Caroline Grazé: „Die Anbindung an das ConnectedCar der Zukunft ist eine unserer Top-Prioritäten“ 

Veröffentlicht am 23. Aug. 2018 von unter Deutschland

Als Radioplayer Deutschland im Jahre 2015 seinen offiziellen Betrieb aufnahm gab es nicht wenige Skeptiker, die dem Projekt nur eine kurze Lebensdauer vorhersagten. „Überflüssig“, „Gibt es ja schon“, „Machen andere besser“, so die wenig optimistischen Einschätzungen mancher Experten. Sie sollten falsch liegen mit ihren Prognosen. Die Gesellschafter um den rührigen Gründungsgeschäftsführer Hans-Dieter Hillmoth (Radio/Tele FFH, Hessen) hielten Kurs und steigerten rasch die Zahl der Teilnehmer aus dem Lager der privaten Radioveranstalter. Der endgültige Durchbruch war geschafft, als die Verantwortlichen im Frühsommer 2015 vermelden konnten, dass nun auch die Hörfunkprogramme der ARD und von Deutschlandradio dem Projekt beitreten. 

Der Radioplayer ist eine Non-Profit-Initiative der Radiobranche, entwickelt von Radioplayer WorldWide Ltd. in Großbritannien. Ziel ist, das Radiohören in allen Unterhaltungstechnologien und auf allen Endgeräten einfach auffindbar zu machen. Nutzer sollen die deutschen Radiosender und ihre Inhalte zu jedem Zeitpunkt und überall sofort finden sowie in bester Qualität hören können. Über die Webseite radioplayer.de und die zugehörigen Apps können die Hörer auf alle Radio-Inhalte der besten deutschen Sender zugreifen. Dazu gehören die UKW/DAB-Programme der vielen Radiomarken, ihre Genre-Webstreams und Podcasts.

Die Angebote sind derzeit nach folgenden Genres abrufbar: 80er | 90er | Top 40 Rock | Pop | DanceLounge | Relax | Jazz | DeutschPop | Schlager | Oldies Kids | Love | Party | Urban | Weltmusik | Klassik | Weihnachten | Sommer | Karneval | Oktoberfest | Nachrichten | Sport | Fußball | Workout | Festival | HipHop | Rap | Soul | Filmmusik.

Das Projekt steht in Wettbewerb mit kommerziellen Radio-Aggregatoren wie radio.de, TuneIn oder phonostar, über die tausende Internetradios und Podcasts aus aller Welt verfügbar sind.  

Zuletzt hat Radioplayer die Zahl der angeschlossenen Sender auf rund 1.500 Programme erhöht und die Möglichkeiten der technischen Verfügbarkeit seiner Angebote kontinuierlich ausgebaut. Nutzungszahlen von Radioplayer wurden bislang nicht veröffentlicht.


Im Gespräch mit RADIOSZENE zieht Geschäftsführerin Caroline Grazé ein Fazit zur derzeitigen Entwicklung bei Radioplayer Deutschland.   

RADIOSZENE: Beim deutschen Radioplayer, der gemeinsamen Initiative des privaten und öffentlich-rechtlichen Rundfunks, erscheint neuerdings nun auch die Android- und Amazon-FireTablet-App in einem frischen, neuen Design. Das ambitionierte Projekt wächst, bleibt in Bewegung. Welches Fazit ziehen Sie drei Jahre nach dem offiziellen Launch?

Caroline Grazé - Geschäftsführerin der Radioplayer Deutschland GmbH

Caroline Grazé – Geschäftsführerin der Radioplayer Deutschland GmbH

Caroline Grazé: Die Aktualisierung des Designs der mobilen Apps war ein logischer und notwendiger Schritt, da wir den Radioplayer sukzessive und in allen  Ländern vereinheitlichen was das Erscheinungsbild und vor allem auch die Usability anbelangt. Im vierten Jahr unserer Existenz konnten wir durch unsere stete Anbindung neuer Endgeräte nicht nur immer mehr Radiosender von uns überzeugen, sondern auch Kooperations-Partner und neue Länder für den Radioplayer begeistern. So soll es weiter gehen.

RADIOSZENE: Wie viele Programmangebote bietet Radioplayer derzeit den Nutzern?

Caroline Grazé: In Deutschland haben wir aktuell über 1.500 Stationen im Angebot, wobei wir knapp 98 Prozent der UKW- und DAB-Angebote abdecken, hinzu kommen die Spartenkanäle der Radiosender sowie einige erfolgreiche Web-Only-Angebote. 

RADIOSZENE: Welchen Programmen steht der Radioplayer offen, welchen nicht?

Caroline Grazé: Grundsätzlich steht der Radioplayer jedem lizensierten deutschsprachigen Sender offen der bei uns Mitglied werden möchte. 

RADIOSZENE: Wie hoch sind die Kosten für die Sender bei einer Aufnahme ins Portal?

Caroline Grazé: Die Kosten teilen wir nach einer Art Robin-Hood-Modell auf: Große erfolgreiche Sender zahlen mehr, kleinere Lokalradios weniger, wobei immer die Hörer in der Durchschnittsstunde gemäß MA als Tarifierungsschlüssel gelten. Lediglich Web-Only-Radios werden mit einem Pauschalbetrag von aktuell 500 Euro pro Jahr pro Channel berechnet und erhalten darüber sofort Zugang und Auffindbarkeit zu allen Plattformen, die wir bedienen und kontinuierlich weiterentwickeln.

 

„Es gibt beim Radioplayer ausschließlich technische Lösungen, keine redaktionellen

 

RADIOSZENE: Über welche Suchkriterien findet der Nutzer „sein“ Lieblingsprogramm?

Caroline Grazé: Die meisten Hörer wissen sehr genau welchen Sender sie hören wollen, deswegen ist die klassische Suche bei uns das meistgenutzte Feature. Zusätzlich bieten wir die Suche nach Sendern in der Nähe an, sowie Empfehlungen die sich aus der Hörerhistorie ergeben. 

RADIOSZENE: Wer entscheidet über Zuordnung der Genres?

Caroline Grazé: Genres werden über die von den Stationen hinterlegten Keywords ermittelt: Es gibt beim Radioplayer ausschließlich technische Lösungen, keine redaktionellen. Es wird niemand bevorzugt oder benachteiligt und wir verkaufen auch keine Platzierungen wie andere Portale dies tun. Besonders bei den SmartSpakern gelingt dies übrigens nur mit ausgefeilter Programmierung, auf die wir sehr stolz sind. Stationen bei uns sind deutlich besser ansprech- und auffindbar als bei den voreingestellten Alternativen.

RADIOSZENE: Wie entwickeln sich die Zugriffszahlen auf die Angebote des Radioplayers?

Caroline Grazé: Mit jedem neuen Endgerät steigen natürlich auch die Anteile des Radioplayers, in Summe ist aber zu beobachten, dass Radiohörer auch das Gerät wechseln. Mit dem Zugewinn der Smartspeaker nimmt die Desktop-Nutzung etwas ab; klassische WLAN-Radios sind nicht mehr ganz so en vogue wie einst. Ansonsten bedienen wir naturgemäß eher Ü30 und aufwärts als Twens und Teenager.

RADIOSZENE: Gibt es Erfahrungswerte, welche Genres und Programme besonders häufig genutzt werden?

Caroline Grazé: Natürlich sehen auch wir aktuell einen Trend hin zu Schlager und Rockformaten, grundsätzlich bleiben aber die klassischen Lokalradios unangefochten an oberster Stelle der Beliebtheitsskala, je nach Standort der Hörer.

RADIOSZENE: Die Wege zum Radio sind vielfältig geworden. Welche Empfangsvarianten stehen den Radioplayer-Usern Stand heute zur Verfügung?

Caroline Grazé: Der Radioplayer bedient den Desktop, die Smartphones, SmartTV, DVBT-2, Alexa, Sonos, Audi, Ford, AirPlay, ChromeCast, Apple Carplay und Android Auto.
Wir waren erster Partner bei StreamOn der Deutschen Telekom und werden bald über deren smarten Speaker Magenta zu hören sein.

 

„Natürlich sehen auch wir aktuell einen Trend hin zu Schlager und Rockformaten, grundsätzlich bleiben aber die klassischen Lokalradios unangefochten an oberster Stelle der Beliebtheitsskala“

 

RADIOSZENE: Welche Optionen bietet Radioplayer für die User von Smart Speakers und den mobilen Empfang im Auto?

Caroline Grazé: Die Anbindung an das ConnectedCar der Zukunft ist eine unserer Top-Prioritäten. Wir sind mit vielen Autoherstellern im Gespräch oder testen bereits und liefern seit Ende 2017 die benötigten Daten für das hybride Entertainment-System in den neuen Audi-Modellen. Damit ist der automatische Wechsel zwischen UWK/DAB und IP fast nahtlos möglich, ohne dass der Fahrer unbedingt etwas davon mitbekommt. Diese hybride Zukunft werden wir aktiv mitgestalten. 

RADIOSZENE: In welchen weiteren Märkten ist Radioplayer heute aktiv?

Caroline Grazé: Der Radioplayer ist neben Deutschland bereits in Belgien, Irland, Großbritannien, Kanada, Norwegen, Peru, Österreich verfügbar, noch im Spätsommer wird die Schweiz angebunden und viele weitere Länder stehen bereits in den Startlöchern.

RADIOSZENE: Gibt es Zukunftsprojekte, die Sie beim Radioplay absehbar verwirklichen wollen?

Caroline Grazé: Aktuell konzentrieren wir uns auf die Anbindung von Endgeräten und die Integration in weitere KFZ. Einige weitere Projekte befinden sich noch in der Bewertung, über andere möchte ich noch nichts verraten. In jedem Fall haben wir noch ein paar gute Ideen und konkrete Pläne für die nächsten Jahre. 

 

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