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Radio-Köpfe: Ulli Potofski – Der Sportjournalist

Mit Eloquenz und Beharrlichkeit verschaffte sich Ulli Potofski (71) Zugang zu den Medien. Heute ist er der dienstälteste Sportjournalist hierzulande, der gerade am Feldrand der Bundesliga für „Sky“ seine Karriere ausklingen lässt. Alle 14 Tage ist er am Montagabend zudem Sport-Experte in der „Extra-Time“ von Brillux Radio, einem Sender, der bundesweit über DAB+ zu empfangen ist. Unser Mitarbeiter Hendrik Leuker hat ihn vor dieser Sendung in einem Büroraum der „Radio-Profis“ in Witten, bei denen sie produziert wird, zum Interview getroffen. 

Ulli Potofski: Seine Zeit bei Radio Luxemburg

Ulli Potofski im Studio der Radio-Profis in Witten (Bild: © Hendrik Leuker)
Ulli Potofski im Studio der Radio-Profis in Witten (Bild: © Hendrik Leuker)

Nach mittlerer Reife und einer Ausbildung zum Koch (bestanden mit Note „gut“) wollte Ulli Potofski im Jahr 1970 unbedingt zum Radio. Dabei kam ihm Radio Luxemburg in den Sinn. Aus Gelsenkirchen stammend war ihm die Mittelwelle des überaus populären Senders bestens vertraut. Potofski griff zum Telefonhörer und hat in der Villa Louvigny, dem Sitz des Senders, „bestimmt neunmal angerufen“ (Potofski). Beim bis dato letzten Versuch meldete sich Chefsprecher Frank Elstner am Apparat. Potofski schilderte diesem seinen sehnlichen Wunsch, selbst Sprecher beim Radio zu werden. Ein Verlangen, das Elstner sehr geläufig war. „Was haben Sie denn bislang gemacht?“ fragte Elstner. Potofski entgegnete: „Ich habe Koch gelernt.“

Schließlich meinte Elstner, man habe zwar bereits eine vorzügliche Köchin, aber, wenn er unbedingt wolle, könne er in Luxemburg vorsprechen. Seine Chancen seien „1:1000“. Beim Vorsprechen wurde Potofski vor verschiedenen fiktiven Aufgaben gestellt: Einmal sollte er Autofahrer in einem langen Stau, die alle selbstredend Radio Luxemburg hören, in „Autofahrer unterwegs“ unterhalten ohne über sich selbst zu sprechen. Dann wurden kurze Interviewsituationen mit dem Bundesbank-Präsidenten, dem damaligen Fußball-Bundestrainer Helmut Schön und Udo Jürgens, letzterer saß tatsächlich im Studio, nachgestellt.

Am Schluss der Proben war Potofski engagiert und mithin Teil des Teams von Radio Luxemburg. Er moderierte zunächst „Hallo Nachtarbeiter!“ (23 Uhr – 1 Uhr), eine Sendung, die nur über UKW und über die ab 1970 in den Vollzeitbetrieb übergegangene Kurzwelle auf der Frequenz 6090 KHz im 49m-Band zu hören war.

RTL Sticker AufkleberAuch war er wöchentlich in der Briefkastensendung an der Seite von Monika (Georges) zu hören („Hörer fragen – Monika und Ulli antworten“). Weitere Sendungen seien ihm konkret nach über 50 Jahren nicht mehr in Erinnerung. „Es waren jedenfalls viele Doppelmoderationen dabei“,  fällt Potofski ein. Bei Radio Luxemburg erhielt er seine journalistische Ausbildung. Vor dem Mikrofon meldeten sich die Sprecher von Radio Luxemburg bekanntlich nur mit ihrem Vornamen.

Potofski nannte sich, wie im richtigen Leben auch, „Ulli“. Um Verwechslungen vorzubeugen: Daneben gab es ab dem Jahr 1971 auch einen „Ulrich“, der in Wahrheit Ulf D. Posé heißt und nach seiner Radiozeit ab den 1980er Jahren ein hierzulande gefragter Wirtschaftsethiker wurde. Ulli verließ Radio Luxemburg im Jahr 1974.

Die bewegten 70er Jahre

Ulli Mario: Ich kann an keinem Girl vorübergeh´nUlli Potofski fuhr in den 1970er Jahren durchaus mehrgleisig. Er wollte große und kleine Leute unterhalten. So war er Schlagersänger, Puppenspieler und Diskjockey. Schlagersänger bereits vor seiner Zeit bei Radio Luxemburg: Unter dem Pseudonym Ulli Mario veröffentlichte er 1969 eine Schlager-Single mit dem durchaus inklusiven Titel „Ich kann an keinem Girl vorübergeh´n“. Diskjockey war er neben seiner Sprecherzeit bei Radio Luxemburg: „Als Discjockeys waren damals einige Sprecher von Radio Luxemburg unterwegs“. Puppenspieler auch nach der Zeit bei Radio Luxemburg, in erster Linie für Kinder: „Ich denke, ich kann gut mit Kindern umgehen. Was ich damals als Puppenspieler machte, findet seine Fortsetzung heute in meinen Kinderbüchern“, fügt Potofski hinzu. Er hat selbst zwei inzwischen erwachsene Adoptivkinder, Benjamin und Susi. 1978 zog es ihn wieder zurück zum Radio.    

Ulli Potofski als Reporter in der ARD-Bundesligakonferenz

Wiederum griff Ulli Potofski zum Telefonhörer. Diesmal rief er den damaligen Abteilungsleiter Sport beim WDR Hörfunk, Kurt Brumme, an, den legendären Erfinder von „Sport und Musik- Punkte, Tore, Meisterschaft“ auf WDR 1 am Samstagnachmittag. Den unbestrittenen Höhepunkt bildete ab kurz vor 17 Uhr jedes Mal, die von Brumme konzipierte, bundesweit ausgestrahlte, ARD-Bundesligaschlusskonferenz, bei der sich die Reporter im stetigen Wechsel von den verschiedenen Spielorten unter Federführung des WDR meldeten.

Zu diesen wollte Potofski auch gehören. „Ich komme aus Gelsenkirchen-Schalke. Einem Stadtteil mit 30 000 Einwohnern und großem Fußballbezug“, erklärt Ulli Potofski. Brumme fragte Potofski, was ihn denn außer seiner Herkunft qualifiziere. Daraufhin dieser: „Ich habe bereits Radio gemacht und Schlager angesagt“. Brumme schmunzelte, bot Potofski aber einen Probeeinsatz an: Am 22.04.1978 saß Ulli Potofski im Müngersdorfer Stadion und besprach seine Reportage von Köln gegen Stuttgart, die Partie endete 2:1 für Köln, auf ein mitgeführtes Band. Die Reportage lief nicht über den Sender. Brumme hörte das Band am Montag ab. „Am nächsten Samstag geht es in Mönchengladbach weiter“, beschied Brumme Potofski. „Wieder auf Band?“, fragte dieser zurück. „Nein, Sie gehören ab sofort zum Team“, verkündete Brumme Potofski die gute Nachricht.

Ulli-Potofski bei Hochstift Radio
Ulli-Potofski bei Hochstift Radio

Acht Jahre lang war Ulli Potofski für den WDR Sport im Hörfunk ab da – vornehmlich auf WDR 1 – im Einsatz (teils noch neben RTLplus): Bundesligaspiele, DFB-Pokal, Europapokalspiele und Länderspiele, manchmal bis zu drei Einsätze in einer Woche. Ab und zu kommentierte er auch Handball und Eishockey. Seine Reportagen liefen in der Zweitverwertung mitunter auch im Deutschlandfunk und auf der Deutschen Welle. „Dann hat es zum eigentlichen Honorar, das damals zwischen 600.- und 800.- DM pro Spiel lag, noch 50 % Extra gegeben, wenn man darin vorkam.“ – Von Brumme gab es immer wieder brauchbare Ratschläge: „So habe ich am Anfang wohl zehnmal in einer Reportage ,fulminant´ gesagt. Ich sollte das Wort dann groß auf einen Zettel schreiben und diesen vor mir bei der nächsten Reportage hinlegen, um das Wort zu vermeiden“, gibt Potofski ein Beispiel.      

Aufbauarbeit und „Anpfiff“ bei RTLplus 

1984 bekam Ulli Potofski eine Anfrage von Benno Weber, dem Moderator der mit „Sport und Musik“ konkurrierenden „RTL-Torparade“ (Radio Luxemburg), ob er nicht Lust habe, beim neuen Fernsehsender RTLplus die Sportabteilung aufzubauen. Sein erster Eindruck beim Besuch des neuen Privatsenders, der bisweilen in der Anfangszeit als „Garagenfernsehen aus Luxemburg“ bezeichnet wurde: „Alles war dort total unkompliziert, nur ein paar Dutzend Leute am Werk, das war für mich das Reizvolle“, erinnert sich Potofski an die Anfänge. Er blieb und wurde Leiter der Sportredaktion.

RTL plus 200RTL plus ging am 2.Januar 1984 auf Sendung und war anfangs nur im näheren Umkreis von Luxemburg (Lothringen, Ostbelgien, Saarland, Hunsrück, Eifel/Moseltal) per Hausantenne zu empfangen. Potofski hatte seinen Auftritt in der täglichen Nachrichtensendung „7 vor 7-Die Bilder des Tages“ um 18.53 Uhr im Sportteil (abwechselnd mit Björn Hergen Schimpf und Burkhard Weber), später wurde die Sendung in „RTL Aktuell“ umbenannt und kommt bis heute um 18.45 Uhr.

Die Nachrichten kamen aus einer Fabrikhalle in Bertrange (Bartringen). Zunächst wurden die Videos mit den geschnittenen Beiträgen noch in Luxemburg-Stadt produziert und nach Bertrange gefahren. Für die Beiträge hatte RTLplus als einziger kommerzieller Sender – zum Beispiel im Gegensatz zu Sat1, das 1985 an den regulären Sendestart ging – Zugriff zum Bildmaterial der European Broadcasting Union (EBU). Die Muttergesellschaft von RTL, die CLT, ist Gründungsmitglied der EBU (gegründet 1950).

„Das hatte den Vorteil, dass wir leicht an Eurovisions-Material kamen. Wir hatten somit Zugriff auf Olympische Spiele, Fußball-Weltmeisterschaften, Wimbledon-Tennis und Formel 1 etc.“, merkt Potofski an. Am Anfang habe man die Eurovisions-Ware auch billig bekommen, da die Einwohnerzahl von Luxemburg (350.000 Einwohner), zugrunde gelegt wurde und die EBU die Expansionsbestrebungen von RTLplus nicht auf dem Schirm hatte. ARD und ZDF mussten hingegen auf der Grundlage von 60 Millionen Einwohnern in der alten Bundesrepublik Senderechte erwerben.

Ulli Potofski (Bild: Privatarchiv Ulli Potofski)
Ulli Potofski (Bild: Privatarchiv Ulli Potofski)

Mit manchem Senderecht sei man nicht gerade professionell umgegangen: Als RTLplus ARD und ZDF die Lizenz für ein Tennisturnier in Chicago im Jahr 1987 wegschnappte, hatte man die Zeitumstellung zunächst nicht im Blick gehabt und sei viel zu spät auf Sendung gegangen, als sich Boris Becker und John McEnroe duellierten. „Wir mussten die Partie als Aufzeichnung zeigen. Die Zuschauer hatten aber keine andere Möglichkeit. Es gab noch kein Internet“, macht Potofski das Glück im Unglück aus.

RTL-Anpfiff (Bild: Privatarchiv Ulli Potofski)
RTL-Anpfiff (Bild: Privatarchiv Ulli Potofski)

Im Jahr 1988, inzwischen sendete RTLplus aus Köln, wollte man mit der Bundesliga-Show „Anpfiff“ der „Sportschau“ (ARD) am Samstagabend Konkurrenz machen. In Pressemeldungen war damals zu lesen, man wolle „die schönen Seiten des Fußballs“ zeigen. Bevor es so weit kam, Potofski war schon in der DFB-Zentrale in der Otto-Fleck-Schneise 6 in Frankfurt/Main, um die Fußballrechte in trockene Tücher zu bringen, vermittelte der von Potofski angerufene CLT-Generaldirektor Gust Grass kurzerhand eine vom DFB geforderte Bürgschaft bei einer Luxemburger Bank. Wegen der eingeschränkten technischen Reichweite durfte neben „Anpfiff“ auch die „Sportschau“ weiterhin am Samstagabend die Fußball- Bundesliga zeigen.

RTL-Anpfiff (Bild: Privatarchiv Ulli Potofski)
RTL-Anpfiff (Bild: Privatarchiv Ulli Potofski)

„Anpfiff“ sollte auch eine Unterhaltungssendung sein. Ulli Potofski zur Seite stand als Experte im Studio Welt- und Europameister Günter Netzer. „Uns ging es um eine ehrliche Präsentation. Dennoch: Wenn man eine Ware kauft, will man sie nicht beschädigen“, macht Potofski verständlich. „Es sollte aber keine reine Bildershow werden. Wir wollten den journalistischen Anspruch wahren. Das lag auch an Netzer, der keinen Klamauk wollte.“

Am Anfang wollte man offenbar zu viel: Die Sendung, die durch zahlreiche Werbeblöcke zur Refinanzierung unterbrochen wurde, dauerte zunächst geschlagene viereinhalb Stunden. Das war dem gewöhnlichen Fernsehkonsumenten viel zu lange, so dass die Sendung schließlich gekürzt wurde. Die Show mit (immer noch) ausführlichen Spielberichten und Netzers Expertisen lief bis Mai 1992. Dann wanderten die Fußball-Rechte zu Sat.1 und der Sendung „Ran“. 

Obwohl der Sport bei RTLplus, und dann bei RTL Television, immer einen hohen Stellenwert hatte und hat bis hin zur dort zuerst etablierten täglichen Berichterstattung in den Nachrichten, gilt auch folgendes: „Du kannst mit Fußball kein Geld verdienen. Das wird auf Dauer zu teuer. Wir galten im Sender als Anschieber (Anm.: von Zuschauerquoten), waren mit der Zeit aber nicht gut genug“, gibt Potofski zu bedenken. Mit „Anpfiff“ erreichte man bis zu 1,9 Millionen Fernsehzuschauer und überholte zeitweise die „Sportschau“ in der Zuschauergunst. Zudem änderte um die Zeit, Anfang der 90er, RTLplus seine Einkaufsstrategie und bot Neuzugängen wie Birgit Schrowange, Günther Jauch, Thomas Gottschalk etc. Millionen-Verträge an.

„Ich habe als Sportchef 10.000 DM im Monat verdient und kam nicht in den Genuss solcher Verträge“, stellt Ulli Potofski neidlos fest. Potofski kommentierte das Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft 1986 in Mexiko, Argentinien gewann 3:2 gegen die Bundesrepublik Deutschland, und war Moderator im Studio der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland 2006, dem „Sommermärchen“. 1988 berichtete er vor Ort von der Winterolympiade in Calgary/Kanada („Wintersport, eine Herausforderung für jemand wie mich, der aus dem Ruhrgebiet kommt.“)  und von den Olympischen Sommerspielen 1996 in Atlanta (USA). Im Mai 1992 löste Burkhard Weber Potofski als Sportchef ab. Potofski selbst moderierte noch bis 2006 im Sportteil von RTL Aktuell.

Was macht einen guten Sportjournalisten aus? „Spontaneität, Seriosität, gutes Fachwissen, in der Materie zuhause sein“, beantwortet Potofski diese Fragen nicht ohne anzumerken, dass es im Radio nicht zu erlernen, sondern eine Gabe sei, anschaulich und bildreich zu formulieren. An Sportarten interessiere ihn von Vierschanzentournee über Galopprennen bis Tennis alles. Seine Heimat brächte es mit sich, dass seine Lieblingssportart Fußball und sein Lieblingsverein Schalke 04 sei.

Erlebnisse beim Sportberichten

Selbstredend hat der dienstälteste Sportjournalist hierzulande viel erlebt: Im letzten „Anpfiff“-Jahr, in der Bundesligasaison 1991/92, berichtete man bei RTLplus aus Kostengründen nur noch live von den Flutlicht-Spielen am Freitagabend. Bei St. Pauli – Bayern München am Millerntor in Hamburg handelte es sich um ein solches. Ulli Potofski wollte aus Köln dorthin fliegen. Sein Flug wurde gestrichen. Er musste sich wohl oder übel in die Bahn setzen, während Günter Netzer, der in Hamburg geblieben war, auf ihn wartete. Senderseits kam man auf die Idee, ihm, für den Fall, dass Potofski nicht rechtzeitig ankommt, Barbara Eligmann („Explosiv“), eine Hamburgerin, dazuzugesellen, und ihr die Bühne für die seinerzeitig erste Fußball-Reportage einer Frau zu überlassen. Sie war dann auch im Stadion dabei. Potofski kam aber gerade noch rechtzeitig mit dem Zug am Hauptbahnhof Hamburg an, wurde von der Polizei, die Blaulicht einschaltete, abgeholt, zum Millerntor gebracht und vor dem Stadion abgesetzt. Potofski kletterte eine Notausgangleiter hoch und gelangte somit um 19:27 Uhr auf seinen Reporterplatz. Um 19:30 Uhr begann das Spiel, mit Netzer und Potofski am Mikrofon und vor der Kamera. Eligmann kam nicht zum Einsatz…

1989 befand sich Ulli Potofski für RTLplus beim Tennisturnier in Wimbledon. Es regnete während einer ganzen Woche. Die Spielfelder waren damals noch nicht überdacht. Auf einem dieser Spielfelder stimmte der Sänger Cliff Richard mit dem auf das Ende des Regens wartenden Publikum „I´m singing in the rain“ an. Das fingen die Kameras ein: „Ich musste Zeit überbrücken, da kein Tennis gespielt wurde, und bat Cliff Richard daher ins Studio zu kommen. Ich habe dann mit ihm über alles Mögliche gesprochen außer Tennis.“

1989 war es auch, als Boris Becker und Steffi Graf wegen des infolge des Regens dichtgedrängten Terminkalenders am gleichen Tag Wimbledonsieger wurden. Beim anschließenden Gala-Dinner war Potofski dabei. Zu vorgerückter Stunde hatte er eine Wette am Laufen, ob er mutig genug sei, Lady Di zum Tanz aufzufordern. Er bewegte sich auf Lady Di zu, statt ihr hatte er bald drei Sicherheitsbeamte um sich stehen. Diesem Tanz ging Potofski dann lieber aus dem Weg.

Ulli Potofski (r.) mit dem Interview-Partner Norbert Blüm, CDU(Bild: © privat)
Ulli Potofski (r.) mit dem Interview-Partner Norbert Blüm, CDU(Bild: © privat)

Ein sentimentales Erlebnis ist sicher das, was Potofski am 29.05.1985 vor dem Finale des Europapokals der Landesmeister (heute: Champions League) zwischen dem FC Liverpool und Juventus Turin im Heysel-Stadion in Brüssel miterleben musste. Als Anhänger Liverpools in den neutralen Sektor des Stadions stürmten, brach Panik aus und eine Wand stürzte ein. 39 Menschen starben. „Ich habe gesehen, dass an einer Stelle des Stadions Menschen in einer merkwürdigen Position lagen. Ich brauchte eine Zeit , um zu realisieren, dass diese Menschen tot sind. Wir bei RTLplus haben diskutiert, ob wir das Spiel noch senden sollten. Wir entschieden uns fürs Draufbleiben.“ Das ZDF (Anm.: RTLplus hatte die Rechte über die EBU für Luxemburg, es gab noch kein Pokern um Rechte zu dieser Zeit) entschied sich hingegen dafür, die Spielübertragung abzubrechen. Potofski weiter: „An Fußball war nicht mehr zu denken. Uninteressant, dass Juventus Turin 1:0 gewann. Auf der Rückfahrt von Brüssel nach Luxemburg dachte ich sogar daran, nie wieder ein Fußballstadion zu betreten.“

Bei WDR 1 bekam Potofski den Skandal um Toby Charles hautnah mit, der im November 1984 durch den „Spiegel“ aufgedeckt wurde. Gegen 17.45 Uhr telefonierte Kurt Brumme in „Sport und Musik – Tore, Punkte, Meisterschaft“ immer mit dem Journalisten Toby Charles, der mit britischen Akzent Auskunft über die Premier League in Großbritannien gab. Was nicht bekannt war: Dieser befand sich aber nicht in London, sondern in einem benachbarten Kölner Studio. Als Folge des Skandals mussten die Telefonate mit Charles eingestellt werden. Brumme wurde für eine Sendung suspendiert , durfte dann aber bis zu seinem Renteneintritt im Jahr 1988 weitermachen. Brumme damals zur Eulenspiegelei mit Toby Charles: „Ich habe nie behauptet, dass Toby in London sitzt. Informativ und lustig war´s auf jeden Fall.“

Showmaster für kurze Zeit und Buchautor

Im Jahr 1993 war Ulli Potofski für gut 15 Folgen Showmaster des Reisequiz „Ein Tag wie kein anderer“ von RTLplus. Als solches war es eine TV-Adaption der gleichnamigen Radio Luxemburg-Sendung mit Jochen Pützenbacher. Diese ging wiederum auf die Radiosendung von RTL France „Un jour pas comme les autres“ mit Patrick Sabatier zurück. Diese beinhaltete aber den Empfang einer Hörerin oder eines Hörers in einer französischen Gemeinde. „Es war nicht leicht, die Nachfolge von Björn Hergen Schimpf, der damals eine Samstagabendshow bei der ARD bekam, anzutreten. Ich habe auch keinen Cent mehr zu meinem Gehalt bekommen. Es ging in den Sendungen immer um ein Reiseziel wie dem Jemen oder die Dominikanische Republik. Ein Fehler war es, dass die Redaktion immer exotischere Reiseziele vorschlug und durchsetzte“, fügt Potofski hinzu. Seiner Ansicht nach hätte man auch mehrmals Mallorca bringen können. 4-5 Millionen Zuschauer schauten regelmäßig zu.

Im Jahr 2004 erschien das erste Kinderbuch der Locke-Serie von Ulli Potofski „Locke bleibt am Ball“. Mit „Locke“ sei er selbst gemeint. Das Kinderbuch habe durchaus auch biografische Züge. „Ich kann gut Kinder unterhalten.“, so Potofski. 25 000 Exemplare geben ihm recht. Jetzt seien aber schon 2000 verkaufte Exemplare der neueren Locke-Bücher gut.

(Bild: © Privatarchiv Ulli Potofski)
(Bild: © Privatarchiv Ulli Potofski)

Dass Kinder und Jugendliche immer weniger läsen, bereite ihm Sorgen. Er sei nicht generell gegen Computer in der Hand von Kindern, die man nicht verbieten sollte, aber „nichts ersetzt ein Buch“. Im Jahr 2022 schrieb Potofski zusammen mit Hans-Jürgen van der Gieth das Jugendbuch „Mut-Ich“. Es geht darin darum , dass man nicht jeden Trend mitmachen sollte.

Für Erwachsene hat Potofski im Jahr 2020 das Buch mit Wolfgang Bosbach „52 – ein Jahrgang zwei Leben“ geschrieben, das die Herkunft aus verschiedenen Milieus behandelt, dem konservativen und gut-bürgerlichen Milieu (Bosbach) und dem sozialdemokratisch geprägten Bergarbeitermilieu (Potofski).

Ulli Potofski-Buch: Wie ich (fast) zum Welt-Star wurde….: Anekdoten Erinnerungen Begegnungen“

Sein neuestes Buch erschien im März 2023 und handelt von Begegnungen mit Prominenten: „Wie ich (fast) zum Welt-Star wurde….: Anekdoten Erinnerungen Begegnungen“. Wenn man bedenkt, dass er in Israel ständig erkannt wurde, Satelliten- TV macht´s möglich…

Wo ist Ulli Potofski heute im Einsatz?

Wenn man nicht gerade ein Buch von Ulli Potofski in der Hand hält oder seinen Kindern vorliest, kann man ihm beim Pay-TV-Sender „Sky“ sehen, wenn er nach einem Bundesligaspiel die Hauptakteure der Partie interviewt. In dessen Diensten steht Potofski seit 2006, genau genommen seit 2009, vorher hieß „Sky“ noch „Premiere“, er gehört zu den Urgesteinen des Senders und förderte dort die Moderatorin Esther Sedlaczek, die heute die „Sportschau“ moderiert. Am Montagabend hört man ihn alle 14 Tage von 18-20 Uhr als Sport-Experte in der Sendung „Extra- Time“ auf Brillux Radio.

Selbstredend bedauert er das Aus für„ Sportradio Deutschland“, wo er nunmehr für kurze Zeit ab Februar 2022 die Frühsendung moderierte. Radio und Fernsehen zu machen ist ihm gleich lieb: Fernsehen sei nicht so kompliziert, wie es oft im Vergleich dargestellt werde. Wenn „eigenverantwortlich machen“ gemeint sei, dann Radio.

Ulli Potofski (Bild: SPORTRADIO DEUTSCHLAND)
Ulli Potofski (Bild: SPORTRADIO DEUTSCHLAND)

Gefragt nach einem Sender, den er selbst gestalten könnte, meint Potofski: „Es wäre ein moderner Sender mit Radio Luxemburg-Zügen. Dort liefen die Rolling Stones nach Heino. Aber Radio Luxemburg selbst wäre nicht zu retten gewesen.“ Außerdem betreibe er noch ein tägliches Podcast-Projekt namens „Herz-Seele-Ball“.  

Hobbys, Seh- und Hörgewohnheiten 

Als Hobbys gibt Ulli Potofski das Lesen von Sachbüchern und Romanen an. Außerdem wette er gerne auf Pferde bei Galopprennen meistens in NRW, z.B. in Düsseldorf, Dortmund und Köln, seltener in Baden-Baden. Aber immer nur geringe dreistellige Beträge. Manchmal gewinne er, er verlöre aber öfter: „Im Jahr habe ich durch meine Wetteinsätze ein Minus von ca. 500 Euro.“, hält Potofski den Verlust für verschmerzbar.

Radio höre er nur noch im Auto: „WDR 2 ist hier der Sender, außerdem WDR 4. Auch Brillux Radio und bis vor kurzem Sportradio Deutschland auf DAB+.“

Im Fernsehen Sportsendungen („Aber längst nicht mehr so viel wie früher“). Außerdem Dokumentationen und aktuelle Sendungen bei den Öffentlich-Rechtlichen. „So gut wie gar nicht mehr RTL“, entfährt es ihm. 1989 erhielt Potofski einen Bambi und 2002 wurde er zum „Brillenträger des Jahres“ gekürt.