Ein-Mann-Radiostation freut sich über 35.000 Hörer

Veröffentlicht am 02. Nov. 2016 von unter RadioFuture

James Cridland's Radio Futrure

Mit neuen Technologien wie Onlinediensten, HD Radio und DAB war es noch nie so einfach, neue Radiostationen zu starten. Eine Radiostation ist relativ schnell und einfach zu starten – und Fortschritte in Playout-Technologie sorgen dafür, dass fast jeder rund um die Uhr einen Radiosender betreiben kann.

Radio Dead UKAnfang dieses Jahres startete der britische Radiomoderator und Unternehmer Steve Penk “Radio Dead“, möglicherweise das seltsamste Radioformat, das Sie wahrscheinlich kennen. Alles ist erlaubt in dieser Station, solange es von toten Künstlern stammt. Die Playlist ist nicht tot: Sie wird ständig aktualisiert und enthält derzeit David Bowie, George Martin, Glenn Frey, Paul Kantner’s Jefferson Airplane und Earth Wind and Fire (obwohl “nur” Mitgründer Maurice White nicht mehr unter den Lebenden weilt), um nur einige aus 2016 zu nennen.

Penk nennt es eine “fröhliche” Radiostation, die eine einzigartige Sammlung von Künstlern ehrt und präsentiert. Wie der Claim sagt: “Mögen Sie fort sein, aber ihre Musik lebt weiter”.

Wie ich schon beim Start angemerkt habe, hat die Station keine Live-Moderatoren. Ich dachte damals, das sei eine sehr zweideutige Schlussbemerkung – und ich bin immer noch dieser Ansicht.

Radio Dead” könnte ein Nischenformat sein, aber Countrymusik ist das ganz sicher nicht. Country-Musik ist zwar das beliebteste Musikgenre in weiten Teilen der USA, aber verhallt fast ungehört in Großbritannien.

Als Chris Stevens nach einem kurzen Arbeitsaufenthalt in Dallas nach Großbritannien zurückkehrte, vermisste er Eines mehr als alles andere – Country-Musik, an die er sich in Amiland gewöhnt hatte. Aber das Vereinigte Königreich hatte nur eine zweistündige Show mit Country-Musik auf einem Radiosender zu bieten – und das wars dann auch. Es gab nicht eine einzige Country-Station in Großbritannien. Also gründete er eine.

Chris Country UK

Im Jahr 2012 brachte er “Chris Country” online – und Anfang dieses Jahres wurde die Station in Teilen des Landes via DAB Digital Radio verfügbar.

Seit März ist sie im Großraum London zu hören, und die ersten offiziellen RAJAR-Hörerzahlen sind soeben mit den Angaben zu “Chris Country” erschienen. Diese Zahlen zeigen, dass in London jede Woche 35.000 Hörer die Musik von Chris Country einschalten und jeder im Durchschnitt 8,2 Stunden pro Woche zuhört. Für eine rein digitale Station ist 8.2 ein sehr hoher Wert: Die beliebteste Digitalstation Kisstory erreicht wöchentlich nur 5,5 Stunden. Die Zahlen umfassen keine anderen Empfangsgebiete, in denen “Chris Country” verfügbar ist, weder die Grafschaft Suffolk noch eine Reihe kleinerer Versuchsmultiplexe in Manchester, Portsmouth und Cambridge. Auch landesweit verfügbare Apps bleiben unberücksichtigt.

Chris Country UK - Maddie and Tae

Chris Country UK: Maddie and Tae (Foto: Chris Country/Country Broadcasting Ltd.)

Inzwischen glänzt die Station mit einer Reihe von Moderatoren und Syndication-Shows. In einer Pressemitteilung haben die US-Country-Sänger Maddie und Tae (Foto), die gerade eine Tour durch das Vereinigte Königreich absolviert haben, verkündet: “Es ist großartig, Fans zu sehen, die die Country-Szene in Großbritannien genießen. Herzlichste Glückwünsche an Chris Country zu ihren Hörererzahlen – was für ein Glück haben Fans, die Country-Musik in den Staaten lieben – es ist so aufregend, dass auch London Country-Musik mag. Glückwünsche an Chris und sein Team!”

“Radio Dead” könnte eine totsichere Idee sein; aber der Erfolg von “Chris Country” zeigt:
Die Zukunft des Radios könnte so einfach sein,wenn nur Leute mit echter Leidenschaft dahinter stünden!

 

james-cridlandDer “Radio-Futurologe” James Cridland beschäftigt sich mit neuen Plattformen und Technologien und ihre Wirkung auf die weltweite Radiobranche. Er spricht auf Radio-Kongressen über die Zukunft des Radios, schreibt regelmäßig für Fachmagazine und berät eine Vielzahl von Radiosendern immer mit dem Ziel, dass Radio auch in Zukunft noch relevant bleibt. Sein wöchentlicher Newsletter (in Englisch) beinhaltet wertvolle Links, News und Meinungen für Radiomacher und kann hier kostenlos bestellt werden: james.cridland.net.

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