Digitalradio: Das Stiefkind der Medienpolitik entwickelt sich

Veröffentlicht am 08. Mai. 2012 von unter Deutschland

In einer lebhaften Podiumsdiskussion mit dem Titel „Zwischenbilanz DAB+“ wurde heute auf dem Medientreffpunkt Mitteldeutschland die Zukunft des Digitalradios besprochen. Auf dem Podium, das von Michael Ridder (epd medien) geleitet wurde, saßen Dr. Ulrich Libenow (MDR), Rechtsanwalt Helmut G. Bauer, Ulrich Horn (KEF) und Dr. Gerd Bauer (LMS).

Eine der zentralen Fragen, die auf dem Panel gestellt wurden, ist die, wie die Wirtschaftlichkeit und der Erfolg des Digitalradios zu messen sei. So seien die Zahlen der GFK nicht zuverlässig genug, der Verkauf von Empfangsgeräten sei ein besserer Indikator. Digitales Radio sei dann erfolgreich, bemerkte Ulrich Horn von der KEF, wenn es gelänge, die Öffentlichkeit davon zu überzeugen, es zu nutzen.

Außerdem waren die Podiumsgäste bemüht, mit dem populären Fehlschluss aufzuräumen, das Digitale Radio sei durch das Internetangebot überflüssig geworden. Man könne eben nicht, so die einhellige Meinung, Radioangebote einfach ins Internet stellen, dies würde die Kapazitäten sprengen. Darüber hinaus würde DAB+ genau die Technik bieten, die das Medium Radio braucht und könnte dieses durch die möglichen Zusatzdienste attraktiver machen. Am Ausbau der Versorgung werde es jedenfalls nicht scheitern, war sich Libenow sicher.

Auch die Rolle der KEF wurde zum Thema, und damit eng verknüpft die immer wiederkehrende Frage: Was dürfen öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten und was nicht? KEF-Mitglied Ulrich Horn verwies darauf, dass die KEF einzig dazu da sei, zu prüfen, ob die beantragten Mittel dem Funktionsauftrag der öffentlich-rechtlichen Sender entsprechen. Über inhaltliche Fragen hätte sie nicht zu entscheiden. Für diese Aussage erntete er einigen Widerspruch: Wenn ein öffentlich-rechtlicher Sender gegen die Bestimmungen des für ihn geltenden Rundfunkstaatsvertrages verstoße, sei dies eine zweckwidrige Mittelverwendung und durch die KEF nicht zu genehmigen, hielt Dr. Gerd Bauer dem entgegen. Horn konterte, dass für inhaltliche Fragen die entsprechenden Gremien zuständig seien, in denen Politiker sitzen.

Überhaupt kam die Politik bei dieser Debatte nicht unbedingt gut weg: „Radio ist das Stiefkind der Medienpolitik“, beklagte Helmut G. Bauer, und die Runde war sich recht schnell einig, dass die Politik die Spielregeln für das Digitale Radio besser zu definieren hätte. Helmut Bauer forderte zudem ein Digitalradiofördergesetz auf europäischer Ebene, das – analog zu einer Regelung zu Fernsehgeräten – vorschreibt, dass in Zukunft nur noch Radios mit digitaler Empfangseinheit verkauft werden dürften.

Am Ende waren fast alle Diskussionsteilnehmer optimistisch, das sich das Digitalradio durchsetzen werde, und Helmut G. Bauer wünschte sich lachend für den MTM 2015 gar eine Diskussion zu dem Thema: „Schalten wir 2017 UKW ab?“

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Medientreffpunkt Mitteldeutschland 

 

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