Visual Radio: „Sinnvolle Bereicherung“

Veröffentlicht am 06. Apr. 2021 von unter Deutschland

Visual Radio ist sicher keine ganz neue Technologie in der Welt des Hörfunks. Eine gute Zahl an Sendern nutzt bereits die Möglichkeiten als visualisierte Erweiterung ihrer Programme. Namentlich der Bayerische Rundfunk (BR) hat inzwischen den überwiegenden Teil seiner Angebote um Visual Radio ergänzt. Ein Service, der von den Hörern offensichtlich als angenehmer Zusatznutzen begrüßt wird.

Visual Radio: „Sinnvolle Bereicherung“

Michael Reichert leitet im BR das Referat “Radio der Zukunft“ und ist in der Hörfunkdirektion für die Koordination der trimedialen Strategie und Digitalradio zuständig. Im Gespräch mit RADIOSZENE-Mitarbeiter Michael Schmich erläutert er das Einsatzgebiet der Technologie sowie die Perspektiven  bei  der Weiterwicklung.


RADIOSZENE: Herr Reichert, was genau ist unter Visual Radio zu verstehen?

Michael Reichert: Viele Menschen nutzen ihr TV-Gerät zu Hause nicht mehr nur zum Fernsehen; in einigen Haushalten gibt es nicht in jedem Zimmer ein Radio und stattdessen wird selbstverständlich das Smart-TV-Gerät auch zum Radiohören genutzt. Hier bieten wir zum linearen Radioprogramm noch Zusatzinformationen. Visual Radio, so wie wir es verstehen, ist also das lineare Radio, ergänzt um Zusatzinformationen auf dem Bildschirm. Diese können demzufolge Bilder, Texte (Titel/Interpret) und auch Service-Informationen wie Wetter und Verkehr, Nachrichten oder Online-Themen sein.

Michael Reichert (Bild: ©BR/Markus Konvalin)

Michael Reichert (Bild: ©BR/Markus Konvalin)

Bei Visual Radio steht also weiter das Radio im Mittelpunkt, wir illustrieren dieses Programm aber. Die Entwicklung ist ja insgesamt nicht neu, schon lange transportieren Radiosender neben dem Logo die eine oder andere nützliche Information. Durch DAB+ und HbbTV haben wir allerdings eine weitere Möglichkeit erhalten, mehr als „nur“ das (Audio-)Programm über die Bildschirme zu verbreiten.

RADIOSZENE: Welche Zusatznutzen bringt das Angebot für die Hörer der Radiowellen genau?

Michael Reichert: Das hängt von der jeweiligen redaktionellen Ausgestaltung bei den Wellen ab. Standardmäßig gibt unsere Programmierung immer Informationen zu Titel, Interpretin oder Interpret, Moderator oder Moderatorin, Sendungsname sowie bestimmten Serviceinformationen her. Der grundsätzliche Nutzen ist, dass neben dem eigentlichen Programm auf dem Bildschirm auch noch etwas „passiert“. Das wirkt auf einem hochauflösenden Smart-TV natürlich entsprechend gut.

RADIOSZENE: Bei welchen Wellen findet Visual Radio in der Praxis bereits Anwendung? Und mit welchen Möglichkeiten beziehungsweise Inhalten ist man hier jeweils aktiv?

Michael Reichert: Wir sind im BR derzeit live mit BAYERN 1, BAYERN 3, BR Heimat, BR Schlager – und seit neuestem auch mit Bayern 2. In einem Programm wie BR Heimat senden wir als Zusatznutzen Live-Webcam Bilder von Landschaften in Bayern, oft Bergbilder, bei BAYERN 1 sind Verkehrsinformationen mit Live-Bildern von der Situation auf bayerischen Autobahnen zu sehen.

BAYERN 3 legt den Schwerpunkt natürlich auch auf den Verkehrsservice, bietet aber zusätzlich Programmaktionen und Webcam-Bilder aus dem Studio. BR Schlager zeigt Interpreten und weist auf Events hin. Außerdem gehören die aktuelle Programmbegleitung, unter anderem durch die Themen von der jeweiligen Wellen-Homepage, Nachrichten von BR24, Wetter und Verkehr zum Standard der meisten Angebote. 

Das Visual Radio Angebot nutzen auch schon einige Wellen anderer ARD-Landesrundfunkanstalten, die ähnlich unterwegs sind.

 

„Für uns ist das Angebot eine gute Möglichkeit, unsere Metadaten als Zusatznutzen anzubieten“

 

RADIOSZENE: Hat der Nutzer die Möglichkeit der Interaktion?

Michael Reichert: Wir verbreiten unser Visual Radio Angebot nicht via eigener App, die gesondert gestartet werden müsste; das Angebot steht mit dem Aufruf der jeweiligen Welle sofort zur Verfügung. Allerdings fehlt da – systembedingt – der Rückkanal. Trotzdem haben wir eine Möglichkeit gefunden, die Userinnen und User an die Hand zu nehmen: Wir integrieren auf fast allen Seiten des Visual Radio Angebots QR-Codes, die zu detaillierten Infos zu den jeweiligen Inhalten im Internet linken. Diesen Weg haben wir als erste beschritten.

RADIOSZENE: Was verspricht sich der Bayerische Rundfunk langfristig von diesem Angebot?

Michael Reichert: Für uns ist das Angebot eine gute Möglichkeit, unsere Metadaten als Zusatznutzen anzubieten. Daten wie Titel und Interpret liegen ja schon vor und die weiteren Informationen sind per Schnittstelle angebunden. Wir finden zudem, dass Zusatzdaten unsere Radioprogramme auf eine sinnvolle Weise bereichern, ohne ein zusätzliches TV-Angebot zu sein. 

RADIOSZENE: Wie machen Sie die Hörer auf den Service aufmerksam? Gibt es bereits Rückmeldung über die Nutzungsfrequenz?

Michael Reichert: Ja. Wir erhalten positive Resonanz zu dem Angebot. Viele Menschen, die sich einen Smart-TV angeschafft haben, stoßen, womöglich sogar eher zufällig, auf das Angebot und entdecken dabei ganz neue Nutzungsmöglichkeiten neben dem „nur“ Fernsehen.

 

“Wir fänden es schön, wenn da im Auto auf dem DAB+ Bildschirm etwas mehr zu sehen wäre als nur das Logo des Senders.”

 

RADIOSZENE: Welche weiteren Perspektiven peilen Sie mit Visual Radio an?

Michael Reichert: Wir möchten auch auf den Smart-TVs ein optisch attraktives, abwechslungsreiches und informatives Angebot machen. Konkret planen wir gerade die Installation weiterer Webcams an unseren Sendeanlagen, um noch mehr einzigartige Bilder aus Bayern zeigen zu können.

Und natürlich prüfen wir die Chancen, das Angebot auch via DAB+ zu verbreiten. Seit Dezember vergangenen Jahres ist ja ein DAB+ fähiges Radio in Neuwagen vorgeschrieben und viele der Geräte verfügen über einen Bildschirm. Und auch diese Zielgruppe haben wir im Blick; selbstverständlich unter Berücksichtigung der besonderen Situation beim Autofahren. Die Bildschirme sind zwar nicht mit Smart-TVs im Wohnzimmer vergleichbar, trotzdem sehen wir bei Visual Radio im Auto Potenzial. Und wir fänden es schön, wenn da im Auto auf dem DAB+ Bildschirm etwas mehr zu sehen wäre als „nur“ das Logo des Senders.

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