Jürg Bachmann: So­cial Me­dia rich­tig ein­set­zen

Veröffentlicht am 18. Mrz. 2012 von unter Standpunkte

Von Jürg Bachmann

Auf den Ra­dio­days Eu­ro­pe in Bar­ce­lo­na wur­de viel über Radio und So­cial Me­dia dis­ku­tiert. Die Ra­dio­ma­cher fra­gen sich, wo sie im Rah­men ih­res Kern­geschäft­es So­cial Me­dia plat­zie­ren, wie viel Geld und En­er­gie sie dar­auf ver­wen­den sol­len. Gilt auch für Radio „o­nl­ine first“?

Ra­dio ist ein spe­zi­el­les Me­di­um. Es läuft meist im Hin­ter­grund und weckt trotz­dem Auf­merk­sam­keit. Gut ge­mach­tes Ra­dio in­for­miert nicht nur über das We­sent­li­che, son­dern löst ge­na­u­so Emo­tio­nen aus, stimmt po­si­tiv und zau­bert im bes­ten Fall ein Lächeln auf die Lip­pen der Zuhörer. Ra­dio hat als Me­di­um we­der an Be­liebt­heit noch an Kraft ver­lo­ren, mögen an­de­re Me­di­en­gat­tun­gen noch so von On­li­ne-An­ge­bo­ten drang­sa­liert wer­den. Wer auch in Zu­kunft bei sei­nem Pu­b­li­kum er­folg­reich sein will, tut al­so gut da­ran, wei­ter ins Kern­geschäft zu in­ves­tie­ren.

Was sich al­ler­dings ändert, ist das Um­feld, in wel­chem Ra­dio­pro­gram­me gehört ­werden. Der Ra­diohörer nut­zen ge­n­au­so So­cial Me­dia wie die Nut­zer an­de­rer Me­di­en. Auch Ra­dio­ver­ant­wort­li­che müssen ­also So­cial Me­dia ein­set­zen, sich aber ge­nau überlegen, in wel­cher Funk­ti­on. Soll So­cial Me­dia das Kern­geschäft be­ein­flus­sen oder ist So­cial Me­dia für Radio prim­är g­ut­es, zeit­gemäss­es Mar­ke­ting und zusätzl­ic­he Hörer­bi­ndu­ng?

Wer sich in Bar­ce­lo­na, und zu­vor auch schon am Ra­dio­day in Pa­ris und an­de­ren spe­zi­fi­schen Ra­dio­ver­an­stal­tun­gen um­gehört ­hat, neigt zum Schluss, dass es nicht das Ra­dio­geschäft ist, das sich ändert. Es ist das Mar­ke­ting, das heu­te an­de­re Schwer­punk­te kennt, als fr­üher. Lies­sen wir fr­üher pro Jahr zwei oder drei Pla­kat­wel­len lau­fen, wird es in Zu­kunft nur noch ei­ne ein­zi­ge sein. Dafür geben wir un­ser Mar­ke­ting­bud­get für Soci­al Me­dia aus. So­cial Me­dia ist prim­är ein Mar­ke­ting­tool und kann als sol­ches wert­vol­les leis­ten für die Pf­le­ge und Un­terstützung ei­ner Mar­ke. Aber es ist nicht Kern­geschäft. Es ist prim­är eine Kos­ten­po­si­ti­on im Mar­ke­ting­bud­get. Wer viel in­ves­tiert in So­cial Me­dia, al­lein in der Hoff­nung, da­mit viel Geld zu ver­die­nen, wird wohl bis auf wei­te­res ent­täuscht blei­ben.

Klas­si­sches, gut ge­mach­tes Ra­dio wird auch in Zu­kunft, da­ran be­steht kein Zwei­fel, bei den Hörern er­folg­reich sein. Und So­cial Me­dia wird die Mar­ke stützen ­und die Bin­dung pf­le­gen. Das Kern­geschäft kennt nur ei­nen Feind: die Ra­dio­ma­cher sel­ber, die So­cial Me­dia falsch einschätz­en und da­bei das Ra­dio­ma­chen ver­nachläss­ig­en.

 

Jürg Bachmann

 

Jürg Bachmann ist Präsident vom Verband Schweizer Privatradios (VSP)

 

 

 

 

 

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