Verkehrsfunk: Noch lange nicht überflüssig

Veröffentlicht am 06. Okt. 2019 von unter Standpunkte

Verkehrsfunk? Den braucht man doch nicht mehr, wenn die Navigationsgeräte selbstständig Verkehrsmeldungen berücksichtigen können, oder? Doch, wie der Autor in einer durch Garmin verursachten anderthalbstündigen Zwangspause auf der A9 feststellen durfte…

Es nervt, wenn die Verkehrsmeldungen kommen, insbesondere zur Urlaubszeit, mit Staus auf allen Autobahnen und Wartezeiten an allen Grenzübergängen. Wenn da die Meldungen endlich alle durch sind, kann man fast schon wieder neu von vorne anfangen…

DAB+ Autoradio mit Verkehrsfunk im Citroën DS 7 (Bild: ©W.D.Roth)

Im Citroën DS 7, dessen Sound-System ich auf der Messe schließlich ansehen konnte, wäre DAB+ und damit BR Verkehr gegangen. (Bild: W.D.Roth)

Konsequent umgesetzt haben einige öffentlich-rechtliche Sender dies auf speziellen, auf DAB+ ausgestrahlten Non-Stop-Verkehrsfunk-Kanälen. Beim Bayerischen Rundfunk heißt dieser Kanal BR Verkehr: Mit einer sehr synthetischen Computerstimme und geringer Bandbreite werden alle vorliegenden Verkehrsmeldungen in einer Endlosschleife vorgelesen. Kein besonders sinnliches Erlebnis, doch sehr praktisch, wenn man eben jetzt und sofort Verkehrsmeldungen braucht und nicht bis zur halben Stunde warten will. Lediglich Gefahrenmeldungen wie verlorene Reifen und Geisterfahrer bereiten Probleme, weil sie die normalen Meldungen so oft unterbrechen, daß diese gar nicht mehr vorankommen.

Doch offensichtlich traut der Bayerische Rundfunk seinem System selbst nicht über den Weg, weil er sowohl auf Bayern 1 als auch auf Bayern 3 noch die “normalen”, von Menschen vorgelesenen Verkehrsmeldungen präsentiert. Rätselhaft nur, dass dies gleich auf beiden Programmen sein muss, wo doch seit Jahrzehnten jedes Autoradio bei Verkehrsmeldungen umschalten kann? Sollte etwa der Wortanteil beider Programme ohne Verkehrsfunk zu gering sein?

Wie auch immer: BR Verkehr ist die praktischere Lösung. Zuhause vor oder im Auto nach dem beim Losfahren einschalten, die Meldungen durchhören und dann wieder auf eine Programmquelle eigener Wahl umschalten. Nur die Falschfahrer bekommt man so natürlich nicht zeitnah mit.

DAB+ geht nur in alten VWs

Allerdings sollte man ein älteres Auto besitzen. In einem VW Polo von 2002 kann jede gute VW-Werkstatt ein DAB+ Radio auch nachträglich einbauen, sogar als Angebot von VW selbst.

Bei aktuellen VW-Fahrzeugen ist das jedoch genauso wie bei BMW, Mercedes & Co. gesperrt: Da steuert das Radio alles und kann nicht getauscht werden. DAB+ kann es nur, wenn das vom Erstkäufer ab Werk geordert wurde – wenn nicht, dann ist der DAB+ Empfang zwar weiterhin ausführlich im Handbuch beschrieben, um den Autobesitzer zu ärgern. Doch nachgerüstet werden kann es nicht, auch nicht gegen Geld.

Das kann VW nicht und das will VW auch nicht. Wer kein Geld für einen Neuwagen hat, muss bestraft werden. Wo er mit dem neuen Radio-Navigationssystem-Kombigerät nun endlich das Navigationsgerät los ist, das mit Saugnapf an der Windschutzscheibe hing, im Kreisverkehr regelmäßig abging und sich mit dem Zigarettenanzünder-Versorgungskabel im Lenkrad verhedderte, was dann das Verlassen des Kreisverkehrs kompliziert machte, kann er stattdessen nun einen DAB+ Empfänger dorthin hängen, der ebenso im Kreisverkehr herunterfällt, dafür aber auch noch über UKW ins Autoradio einstrahlt, was angesichts des vollen UKW-Bands natürlich nichts ist für größere Fahrstrecken.

Wer nicht hören kann, muss fernsehen Navi nehmen?

Ob die zukünftige DAB+ Pflicht in Neuwägen dieses Problem langfristig beseitigt, wird man sehen. Bereits existierenden Autos nützt sie aber nicht.

Also statt Verkehrsfunk zu hören sich vom Navi leiten lassen, auch wenn man die Strecke eigentlich auswendig kennt? Schließlich bekommt dies ja auch die Verkehrsinformationen und schlägt dann auch automatisch Ausweichstrecken vor?

Nein, das ist keine gute Idee. Nicht nur, weil dann alle dieselbe Ausweichstrecke fahren und diese Landstraße so noch mehr verstopft als zuvor die Autobahn. Sondern auch, weil die Navi-Hinweise der Erfahrung ortsansässiger Autofahrer absolut unterlegen sind.

Konkret wollte ich nach München, ins M.O.C., zur jährlich stattfindenden High End-Messe. Das M.O.C. ist eine öffentlich leider nicht gut erschlossene Location. Mit Auto dagegen halbwegs brauchbar zu erreichen, wenn man nicht über die stets verstopfte A9 fährt, sondern über die B13. Woran sogar die Messe selbst immer wieder erinnert.

Ziel der Autofahrt: Die High End 2019 (Bild: ©W.D.Roth)

Ziel der Autofahrt: Die High End 2019 (Bild: ©W.D.Roth)

Garmin sieht dies leider anders. Das Navigationssystem nervte nicht nur dadurch, dass es mich wegen Staus auf der Umfahrung A99 auf die B2R umleiten wollte, also durch die Stadt, auf dem Mittleren Ring, von Einheimischen auch “Münchens größter Parkplatz” genannt. Eine wirklich saublöde Idee, einen leichten Stau mit einem schweren Stau umfahren zu wollen.

Doch bei Garmin offensichtlich Programm!

Das Gemecker des Navis ignorierend die geplante Strecke A99 – B13 fahrend, übernahm ich dann schließlich kurz vor dem Ziel doch die Ansagen des Navis. Das absolut nicht damit einverstanden war, wie ich die kurze verbliebene Strecke zum M.O.C. fahren wollte. Es jagte mich stattdessen zurück auf die A99 und in einem kilometerweiten Umweg genau auf den anderen Weg zum M.O.C., den über die A9 mit dem Dauerstau, den ich vermeiden wollte.

Während die ersten Veranstaltungen auf der High End nun ohne mich abliefen, hatte ich ausgiebig Zeit, die Verantwortlichen bei VW zu verfluchen, die dafür gesorgt haben, dass es für mich nach 24 Jahren DAB im Auto damit nun vorbei war…

Der ständige Stau zwischen M.O.C. und A9 Nürnberg ist so heftig, dass sogar die Messe davor warnt (Bild: ©W.D.Roth)

Der ständige Stau zwischen M.O.C. und A9 Nürnberg ist so heftig, dass sogar die Messe davor warnt (Bild: ©W.D.Roth)

So lästig die endlosen Verkehrsfunk-Durchsagen mitunter auch sind, zumal, wenn man das zugehörige Rundfunkprogramm nicht mag: Sie sagen klar, wo das Problem liegt. Dann kann man selbst entscheiden, was man macht. Manchmal ist der angesagte Stau ja auch schon längst wieder weg, wenn man an dessen Ort angelangt ist. Das Navi sagt einem dagegen nur Richtungen an, ohne zu erklären, was es damit eigentlich bezwecken will – und wenn man dies schließlich feststellt, ist es zu spät. Es ist für unbekannte Strecken eine hilfreiche Erfindung, doch definitiv nicht für solche, die man kennt und die man eigentlich ohne Navi fahren würde – wo es einem nur um die Staumeldunge geht. Der Vorgänger, auch Garmin, doch in einem Multitainer von Kenwood verbaut, meldete ja zumindest, wenn er wegen Staus Alternativrouten anbot und man konnte diese dann annehmen oder ablehnen. Worauf man zwar noch darauf hingewiesen wurde, wieviele Minuten man so verlöre, doch damit war es dann auch gut. Bei den aktuellen VW-Navigationssystemen geschieht dies dagegen nicht. Und Fremdradios kann man nicht mehr einbauen – sonst ginge ja auch DAB+ weiterhin…

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