Radioplayer Deutschland startet im November

Veröffentlicht am 03. Nov. 2014 von unter Deutschland

Screenshot radioplayer.deDie deutsche Radiolandschaft steht vor der Geburt eines neuen Kindes: Noch im November soll der Radioplayer Deutschland an den Start gehen, der die Webradios aller beteiligten Sender auf einer Plattform vereinigt – vom Lokalradio bis hin zu landesweiten Programmen. Vorbild ist der Radioplayer UK in Großbritannien, der seit drei Jahren erfolgreich alle britischen Privatsender und die Programme der BBC bündelt.

Bei den Medientagen München stellte Hans-Dieter Hillmoth, neben seiner Funktion als FFH-Geschäftsführer und -Programmdirektor auch Geschäftsführer der Radioplayer Deutschland GmbH, das Konzept vor. Im Interview mit RADIOSZENE spricht er über die Idee dahinter und die Pläne.

Hans-Dieter Hillmoth, Geschäftsführer der Radioplayer Deutschland GmbH, im Interview mit RADIOSZENE (Foto: Björn Czieslik)

Hans-Dieter Hillmoth, Geschäftsführer der Radioplayer Deutschland GmbH, im Interview mit RADIOSZENE (Foto: Björn Czieslik)


Selbermachen statt nur Zuschauen

“Wir Radiosender haben bisher gepennt! Andere machen mit unseren Inhalten Geld”, so fasst Hans-Dieter Hillmoth in seiner Präsentation bei den Medientagen München das Dilemma zusammen. An Aggregatoren, die auf einer Seite oder in einer App die Webradios verschiedener Anbieter zusammenfassen, mangelt es nicht. Aus Deutschland kommen zum Beispiel radio.de oder phonostar, international ist z.B. TuneIn aktiv. Doch von den Werbeinnahmen bekommen die Sender nichts und haben auch kaum Einfluss darauf, wie ihre Programme dort präsentiert werden.

Alle in einem Boot für die Stärkung des Radios

Folglich kam die Idee, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen. Auch die Übernahme eines bestehenden Aggregators stand im Raum, berichtet Hillmoth, letztlich entschieden sich die Radiomacher aber für eine Plattform nach den Vorbild des britischen Radioplayers. 17 Gesellschafter hat die Radioplayer Deutschland GmbH inzwischen – von den Lokalsendern in Bayern und NRW über Regiocast und bigFM bis hin zu großen landesweiten Sendern wie FFH und Antenne Bayern (komplette Liste hier). 90 % der deutschen Privatradios sind damit abgedeckt, die sich verpflichtet haben, mehrere Jahre dabei zu sein.

Das Projekt soll aber keine Exklusiv-Veranstaltung der Privatradios sein, auch die ARD ist eingeladen, mitzumachen und zeigt sich in den Gesprächen laut Hillmoth “sehr interessiert”. “Ansonsten argumentieren wir ja auch gerne mal gegeneinander”, räumt Hillmoth ein, jedoch gehe es beim Radioplayer “um die Stärkung des Radios in Deutschland. Das ist ein Ziel, wo alle gemeinsame Sache machen sollten”.

Wer als Sender beim Radioplayer teilnehmen möchte, muss die Lizenz einer Landesmedienanstalt haben oder einer ARD-Anstalt angehören und zudem in der MA ausgewiesen werden. Für den Betrieb der Plattform zahlen die Sendern abhängig von ihrer Reichweite. Es geht jedoch nicht darum, so Hans-Dieter Hillmoth, “Profit zu machen, sondern alle gemeinsam etwas entstehen zu lassen.”

Mehr Platz für Inhalte

Was das Layout des deutschen Radioplayers angeht, halten sich die Macher noch etwas bedeckt. Die Screenshots, die Hans-Dieter bei seiner Präsentation in München gezeigt hat, waren dort an der Wand und dann wieder weg. Zur Veröffentlichung wurden sie leider noch nicht freigegeben. Im Vergleich zum britischen Radioplayer soll die deutsche Variante aber breiter sein und mehr Platz für Inhalte wie Texte oder Fotos haben: Auch Podcasts oder Videos können die Sender einbinden. “Man kann sich viel mehr austoben als Radiomacher, jeder ist frei, den Content einzustellen, den er möchte”, erklärt Hans-Dieter Hillmoth und betont, dass Radioplayer “eine rein technische Plattform” sei, “für den Content sind allein die einzelnen Radiosender zuständig”.

Hans-Dieter Hillmoth gibt erste Einblicke in das Layout des deutschen Radioplayers. (Foto: Medientage München)

Hans-Dieter Hillmoth gibt erste Einblicke in das Layout des deutschen Radioplayers. (Foto: Medientage München)

Die beteiligten Radiosender haben sich dazu verpflichtet, den Radioplayer als Standardplayer in ihre Webseiten einzubinden. Zudem gibt es die zentrale Seite radioplayer.de. Bei den ersten Planungen mussten die Projekt-Initiatoren feststellen, dass diese Domain bereits vergeben war. Glück im Unglück: Besitzer war einer der beteiligten Sender, der sie für das Gemeinschaftsprojekt rausrückte. Außerdem wird es Apps für Smartphones und Tablets geben, um den Radioplayer auch unterwegs zu nutzen.

Den Ball flach halten

Hans-Dieter Hillmoth geht davon aus, dass der Radioplayer Deutschland im Laufe des Novembers mit den ersten Programmen starten kann, dann ist es Sache der Sender, ihre Webradios und Inhalte in das System einzubauen. Spätestens im Januar oder Februar 2015 sollen alle dabei sein, hofft Hillmoth und will bis dahin “den Ball flach halten”, was Werbung und Promotion betrifft. Jedoch hat sich jeder Sender verpflichtet, Radioplayer.de in seinem Programm zu bewerben, wenn das System läuft.

Mit Mehrwert zum Erfolg

Es ist lobenswert, dass die deutschen Radiosender mit dem Radioplayer ein gemeinsames Projekt anstoßen, schließlich ist die Radiolandschaft in Deutschland aufgrund der föderalen Struktur regional geprägt. So wie bei der Radiozentrale, die Gattungsmarketing fürs Radio betreibt, beim Deutschen Radiopreis oder der gemeinsamen Digitalradio-Initiative arbeiten für ein gemeinsames Ziel nun systemübergreifend Sender miteinander zusammen, die in ihren Märkten als Konkurrenten auftreten.

Die Herausforderung besteht nun darin, auch die Hörer davon zu überzeugen, künftig den Radioplayer, statt Radio.de, Photostar oder TuneIn zu nutzen. Schließlich ist der Markt schon aufgeteilt. Dabei haben die Sender den Vorteil, dass sie Website und Radioplayer-Apps aktiv in ihren Programmen bewerben können – ein Trumpf, den die Konkurrenz nicht hat. Zudem müssen sie durch Zusatzangebote wie Texte oder Bilder einen Mehrwert schaffen, den die Webradio-Hörer woanders nicht bekommen. Nicht unerheblich für den Erfolg wird auch sein, ob die ARD-Radios künftig dabei sind. Denn nur dann wäre das Ziel verwirklicht, eine Plattform für alle deutschen Radios zu haben.

Komplettes Interview mit Hans-Dieter Hillmoth zum Nachhören:

Weiterführende Informationen
Privatsender planen deutschen „Radioplayer“
Radioplayer.de: Warten auf die ARD
radioplayer.de sucht Projekt-Manager (m/w)

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