Digitalradio-Boom durch UKW-Antennenstreit

Veröffentlicht am 01. Jun. 2018 von unter Deutschland

Einen unerwarteten Digitalradio-Boom beim Geräteverkauf meldet Roberts Radio: Die Streitereien um den Weiterbetrieb der von der Media Broadcast abgestoßenen UKW-Sendeanlagen führt dazu, dass viele Rundfunkhändler nun von sich aus DAB+ fähige Digitalradios als zukunftsfähige Technologie empfehlen und sich mit diesen eindecken.

Digitalradio-Boom: Burmester Anlage mit DAB+ im Mercedes (Bild: ©Wolf-Dieter Roth)

Burmester Anlage mit DAB+ im Mercedes (Bild: ©Wolf-Dieter Roth)

Die High End im München, die Messe für den guten Ton, war ein guter Anlass, sich nach der Entwicklung in Sachen DAB umzusehen: Digitalradios waren hier immer schon stark vertreten. Es gab einige unerwartete Ergebnisse:

Digital Audio Broadcast – nun mit verbessertem Codec als DAB+ – wird seit über 20 Jahren aus diversen Gründen schlecht gemacht. Mal stört, dass die ersten Initiativen aus Bayern kamen und auch Piratensender abwehren sollten. Mal sahen öffentlich-rechtliche Intendanten einen Wettbewerbsnachteil darin, dass sich bei DAB private Programmanbieter dieselben Sendeleistungen und -standorte leisten konnten wie die gebührenfinanzierten Sender, dann wieder sehen etablierte private Anbieter Nachteile durch die bei DAB+ zahlreichere Konkurrenz und favorisieren Internetradio – wo aber noch viel mehr Wettbewerber aktiv sind… All dies schadet allen Beteiligten, konnte DAB aber nie stoppen.

DAB+ können inzwischen viele Radios und Receiver empfangen – wo es fehlt, fällt dies den Besuchern der High End inzwischen unangenehm auf. Schließlich werden dort keine Küchenradios für 15 € gezeigt, sondern hochwertige Produkte.

Digitalradio-Boom: Block-DAB+ Radio (Bild: ©Wolf-Dieter Roth)

Block-DAB+ Radio (Bild: ©Wolf-Dieter Roth)

Auch bei einer 7.000 € teuren Burmester-Anlage für die Mercedes-S-Klasse mit 27 Lautsprechern – einige davon in Kofferraum, Frontkarosserie sowie Autodach-Himmel – darf DAB+ demnach nicht fehlen. Vorgeführt hat Burmester es allerdings lieber nicht mehr – wegen der oft nur mäßigen Sendequalität hatte man Bedenken, um die teure Anlage unnötig abzuwerten. Lieber betont man Spielereien wie Hochtöner, die beim Einschalten der Anlage einige Millimeter in Position gedreht werden. Immerhin kann so echte 3D-Wiedergabe erzielt werden – beim Ton, nicht beim Bild: Der Sound kommt auch mal von oben oder unten. Hoffentlich, ohne den Fahrer zu erschrecken!

Ganz anders sieht Ralf Reynolds von Roberts Radio DAB+: Hier führten die Streitigkeiten der letzten Wochen um die von der bisherigen Betreibergesellschaft Media Broadcast an neue Betreiber verkauften Sende- und Antennenanlagen mit der drohenden Abschaltung einzelner UKW-Frequenzen zu einer verstärkten Nachfrage nach Geräten mit DAB+ Empfang. Der Hersteller selbst war hier nicht selbst aktiv, ist jedoch für ein gutes Sortiment an Radios mit DAB+ Empfang bekannt. Panasonic und Block präsentierten ebenfalls neue DAB+ Geräte.

Ein UKW-Abschaltdatum war ja schon lange als Hilfe zur schnelleren DAB+ Verbreitung angesehen und dann doch immer wieder vertagt worden. Tatsächlich scheint aber schon das Drohen der UKW-Abschaltung einzelner Sender Bewegung in dem Markt zu bringen…

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