Radio Ennepe Ruhr: Neustart vielleicht schon im Dezember

Veröffentlicht am 05. Sep. 2022 von unter Deutschland

Radio Ennepe RuhrDie Medienkommission der Landesanstalt für Medien NRW entschied vor zwei Wochen, dass Radio Ennepe Ruhr von der PFD Pressefunk, der Radioholding der Rheinischen Post Mediengruppe, betrieben werden kann. (RADIOSZENE berichtete) Der Sendestart könnte im Dezember oder zur Jahreswende erfolgen. Georg Rose, Chefredakteur des Senders und Uwe Peltzer von der PFD Pressefunk beantworteten unsere Fragen.


RADIOSZENE: Herr Rose, ab wann werden Sie die neue Aufgabe übernehmen und ist sie zeitlich begrenzt?

Georg Rose: Die VG Radio Ennepe-Ruhr e.V. hat mich bereits im April einstimmig zum Chefredakteur gewählt. Hinter uns liegen 18 Monate intensiver Gespräche und Beratungen. Dabei haben die beiden Veranstaltergemeinschaften unter Leitung von Thomas Kroemer (VG Radio Wuppertal e.V.) und Peter Dziadek (VG Radio Ennepe-Ruhr e.V.) sowie die neue Betriebsgesellschaft unter Leitung von Uwe Peltzer sehr vertrauensvoll und zielgerichtet zusammengearbeitet.

Georg Rose (Bild: ©Radio Wuppertal)

Georg Rose (Bild: ©Radio Wuppertal)

Jetzt beginnen die konkreten Vorbereitungen für den Neustart im Detail. Unter anderem ist auf RADIOSZENE unsere Stellenausschreibung veröffentlicht. Wir haben ja mehrere feste Stellen in der Redaktion zu besetzen und suchen außerdem eine ganze Reihe freiberuflicher Kräfte.

RADIOSZENE: Radio Ennnepe Ruhr galt ja schon als tot und das Sendegebiet gilt unter Fachleuten als kompliziert, weil die 9 Städte Schlafburgen der umliegenden Großstädte sind und keine Gemeinsamkeit haben und somit auch kein Interesse an dem Verbreitungsgebiet. Sehen Sie es auch als schwieriges Gebiet im Vergleich zu Radio Wuppertal?

Georg Rose: Radio Ennepe-Ruhr war doch nie tot! Die Berichterstattung für das Verbreitungsgebiet war nie unterbrochen, nur eingeschränkt. Aber das ist ja zum Glück bald Vergangenheit. Zum Sendegebiet: Es stimmt, der Ennepe-Ruhr-Kreis ist kein gewachsener Lebensraum. Es gibt also kein eindeutiges „Lebensgefühl Ennepe-Ruhr“, wie wir das aus anderen Regionen in NRW kennen – aus dem Münsterland oder aus Ostwestfalen zum Beispiel. Das macht die Arbeit für Lokalredaktionen anspruchsvoller. Aber es kann doch niemand behaupten, dass die Menschen in Witten, Herdecke oder Breckerfeld kein Interesse an ihrer Region hätten. Für mich ist das eine Frage der Herangehensweise. Es wird deshalb die erste und wichtigste Aufgabe des neuen Teams sein, in enger Abstimmung mit der programmverantwortlichen Veranstaltergemeinschaft ein klares und passgenaues Konzept für den Ennepe-Ruhr-Kreis zu entwickeln.

Rose Georg (Bild: Radio Wuppertal)

Rose Georg (Bild: Radio Wuppertal)

Übrigens ist das eine Aufgabe, die mir auch aus Wuppertal keineswegs fremd ist. Von außen betrachtet mag es leichter erscheinen, eine Stadt zu bespielen als einen aus mehreren gleichberechtigten Städten bestehenden Kreis. Aber auch in Wuppertal müssen wir mit unserem Programm die unterschiedlichen Interessen der Menschen jeden Tag aufs Neue unter einen Hut bringen. Wuppertal ist entstanden aus mehreren einst selbstständigen Städten und Gemeinden: Barmen, Elberfeld, Cronenberg, Ronsdorf und Vohwinkel. Die Unterschiede sind bis heute spürbar – und sei es nur, weil die Menschen in den dicht bevölkerten Stadtteilen entlang der Bundesstraße 7 ein völlig anderes Lebensumfeld haben als diejenigen, die am Dönberg oder in Beyenburg in geradezu dörflichen Strukturen leben.  

RADIOSZENE: Wie viele Stunden sollen lokal und wie viele vom Rahmenprogrammanbieter Radio NRW kommen?

Georg Rose: Es wird eine eigene vierstündige Frühsendung von 06.00 bis 10.00 Uhr geben – also wie überall in NRW. Eine Stunde am Nachmittag wird in Kooperation zwischen Radio Wuppertal und Radio Ennepe-Ruhr ausgestrahlt. Hinzu kommen die lokalen Nachrichten im Zwei-Schicht-Betrieb sowie zahlreiche lokale Elemente in den sogenannten „lokalen Optionen“.

RADIOSZENE: Können Sie etwas zu dem Budget sagen, das Ihnen beim Neustart zur Verfügung steht?

Georg Rose: Das Budget ist überschaubar. Alles andere wäre unvernünftig. Aber Sie dürfen sicher sein: es passt. Wir haben das vorher sehr genau durchgerechnet. Und ich bin fest überzeugt, dass wir damit ein gutes Programm für den Ennepe-Ruhr-Kreis realisieren können. Wichtig ist außerdem, dass die Zahl der Mitarbeitenden nach einem schon jetzt festgelegten Plan in den nächsten Jahren ausgebaut werden soll.

RADIOSZENE: Wann ist der anvisierte Sendestart von Radio Ennepe Ruhr aus dem Funkhaus Wuppertal?

Georg Rose: Wahrscheinlich starten wir am 1. Dezember, spätestens am 1. Januar 2023.

RADIOSZENE: Während der Sitzung der Medienkommission ist erwähnt worden, dass der Name noch nicht feststeht. Bleibt es bei dem Namen „Radio Ennepe Ruhr“?

Georg Rose: Ich gehe davon aus, dass wir beim bisherigen Namen bleiben, also „Radio Ennepe-Ruhr“. Ein Neustart mit einem ganz neuen Namen wäre einerseits schön gewesen, weil das den Neuanfang greifbarer gemacht hätte. Andererseits kostet das Etablieren einer neuen Marke viel Geld. Und das stecken wir lieber ins Personal und damit ins Programm.

RADIOSZENE: Das Jugendwort des Jahres 2022 ist „Macher“. Sie sind als ein Macher bekannt, der Dinge gut und schnell umsetzt. Da denke ich u.a. an die schnelle Reaktion bei der Flutkatastrophe 2021. Was bremst Sie gerade bei dem Projekt Radio Ennepe Ruhr am stärksten aus?

Georg Rose: Die größte Herausforderung ist es, in kurzer Zeit ein gutes Team zusammenzubringen. Der Arbeitsmarkt ist ziemlich leergefegt, das wissen Sie ja. Für uns sprechen auf jeden Fall die guten Arbeitsbedingungen, die coole Location, die gute Aus- und Fortbildung. Auch da übernehmen wir für Radio Ennepe-Ruhr 1:1 die hohen Standards von Radio Wuppertal.

RADIOSZENE: Ist das Funkhaus Wuppertal ausreichend groß bemessen, um zwei Lokalradios zu beherbergen?

Georg Rose: Ja. Das Produktionsstudio von Radio Wuppertal wird ausgebaut zum Sendestudio für Radio Ennepe-Ruhr. Zusätzlich entsteht ein neuer Produktionsplatz, um während der beiden Frühsendungen auch produzieren zu können. Und wir haben tatsächlich seit unserem Umzug in das ELBA-Loft mehrere freie Schreibtische. Da müssen jetzt nur noch die Rechner gekauft und die Telefonanlage erweitert werden.

Radio Wuppertal im ELBA Zukunftswerk (Bild: © Firmengruppe Küpper)

Radio Wuppertal im ELBA Zukunftswerk (Bild: © Firmengruppe Küpper)


RADIOSZENE: Herr Peltzer, was hat ihre Mediengruppe bewogen das Lokalradio im Ennepe Ruhr betreiben zu wollen?

Uwe Peltzer: Zum Anfang der Corona-Pandemie haben wir den Einstieg bei Radio Ennepe Ruhr zweimal negativ beschieden, dann haben wir uns mit beiden Veranstaltergemeinschaften zusammengesetzt und das Konzept mit Leben gefüllt. Die Betriebskosten müssten sich einspielen lassen. Es ist uns wichtig, dass die Flächendeckung des Lokalfunks in NRW erhalten bleiben und das Gesamtsystem stabilisiert wird. Es geht im Ennepe Ruhr nicht um Gewinnmaximierung, sondern den Erhalt des Kapitals, dass die Gesellschafter einsetzen. Mit dem Kapital möchten wir möglichst lange auszukommen. Vor 11 Jahren haben wie Radio Aachen und Antenne AC zusammengelegt. Das halte ich für den EN-Kreis für keine gute Idee. Unser Ziel war der Erhalt der Veranstaltergemeinschaften und des Verbreitungsgebietes. Wir haben mit der Planung vor 18 Monaten begonnen und dachten Corona ist irgendwann vorbei. Keiner hat an einen Krieg in der Ukraine oder die Energiekrise gedacht. Die Grundvoraussetzungen haben sich verschlechtert und dennoch wollen wir das Projekt nicht stoppen.

RADIOSZENE: Welche Ziele müssen erreicht werden, damit Ihr Engagement im Ennepe-Ruhr-Kreis dauerhaft bleibt?

Uwe Peltzer: Unser Engagement im Ennepe-Ruhr-Kreis ist unbefristet. Im Jahr 2026 wird die Lizenz verlängert, dann werden wir den Sender bilanzieren. 

RADIOSZENE: Arbeiten Sie bei der Vermarktung von Radio Ennepe Ruhr mit anderen Servicegesellschaften zusammen?

Uwe Peltzer: Es ist geplant auch weitere Vermarkter miteinzubeziehen. Die PFD Pressefunk übernimmt die lokale Vermarktung, wir führen Gespräche mit anderen Gesellschaften, die im Ruhrgebiet aktiv sind.

RADIOSZENE: Was denken Sie über den eingeleiteten Strukturprozess des Lokalfunks?

Uwe Peltzer: Wir sind uns in der Analyse einig, dass die Zeiten auf Grund des Wettbewerbsdrucks noch schwerer werden. Die Grundsatzidee von Funkhäusern finde ich richtig. Dass es aufwärts geht, sehen wir gerade nicht, wir sind auf der Erlösseite auf dem Niveau des Corona-Jahres 2020. Uns ist klar, wir stehen vor einer Veränderung. Man kann nicht mehr ausgeben, als man einnimmt. Das ist noch nicht jeder Veranstaltergemeinschaft klar. Die Bereitschaft von allen Seiten sich zu verändern, ist gegeben. Das Solidarprinzip, bei dem die Verluste der defizitären Lokalsender durch die Einnahmen andere Sender ausgeglichen wird, wird zur Zeit auf eine harte Probe gestellt. Wenn die Erlöse weiter einbrechen, dann müssen wir die Strukturen verändern. 

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