
Verkehrsfunk ade


Je kleiner das Sendegebiet eines Senders, um so mehr haben Verkehrsmeldungen noch Sinn, da die Wahrscheinlichkeit umso größer ist, dass es einen Autofahrer wirklich betrifft. Aber auch einige landesweite Sender wie 1LIVE senden längst nicht alle Staus, sondern nur die längsten, damit die Hörer zu Hause nicht genervt abschalten.
Was kommt nach dem Verkehr denn vielleicht noch auf den Prüfstand? Der Wetterbericht? Auch dafür schauen immer mehr Menschen auf ihre Wetter-App, die das Wetter für ihren Wohnort mehr oder weniger genau vorhersagt – aber vor allem genau dann, wenn sie es wissen wollen. Die Echtzeit spielt im Leben der Menschen heute die entscheidende Rolle, die Smartphones geben den neuen Takt vor, an ihr müssen sich alle linearen Medien messen lassen. Daher wird der Trend zu On Demand als zweiter großer Trend in den 20er Jahren anhalten.
Podcast First

Gerade bei wortlastigen Radioprogrammen ist eine Modulisierung des linearen Programms zu beobachten. Mit den Nachrichtensendungen hat es begonnen, die man jederzeit digital nachhören kann, wann man will. Immer mehr lineare Radioprogramme werden in alle Einzelteile zerlegt und nach können nach Belieben neu zusammengesetzt und in Audiotheken abgerufen werden. Bei der ORF-Radiothek z.B. sind viele Live-Elemente ca. eine Woche lang chronologisch verfügbar.

Spotify arbeitet umgekehrt mit Hochdruck daran, immer radioähnlicher zu klingen, in dem User ihre Lieblings-Podcasts mit ihrer Lieblingsmusik mischen und so ihr eigenes Lieblingsradio basteln können. Jetzt hat Musikstreaming zwar die Tonträger und mp3-Downlaods überflüssig gemacht, aber das Radio noch lange nicht. Lineares Radio wird weiterhin für die musikalisch eher unentschlossenen Menschen das richtige Medium bleiben, die das Gefühl haben wollen, dass echte Menschen sie mit unterhaltsamen und informativen Inalten versorgen. Sie brauchen im Prinzip nur einen Knopf zum Ein- und Ausschalten und einen für die Lautstärke. Alles andere wäre zu mühsam. Die Leanback-Mentalität wird es immer geben, aber wahrscheinlich wird sie seltener.

Die Dopamin-Spritzen wie TikTok, YouTube, Facebook, Snapchat oder Tinder knabbern immer mehr am Zeitkontingent der RadiohörerInnen, weil sie meistens auch mit Ton konsumiert werden, da stört das Radio im Hintergrund schnell. Was sollen Radiosender und alle anderen klassischen Sender tun, um sich gegenüber soviel digitaler Ablenkung zu wehren? Na klar, sie importieren ihre Inhalte dort, wo sich ihre HörerInnen aufhalten, um sie zu erreichen und hoffentlich auch zurückzuholen. Denn viele Radiosender finanzieren sich durch Werbung, die sie aber auf den Plattformen kaum verdienen können, sondern eher zu Hause im Radio oder auf der eigenen Webseite.
Die große Frage ist heute, wie kann man als Radioanbieter mit all die vielen endlos Spaß-Videos konkurrieren? Geht man mit den eigenen Inhalten dort nicht komplett unter? Ja, es sei denn, man passt sich mit den Inhalten an die Plattform an. Dort ist man dann nicht einer von 10-20 empfangbaren Radiosendern, sondern einer von Millionen Contentproduzenten, die gleichberechtigt nebeneinander stehen und dem gleichen Like-Mechanismus ausgesetzt sind. Deswegen suchen die Hörfunksender ständig junge Mitarbeiter mit Social-Media-Erfahrung oder engagieren junge YouTuber und bekannte Influencer. Oftmals hat dann der Online-Content nichts mehr mit eigentlich Radioprogramm zu tun. Wichtig ist nur, dass jeder Post gebrandet mit dem Senderlogo ist. Denn die einzige Hoffnung der Radiomacher ist, dass sich die Plattform-User an den Sendernamen erinnern, wenn sie bei einer Telefonumfrage nach ihrem Lieblingssender gefragt werden. Mit den so generierten MA-Zahlen können Radiosender noch immer am meisten verdienen. Die Radiobranche hofft, dass das Prinzip der digitalen Werbemittelstreuung noch lange so funktioniert.
Digitale Audio-Endgeräte
Die Digitalisierung der Audio-Welt lässt auch den digitalen Gerätemarkt wachsen: die einen schwören auf DAB+ Digitalradios, andere Alleskönner mit WLAN-, UKW- und DAB+ inklusive Spotify Connect bzw. Amazon Music.
Am meisten verkauft werden weiterhin sprachgesteuerte Lautsprecher von Amazon, Google oder Apple. Dass mit dem Smartphone noch vergleichsweise selten Radio gestreamt wird, liegt sicher am Verbrauch des Datenvolumens und des Akkus und weil viele andere Funktionen des Smartphones einfach relevanter erscheinen. Zu Hause wird neben dem Smartphones also immer ein zweites Gerät mit Lautsprecher benötigt. Und da gibt bei z.B. bei einigen DAB+ Digitalradios noch Luft nach oben, was z.T. auch an der Bitrate liegt, aber das ist ein anderes Thema, zu dem in Kürze hier ein weiterer Artikel von Wolf-Dieter Roth erscheint.









