DAB statt UKW: Danmarks Radio verliert UKW-Kette

Veröffentlicht am 13. Sep. 2011 von unter Weltweit

Während das digitale Radio in Deutschland erst vor wenigen Wochen offiziell auf Sendung ging, feiert man in Dänemark im kommenden Jahr sein zehnjähriges DAB-Jubiläum. Aber wie erfolgreich ist das Digitalradio bei unseren nördlichen Nachbarn derzeit und warum könnte es in den kommenden Monaten noch einen zusätzlichen Schub erleben?

Für viele Hörerinnen und Hörer wird es eine große Umstellung: Wer derzeit die Programme des öffentlich-rechtlichen Danmarks Radio „DR P1“ oder „DR P2“ analog-terrestrisch verfolgt, der muss ab November dieses Jahres entweder mit einem Time-Sharing-Betrieb vorlieb nehmen oder komplett auf DAB oder Internetradio umstellen, denn Danmarks Radio verliert eine landesweite UKW-Senderkette. Grund dafür ist ein Regierungsbeschluss: Das Monopol von Danmarks Radio soll geschwächt werden, ein neuer Kanal namens „Radio 24syv“ (Radio 24sieben) wird geschaffen.

Das neue Talkradio für politische und kulturelle Themen, welches dann übrigens auch über eine schwache UKW-Frequenz des NDR-Senders Flensburg-Fuchsberg zu hören sein wird, bekommt alle Frequenzen der Kulturwelle DR P2 und zudem noch für die ersten acht Jahre einen ordentlichen finanziellen Schub aus der Kasse der dänischen Gebührenzahler (rund 12,5 Mio. Euro pro Jahr).

Wer die beiden DR-Programme also weiterhin empfangen möchte, hat die Wahl: Zur Auswahl stehen die UKW-Frequenzen des ersten Programms, auf denen ab 1.11.2011 abends ausgewählte Kultursendungen von P2 übernommen werden oder digitale Verbreitungswege, auf denen P1 und P2 weiterhin als eigenständige Wellen bestehen bleiben werden.

Einer dieser digitalen Verbreitungswege ist das Digitalradio DAB mit seinen beiden, landesweit empfangbaren Multiplexen. Anders als in Deutschland sind alle Sender dort in der alten Norm DAB nach MP2-Codec zu empfangen. Ein plötzlicher Umstieg auf das neue DAB+ wäre unverantwortlich, denn alte DAB-Geräte können das neue DAB+-Signal nicht wiedergeben – und von diesen gibt es in Dänemark schon einige: Danmarks Radio gibt an, jeder dritte Haushalt in Dänemark verfüge über einen DAB-Empfänger. Der Sender geht außerdem davon aus, dass diese Zahl mit der Umstrukturierung des UKW-Angebots steigen wird. Zudem bietet man eine Auswahl von mehreren, exklusiv über digitale Verbreitungswege empfangbaren Spartensendern.

11x Danmarks Radio, 3x Privatradio und Radio24syv: Das wird DAB in Dänemark ab November.

Dennoch denkt man auch in Dänemark über das Nachfolgesystem DAB+ nach. Derzeit läuft unter Industrie und Radioveranstaltern eine Umfrage bezüglich eines dritten DAB-Layers. Jener würde in DAB+ betrieben und regional unterschiedliche Programme ausstrahlen, darunter also das Regionalprogramm DR P4 und ggf. ortsansässige, kleinere Privatradios. Entsprechende Tests wurden bis vor kurzem nördlich von Kopenhagen von einem Lokalsender durchgeführt.

DR-Sender Rangstrup, der auf UKW fast bis nach Hamburg zu hören ist

Sorgt weit bis nach Schleswig-Holstein hinein für den Empfang von dänischen Programmen auf DAB und UKW: DR-Sender Rangstrup

Über eine UKW-Abschaltung wurde in Dänemark übrigens bisher noch nicht entschieden, schließlich sind auch die Planungen bezüglich der dritten Multiplexe noch nicht abgeschlossen. Eines steht aber bereits jetzt fest: Das Digitalradio DAB, ganz ohne Plus, bietet in Dänemark bereits jetzt einen deutlichen Mehrwert – und wer an Ostseeküste oder im direkten Grenzgebiet unterwegs ist, der kann sich auch auf deutschem Boden an den Musikkanälen aus dem Rundfunkgebäude in Kopenhagen erlaben. Der weitere Ausbau von DAB bleibt spannend, gerade auch ab November 2011.

Weiterführende Informationen
Infoseiten von Danmarks Radio zu DAB
DAB-Abdeckung in Dänemark
Künftige Homepage von Radio24syv

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