Jüngere Zuhörer bevorzugen On-Demand-Content

Veröffentlicht am 15. Jun. 2017 von unter RadioFuture

James Cridland's Radio Futrure

Vor kurzem hat RAJAR – die britische Firma für Hörerforschung – ihre eigenen “Audioanteil”-Daten als Teil ihrer MIDAS-Forschung veröffentlicht. Das Forschungsergebnis zeigt, welche Art Audio die Briten in an ihre Ohren lassen. Natürlich ist Radio die beliebteste Art Audio: 77 % allen Hörens ist Live-Radio. Das ist die Schlagzeile aus dem Vereinigten Königreich, aber ähnliche Zahlen kamen auch in den USA, in Kanada und Australien zustande.

Die Daten, die RAJAR dieses Mal freigegeben hat, beinhalten auch die Hörerzahlen verschiedener Altersgruppen. Faszinierende Lektüre – und vielleicht ein Hinweis auf die Zukunft des Radios.

Es mag manche überraschen, aber jüngere Hörer finden Radio nicht unbedingt weniger interessant als es das älteres Publikum empfindet. RAJAR gibt keine demografischen Total-Informationen frei, aber in den USA zeigt Nielsen’s Audio Today, dass 92 % der jungen Leute (18-34) jede Woche Radio hören – was fast dem Durchschnitt der US-Bevölkerung entspricht: 93 %. Die Zahlen für das Vereinigte Königreich sind nicht unähnlich. Junge Leute hören noch zu!

Allerdings: Jüngere hören weniger zu. Nielsens Total Audience Report besagt, dass 18 -24jährige 10 Stunden monatlich UKW und Mittelwellen-Radio konsumieren. Das ist ein Drittel der Zeit der 50-64jährigen. Bei den britischen HörerInnen sieht es etwas besser aus (obwohl die Zahlen nicht veröffentlicht wurden): Im Vereinigten Königreich richtet sich Radio vermehrt an jüngere Nutzer; die Gründe überraschen aber nicht: jüngere Leute pendeln anfangs weniger und nutzen im Allgemeinen weniger Medien, insbesondere das Fernsehen.

RAJARs neue Zahlen zeigen einen interessanten Unterschied beim “Audioanteil”. Briten im Alter von 55+ bevorzugen zu 89 % Live-Radio. Aber Briten im Alter von 15-24 (die niedrigste Altersgruppe, zu der RAJAR Zahlen veröffentlicht hat) hören nur 57 % allen Audios per Radio.

Für jüngere Zuschauer machen digitale Quellen 18 % ihrer Audio-Zeit aus, Hör-Angebote auf Abruf (Podcasting und Musik-Streaming) weitere 20 %. Diese Zahlen lassen YouTube außen vor – obwohl es von vielen als kostenloser Ersatz für Musikabonnementdienste geschätzt wird.

Technologie spielt eindeutig eine Rolle, denn jüngere Leute sind mit neuer Technik glücklicher als ältere Semester; junge Menschen haben schon immer Musik statt Rede bevorzugt, auch weil es dafür mehr Auswahl gibt. Aber ich vermute, der Hauptgrund für den Unterschied ist die Erwartung, alles erst auf Abruf serviert zu bekommen. Die Idee, jemanden einzuschalten, der die Songs – insbesondere willkürlich – aussucht, spricht sie scheinbar nicht an.

Die Rundfunkveranstalter haben bereits Schritte unternommen, um dies zu bekämpfen. Die Radiostation Capital Xtra bietet eine schlaue App an, die es Hörern erlaubt, Songs zu überspringen, die sie nicht mögen. Diese App wechselt von einem Live-Stream in einen personalisierten Modus, aber immer noch mit moderierten Pausen und Kennungen. Während Stationsbesitzer Global prahlt, wie toll das klappt, habe ich erfahren, dass Live-Streaming deutlich zugenommen hat: Vielleicht reicht es, nur zu wissen, dass man Songs überspringen kann.

Top 40-Station BBC Radio 1 hat sich auf eine Strategie von “hören, sehen, teilen” konzentriert – und stellt sicher, dass die besten Teile ihres Angebotes anderen zugänglich gemacht werden können. Die Station produziert auch Videoinhalte für YouTube, Facebook und den eigenen iPlayer. Stationscontroller Ben Cooper hat zugegeben, dass die Station beim traditionellen Hören härter an ihrer Strategie arbeiten muss – Besorgnis über Mangel an Fokus wird es immer geben.

Allerdings war noch nie klarer zu erkennen, dass das Publikum mehr Interaktivität und Inhalte auf Abruf von den von ihnen genutzten Marken der Unterhaltungsindustrie erwartet. Diese und ähnliche neuesten Forschungsergebnisse unterstreichen, dass Live-Radio immer das hauptsächlich genutzte Medium sein wird – aber nur als Teil einer Multi-Plattform-Zukunft.

 

James CridlandDer “Radio-Futurologe” James Cridland beschäftigt sich mit neuen Plattformen und Technologien und ihre Wirkung auf die weltweite Radiobranche. Er spricht auf Radio-Kongressen über die Zukunft des Radios, schreibt regelmäßig für Fachmagazine und berät eine Vielzahl von Radiosendern immer mit dem Ziel, dass Radio auch in Zukunft noch relevant bleibt. Sein wöchentlicher Newsletter (in Englisch) beinhaltet wertvolle Links, News und Meinungen für Radiomacher und kann hier kostenlos bestellt werden: james.cridland.net.

 

 

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