„Radio ist nicht die erste Anlaufstation für junge Kreative“

Veröffentlicht am 24. Okt. 2015 von unter Standpunkte

(Titelbild oben: Radiogipfel am 22. Oktober 2015 mit (von links) Hans-Dieter Hillmoth, Martin Liss, Robert Skuppin, Inge Seibel, Carsten Schüerhoff, Julia Schutz und Andreas-Peter Weber | Medientage München 2015)

Inge Seibel über den „Radiogipfel“, den sie am Donnerstag bei den Medientagen München 2015 moderiert hat.

Vor dem Radiogipfel mit Marcel Tuljus (BLM), Julia Schutz (Antenne Thüringen), Carsten Schüerhoff (Bauer Media Group)

Vor dem Radiogipfel mit Marcel Tuljus (BLM), Julia Schutz (Antenne Thüringen), Carsten Schüerhoff (Bauer Media Group)

Da habe ich ja eine taffe Nach-Nach-Nachfolgerin als Programmchefin von Antenne Thüringen: Julia Schutz nahm beim Radiogipfel am Donnerstag auf den Medientagen München kein Blatt vor den Mund, wenn es um die Innovationsbereitschaft im privaten Hörfunk geht: „Radio bewegt sich nur, wenn es nicht mehr anders geht.“ Sie sehe daher „wenig Innovationskultur“ im privaten Radio, vor allem, weil „Innovation nun mal Geld kostet“. Daher werde immer nur gerade so viel investiert, „um mithalten zu können, aber nicht, um etwas selbst nach vorne zu bringen“.

Ein Grund, warum Martin Liss, Chief Program Officer Mediakraft Networks, nach vielen Jahren beim Radio dem Hörfunk den Rücken kehrte: „Wenn Innovation im Radio nicht von oben gewollt ist, findet sie nicht statt.“ Aus seiner Sicht sei das Nachwuchsproblem des Radios deshalb hausgemacht: „Radio ist nicht die erste Anlaufstation für junge Kreative.“ [Auszug aus dem Fazit Radiogipfel, veröffentlicht von Medientage München 2015 am 22. Oktober 2015.]

Carsten Schüerhoff (Bauer Media Group) und Julia Schutz (Antenne Thüringen) beim Radiogipfel | Bild: Medientage München 2015

Carsten Schüerhoff (Bauer Media Group) und Julia Schutz (Antenne Thüringen) beim Radiogipfel | Bild: Medientage München 2015

Neu im Kreise „altgedienter Hörfunker“ war bei diesem Radio Gipfel Carsten Schüerhoff von der Bauer Media Group. Was viele – zumindest in der deutschen Radiobranche – immer noch nicht wissen: Bauer ist nach eigenen Angaben inzwischen „mit 23,6 Millionen Hörern täglich größtes Radiohaus Europas“: In Polen kommen die Stationen des Hamburger Großverlags auf einen Marktanteil von 30 Prozent. Besonders stolz sind die Bauers darauf, dass sie in Großbritannien „zweitstärkster Anbieter“ überhaupt – und in London sogar die „Nummer 1“ sind. Weitere nennenswerten Radiobeteiligungen hat die Bauer Media Group in der Slowakei sowie in skandinavischen Ländern. Nur in Deutschland fällt die Radiobilanz noch dürftig aus: Bislang ist Bauer lediglich mit rund 25 Prozent an Radio Hamburg beteiligt.

Bild: Screenshot BRAVO Radio

Bild: Screenshot BRAVO Radio

Das soll sich nun ändern. Zeitgleich zum „Radiogipfel“ hat Bauer das BRAVO Radio ins Netz gestellt – oder besser stellen lassen. Das Handling der vier Webradiokanäle wurde den Betreibern der Online-Plattform I Love Radio übertragen. Geboten werden neben den „Bravo Charts“ jeweils ein Party und Love-Song-Kanal sowie YouTube-Stars, die inzwischen auch in der gedruckten BRAVO die dominierende Rolle spielen. Ob das BRAVO Radio zu einer „Innovation“ auf dem deutschen Hörfunkmarkt wird, könnten wir im kommenden Jahr beim – vielleicht – nächsten Radiogipfel auf den Medientagen München 2016 erfahren.

Dieser Artikel von Inge Seibel wurde hier zuerst veröffentlicht.

 

(Titelbild oben: Radiogipfel am 22. Oktober 2015 mit (von links) Hans-Dieter Hillmoth, Martin Liss, Robert Skuppin, Inge Seibel, Carsten Schüerhoff, Julia Schutz und Andreas-Peter Weber | Medientage München 2015)

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