Google Podcasts und Radio – Freund oder Feind?

Veröffentlicht am 04. Jul. 2018 von unter James Cridland

James Cridland's Radio Future über Google PodcastsDie Radiobranche hat sich mit Podcasts inzwischen angefreundet und sie zum festen Bestandteil ihres Angebots gemacht. Podcasts sind ein gutes Mittel, um einige unserer führenden Talente besonders hervorzuheben, und bieten andererseits die Möglichkeit, den Kunden mit zielgruppengerecht maßgeschneiderten Podcasts besser anzusprechen. Hinter Podcast-Netzwerken stehen inzwischen nicht mehr nur Radiostationen, sondern auch Verkaufsabteilungen.

In der vorletzten Woche hat uns Google ein Geschenk gemacht: Der Suchgigant ist ins Podcasting-Geschäft eingestiegen. Und er kleckert nicht, er klotzt: Die neue Podcasting App Google Podcasts ist da, und sie ist auf hunderten Millionen von Android-Handys bereits installiert.

Das ist nicht ganz unerheblich, zumal Google ganze 80% des weltweiten Smartphone-Marktes ausmacht. Selbst in stark Apple-geprägten Ländern wie den USA und Australien kommt Android immer noch auf einen Marktanteil von 50%.

Gleichwohl hören 74% aller Amerikaner keine Podcasts. Insofern könnte ein ordentlicher, integrierter Android-Support den Podcast durchaus zum Massenmedium machen. Und damit liebäugelt die Branche schon seit einiger Zeit.

Nun ist diese Sache nicht ganz so neu, denn schließlich hatten Podcaster bereits die relativ einfache Möglichkeit, auf Apple Podcasts zu linken. Damit ist man garantiert auf jedem Apple iPhone oder iPod Touch zu hören, zumal die Apple Podcast-App bereits seit vielen Jahren vorinstalliert ist.

Jetzt gibt es also etwas Gleichwertiges für Android-Handys: Ein Link zur Wiedergabe eines Podcasts auf Google Podcasts funktioniert ab sofort reibungslos auf jedem Android-Handy. Die Podcast-App ist Bestandteil der Google Suche-App, die auf jedem neuen Android-Handy zum Standard gehört. 

Zusätzlich hat Google noch einige Google-eigene Gadgets eingebaut. Zunächst einmal die App selbst: Der Google Play Store bietet ein eigenes Icon dafür, und die App macht – wie erwartet – Vorschläge, die sich allerdings am eigenen Hörverhalten orientieren. Ich habe mir zum Beispiel eine Folge einer Morgenshow mit Christian O’Connell angehört, die bei einem Sender in Melbourne läuft, und schon wurden mir andere Podcasts vorgeschlagen, die mir möglicherweise auch gefallen könnten (z. B. die Show von Ricky Gervais auf SiriusXM). Auch einige Podcasts vom MouthMedia Network, einem meiner bevorzugten Podcast-Anbieter, waren dabei. 

Am interessantesten dürfte jedoch sein, dass in den Google-Suchergebnissen jetzt auch Podcasts auftauchen, begleitet von einer kleinen „Play“-Schaltfläche. So kann man nach allem Möglichen suchen, was einen gerade interessiert, und kann nahtlos sowohl die Audio-Inhalte als auch die Website abrufen.

Aber bei all dem stellt sich irgendwann die unvermeidliche Frage: Gräbt dieser bedeutende Zugewinn in der Podcast-Landschaft dem traditionellen Radio nicht das Wasser ab? 

Oder hat es einfach nur Potential als neue Möglichkeit? Schließlich kann Radio on Demand in Form eines Podcasts auf diese Weise viel mehr Leute erreichen.

Wie auch immer. Ich jedenfalls habe ein FAQ zu Google Podcasts geschrieben, in dem ich erkläre, welche Schritte dein Sender als nächstes unternehmen sollte. Zu finden auf Podnews, meiner Podcast-Newsletter-Website.

 


James CridlandDer Radio-Futurologe James Cridland spricht auf Radio-Kongressen über die Zukunft des Radios, schreibt regelmäßig für Fachmagazine und berät eine Vielzahl von Radiosendern immer mit dem Ziel, dass Radio auch in Zukunft noch relevant bleibt. Er betreibt den Medieninformationsdienst media.info und hilft bei der Organisation der jährlichen Next Radio conference in Großbritannien. Er veröffentlicht auch podnews.net mit Kurznews aus der Podcast-Welt. Sein wöchentlicher Newsletter (in Englisch) beinhaltet wertvolle Links, News und Meinungen für Radiomacher und kann hier kostenlos bestellt werden: james.crid.land.

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