckung „ist noch in Bearbeitung.“ „Vonseiten der BNetzA sind auf den gemeldeten Bedarf dem Land noch keine Frequenzen zur Verfügung gestellt worden.“

Die Zuordnung wird nach einem Monat rechtskräftig, wenn Deutschlandradio und der Westdeutscher Rundfunk keine Rechtsmittel einlegen. Beide Anstalten sind bereit vor der Zuordnung im Rahmen des Verfahrens gefragt worden und haben an die Staatskanzlei keinen Widerspruch bzw. eigenen Antrag gestellt. Einer Ausschreibung der Übertragungskapazitäten durch die LfM NRW steht nach dem 3. August nichts im Wege.


Landesweite UKW-Hörfunkkette

Der britischer Soldatensender BFBS Radio 1 Germany schaltete am Montag, 27.4. um Mitternacht seine leistungsstärkste Frequenz 103,0 MHz in Bielefeld ab. Die Frequenz ist an das Land NRW zurückgegeben worden. (vgl. auch Bye Bye, BFBS!Die LfM NRW hat bei der Staatskanzlei NRW die Nutzung dieser reichweitenstarken Frequenz beantragt. Etwa 2,9 Millionen Menschen leben im Empfangsgebiet dieses Senders allein in NRW. Die Frequenz sollte in einem Paket mit ca. 30 UKW-Frequenzen unter der Bezeichnung „Landesweite Kette“ gleichzeitig mit den beantragten DAB+ Multiplexen ausgeschrieben werden. Die Ausschreibung verzögert sich auf eine unbestimmte Zeit. 

Die Staatskanzlei informierte über den Antrag der LfM NRW die beiden öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, die einen Antrag auf Nutzung von Hörfunkfrequenzen in NRW stellen dürfen. Der WDR beansprucht diese freie Frequenz für seine Programme nicht, das Deutschlandradio hat einen Widerspruch gegen die Zuweisung an die LfM NRW und einen eigenen Antrag gestellt.

Am 25. Mai begann ein dreimonatiges Verfahren, bei dem alle Seiten gehört werden. Kommt bis 25. August keine Einigung zustande, wird sich der nordrhein-westfälische Landtag mit der Zuordnung beschäftigen müssen. Das Verfahren sieht vor, das der Ausschuss für Kultur und Medien Experten anhört und sich erst eine eigene Meinung bilden muss. Der Ministerpräsident Armin Laschet hört dann den Ausschuss an und entscheidet. Im besten Fall könnte eine Entscheidung noch vor Weihnachten fallen. Gegen die Zuordnung der Frequenz an die LfM NRW könnte dann Deutschlandradio Rechtsmittel einlegen, was eine aufschiebende Wirkung hätte. Die Frequenz würde dann mehrere Jahre nicht genutzt werden, bis der Rechtsweg ausgeschöpft ist.

Deutschlandradio

Das Deutschlandradio möchte die Frequenz 103,0 MHz für sein beliebtestes Hörfunkprogramm „Deutschlandfunk“ nutzen. Seit 10 Jahren setzt die Anstalt auf DAB+, baut ihr Sendernetz kontinuierlich aus, dennoch ist UKW für Deutschlandradio weiterhin wichtig, teilte RADIOSZENE Dr. Eva Sabine Kuntz, Leiterin der Intendanz und Unternehmenssprecherin:

Eva Sabine Kuntz (Bild: ©Bettina Straub/Deutschlandradio

Eva Sabine Kuntz (Bild: ©Bettina Straub/Deutschlandradio

„UKW spielt für Deutschlandradio gegenwärtig noch eine sehr wichtige Rolle, insbesondere dort wo DAB+ noch Aufholbedarf hat oder wo über UKW mit wenig Aufwand noch ein großes Publikum erreicht wird. Als öffentlich-rechtlicher Programmveranstalter tragen wir bei der Planung unserer Ausspielwege den Bedürfnissen aller Alters- und Personengruppen Rechnung. Trotz der in den letzten Jahren sprunghaft angestiegenen Verkäufe von DAB+ und, weniger stark, IP-Empfängern, gibt es gegenwärtig noch zahlreiche Haushalte und Fahrzeuge, in denen lediglich analoge Empfangsmöglichkeiten vorhanden sind. Hier ist nach wirtschaftlichen und strategischen Überlegungen abzuwägen. Im konkreten Fall bietet die Hochleistungsfrequenz 103,0 MHz die Möglichkeit, mehrere UKW-Kleinleistungssender in der Region abzulösen und dabei dennoch in der Gesamtschau die aktuell mangelhafte Programmverfügbarkeit im beträchtlichen Umfang zu verbessern. Die Wirtschaftlichkeit in der noch andauernden Simulcast-Phase von analogem und digitalen Rundfunk wird erhöht.“

Am 17. Juli 2014 trat in NRW ein novelliertes Landesmediengesetz in Kraft. Der § 10  

„Die Sicherstellung der Grundversorgung mit öffentlich-rechtlichem Rundfunk einschließlich programmbegleitender Dienste hat Vorrang,“ 

wurde ergänzt um einen Satz, der den Vorrang der gesetzlich bestimmten Programme für analoge Übertragungskapazitäten rückwirkend zum 31. Dezember 2013 beendet. Beantragen öffentlich-rechtliche Anstalten nach dem Datum analoge Übertragungskapazitäten, werden diese dem Deutschlandradio und WDR nur dann zugeordnet, wenn die LfM NRW keinen Bedarf geltend macht. In dem Fall wurde ein Antrag der Landesmedienanstalt gestellt. 

BFBS-Frequenz-103MHz Infografik von Marek Schirmer

BFBS-Frequenz-103MHz Infografik von Marek Schirmer

Bereits am 30. April 2014 hat das Deutschlandradio eine Stellungnahme zum Entwurf des Landesmediengesetzes abgegeben (Stellungnahme 16/1664). Schon damals machte das Deutschlandradio auf die unzureichende Versorgung Ostwestfalens aufmerksam. Die rot-grüne Landesregierung führe im Gesetzentwurf an, dass „der Grundversorgungsauftrag des Westdeutschen Rundfunks und des Deutschlandradios bei der UKW-Verbreitung erfüllt sei.“

Das Deutschlandradio widersprach der Auffassung:

„Diese Begründung verkennt die tatsächlich nach wie vor lückenhafte Frequenzausstattung des Deutschlandradios in Nordrhein-Westfalen. Deutschlandradio erreicht mit seinem Programm Deutschlandfunk heute 81,7 % der Einwohner über die UKW-Antenne und versorgt 66,7 % der Fläche. Im bundesweiten Vergleich liegt die Versorgung Nordrhein-Westfalens mit dem Deutschlandfunk damit auf den Plätzen zehn (Bevölkerung) und 13 (Fläche). Für das Programm Deutschlandradio Kultur sind ähnliche Zahlen von 81,3 % der Einwohner und 66,8 % der Fläche zu verzeichnen. Sie bedeuten im Vergleich der Bundesländer die Plätze sechs und acht.“

Das Deutschlandradio führt in seiner Stellungnahme die schlecht bzw. unversorgten Gebiete in NRW auf und zeigt auf, warum gerade die Frequenz für die öffentlich-rechtliche Anstalt von Bedeutung ist:

„Diese Frequenz deckt beinahe ganz Ostwestfalen-Lippe ab und strahlt bis nach Münster und in das nördliche Sauerland hinein. Sie allein könnte die unzureichende Frequenzausstattung sowohl des Deutschlandfunks als auch von Deutschlandradio Kultur in Ostwestfalen-Lippe, im Kreis Warendorf und in der kreisfreien Stadt Hamm (Deutschlandfunk) beheben. Erhielte Deutschlandradio diese Frequenz 103,0 MHz Bielefeld, würden gleichzeitig die jeweiligen Kleinfrequenzen entweder des Deutschlandfunks oder von Deutschlandradio Kultur frei.“

Die Kleinfrequenzen decken nur 1/6 der Bevölkerung ab, die mit der reichweitenstarken Frequenz 103,0 MHz versorgt werden könnten. Bis zu acht Sender könnte Deutschlandradio durch einen Sender ersetzen. Die Versorgungskosten pro Einwohner im Versorgungsgebiet würden sinken. 

Fazit

Die Weiterentwicklung des Hörfunkmarkes in NRW geht mit einem Tempo voran, dass an Autofahren mit angezogener Handbremse erinnert. Bereits beim „Call for Interest“ im Jahr 2015 schreib die LfM NRW in den Einleitungstext: 

„Vor dem Hintergrund des absehbaren Endes des Pilotversuchs sollen seitens der LfM alle Vorbereitungen getroffen werden, welche als notwendig erachtet werden, insbesondere privaten Hörfunkveranstaltern die Verbreitung ihrer Programme über den digitalen Übertragungsstandard DAB+ in Nordrhein-Westfalen im Regelbetrieb zu ermöglichen.“

Doch erst fünf Jahre später steht eine einzige landesweite Frequenz für DAB+ zur Verfügung. Im Nachbarländer-Vergleich mit Belgien und den Niederlanden steht NRW schlecht da. Die Niederländer nutzen jetzt schon 22 von 32 üblichen DAB+ Frequenzen, im Flächen- und Bevölkerungsmäßig wesentlich kleineren Belgien sind es 12 Frequenzen, während in NRW gerade 5 Frequenzen koordiniert werden konnten. Um so mehr staunen darf man über die fehlenden Anträge für weitere Frequenzen. Beide Nachbarländer haben später angefangen, DAB+ einzuführen und haben NRW bereits beim Netzausbau überholt. NRW benötigt eine Task Force Digitalradio. Einige Fallstricke im Landesmediengesetz verhindern heute, dass Frequenzen frühzeitig für NRW gesichert werden. Jedem Bundesland sollten sieben Bedeckungen für DAB+ zur Verfügung stehen. In NRW gibt es jetzt schon Probleme für die fünfte Bedeckung freie Frequenzen zu finden. Politische Rückschlüsse hat daraus noch keine Partei gezogen. Sinnvoller wäre die Zuordnung von Frequenzen staatsfern zu organisieren, wie es heute schon in einigen Bundesländern (z.B. Mecklenburg-Vorpommern) Praxis ist. 

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