Web versus DAB: Wohin steuert das Autoradio?

Veröffentlicht am 27. Feb. 2013 von unter Deutschland

Die Vernetzung in den PKW geht in die nächste Runde: Der Automobilhersteller Ford gab auf dem Mobile World Congress in Barcelona unter anderem eine Partnerschaft mit dem bekannten Musikstreamingdienst Spotify bekannt, der Teil des sogenannten Ford SYNC AppLink-Pakets wird, welches bis 2015 in über 3 Millionen Fahrzeugen über ein Multimediasystem auf Wunsch verfügbar sein wird und unter anderem über Sprachsteuerung bedient werden kann. Nach Angaben von Ford soll das System zudem mit weiteren Audioangeboten (etwa Nachrichten auf Abruf) ausgestattet werden sowie einer Schnittstelle, um Smartphones ebenfalls während der Fahrt betreiben zu können.

Das "SYNC AppLink" System von Ford ist komplett am Lenkrad bedienbar (Bild: ford.com)

Das “SYNC AppLink” System von Ford ist komplett am Lenkrad bedienbar (Bild: ford.com)

Wie die Welt kompakt” kürzlich in ihrer Online- und Printausgabe berichtete, bieten inzwischen verschiedene Fahrzeughersteller festeingebaute Geräte zum Empfang von u.a. Internetradio an, bei denen nicht mehr auf das eigene Smartphone zurückgegriffen werden muss und sich der Empfang durch eine Außenantenne verbessert. Die Preise sind hierfür jedoch noch verhältnismäßig hoch, so nennt die Zeitung bei Mercedes 680 Euro für das “Drive Kit Plus” (A-, B- und C-Klasse), bei Audi 3150 Euro und bei BMW gar 3380 Euro. Letztgenannter Hersteller würde zudem weitere Lösungen zur Verbindung mit Smartphones anbieten, die dann in den meisten Fällen wie bei den anderen Varianten noch weitere Funktionen (etwa ein Navigationssystem) enthalten. Bis Tempo 160 wäre der Klang bei guter Signalstärke problemlos, berichtet “Auto Bild“.

"Drive Kit Plus" von Mercedes (Bild: Mercedes)

“Drive Kit Plus” von Mercedes (Bild: Mercedes)

Großflächige, aktuelle und unabhängige Tests über die Verfügbarkeit von Radio per Handynetz auf Autobahnen sind jedoch noch nicht zur Verfügung. Häufig stehen hinter den Berichten Interessengruppen aus der “Pro”- oder “Contra”-Internetradio-Liga. Aussagen hinter vorgehaltener Hand wie die eines großen Autoradio-Herstellers, der seine Testfahrten mit Internetradios aufgrund von Versorgungsproblemen abbrach, sind da schon interessanter. Allerdings auch nicht für eine nüchterne Betrachtung dienlich.

LTE-Logo-200Vorausgesetzt wird also ein gutes Handynetz. Betrachtet man die Versorgungskarten einiger deutscher Netzbetreiber, so fallen nur wenige weiße Flecken auf der Landkarte auf. Die Verwendung von Internetradio im fahrenden PKW ist also reizvoll, schier unendlicher Senderauswahl sei Dank. Doch wie gut sich das Handynetz tatsächlich als mobiles Verbreitungsmedium für Radio macht, kann nicht ohne Weiteres beantwortet werden. Während Netzbetreiber und Internetradio-Funker den neuen Standard LTE als Lösung aller bisherigen Kapazitäts- und Reichweitenprobleme beschwören, gibt es auch Stimmen, die eine Verbreitung von Radio- und Multimediainhalten via 4G-Netzwerk für problematisch halten (s. Meinungsbarometer Digitaler Rundfunk S. 12). Außerdem sei zwar die Programmauswahl deutlich größer und flexibler als bei klassischen Verbreitungswegen wie DAB+, jedoch für die Hörer auch mit höhreren Kosten verbunden, gerade im Ausland. Bei einem Netzausfall oder Fehler in der Datenverbindung, wie er in den vergangenen Monaten gelegentlich auch bei den größeren Netzanbietern zu beobachten war, teils auf wenige Städte und Landkreise begrenzt, teils auf ganze Regionen, ist zudem der Radiogenuss generell unmöglich. Auch große Einfrequenznetzwerke wie etwa der bundesweite DAB-Multiplex können durch einen einzigen Fehler für Stille in tausenden von Lautsprechern sorgen. Jedoch stehen in den meisten Fällen noch regionale oder lokale Netze zur Verfügung.

Digitalradio-Logo2011-small

Das Beste aus beiden Welten, also aus DAB+ und Internetradio, kombinieren sogenannte Multinormgeräte, die neben UKW und Internetradio auch mit DAB-Signalen umgehen können. Diese sind in der Lage, regionale und nationale Programme per DAB+ wiederzugeben oder per Bluetooth, Dockingstation oder Kabelverbindung Sender aus aller Herren Länder abzuspielen. Dabei sind diese nicht nur für das Wohnzimmer sondern auch bereits für das Auto erhältlich.

Die Zukunft des Autoradios ist also weiterhin offen, alle Möglichkeiten gehören ausprobiert. Sowohl Hörer als auch Programmveranstalter dürfen gespannt sein, auf welchen Wegen sie künftig auf Reisen informiert und unterhalten werden.

 

Weiterführende Informationen:
GfU erwartet Millionstes DAB-Radio 2013
Netzabdeckung LTE (beispielhaft hier: Vodafone)
Digitalradio-Gerätefinder mit Multinormempfängern
Meinungsbarometer Digitaler Rundfunk Spezialausgabe zu den Medientagen

Tags: , , , , , , ,

 

Kommentar hinterlassen