

Die Rezension des Buches „Bei Rotlicht bitte kein Wasser zapfen! Meine vierzig Jahre Radio“ von Jürgen Kolb hätte niemand besser schreiben können als sein hr-Kollege Norbert Schreiber, der dies zuerst bei Facebook tat und uns die freundliche Genehmigung für eine Wiederveröffentlichung erteilte:

Stimmen im Radio, das hat mich schon von früher Jugend an fasziniert, die Sportreporter, die Korrespondenten aus fernen Ländern, die Hitparaden-Matadore. Aber die vielfältige Stimmenwelt der Nachrichtensprecher und Sprecher im Radio überhaupt, sie waren immer irgendwie im Hintergrund damals geblieben, und doch sind sie die tragenden Elemente des Sound-Designs eines Senders.
Kommen wir zum Buch. In einem Rutsch habe ich es gelesen, weil es gut, spannend und zugleich unterhaltsam geschrieben ist, so dass man als Rezensent versucht ist zu sagen, Beruf verfehlt, Du hättest gleich Journalist oder Autor werden sollen, und hättest nicht den Umweg suchen müssen über die Sprecherrolle.
Ob theatralische altmodische Sprecherziehung, Business-Gequake von Radioberatern, die gleichmacherisch in Deutschland die Radiowellen geföhnt und frisiert haben, Funkhausgeflunkere, Senderinterna, erlebte Dialoge, Pannen, Pech und Pleiten, altväterliche „bunte Melodienreigen“, das alles sammelt Kolb akribisch – immer schmunzelnd – auf und lässt uns teilhaben an einer Zeit, als es noch Beruf war und kein Job, den wir oder die wir ausfüllten.
Bescheuerte Dienstanweisungen von Chefs, Radiolegenden wie Hanns Verres, Mysterien der deutschen Sprache, Aussprachedetails, korrektes Deutsch, Zungenbrecher wie Köttbullar oder isländische Gletschernamen und Versprecher, das alles kommt uns sprudelnd entgegen, nicht wie ein billiges Mineralwasser, eher lebhaft aufschäumend wie Champagner in der Flöte.
Ob Katastrophenereignisse, Börse, Pressestimmen oder Nachrichten, Rezensionen, Anmoderationen von Klassikkonzerten, Nachrichtengong, Nachrichtensprache und Sprechmoden, Sendetechnisches oder „der beste Mix aus X“ oder bloßer Wetterbericht, wir sitzen als Leser mit am Sprecherpult, wenn das Rotlicht aufleuchtet und Jürgen Kolb „on air“ ist, wie es heute anglizistisch ausgedrückt heißt. Das alte „auf Sendung sein“ taugt halt heutzutage nicht mehr.

Das Berufsbild Sprecher ist ähnlich verschwommen wie das des Journalisten: „Jeder darf sich Sprecher nennen“, merkt Kolb an.
Wir lachen mit, wir weinen mit über die Trends beim Radio, alles irgendwie gleich klingen zu lassen, die Überraschungen zu tilgen die Originale und das Originelle aus dem Radio zu verbannen.
In einem Glossar am Ende des Buches werden wir mit Fachbegriffen der Radiolandschaft erklärend vertraut gemacht.
Es ist zwar ein Buch, aber irgendwie müsste man eine Radioserie daraus fertigen, aber das ist wieder ein ganz und gar anderes Thema. Wer hinter die Kulissen eines Senders schauen möchte, dem sei dieser Radioschmöker empfohlen.“
Das Buch von Jürgen Kolb „Bei Rotlicht bitte kein Wasser zapfen. Meine vierzig Jahre Radio“ ist ab sofort unter anderem hier erhältlich: (Bezahlter Link)









