Diese Woche befinde ich mich in der kalten und verschneiten Umgebung von Wien in Österreich auf der weltgrößten Radiokonferenz, den Radiodays Europe. Laut einem Poster sind hier – ungelogen – 1.600 Delegierte versammelt.
Letzten Sonntag habe ich einen speziellen Workshop über die norwegische Entscheidung, UKW abzuschalten, moderiert. Das haben sie inzwischen für alle nationalen und viele lokale Radiostationen durchgesetzt; geht man nach dem Marktanteil, nutzen 95 % aller Radiohörer nicht mehr UKW, sondern Online-Angebote und DAB+.
DAB+ ist Rundfunk: ein Lautsprecher in einer Box mit Antenne, die ein Signal empfängt, das von irgendeinem Hügel aus ausgestrahlt wird. Keine SIM-Karte, kein Datentarif – aber benötigt wird ein nagelneues Radio. Online-Radio ist natürlich anders – und im Vergleich dazu recht klein.
UKW abzuschalten war eine ziemlich mutige Entscheidung. Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten Norwegens haben es geschafft, mehr Radiostationen auf Sendung zu bringen – von drei nationalen Programmen auf über zehn nationale Programme (und sie sparen dabei viel Geld für Übertragungskosten); die Privatstationen betreiben 8 Programme statt nur einem bei gelockerter Regulierung der Inhalte. Insgesamt ist ein typischer Norweger von fünf Programmen auf UKW zu mehr als 35 auf DAB+ gewechselt.
Die letzten UKW-Sender sind im Dezember verstummt; die wöchentliche PPM-Messung hat gezeigt, wie das Publikum darauf reagiert hat. Ein spezieller Workshop war also eine gute Möglichkeit, der Branche über den Effekt der UKW-Abschaltung zu berichten.

Die Privatstationen blieben wortkarg, als ich sie nach den Einnahmen fragte, aber sie machten den Eindruck, als ob sich an ihren Kosten nicht viel geändert hätte, obwohl sie nunmehr acht Programme statt nur eines betreiben: Die Lockerung der Vorschriften zum Inhalt hat geholfen. Sie haben das Gefühl, dass das Radio nun fit für die Zukunft ist.
Die freundlichen Norweger sind sehr daran interessiert, dass andere Länder ihrem Vorbild folgen. Wie gut, dass im Raum mindestens ein Delegierter aus der Schweiz war – aus dem Land, das wahrscheinlich als nächstes UKW abschalten wird. Dort nutzen bereits 60% der Radiohörer DAB+ – die Umstellung soll bis 2022 oder sogar noch früher abgeschlossen sein.

In der Zwischenzeit warten wir auf den 17. Mai, denn dann kommt Klarheit aus Großbritannien. Dann erscheint die nächste Veröffentlichung von Radio-Hörerzahlen von der Insel und wahrscheinlich wird die Umfrage zeigen, dass das digitale Hören zum ersten Mal über die 50 Prozent-Marke gestiegen ist. Das wird – sagt die Branche – der Auslöser für die Umstellung auf Digitalradio sein: Naja – nicht ganz – es wird vielmehr der Auslöser für die Regierung sein, darüber nachzudenken. Nachdem sich die britische Rundfunkindustrie jahrelang darüber aufgeregt hat, scheinen sie nun darauf bedacht zu sein, zur Vorsicht zu mahnen.
Wie auch immer – die Norweger haben ihre Geschichte online gestellt – mit vielen Daten und Informationen.
Sie ist eine Lektüre wert.










