
„Die durchschnittlichen Einschaltquoten bei den 20 wichtigsten NPR-Stationen wachsen weiterhin: von 8,7 Mio. im Jahr 2015 bis 11,2 Mio. im letzten Jahr“, so ein Artikel in NiemanLab. Das ist Rekordniveau, wenn man die Gesamthörerschaft betrachtet.
Auch die Mobilfunk-Apps von NPR verzeichnen Zuwächse. Gleiches gilt für die Zahl der für den Fortbestand der NPR-Stationen notwendigen zahlenden Mitglieder. Insofern steigen auch die Gesamteinnahmen der öffentlichen Rundfunksender in den USA.

2016 sind die Einschaltquoten der terrestrisch verbreiteten NPR-Programme in der Zielgruppe der 25-44-Jährigen um 26% gestiegen (in der Statistik von 2017 wird kein Altersunterschied gemacht). Dies ist ein erheblicher Anstieg, der auch Hörer einschließt, die normalerweise nicht zu NPR-typischen Talkradio-Beiträgen neigen.
Was also zieht das jüngere Hörerpublikum zu NPR?
Hier wären in erster Linie die Nachrichten zu erwähnen. Sie machen Woche für Woche einen Großteil der NPR-Beiträge aus, und es ist unverkennbar, dass alle Nachrichtenmedien seit der Wahl von Präsident Donald Trump im Aufwind sind. Wie man auch immer über seine Politik denken mag, sie ist allemal gut für Schlagzeilen. Und eben auch für Nachrichtenbeiträge im Radio.
Es liegt allerdings auch an der Verbreitungsstrategie von NPR. Denn NPR-Inhalte findet man buchstäblich überall: in Podcasts, auf dem Smart Speaker – NPR ist auf vernetzten Geräten geradezu omnipräsent.

Podcasts sind offensichtlich einer der Grundpfeiler in der NPR-Strategie. Man könnte NPR locker als größten Podcaster der Welt bezeichnen. Manche Sendungen werden 1:1 gepodcastet, und überhaupt gilt für manche Beiträge eine „Digital first“-Strategie. Erwähnenswert ist dabei „Up First“, der tägliche Podcast von NPR, der laut Podtrac an dritter Stelle der beliebtesten Podcasts in den USA rangiert.
Ein zweiter Aspekt ist die Nutzung von Smart Speakern. Ampilfi Media berichtet, dass sich das Streaming von NPR-Mitgliedsstationen über Amazon Echo mehr als vervierfacht hat. Inzwischen entfallen ganze 16% des gesamten wöchentlichen Hörkonsums der NPR-Mitgliedsstationen pro Stunde auf die Smart Speaker von Amazon und Google.

Mitte der 2000er-Jahre, als ich der Verantwortliche für die Digitalstrategie bei Virgin Radio war, sagten uns 20% unserer Superfans, dass sie den Sender zum ersten Mal online gehört haben und erst später zu den anderen Plattformen (z. B. terrestrischer Rundfunk) gestoßen sind. Fest steht: Der Digitalbereich hat dem Sender einiges an Hörern beschert.
Der Erfolg von NPR scheint zu bestätigen, was ich ständig predige: Sei auf möglichst vielen Plattformen verfügbar und passe dein Produkt nach Möglichkeiten an die Gegebenheiten der jeweiligen Plattform an. Die ansonsten als bürokratisch verschriene NPR geht mit gutem Beispiel voran.

Aktueller Hinweis:James Cridland können Sie übrigens im Juli persönlich treffen, denn er wird auf den Lokalrundfunktagen 2018 in Nürnberg die Keynote halten.









