Achim Bogdahn: Hauptsache da ist Melodie drin!

Veröffentlicht am 01. Okt. 2018 von unter Deutschland

Bayern 2 LogoGibt es Schöneres für einen Radiomacher als die privaten Hobbys in seinen Sendungen ausleben zu dürfen? Achim Bogdahn von Bayern 2 darf das, er liebt Musik und Fußball – und ein guter Teil seiner von ihm gestalteten Sendungen dreht sich eben um diese Leidenschaften. Seit 1991 arbeitet Bogdahn beim Bayerischen Rundfunk und ist Moderator mehrerer Sendungen. Einer der Auslöser dafür ist ein Praktikum beim „Zündfunk“ auf Bayern 2. Zuvor hat er Evangelische Theologie studiert. Statt Pfarramtsprüfung entscheidet er sich für den Journalismus. Inzwischen moderiert Achim Bogdahn auch lange Gesprächssendungen, wie zum Beispiel „Eins zu Eins. Der Talk“ und „Das Tagesgespräch“. Für den gebürtigen Erlanger spielt außerdem Musik eine wichtige Rolle. Er legt regelmäßig auf Veranstaltungen als DJ auf und spielt Gitarre. In den 90ern hat er mit dem Duo „Isar12“ eine Platte veröffentlicht. Die Musik kombiniert er erfolgreich mit dem Beruf. Nicht nur im „Nachtmix“, sondern auch beim „Heimatsound Festival“ ist er als Musikjournalist und Moderator dabei.

Achim Bogdahn moderiert das Heimatsound-Festival (Bild: BR/Markus Konvalin)

Achim Bogdahn moderiert das Heimatsound-Festival (Bild: BR/Markus Konvalin)

Seine Liebe zum TSV 1860 München ist legendär und aus seinem Spitznamen ist inzwischen ein eingetragener Künstlername geworden: Achim „Sechzig“ Bogdahn jubelt und leidet mit seinem Verein. Wenn die Löwen absteigen, bezeichnet er das als „ganz schlimmen Liebeskummer“ – wenn es gut läuft, ist er überglücklich wie in der vergangenen Saison.

Einen hohen Bekanntheitsgrad – auch über die Sendergrenzen des BR hinweg – hat Bogdahns Show „Mehmets Schollplatten“ zusammen mit Ex-Bayern-Spieler Mehmet Scholl. Ein Fußballtalk der besonderen Art: witzig, fachkundig, eigenwillig, lebendig.

RADIOSZENE sprach mit Achim Bogdahn über seine Karriere und die (fast) schon bedingungslose Liebe zum TSV 1860 München.   


RADIOSZENE: Herr Bogdahn, statt studierter Evangelischer Theologe und Pfarramtsanwärter sind Sie beim Radio gelandet. Wie kam‘s?

Achim Bogdahn: Ich hatte schon immer ein Faible für Medien und fürs Schreiben. Und während eines Praktikums beim Bayerischen Rundfunk bin ich gleich hängengeblieben. Das Studium hab‘ ich übrigens trotzdem abgeschlossen. Jetzt predige ich zwar nicht, aber spreche trotzdem zu den Leuten – übers Radio.

Achim Bogdan Achim Bogdahn im 60er-Dress (Bild: BR)

Achim Bogdan Achim Bogdahn im 60er-Dress (Bild: BR)

RADIOSZENE: Bei Bayern 2 dürfen Sie auch ihre privaten Leidenschaften Musik und Fußball ausleben. Da müssen Sie eigentlich ein sehr zufriedener Mensch sein…

Achim Bogdahn: Es ist ein Traum! Wirklich. Ich liebe diesen Beruf, etwas Besseres hätte mir nicht passieren können.

RADIOSZENE: Welche Sendungen moderieren Sie bei Bayern 2? Sie sind für den Sender ja auf zahlreichen Ebenen aktiv, stehen auch bei Veranstaltungen oft auf der Bühne…

Achim Bogdahn: Regelmäßig moderiere ich den „Zündfunk“, „Eins zu Eins. Der Talk“, das „Tagesgespräch“ und „Mehmets Schollplatten“ – alles Sendungen auf Bayern 2. Dazu kommen aber immer wieder noch andere Projekte. Ach ja, und mit dem Ü-Wagen fahre ich regelmäßig raus und sende aus bayerischen Städten. Das ist vielleicht das Allerbeste an meiner Arbeit, dass ich schon so viel rumgekommen bin in Bayern.

Achim Bogdahn im Tagesgespräch Studio (Bild: BR/Natasha Heuse)

Achim Bogdahn im Tagesgespräch Studio (Bild: BR/Natasha Heuse)

RADIOSZENE: Suchen Sie die Musik für Ihre „Zündfunk“-Sendungen selbst aus? Wie viel Gestaltungsfreiheit lässt Ihnen hier die Redaktion?

Achim Bogdahn: Na klar, ich wähle die Musik selber aus. Beziehungsweise eigentlich nicht klar, denn in vielen Radiosendern wird die Musik heutzutage von Algorithmen und Computerprogrammen bestimmt. Ich darf glücklicherweise die Musik frei auswählen.

RADIOSZENE: Setzen Sie in Ihren Sendungen besondere Musikschwerpunkte?

Achim Bogdahn: Meine Philosophie ist: Alles ist möglich. Das habe ich von der Radiolegende John Peel von der BBC in London gelernt. Vom unbekannten Cumbia-Song aus Peru aus den 70er Jahren über Indie-Pop aus Schweden und Hip Hop aus Bayern wird man bei mir alles finden. Hauptsache da ist Melodie drin. Die meisten Sachen, die ich spiele, sind aber von heute.

Achim Bogdahn moderiert die Live Sendung Zündfunk (Bild: Stadtwerke/BR)

Achim Bogdahn moderiert die Live Sendung Zündfunk (Bild: Stadtwerke/BR)

RADIOSZENE: Die Musik in ihren Sendungen kommt fast ausschließlich von Indie-Labels. Wie kreativ ist die derzeitige Szene? Liefert sie noch genügend Nachschub an neuer Musik und Talenten?

Achim Bogdahn: Ich behaupte, es gab noch nie so viel Musik und Talente wie heute. Übers Netz kann man grenzenlos stöbern, es ist fast erdrückend, wie viele Bands und Künstler es gibt, man kommt kaum hinterher. Jeder kann heute über YouTube, Soundcloud und Tausend andere Seiten schnell sein eigener Popstar werden.

RADIOSZENE: Bekannt geworden sind Sie über die Grenzen der BR hinaus durch Ihre gemeinsame Sendung mit Mehmet Scholl. In „Mehmets Schollplatten“ besprechen Sie, als bekennender Fan vom TSV 1860 München, mit dem ehemaligen FC Bayern München-Starkicker das Fußballgeschehen und spielen Ihrer beiden Lieblingsmusik. Sind da nicht weltanschauliche Dispute in Sachen Fußball und Musik vorprogrammiert?

Achim Bogdahn: Nö. Überhaupt nicht. Mehmet ist ja zum Glück nicht mehr aktiv beim FC Bayern. Tatsächlich habe ich ihn letzte Saison zu einem Regionalliga Spiel von 1860 gegen Garching ins ausverkaufte Grünwalder Stadion mitgenommen und das hat ihm richtig gut gefallen. Musikalisch sind wir uns sowieso einig.

 

„Ich behaupte, es gab noch nie so viel Musik und Talente wie heute“

 

RADIOSZENE: Welche musikalischen Vorlieben pflegt Mehmet Scholl? Als Mitinhaber eines Musiklabels müsste er sich bei der Musik zumindest genau so gut auskennen wie mit dem Fußball?

Achim Bogdahn: Seine Baustelle sind Bands wie The Hidden Cameras oder die frühen Arcade Fire oder The War On Drugs, also Indie-Musik aus Nordamerika mit viel Melodie und viel Gefühl. Bei seinem Plattenlabel Millaphon Records geht es in eine etwas andere Richtung, weil da eigentlich nur regionale bayerische Bands rauskommen. Aber Mehmet ist ein offener Typ.

RADIOSZENE: Wie sind Sie eigentlich 60er geworden? Als gebürtiger Erlanger hätten wir Sie eigentlich eher im Lager der Clubberer erwartet… Wieviel Energie und Nerven kostet die Liebe zu den 60ern?

Achim Bogdahn: Irgendwie hat es früh gefunkt mit mir und den Löwen. Das schöne Blau der Trikots, der großartige Löwe, das unvergleichliche Grünwalder Stadion. Der Rest waren Spiele, die einen an den Rand des Nervenzusammenbruchs gebracht haben oder legendäre Auswärtsfahrten wie nach Leeds in England oder nach Pipinsried. Sechzig ist einfach der unglaublichste Club der Welt und die Fans sind irgendwie bekloppt. So muss das sein.

Mehmet Scholl und Achim Bogdahn (Bild: BR/Denis Pernath)

Mehmet Scholl und Achim Bogdahn (Bild: BR/Denis Pernath)

RADIOSZENE: In „Mehmets Schollplatten“ wird Fußballsachverstand auf unterschiedlichen Ebenen ausgetauscht – mal mit der Vermittlung ernsthaften Musikwissens, mal launig oder provokativ. Aber immer auf hohem Niveau. Gibt es Hoffnung für eine höhere Ausstrahlungsfrequenz oder sogar auf eine adäquate Sendung im Fernsehen? Seit Delling vs. Netzer beziehungsweise Mehmet Scholl fehlt solch ein Format im TV…

Achim Bogdahn: Wir sind für alles offen. Fragen Sie einfach den Trainer.

RADIOSZENE: Eine eher intime Frage dürfen wir Ihnen nicht ersparen: können Sie uns Auskunft über die aktuellen Mehrheitsverhältnisse der Fanlager von FC Bayern und 1860 München am Münchner Rundfunkplatz geben? BAYERN 3 so hört man sei ja eher in Hand der „Roten“…

Achim Bogdahn: Blödsinn. Der BR ist blau. Da muss man nur das Logo anschauen.

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