Alexander Tauscher: „Retter von RIAS-Sendungen“

Veröffentlicht am 29. Dez. 2013 von unter Deutschland

Alexander Tauscher auf der Daily Plaza, dem Kennedy Memorial in Dallas, USA

Alexander Tauscher auf der Daily Plaza, dem Kennedy Memorial in Dallas, USA

Er gehört zu denen, denen man im Radio schon einmal begegnet ist und der selbst für das Radio lebt: Alexander Tauscher (41). Über ein Praktikum bei Radio Chemnitz (1997) gelangte er in die Redaktionsstuben von Radio PSR (Leipzig) und Vogtlandradio in Plauen (1998: RADIO PSR; 1999-2001: Vogtlandradio).

Anschließend wirkte er in den Nachrichten vom BLR Radiodienst als Redakteur und Sprecher mit. Diese wurden vorwiegend über Lokalsender (nichtbayerische Sender: Radiodienst, eingestellt: 01.07.2013; bayerische Lokalsender: BLR) verbreitet. Seit 2006 ist er Redakteur bei der mbw Medienberatung der Wirtschaft in München.

Mitte der Neunziger Jahre machte er sich für den Verbleib von Sendungen des ehemaligen RIAS Berlin im Deutschlandradio stark; seine vertonten „Radioreisen“ (vorwiegend bei Sendern der Radio Group) finden Anklang bei einer festen Hörergemeinde. Seine Bemühungen wurden schon von Erfolg gekrönt: im Jahr 2001 belegte Alexander Tauscher den 1. Platz beim Medienpreis der Sächsischen Landesmedienanstalt für eine O-Ton-Collage zur Deutschen Einheit; im Jahr 2006 wurde ihm von der Kroatischen Tourismuszentrale der Golden Pen (die goldene Feder) für die beste Reisesendung im deutschen Hörfunk verliehen. Der RADIO KURIER-Redakteur Hendrik Leuker hat mit ihm das folgende Interview geführt:

Hendrik Leuker: In erster Linie sind Sie gelernter und preisgekrönter Journalist und Redakteur. Wie sind Sie das geworden?

Alexander Tauscher: Ich bin, wie nicht wenige meiner Kollegen, ein Quereinsteiger. Denn ich kam als gelernter Industriekaufmann ins Radio. Ganz ohne Studium, sogar ohne Volontariat! Und das habe ich wohl meiner Verbissenheit damals zu verdanken, meinem Herzblut für dieses Medium. In meiner Jugend beteiligte ich mich mit Hörerbriefen und Anrufen bei Radiosendern. Auf das spezielle Engagement für den RIAS komme ich später noch zu sprechen. Dennoch ging es auch für mich nicht ohne Ausbildung. Ich absolvierte mehrere Kurse beim Sächsischen Ausbildungskanal SAEK in Chemnitz, bei der Media Plus in Zwickau, später an der Journalistenschule in München. Doch es kam auf den Türöffner an: Das war damals der Geschäftsführer von Radio Chemnitz, Tino Utassy. Er ließ mich „probefunken“. Ihm gefiel offenbar meine Präsentation, er bot mir ein Praktikum an. Dadurch wurde Radio PSR auf mich aufmerksam. Mit einigen zum Teil bitteren Auf und Abs , wie es in dieser Radiowelt üblich ist, kam ich über das Vogtlandradio von Chemnitz aus südwärts nach Plauen und später weiter südlich nach München zum damaligen BLR RadioDienst.

Hendrik Leuker: Was zeichnet einen guten Journalisten aus?

Alexander Tauscher: Ein guter Journalist sollte sein Handwerkszeug beherrschen. Dazu gehört eine verständliche Sprache. Er sollte schwierige Zusammenhänge selbst verstehen, bevor er sie weitergibt. Er sollte im Printbereich eine schöne, aber nicht zu abgehobene Schreibe haben. Im Radio sollte er das Aktiv-Schreiben beherrschen und möglichst nah am Hörer formulieren, ohne anzubiedern und ohne abzuflachen. Moderatoren sollten ihre Selbstverliebtheit ablegen und Nachrichtensprecher eine entsprechende Stimme haben.

Alexander Tauscher in Moskau

Alexander Tauscher in Moskau

Hendrik Leuker: Welche Sprachen sprechen Sie? In welchen Sprachen können Sie Interviews führen (und seien es einfache Sätze)?

Alexander Tauscher: Ich spreche neben Deutsch sehr gut Russisch, Englisch gut, und in Französisch habe ich Grundkenntnisse. Was mir durch eine gewisse Musikalität leicht fällt, ist die Aussprache. Selbst bei Sprachen, die ich nicht spreche, versuche ich die Bezeichnungen möglichst gut auszusprechen. In Russisch und Englisch vermag ich Interviews problemlos zu führen. Im Französischen könnte ich die Fragen stellen, würde aber sicher nicht die Antwort komplett verstehen, weil die Franzosen oft dazu neigen, sehr schnell zu antworten, da sie ja glauben, man spreche ihre Sprache. Generell möchte ich sagen, dass mein Sprachunterricht an der Schule ja schon sehr weit zurückliegt und ich daher eigentlich erst durch die Reisen wieder zum Sprechen der Sprachen gekommen bin.

Alexander Tauscher im Gespräch mit Tony Marshall vor Mazada in Israel

Alexander Tauscher im Gespräch mit Tony Marshall vor Mazada in Israel

Hendrik Leuker: Aktuell arbeiten Sie seit 2006 als Redakteur bei der mbw Medienberatung der Bayerischen Wirtschaft in München. Was sind Ihre Aufgaben dort? Auf welchen Sendern sind Ihre Rundfunkbeiträge zu hören?

Alexander Tauscher: Meine Hauptaufgabe ist es, die Sender mit aktuellen Wirtschaftsnachrichten zu beliefern, mit Nachrichtenstücken und Magazinbeiträgen. Ich darf da nicht ohne Stolz sagen, dass ich pro Jahr rund 1200 solcher Audiofiles produziere, das ist schon eine ganze Menge. Diese Beiträge laufen derzeit vor allem auf den bayerischen Lokalradios. Vor der Einstellung von RadioDienst zum 01.07.2013 war ich auf vielen weiteren Sendern außerhalb Bayerns zu hören: von RTL RADIO in Luxemburg bis Hitradio RTL in Dresden, vom Inselradio Mallorca bis Radio Hamburg. Dank der Kooperation von BLR und dpaRufa hört man mich bei wichtigen Meldungen aus der Wirtschaft nach wie vor außerhalb Bayerns, was mich freut. Daneben bin ich auch in anderen Bereichen der mbw tätig und betreue zum Beispiel die Pressearbeit der Landesvereinigung Bauwirtschaft. Gelegentlich unterstütze ich auch das TV-Team (Herr Tauscher war von 1999-2001 auch Moderator im MIG Chemnitz TV; der Verf.). Dieser Mix macht mir Spaß. Ich darf eigenständig arbeiten, genieße die Unterstützung der Vorgesetzten und erlebe eine ganze Menge aus der breiten Welt der Bayerischen Wirtschaft.

Hendrik Leuker: Welchen Bezug haben Sie zum Medium Radio? Ist Radio besser als Fernsehen?

Alexander Tauscher: Wenn ich sage, Radio ist besser als Fernsehen, dann wäre das plump. Auch ich schaue Fernsehen und habe früher viel Fernsehen geschaut. Ich stelle aber jetzt fest, dass ich im Fernsehen jene Sendungen häufig schaue, die eigentlich Radiosendungen wären- nämlich Diskussionsrunden. Im Laufe der Jahre ist mir bewusst geworden, dass ich ohne ein gutes Wortprogramm nicht leben kann. Die beiden Deutschlandradio-Programme DLF und Deutschlandradio Kultur sind für mich regelmäßige Begleiter. Insofern ist gutes Radio oft besser als mittelmäßiges Fernsehen. Dass Radio das beste Begleitmedium ist, brauche ich ja gegenüber Radiomachern nicht zu begründen.

Deutschlandradio Ü-Wagen (Bild: DRadio /& Bettina Straub)

Das ehemalige RIAS-Funkhaus (Bild: DRadio /© Bettina Straub)

Die Rettung von RIAS-Sendungen

Hendrik Leuker: Was hat es damit auf sich, dass Sie ein Stück weit als Retter von RIAS-Sendungen gelten? Um welche Sendungen geht es dabei besonders?

Alexander Tauscher: Ich kann das nur kurz skizzieren, weil die Abwicklung des RIAS eine lange Vor- und Nachgeschichte hat. Als der RIAS, der Rundfunk im amerikanischen Sektor Berlins, am 31.12.1993 den Sendebetrieb einstellte, versicherte der damalige Programmdirektor Siegfried Buschschlüter in einer sehr warmherzigen, bewegenden und mich heute noch zu Tränen rührenden Rede, dass das Beste von RIAS im neuen DeutschlandRadio Berlin (heute: Deutschlandradio Kultur) neben dem Besten von DS Kultur (mit diesem Sender fusionierte RIAS) erhalten bliebe. Im ersten Sendejahr war das auch der Fall. Da hatte der RIAS einen großen Teil der Sendungen im neuen Programm erhalten können.

Ende 1994 stand fest, dass ab 1.1.1995 ein völlig neues DeutschlandRadio Berlin an den Start gehen werde, ein Programm mit völlig neuer Sendestruktur. Ein Programm, mit dem eben das „Beste von RIAS und DS Kultur“ vernichtet wurde. Auch das von mir heiß geliebte damals noch „Klingende Sonntagsrätsel“, eine Traditionssendung, die vom ersten Moderator Hans Rosenthal begründet und von 1965 bis zu dessen Tod im Jahr 1987 geleitet wurde, sollte eingestellt werden. Der Moderator Christian Bienert hat mit Unterstützung der Hörer hart dafür gekämpft, dass diese Kultsendung, die Generationen verbindet, die Ost und West zueinander brachte, erhalten blieb, wenn auch mit einigen Einschränkungen. In dieser Zeit entstand die Initiative „Bürger für RIAS“. Mit Unterschriftensammlungen und vielem mehr haben wir für das Erbe dieser Rundfunkanstalt gekämpft. Selbst habe ich in unzähligen Briefen an den damaligen Intendanten Ernst Elitz und an die Programmdirektorin Gerda Hollunder appelliert, auf die Interessen der Hörer einzugehen. Ich habe in vielen spontanen, oft verdeckten Liveanrufen im Programm die Programmmacher zur Rede gestellt. Ein Höhepunkt war mein Anruf beim damaligen Regierenden Bürgermeister von Berlin, Eberhard Diepgen (CDU) im Herbst 1996. Als ich ihn on air live fragte, ob er noch einmal die Unterschrift unter den Gründungsvertrag des Deutschlandradio setzen würde, wenn er damals gewusst hätte , wie man mit den Wurzeln dieses Senders umgegangen ist, hat er das öffentlich bezweifelt. Dieses löste im Funkhaus eine Lawine aus: Elitz setzte Diepgen massiv unter Druck, so dass Diepgen seine Äußerung später relativierte.

Beispielhaft möchte ich noch meine wöchentlichen Zuschriften an das „Sonntagsrätsel“ erwähnen. In unzähligen, oft auch bissigen Programmanmerkungen habe ich auf Missstände aufmerksam gemacht. Ich weiß, dass Christian Bienert diese Post immer weitergegeben hat. Doch leider kam fast nie eine konkrete Antwort. Christian Bienert ist Ende 2012 in den Ruhestand gegangen. Das „Sonntagsrätsel“ wird zwar fortgesetzt, doch mit neuem Moderator halbherzig und lieblos. Es entfernt sich immer mehr von dem, was die Sendung ausgezeichnet hat. Insofern hören die Baustellen namens „Hörerkritik“ nie auf…

Zum Schluss sei noch erwähnt, dass die Intendanz des Deutschlandradios sogar die historische RIAS-Leuchtschrift auf dem Funkhausdach in Berlin abmontieren wollte. Geballter Protest von Senat bis zur „Bild“- Zeitung hat das verhindert, letztlich die Erkenntnis, dass diese Leuchtschrift denkmalgeschützt ist. Nun steht diese Leuchtschrift, wird aber vom Deutschlandradio nicht mehr angeleuchtet- ich glaube, das sagt vieles….

Alexander Tauscher an der israelisch jordanischen Grenze

Alexander Tauscher an der israelisch jordanischen Grenze

Unterwegs auf Radioreisen

Hendrik Leuker: Eines Ihrer schönsten Freizeitaktivitäten sind Ihre „Radioreisen“. Wie werden diese produziert? In welchen Ländern waren sie schon überall?

Alexander Tauscher: Die Sendungen entstehen mit viel Mühe und Leidenschaft. Ich hoffe, man hört es. Sendeform ist eine Doppelmoderation mit eingebauten O-Tönen und Mini-Features. Die Menschen des Landes stehen im Vordergrund: Ein Mitarbeiter im Kibbuz in Israel, ein Fährmann am Benodet-Fluss in Frankreich, ein Insulaner vor der norwegischen Küste oder der Bergführer in den Alpen. Es geht um Auswanderer, um Hoteliers, um Künstler und Lebenskünstler. Ich versuche das packend zu präsentieren, aber ohne Hetze und übertriebenem Formatzwang. Ein O-Ton-Paket mit Atmosphäre kann da auch mal gut zwei Minuten laufen. Das Ganze lockern mein Co-Moderator und ich mit unserem Zwiegespräch auf. Dominik Kollmann (hauptberuflich Moderator beim Metropolenradio ego fm; d. Verf.) stellt die Fragen, ich beantworte sie. Das alles folgt einem von mir vorgegebenen roten Faden.

Ich produziere fast ausschließlich alle Folgen dieser Sendung. Dabei baue ich exemplarische Musikstücke des jeweiligen Landes oder Musikstücke, die zu dieser Reise passen. Hier reicht die Palette von Weltmusik aus Marokko bis hin zu Deutschem Schlager der 30-iger Jahre. So kann ich gleichzeitig meinen unausrottbaren Hang zu seltenen Musikstücken ausleben. Jede Sendung hat einen Gesamtwortanteil von 45 bis 50 Minuten. Das ist eine Menge, gerade im Privatradio. Ich bin stolz, dass ich dieses Sendeformat entwickelt und so verwirklicht habe. Ich bin gleichzeitig dankbar dafür, dass Sender uns Zeit geben. Und ich bin nicht zuletzt davon überzeugt, dass wir damit das Angebot der Sender bereichern. Diese Form der Reise-Sendung ist einmalig im deutschen Hörfunk, in dem es beim Thema Reisen meist nur sperrige Features oder Info-Häppchen gibt. Wir liegen da in der guten Mitte. Ich war inzwischen mit meinen „Radioreisen“ in den meisten europäischen Ländern und einigen arabischen Ländern. Ich war ferner in den USA, in Kanada, Australien oder Sri Lanka. Aber ich habe den allergrößten Teil unserer Erde noch nicht gesehen. Das Schlusswort unserer Sendung lautet ja immer: „Es gibt mindestens noch eintausend Orte auf dieser Welt zu entdecken“ Ich finde, es ist ein programmatisches Motto.

Hendrik Leuker: Wo werden die „Radioreisen“ ausgestrahlt? Wo sind Sie überall zu hören? Wohin führten die letzten Radioreisen?

Alexander Tauscher: Die „Radioreisen“ laufen bei privaten Radiosendern wie z.B. baden.fm (Freiburg) oder Antenne Frankfurt 95,1 (Neuzugang der Radio Group; der Verf.). Genauso wie auf Radio Saarbrücken (Radio Group) oder dem Hamburger Lokalradio. Sie werden zudem von Internetsendern übernommen und sind in diversen Online-Portalen als Podcast zu finden. Eine Übersicht findet sich übrigens auf www.radioreise.de . Meine letzten Radioreisen führten zum einen zu besonderen Orten zwischen Golan und Negev (Israel) und zuvor ein Wochenende lang in die Bretagne. Die bewegendste im Jahr 2013 war im Mai, als ich meine Verwandten in Moskau besuchte und eine Sendung über die Feierlichkeiten zum Tag des Sieges am 9.5 (Kapitulation Deutschlands 1945; d. Verf.) produzierte , im Gespräch mit Veteranen des Zweiten Weltkrieges, eine Sendung mit ungewöhnlich viel Pathos.

Radioreise bei YouTube

Radioreise bei YouTube

Webradio im Gepäck

Hendrik Leuker: Radio ist schon ein Stück weit Ihr Beruf. Nutzen Sie auch das Radio auf Reisen (Kurzwelle/ Mittelwelle/Webradio)?

Alexander Tauscher: Ich gebe zu, dass ich mich vom digitalen Wandel nicht immer treiben lasse. Bis heute verzichte ich bewusst auf ein Smartphone. Ich habe mir vor fünf Jahren ein Laptop gekauft, das ich heute immer mit auf Reisen nehme. Damit höre ich dann vor Ort eigentlich immer deutsches Radio, wenn es Internet gibt. So habe ich schon auf dem Flughafen in Moskau das „Sonntagsrätsel“ im Deutschlandradio Kultur geknackt oder auf einer Hütte in Kanada Radio Saarbrücken gehört. Das hat schon seinen besonderen Reiz….

Hobbys

Hendrik Leuker: Was sind Ihre Hobbys außerdem?

Alexander Tauscher: Beruf, Reisen und Radio – viel Zeit für weitere Hobbys bleibt da kaum noch. Aber wenn ich es genau überlege, dann doch… und das ist leicht sichtbar: Ich esse gern gut. Außerdem gehe ich gern im Sommer in die Sonne und werde knackebraun. Neuerdings habe ich ein vernünftiges Hobby: Joggen. Und so manch´ ein Hobby raubt einem dann noch die letzten Minuten der Freizeit: Facebook zum Beispiel.

Hendrik Leuker: Herzlichen Dank für das Gespräch!

 

Hendrik Leuker ist Redakteur des RADIO KURIER. Dieser Beitrag erscheint dort im Laufe des Jahres 2014 in der Reihe „Radio Köpfe“.

(Alle Fotos: © Alexander Tauscher)

Kontakt

Alexander Tauscher
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Tel: 089 / 800 846 26
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Email: info@alexander-tauscher.de
Websites: www.alexander-tauscher.de
www.alexandertauscher.de
www.radioreise.de

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