MDR-Hörfunkdirektor Johann Michael Möller bestätigt Gerüchte einer Programmreform und hat damit scheinbar viel zu tun

Ein merkwürdiges Auskunftsverhalten, trotz dass die Presseabteilung erst jüngst nach einer Beschwerde beim Intendanten Besserung gelobte. Jetzt aber ist eine mögliche Erklärung aufgetaucht, warum es zum Beantwortungsstau gekommen sein könnte. Sie stammt aus der Radioleitung selbst – denn hier hat man derzeit nicht nur viel zu tun, sondern scheinbar auch Großes vor. Wie jetzt auch offiziell bestätigt wurde, operieren die Wellenmacher in diesem Wochen neben den üblichen Kandidaten auch am bisher unantastbaren „Neuen Sound“. Sie werkeln an einer „Programmanpassung“ für MDR Jump.
Lange Zeit waren Reformen für die umstrittene Popwelle tabu. Dass es nach Jahren der inhaltlichen Stagnation nun doch Bewegung geben könnte, dafür gab es Anfang Juli erste handfeste Signale – als Eckpunkte einer „Anpassung“ im Hörfunkausschuss vorgestellt wurden. Dass eine Neuausrichtung nicht mehr unmöglich ist, darüber wurde schon in den Monaten davor viel gemunkelt. Ausschlaggebend für die Hitze in der Gerüchteküche war der überraschende Abgang des langjährigen Wellenchefs Michael Schiewack im März.

Seit dem 14. Juli liegt sie nun vor, die offizielle Bestätigung, dass der „Neue Sound“ von MDR Jump einer Runderneuerung unterzogen wird. Geliefert wurde sie von MDR-Hörfunkdirektor Johann Michael Möller in einem Interview mit der Nachrichtenagentur DAPD. Eines der Ziele: mehr Regionalität. MDR Jump solle zum Soundtrack der Region werden, ließ Mitteldeutschlands oberster Radiostratege dabei wissen. Die Popwelle solle künftig dazu beitragen, das „regionale Gemeinschaftsgefühl zu stärken“. Außerdem solle Jump zukünftig mehr Erwachsene und Familien ansprechen.
Scheinbarer Hintergrund der Bemühungen: eine klarere Abtrennung vom Schwesterprogramm MDR Sputnik. Das bislang nur in Sachsen-Anhalt auf UKW und bald über DAB in ganz Mitteldeutschland zu empfangende Jugendradio erreiche laut Möller derzeit vor allem „junge, unabhängige Menschen im Alter zwischen 14 und 29 Jahren“. JUMP solle nun mit der Programmanpassung „erwachsener“ werden und „stärker Hörer zwischen 29 und 49 Jahren ansprechen“. Abgrenzung tut Not – zwei gleichdudelnde Wellen kann auch der MDR sich nicht auf Dauer leisten.

Programmanpassungen bei MDR Jump – insgesamt ein Prozess der neugierig macht. Interessant dürfte werden, was außer dem erweiterten Nachrichtenprofil und dem Griff in die Klassiker-Kiste noch kommen wird. Und: ob der ebenfalls nicht unumstrittene Morgenmann „Tino Rockenberg“ die Reformen überleben wird. Möller zumindest wollte sich im DAPD-Interview über weitere Einzelheiten des Wellenumbaus noch nicht äußern: „Wir stecken mit Jump mitten im Arbeitsprozess. Über Ergebnisse informieren wir, wenn wir damit fertig sind.“
Bis Ende des Jahres will Möller noch den Posten des Jump-Wellenchefs mit erledigen – dann könnte ein Neuer übernehmen. Wenn der gefunden ist, ist beim Hörfunkdirektor vielleicht auch wieder Zeit, um offene Fragen auf seinem Schreibtisch zu beantworten. Zum Beispiel jene von der Radioszene, welche Gründe er dafür sieht, dass die an sich schon mageren rund 870.000 monatlichen Page-Impressions bei Sputnik im Februar 2011 auf ganze 773.000 abgesackt sind. Tatsächlich nur eine Folge der aufgeräumten Sputnik-Community oder doch eine Auswirkung der heimlichen, ungeliebten und angeblich so erfolgreichen Programmreform vom Sommer 2010?
Bild: MDR JUMP-Anzeige im Autoradio ©Bernd Reiher
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Die Neuregulierung von JUMP
DAPD-Meldung in der Freien Presse









