Corona-Blitzumfrage: „Nichts ist wie vor der Pandemie“

Veröffentlicht am 08. Sep. 2020 von unter Deutschland

Am kommenden Wochenende endet mit den letzten Tagen der Schulferien in Baden-Württemberg – beeinflusst durch das Coronavirus – eine bislang ungekannte Sommerurlaubszeit. Für die deutsche Radiobranche erfolgte bislang zu diesem Zeitpunkt traditionell der Startschuss in eine wichtige Periode: man präsentierte hochwertige Programmaktionen, lud ein zu attraktiven Hörerfestivals und hübschte sich auf für die umsatzstarke, hörerintensive Herbstsaison. 

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In diesem Jahr ist alles anders: Covid19 bestimmt auf ungewisse Dauer noch immer das öffentliche, soziale, wirtschaftliche, kulturelle und private Leben der Menschen in Deutschland. Teilweise mit sehr einschneidenden Folgenerscheinungen. Und trotz einer zuletzt sichtbaren Entspannung bei der Entwicklung der Werbeeinnahmen stellen sich den Radiomachern weiter existenzielle Fragen.


RADIOSZENE hörte sich im Rahmen einer Blitzumfrage bei Programmverantwortlichen um nach ihren Erfahrungen anlässlich der Corona-Pandemie sowie zur Sendegestaltung während einer erstmaligen Herbstzeit ohne MA-Befragung.

  1. Die erneut aufflammende Corona-Pandemie beschäftigt weiter die Politik und Menschen im Land sowie die darüber berichtenden Medien. Wie viel an Normalität ist zwischenzeitlich wieder in die programmlichen Abläufe Ihres Senders eingekehrt? Welche Erkenntnisse aus den letzten Monaten nehmen Sie mit für künftige Arbeitsprozesse?
  1. In diesem Herbst wird es keine Erhebung von Hörerzahlen geben. Hat die Aussetzung der Frühjahrs-MA aktuell Auswirkungen auf die Programmgestaltung der nächsten Monate?

 

„Wenn man sich nur auf die Befragungszeiträume konzentriert, wird es nicht gelingen, Menschen dauerhaft an ein Programm zu binden“

Ulrich Manitz, MDR JUMP, Programmchef 

01) Corona ist natürlich nach wie vor ein bestimmendes Thema, sowohl inhaltlich als auch bei der Erstellung unserer Angebote. Wir haben unsere Abläufe so umgestellt, dass wir unseren Nutzerinnen und Nutzern auf allen Ausspielwegen die gewohnten Inhalte bieten können. Und das, obwohl noch immer sehr viel weniger Menschen tatsächlich vor Ort im Sender sind. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können von zu Hause unter anderem senden, Nachrichten erstellen und natürlich unsere digitalen Ausspielwege bedienen. Wichtigstes Ziel war und ist es, zum einen die größtmögliche Sicherheit für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu gewährleisten und anderseits den Nutzerinnen und Nutzern ein vollwertiges Angebot zu machen, bei dem sie im Vergleich zu Vor-Corona-Zeiten nichts vermissen. Das uns das alles in allem gut gelingt, macht mich sehr froh. Wir werden auch sicher Arbeitsabläufe, die sich bewährt haben, in die Zeit nach der Pandemie mitnehmen. Das Thema „mobiles Arbeiten“ hat durch Corona eine ganz neue Bedeutung bekommen. Da ansetzend neue und moderne Arbeitswelten zu schaffen, ist eine spannende Herausforderung, mit der wir uns heute schon beschäftigen.

Ulrich Manitz (Bild: ©Marco Prosch)

02) Der Wegfall der MA-Befragung ist ja nur für die Macher ein Thema, die Nutzerinnen und Nutzer interessiert das eigentlich nicht, die wenigsten von ihnen werden davon Notiz genommen haben. Und da die Nutzerinnen und Nutzer bei uns im Mittelpunkt stehen, werden wir auch im kommenden Herbst großen Wert darauf legen, ihnen ein hochwertiges öffentlich-rechtliches Informations- und Unterhaltungsangebot zu machen. Wir entwickeln zudem unser Programm kontinuierlich und unabhängig von MA-Befragungen ständig weiter und werden das natürlich auch im diesem Herbst tun und unsere Nutzerinnen und Nutzer sicher auch wieder überraschen können. Ich glaube, dass es wichtig ist, das ganze Jahr über zu versuchen, ein zuverlässiger Tagesbegleiter zu sein. Wenn man sich nur auf die Befragungszeiträume konzentriert, wird es nicht gelingen, Menschen dauerhaft an ein Programm zu binden.


 

„Fuck The Format“

 

Thomas Jung, SWR3, Programmchef 

SWR3

01) Nichts ist wie vor der Pandemie. Nach wie vor sind zahlreiche Mitarbeiter in Home-Offices, wir senden aus Hygiene- und Desinfektionsgründen abwechselnd aus unseren beiden Studios. Dienstreisen sind drastisch reduziert, Videokonferenzen  wurden alltäglich. Mehr Austausch findet über digitale Wege statt, es gibt viel weniger Direktkontakte. Ich denke, dass diese derzeitig notwendigen Optionen nachhaltig bleiben werden.

Der SWR3 Bereich Eventing funktioniert nur sehr eingeschränkt. Großveranstaltungen, Comedytouren und so weiter sind abgesagt. Wir haben zahlreiche Ideen, probieren einiges im kleineren Stile aus. Denn Eventing ist ein wichtiger Baustein in der Erlebniswelt von SWR3. Wir stellen aber auch fest, dass viele Menschen trotz noch so perfekter Hygienekonzepte Sorge haben, zu Veranstaltungen zu gehen – sie verzichten lieber darauf.

Unser Marketing arbeitet daher an ganz anderen Konzepten, zumal ich davon überzeugt bin, dass größere Veranstaltungen noch auf längere Zeit ausfallen beziehungsweise nicht angenommen werden. Die Pandemie wird im popkulturellen Bereich einiges verändern.

2) Hoher Gesprächswert, viele Überraschungen, Radio-Aktionen, die begeistern. Trotz ausgesetzter Erhebung fahren wir weiter Vollgas. Selbstverständlich! Denn die nächste MA-Befragung kommt. Wir haben normalerweise im Sommerhalbjahr durch Veranstaltungen rund 650.000 Direktkontakte. Bei mehr als 300 Events können die Menschen die Marke erleben. Das entfällt. Umso mehr muss sich jetzt das Radio inhaltlich permanent neu aufstellen. Die Marke muss im Linearen die Fans begeistern und im Digitalen neue Nutzer an sich binden.

Das schärfste Experiment ist dabei sicher unsere neue SWR3 App, die Ende August ausgerollt wurde und bundesweit gewaltige Resonanz ausgelöst hat, das Radio der Zukunft!

Aber auch on air arbeiten wir ständig an neuen Ideen und überraschenden Sendungen mit viel Interaktion. Zum Beispiel unser SWR3 Urlaubsradio, wo wir uns mit Südtirol 1, dem Inselradio Mallorca oder NDR 2 zusammengeschaltet haben. Ländergrenzen wurden überwunden, SWR3Land reichte in dieser August-Woche von Bozen über Palma bis nach Köln. Oder unsere Tour durch SWR3Land, 18 Stunden Sommerradio live aus verschiedenen Regionen, von den Urlaubs-Topspots in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg. Oder eben die Specials von Gottschalk & Zöller aus München, dem Salzburger Land oder demnächst aus Budapest. 

Auch musikalisch sind wir ständig dabei, das Format aufzubrechen, durch Specials, Thementage. Das Ziel von SWR3 ist, den Menschen verlässliche Information zum Thema Corona zu liefern ohne den Blick auf andere relevante Themen zu verlieren. Und gleichzeitig mit guter überraschender Unterhaltung vielfältigst zu punkten. Kurzum: „Fuck the Format“!


 

„Von Normalität sind wir genauso weit entfernt wie die Gesellschaft an sich“

 

Thomas Linke-Weiser, BAYERN 3, Programmchef

BAYERN 301) Von Normalität sind wir genauso weit entfernt wie die Gesellschaft an sich. Covid19 ist nach wie vor das bestimmende redaktionelle Thema – gerade mit dem Ende der Sommerferien in Bayern und den Schwerpunkten “Urlaubsheimkehrer” und “Schulbeginn mit oder ohne Maskenpflicht”. Zudem können nach wie vor keine größeren Konzerte und eigenen Events stattfinden. Was wir mitnehmen, das sind flexiblere Planungsprozesse, viele, auch positive Erfahrungen mit dem Homeoffice, aber auch die Erkenntnis, dass Kreativität im direkten Austausch viel besser funktioniert und schöner ist. Und dass man die Kolleg*innen ganz schön vermisst, wenn man sie länger nicht sieht…

Thomas Linke-Weiser (Bild: ©BR/Markus Konvalin)02) Wir freuen uns natürlich auch als öffentlich-rechtliches Programm über gute Zahlen für unser Hörfunkangebot, aber unsere Programmplanung ist ganzjährig angelegt und nicht nur auf die MA ausgerichtet. Wir wollen das ganze Jahr über tolle Themen und Aktionen bieten. Deswegen ändert sich für uns im Herbst recht wenig – das eine oder andere neue Format werden wir aber neu ins Programm nehmen. Zudem rechnen wir damit, dass zumindest die landesweiten Privatsender ebenfalls wenig Abstriche machen werden – das Publikum will kein “Lieblingsprogramm light”, sondern das volle Programm. Sonst könnte es negative Auswirkungen auf die Folge-MA haben.


 

„Die Abläufe sind wieder in eine „neue“ Normalität zurückgekehrt“

 

Roel Oosthout, HIT RADIO FFH, Programmchef

FFH01) Die Abläufe sind wieder in eine „neue“ Normalität zurückgekehrt. Natürlich haben wir uns mit Umbauten, Hygienemaßnahmen und organisatorischen Anpassungen auf einen Arbeitsalltag in Zeiten einer Pandemie einstellen müssen. Das ist uns bis jetzt gut gelungen.

Wir hatten schon Anfang des Jahres auf ein Cloud-basiertes Redaktionssystem umgestellt. Das hat uns geholfen, als wir auch in der Redaktion im Home-Office gearbeitet haben und nur ein kleines Team im Funkhaus war. Im Homeoffice haben die Kollegen jetzt fast die gleichen Möglichkeiten wie im Funkhaus.

Noch immer laden wir keine Studiogäste ein, aber auch hier hilft die Technik. Für unser Interview- und Podcast-Format „Silvia am Sonntag“, bekommen die Gäste mittlerweile per Kurier eine kompakte Ausstattung zugeschickt, die es ermöglicht ein Interview in Studioqualität zu führen.

Roel Oosthout (Bild: FFH)Natürlich hat der „Lockdown“ auch bei HIT RADIO FFH die Digitalisierung der Arbeitsabläufe weiter vorangetrieben. Außerdem haben wir Erfahrungen mit dem Arbeiten im Home-Office gemacht. Das wird sicherlich künftig im Arbeitsalltag eine stärkere Rolle spielen. Das allerwichtigste ist aber, dass wir es gemeinsam geschafft haben, das Programm sehr schnell auf die veränderten Hörer-Bedürfnisse anzupassen. Das Feedback darauf und auch die Nutzungszahlen waren sehr gut und das ist dann natürlich eine Riesenmotivation. Wir haben uns dabei auch das ein oder andere Experiment geleistet und werden diese Erfahrungen in die Programmentwicklung mit einfließen lassen.

02) Die meisten Änderungen, die wir jetzt durchgeführt haben, waren schon geplant, bevor wir wussten, dass es keine Herbst-Erhebung der MA geben wird. Vielleicht haben wir jetzt etwas weniger Druck, weil man bei fehlender Akzeptanz mehr Zeit zur Korrektur hat. Es wäre aber ein Fehler zu denken, dass man sich jetzt bis Dezember zurücklehnen kann. Unsere Planung für den kommenden Herbst entspricht dann auch im Umfang der in den letzten Jahren.


 

„Wir gehen davon aus, dass durch Corona das klassische Arbeitsmodell auch im Radio ausgedient hat“

 

Jens Küffner, RADIO FFN, Programmdirektor

radio ffn01) Normalität ist noch nicht eingekehrt. Wir sprechen eher von „The New Normal“ unter Beachtung der AHA-Regeln (Abstand, Hygiene, Atemschutz). Das bedeutet weiterhin: Meetings und Konferenzen nur mit wenigen Personen und Maske, und auf Abstandsgebote und regelmäßige Hygiene besonders zu achten. Home-Office und Videotools sind zum Standard geworden, das redaktionelle Arbeiten hinter Plexiglas ebenfalls. Die Erkenntnis, dass viele Dinge, die mit Beginn der Pandemie exotisch erschienen, sich aber im Arbeitsalltag bewährt haben, nehmen wir mit. Wir gehen davon aus, dass durch Corona das klassische Arbeitsmodell auch im Radio ausgedient hat. Es wird perspektivisch eine Mischform aus Präsenz und Home-Office geben, eine Flexibilisierung von Zeit und Ort. Vor allem eine umfassende Re-Digitalisierung von Arbeitsprozessen und verwendeter Tools.

Jens Küffner (Bild: ©radio ffn)02) Die Aussetzung der Frühjahrs-MA hat keinen großen Einfluss auf die Programmgestaltung von ffn. Wir haben eine Verpflichtung den Hörern gegenüber und können uns nicht ausruhen. Jedoch müssen wir mit deutlich weniger Mitteln zurechtkommen, sowohl finanziell als auch personell. Es bleibt die zentrale Herausforderung – trotz der Widrigkeiten – den Hörern die gewohnte, hohe Programmqualität zu bieten. Hierfür braucht es vor allem unkonventionelle Ansätze und Lösungen. Und ein Team, das Krise kann. Die letzten sechs Monate haben eindrucksvoll gezeigt, was im Krisenmodus geleistet wird. Nicht nur bei ffn, sondern in vielen Funkhäusern. Radio hat sich in der Coronakrise zum wichtigsten und verlässlichsten Freund der Hörer entwickelt und seine Bedeutung nachhaltig verankert.


 

„MA ist immer!“

 

Andreas Holz, RPR1., Leiter Content

RPR1. Das Original01) Von „Normalität“ zu sprechen, fällt mir schwer. Die Frage ist vielmehr: was ist das „neue Normal“? Die Mannschaft unseres Senders hat in den zurückliegenden Monaten Herausragendes geleistet und das Programm trotz heftigster Einschränkungen auf einem qualitativ stabil hohen Niveau gehalten. Die aktuelle Nominierung des „RPR1.Corona Kompass“ für den Deutschen Radiopreis 2020 in der Kategorie „Bestes Nachrichten- und Informationsformat“ bestätigt uns ganz besonders.

Unsere größte Herausforderung war, den Sendebetrieb durch Aufbau von „Backup-Linien“, Home-Studios und virtuellen Konferenzräumen für den Fall eines Corona-Ausbruchs im Sender sicherzustellen. Glücklicherweise sind wir bisher vom Ernstfall verschont geblieben. Auch wenn wir aktuell diese „Backup-Linien“ ein Stück weit auflockern und mehr Kolleginnen und Kollegen in den Sender zurückkehren: Die Alarmbereitschaft bleibt bestehen – ein „neues Normal“ beginnt. Jeder noch so kleine Bereich wurde zu einem sicheren Arbeitsplatz umfunktioniert, wir bewegen uns im Sender mit Mund-Nase-Maske – und dort, wo der Abstand zwischen Arbeitsplätzen nicht herstellbar ist, wurden Trennwände installiert.

Andreas Holz (Bild: ©RPR1./Boris Korpak)

Andreas Holz (Bild: ©RPR1./Boris Korpak)

Als wichtigste Erkenntnisse nehmen wir „mobiles Arbeiten“ und „virtuelle Konferenzen“ mit in die Zukunft. Denn beides hat gezeigt: Produktives, konzentriertes Arbeiten an verlässlichem und spannendem Content ist mit beiden Instrumenten möglich – und je nach Programmbereich kann mobiles Arbeiten sogar produktiver sein. Wir haben aber auch gemerkt: Für die ganz große Kreativität braucht es dann doch den persönlichen Austausch.

02) Wir verzichten zwar im Herbst auf eine klassische MA-Kampagne, aber: MA ist immer! Es kommt weiter darauf an, nah bei unseren Hörern zu sein und ein spannendes, interessantes, unterhaltsames Programm zusammenzustellen. Bislang vielleicht eine Floskel, zeigt sich doch in diesem Jahr, wie wichtig unser Medium Radio ist, das den Menschen verlässliche Informationen und emotionalen Halt und Nähe bietet. Und genau so werden wir im Herbst mit dem „RPR1.Herbstklopfen“ weitermachen: „Füreinander in Rheinland-Pfalz“.


 

„Während wir gesehen haben, dass das mobile Arbeiten mit Telefon- oder Videocalls in Teilen gut funktioniert hat, merken wir allerdings auch, dass zum Beispiel kreative Prozesse mit dem Büro oder Sender als Kommunikationszone wesentlich besser funktionieren“

 

Thomas Rump, RADIO NRW, Programmdirektor und Mitglied der Geschäftsleitung

radio NRW01) Die redaktionellen Arbeitsabläufe bei radio NRW waren von der Corona-Pandemie natürlich – wie andere Arbeitsbereiche auch – stark betroffen. In der Corona-Hochphase ab Mitte März haben wir die Redaktionen in zwei Teams aufgeteilt, die sich in den Arbeitszeiten wochenweise abgewechselt haben. Parallel haben wir die Hygienevorschriften erhöht. So haben wir zum Beispiel durchsichtige Trennwände in allen Räumen, in denen mehrere Kollegen arbeiten, installiert. Darüber hinaus gibt es für alle Moderatoren individuelle Kopfhörer sowie Einmalhandschuhe und Desinfektionsmittel. Mittlerweile versuchen wir, wieder mit möglichst vielen Kollegen vor Ort den Arbeitsalltag zu stemmen. Denn während wir gesehen haben, dass das mobile Arbeiten mit Telefon- oder Videocalls in Teilen gut funktioniert hat, merken wir allerdings auch, dass zum Beispiel kreative Prozesse mit dem Büro oder Sender als Kommunikationszone wesentlich besser funktionieren. Das persönliche Miteinander der Kollegen ist ein wichtiger Bestandteil und Identifikationsfaktor für unser Team. Da in der Zwischenzeit klar ist, dass uns das Virus noch eine geraume Zeit begleiten wird, müssen wir nun Strukturen schaffen, die auf längere Sicht ein neues Miteinander möglich machen. So nutzen wir möglichst weitläufige Flächen auf dem Flur oder große Besprechungsräume, wo wir die Abstands- und Hygieneregeln einhalten können, um kleinere Meetings und kreativen Austausch wieder stattfinden zu lassen.

Thomas Rump (Bild: ©radio NRW)02) Auch wenn es in diesem Herbst keine MA-Erhebung geben wird, wollen wir für unsere Hörer*innen verlässlich bleiben und ein attraktives Programmangebot für die nächsten Monate anbieten. Von Oktober bis Dezember werden wir viele abwechslungsreiche Programmaktionen wie zum Beispiel Musikaktionen, Themen Specials oder Gewinnspiele starten, auf die sich die Hörer*innen freuen können. Der Dezember steht traditionell bei uns mit unserer Aktion Lichtblicke im Zeichen der guten Sache. Auf die beliebten Lichtblicke-on-Tour-Konzerte, die in der Vorweihnachtszeit umsonst und draußen stattfinden, werden wir allerdings dieses Jahr verzichten müssen. Das liegt aber nicht an der MA, sondern am Infektionsgeschehen der Corona-Pandemie. Hier wollen wir kein Risiko eingehen.


 

„Das Thema Corona findet dann statt, wenn es etwas Neues zu berichten gibt“

 

Marzel Becker, Geschäftsführer und Programmdirektor sowie Niklas Naujok, Station Manager, RADIO HAMBURG

Radio Hamburg01) Bei Radio Hamburg sind wir zurück bei 70 bis 80 Prozent des Normalzustandes. Wir legen programmlich den Fokus auf Musik und gute Laune. Das Thema Corona findet dann statt, wenn es etwas Neues zu berichten gibt. Wir denken, dass unsere Hörer sich größtenteils mit der neuen Realität abgefunden haben und nicht dauernd durch ihren Moderator an die Einschränkungen durch das Virus in ihrem Alltag erinnert werden wollen. An diesem Punkt holen wir sie ab und blicken gemeinsam nach vorn. Organisatorisch ist es so, dass bereits seit August ein Großteil der Redaktion täglich wieder im Funkhaus arbeitet. Wir haben Plexiglastrennscheiben zwischen den Schreibtischen montieren lassen und achten auf Abstandsgebote zum Beispiel in den Gemeinschaftsräumen oder auch in den Redaktionskonferenzen, die als Hybridmeetings gleichzeitig im Konferenzraum als auch online stattfinden.

Marzel Becker (Bild: ©Radio Hamburg)

Durch den Lockdown und die damit bedingten veränderten Anforderungen unter anderem an die technische Ausstattung, wurde unsere Digitalisierung zwangsweise beschleunigt. Das wichtigste Ergebnis dabei: Unser Haus ist in der Lage, in gleicher hoher Qualität komplett von außen zu senden. Einige Änderungen in den Arbeitsabläufen behalten wir noch bei, wie zum Beispiel Hybridmeetings. Insgesamt sind wir allerdings der Meinung, dass es erheblich besser für die Kreativität, den Work Flow, die Loyalität und das Vertrauen ist, wenn man sich persönlich sieht.

02) Klare Antwort: Nein. Wir gestalten unser Programm immer auf höchstem Niveau. Es ist unser Anspruch, für unsere Hörer stets das bestmögliche Programm zu machen, da spielt der Wegfall der Frühjahrs-MA keine Rolle.


 

„Was sich nachhaltig auf unser Programm auswirkt, ist der weitgehende Verzicht auf Off-Air-Aktivitäten“

 

ANTENNE BRANDENBURG

ANTENNE BRANDENBURG01) Wir setzen in unserer Redaktion in diesen Tagen im hohen Maß auf mobiles Arbeiten und Arbeiten von zuhause aus. Wir haben ein aus sehr wenigen Menschen bestehendes Kernteam definiert, das täglich in der Redaktion ist. Dazu gehören Moderatoren, Nachrichtensprecher und einige Redakteure. Reporter, Planer und andere Funktionen arbeiten der Redaktion von außen zu.

Die umfangreichen Erfahrungen mit dem mobilen Arbeiten, die wir in den vergangenen Monaten sammeln konnten, werden wir auch weiter nutzen können, wenn die Umstände wieder „normaler“ sind. Die Produktion mit Laptop oder iPad stellt einen Geschwindigkeitsgewinn dar, den wir auch unter anderen Umständen nutzen werden.

02) Die Aussetzung der MA hat keine direkten Auswirkungen auf unser Programm. Es sind keine Programmexperimente oder ähnliches geplant. Was sich nachhaltig auf unser Programm auswirkt, ist der weitgehende Verzicht auf Off-Air-Aktivitäten. Darauf reagieren wir seit Mai mit der Aktion „Mein Brandenburg – Ihr Ort ist unser Star“. Wöchentlich, immer mittwochs, rücken wir dabei einen anderen Brandenburger Ort in den Fokus unserer Berichterstattung.


 

„radioeins ist weit vom Normalzustand entfernt“

 

RADIOEINS

radioeins rbb1) Zweidrittel der radioeins Mitarbeiter*innen arbeiten nach wie vor im Mobile Working, Reporter*innen  und Interviewpartner*innen werden zugeschaltet, insofern ist radioeins weit vom Normalzustand entfernt. Außerdem beschäftigt sich radioeins viel mit Kultur und Stadtleben, und diese Institutionen sind ja auch nach wie vor entweder immer noch im Lockdown oder können nur eingeschränkt arbeiten, was natürlich auch Auswirkungen auf unsere Partnerschaften und unser Programm hat. Das traditionsreiche und beliebte radioeins Parkfest konnte wegen Corona in diesem Jahr leider nicht stattfinden, dafür haben wir mit dem radioeins Sommergarten vom frannz Club versucht, in kleinem Rahmen den Künstler*innen aus Literatur, Theater, Kunst und Musik eine Bühne zu geben, wo sie vor einem kleinen Livepublikum auftreten konnten – und diese abendlichen Sendungen sind ein Gewinn für unser Programm.

2) radioeins hat die MA-Berichtszeiträume bisher nie ausschließlich genutzt, um neue Hörer*innen zu gewinnen. Wir versuchen zu jeder Zeit im Jahr Programmaktionen und Events anzubieten, die auf aktuelle Themen eingehen, aber auch neue Themen setzen und scheuen dabei auch vor Innovationen nicht zurück.


 

„Wir sind weiterhin in einem ‚Corona-Modus‘“

 

Norbert Grundei, N-JOY, Leiter Programmbereich

N-JOY Logo1) Wir sind weiterhin in einem „Corona-Modus“: Nach wie vor sind einige Mitarbeiter im Home-Office, Konferenzen werden als Video-Calls durchgeführt. 

Ich bin sehr stolz auf mein Team, das zu Beginn der Pandemie sehr schnell viele Arbeitsprozesse umgestellt hat. Wir konnten von einem Tag auf den anderen von Zuhause senden, die Arbeitsabläufe haben auch aus dem Home-Office gut funktioniert. Norbert Grundei (Bild: ©NDR)Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen haben wir in unserem Audiolab THINKRADIO neue und innovative Podcast-Formate launchen können: Gemeinsam mit NDR Info das sehr erfolgreiche  „Coronavirus Update“ mit inzwischen über 60 Millionen Abrufen. Und gemeinsam mit NDR Kultur, NDR 90,3 und NDR Info den neuen Literatur-Podcast „Eat.Read.Sleep“.

2) Wir wollen in der Programmentwicklung agiler werden und neue, Nutzer*innen-zentrierte Ideen noch schneller auf den Sender bringen. Das gilt sowohl für Phasen innerhalb als auch außerhalb der MA-Zeiträume.

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Bildcredits: Ulrich Manitz (Bild: ©Marco Prosch), Thomas Jung Programmdirektor SWR 3 (Bild: ©SWR), Thomas Linke-Weiser (Bild: ©BR/Markus Konvalin), Roel Oosthout (Bild: FFH), Jens Küffner (Bild: ©radio ffn), Thomas Rump (Bild: ©radio NRW), Marzel Becker (Bild: ©Radio Hamburg), Norbert Grundei (Bild: ©NDR)

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