Drei Podcasts, von denen wir lernen können

Veröffentlicht am 31. Jul. 2019 von unter James Cridland

James Cridland's Radio FutureBeim letzten Podcast Day in London wurde ich aufgefordert, drei meiner Lieblings-Podcacsts vorzustellen. Und wie immer habe ich mir erlaubt, leicht von der Aufgabenstellung abzuweichen und stellte stattdessen drei Podcasts vor, von denen wir etwas lernen können.

Reasons to Be Cheerful mit Geoff Lloyd und Ed Miliband (Produktion: Emma Corsham) war meine erste Wahl. Ed Miliband war Chef der britischen Labour-Partei und als solcher hatte er ein ziemlich tölpelhaftes, unnatürliches und absolut unsympathisches Image. Aber Podcasts bringen es fertig, dass man über solche Vorurteile hinausblickt, und inzwischen denke ich ganz anders über ihn: Er hat Sinn für Humor, ist manchmal ein wenig nerdhaft, dabei aber ein durchaus selbstbewusster Mensch, der gut hinterfragen kann. Und der Podcast selbst macht beim Zuhören einfach nur Spaß.

Drei Podcasts, von denen wir lernen können: reasons to be cheerful, pod news, death in ice valleyVielleicht treten gerade deswegen die meisten amerikanischen Präsidentschaftsbewerber derzeit vermehrt in Podcasts auf. Man übersieht zu leicht, was Podcasts eigentlich zu bieten haben: hier kann man eine Person wirklich kennenlernen. Vor kurzem wurde sogar ein Spin-off lanciert: der Cheerful Book Club, in dem Ed Sachbuchautoren interviewt. Auch das ist einen Download wert.

Podcast Nr. 2: nun ja, mein eigener, der Podnews-Podcast. Klar, Eigenlob stinkt, und der Newsletter ist ohnehin viel besser. Aber ich möchte ihn hier aus zwei Gründen erwähnen. Erstens, weil er – und das ist ein goldener Tipp für alle Podcaster – die Sache einfach hält: keine Interviews, keine regelmäßigen Items, nur ein schneller Nachrichtendurchlauf, und das täglich. Funktioniert gut und ist hervorragend skalierbar. Notfalls kann man ihn sogar schnell mit dem Handy aufnehmen. Also liebe Podcaster: nicht immer versuchen, alles Mögliche hineinzustopfen.

Zweitens bestätigt sich hier, welche Kraft in News Briefings steckt. Dieser Podcast stellt ungefähr die Hälfte aller Downloads im Google Assistant und bei Amazon Alexa, die auf News Briefings entfallen. Dies ist ein riesiger und noch relativ unberührter Markt sowohl für Podcaster als auch für Radiomacher. Man sollte es sich durchaus einmal ansehen.

Und der dritte Podcast? Death in Ice Valley – ein absoluter Krimi-Podcast – ist der Hammer. Ein Podcast, bei dem ich mich auf jede einzelne Folge freue. Ich lese noch nicht einmal mehr die Folgentitel, aus lauter Angst, darin könnte ein Spoiler stecken. Tolle Sache!

Drei Dinge gibt es wohl, die wir von dieser Liste lernen können: Erstens: der großzügige Spielraum, der dem Thema eingeräumt wird. Podcasts sind – im Gegensatz zum Radio – geradezu wohltuend unhektisch.

Zweitens: Alle genannten Podcaster hätten alle zehn Folgen gleichzeitig aufnehmen können. Haben sie aber nicht. Sie haben stattdessen Zeit und Energie in ihre Community auf Facebook investiert und haben das Feedback ihres Publikums in jede neue Folge einfließen lassen. Das unterscheidet sie von Serien, und das kann man nur empfehlen.

Und drittens, speziell an die Adresse aller Radiomacher im öffentlich-rechtlichen Bereich: Es zeigt sich mal wieder, dass Kooperationen zwischen zwei großen öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten durchaus funktionieren. Die australische ABC und die kanadische CBC arbeiten beispielsweise gemeinsam an der Cross-Promotion ihrer Podcasts. Zusammen kann man eine Menge erreichen. 

Überhaupt: Vom Podcasting-Geschehen kann man eine Menge lernen. Und auch ich lerne gerne dazu. Vorschläge sind willkommen.


James Cridland

James Cridland

Der Radio-Futurologe James Cridland spricht auf Radio-Kongressen über die Zukunft des Radios, schreibt regelmäßig für Fachmagazine, berät eine Vielzahl von Radiosendern und veröffentlicht den täglichen Podcast-Newsletter podnews.net. James hat über 30 Jahre bei Radiosendern in Großbritannien, Australien und Kanada gearbeitet; bei Virgin Radio UK entwickelte er die weltweit erste Radio-Streaming-App. Er lebt in Brisbane, Australien. https://james.cridland.net

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