SCHALT-REPORT: Eine Klasse voller Einserschüler

Veröffentlicht am 11. Mrz. 2015 von unter Schalt-Report

ma-audio-2015-radio-I-smallSo einen ma-Tag wünschen sich einige deutsche Radiomacher auch für die ma Radio. Manch einer wurde erst durch die Mail der agma oder eine Online-Meldung daran erinnert, dass heute die ma IP erscheint. Ein paar Stunden später schickt der meistgehörte Sender des Landes (Antenne Bayern) eine Pressemitteilung raus und man widmet sich wieder dem Alltagsgeschäft. Auch von ausschweifenden ma IP Audio-Parties war bis zum Mittwochabend nichts bekannt.

Zu den Fakten: Nahezu alle gemessenen Sender steigen in der Nutzung, teilweise mit erstaunlich hohen Wachstumsraten, was teils messungs-, teils nutzungsbedingte Gründe haben wird. Die digitale Nutzung in Deutschland nimmt langsam Fahrt auf, auch korrespondierende Untersuchungen zeigen das.

Nutzungsart

Es wird wiederum deutlich: die großen Sender der deutschen Analog-Radioszene sind auch die großen Sender der digitalen Radiowelt. Antenne Bayern, SWR3 und 1Live führen als National Heroes, allein Radio NRW ist aus den verschiedensten Gründen nicht im Top Ranking vertreten.

Jede Währung ist eine Konvention

Man sieht allerdings auch, dass jede Reichweitenwährung Konvention ist und so etwas wie Wahrheit auch über eine Messung nicht dargestellt werden kann. Zwar gibt es anders als in der ma Radio keine Schwankungsbreite, die verlässliche Messung über verschiedene technische Plattformen ist dennoch nicht banal und die teilweise schwankenden Zahlen sind auch Indiz für die bisherige Volatilität der Ergebnisse. Auch der WDR weist in seiner Pressemitteilung daraufhin.

Die Etablierung der ma IP Audio ist die notwendige Grundlage für die digitale Vermarktung der deutschen Radiosender, hinreichend für den Erfolg ist sie nicht.
Nicht zuletzt fehlen in der ma IP Audio noch die Streaminganbieter wie Spotify.

„Share of Ear“-Währung in den USA

In den USA, in denen die digitale Entwicklung mit einem deutlich höheren Tempo die Radiobranche bearbeitet, gibt es mittlerweile eine anbieterübergreifende Marktanteilsmessung, den „Share of Ear“.

 
Beim Lesen der Studie wünscht man sich oft, dass die Radiobranche in Deutschland von einer ähnlichen Entwicklung verschont bleibt. Wer die globale Wirkung der digitalen Medien kennt, wird daran allerdings nicht bedingungslos glauben.

Für Deutschland bleibt erst einmal festzuhalten, dass die digitale Nutzung der deutschen Radiosender steigt. Und das mit steigenden Reichweiten und zunehmender Konkurrenz auch die Wichtigkeit der digitalen Reichweitenmessung steigt – abzulesen an einer größeren Zahl an Pressemitteilungen – und vielleicht auch an Parties.

 

Christian-Schalt-2014-Kiss-neu110Christian Schalt arbeitete als Programmdirektor für Radio Energy, KRONEHIT, 94,3 rs2 und 98.8 KISS FM und berät mit seiner Firma Next Level Audio Radiosender und andere Audiofirmen im Bereich digitale Strategie.

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