Raus aus dem Studio – mit einem USB-Mikrofon

Veröffentlicht am 01. Mrz. 2017 von unter RadioFuture

James Cridland's Radio Futrure

Die Art, wie wir Radio machen, ändert sich. Mein erster Job im Radio war mit einem schweren Uher-Tonbandgerät anlässlich eines Interviews für einen Nachrichten-Reporter – wir brauchten damals Spezial-Ausrüstung, die Hunderte oder sogar Tausende kostete. Heute haben wir die meisten Geräte schon. Aber vermutlich fehlt noch ein anständiges Mikrofon.

Das Shure MV51 ist ein altmodisch aussehendes Großmembranmikrofon, aber es ist alles andere als altmodisch. Es ist ein Mikrofon, das mit einem USB-Kabel für den Laptop und einem Lightning auf Micro-USB-Kabel für ein iPhone oder iOS Gerät daherkommt. Kein Mischpult, XLR-Kabel oder sonstiges. Nur das Shure MV51 – und das schon vorhandene Gerät.

Shure MV51 - und mein Garten ( (Foto: © James Cridland))

Shure MV51 – und mein Garten (Foto: © James Cridland)

Es ist ein klobiges, schweres Metallgerät, das sich sehr gut anfühlt. Es ist ein seltsames Design – gebaut für den Einsatz am Tisch aber mit einem kleinen erweiterbaren Standbein auf der Rückseite. Den Gummifuß kann man abnehmen und durch einen Standard-Mikrofonständeradapter ersetzen – was ich auch gemacht habe, weil ich nicht groß genug bin. Für ein Interview mit ein paar Leuten ist’s das perfekte Gerät, um vor der eigenen Nase auf einem Tisch zu stehen. Es ist nicht sehr bequem zu halten, aber Sie würden das auch gar nicht wollen – denn es ist nicht unbedingt ein tolles Nahbesprechungsmikrofon – seine Großmembran ist dafür nicht gedacht.

Die Tasten auf der Vorderseite des Gerätes lassen fünf verschiedene Modi der Audio-Verarbeitung für verschiedene Aufnahmearten zu. Ich bin normalerweise kein Fan von so was, aber die Spracheinstellung scheint einige Verbesserungen zu bieten und macht ihre Arbeit ziemlich gut.

Sogar die Lautstärkeregelung auf der Vorderseite – die durch Wischen funktioniert – hat ein schönes Design. Hierbei handelt es sich um den Eingangspegel für das Mikrofon sowie den Ausgangspegel für Ihren Kopfhörer, der auch in dieses Gerät gesteckt wird. In der Lage zu sein, den Eingangspegel zu ändern, ist für viele verschiedene Dinge nützlich: Es ist überraschend, wie viele Web-Apps zum Beispiel nicht zulassen, die Lautstärke zu ändern.

Beim ersten Gebrauch war ich erst einmal ein wenig enttäuscht, wie schnell aus sechs Zentimetern Entfernung Ploppgeräusche verursacht wurden, bevor ich gemerkt habe, dass man das Beste aus diesem Mikrofon herausholt, wenn man eine Entfernung von 30 Zentimetern oder so beibehält.
Für ein Interview vor Ort mit etwas Atmosphäre – wie mein Garten – ist das ein sehr gutes und gut ausgestattetes Mikrofon – praktisch ohne Setup – das schnell in einen Laptop oder ins Handy gesteckt werden kann. Sie brauchen wirklich nicht mehr, um unterwegs eine tolle Audio-Aufnahme hinzukriegen.

Das Shure MV51 sieht unbestreitbar schrullig aus, aber es klingt ziemlich gut. In US-Währung kostet es $ 199. In Deutschland wird es z.B. bei Amazon für 218 Euro angeboten.

 

James CridlandDer “Radio-Futurologe” James Cridland beschäftigt sich mit neuen Plattformen und Technologien und ihre Wirkung auf die weltweite Radiobranche. Er spricht auf Radio-Kongressen über die Zukunft des Radios, schreibt regelmäßig für Fachmagazine und berät eine Vielzahl von Radiosendern immer mit dem Ziel, dass Radio auch in Zukunft noch relevant bleibt. Sein wöchentlicher Newsletter (in Englisch) beinhaltet wertvolle Links, News und Meinungen für Radiomacher und kann hier kostenlos bestellt werden: james.cridland.net.

 

 

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