Millionen-Schadenersatzklage gegen Fun Radio in Frankreich

Veröffentlicht am 20. Sep. 2016 von unter Weltweit

Bruno Guillon (Bild: Fun Radio)

Bruno Guillon (Bild: Fun Radio)

Die fünf privaten Radio-Netzwerke in Frankreich – Lagardère Active, Les Indes Radio, NextRadioTV, die NRJ Group und Skyrock – fordern laut einem Medienbericht Schadenersatz von Bertelsmann/RTL, den Gesellschaftern von Fun Radio, wegen der Manipulation der französischen Media-Analyse, Mediametrie. Ersten Schätzungen zufolge könnte es sich um einen zweistelligen Millionen-Betrag handeln.

Hintergrund: Der Moderator Bruno Guillon des französischen Jugendsenders Fun Radio der RTL Group hat durch Beeinflussung der Hörer die Ergebnisse der französischen Media-Analyse massiv manipuliert (vgl. auch: Fun Radio wegen Manipulationen bei Media Analyse ausgeschlossen.

Update vom 20.12.2016

Nach Informationen von Les Echos leiten Konkurrenten von Fun Radio nun rechtliche Schritte ein. Nachdem im letzten Sommer die Enthüllungen des Rating-Betrugs bekannt wurden, fordern (neben vielen Lokalstationen) die Radio-Gruppen NextRadioTV (RMC, usw.), NRJ Group (NRJ, Nostalgie, usw,), Lagardère (Europe 1, Virgin Radio, usw.) und Skyrock nun Schadenersatz von Fun Radio (RTL Group) und haben Anklage erhoben beziehungsweise werden dies in den nächsten Tagen tun. Sie schätzen den Umsatz- und Image-Schaden auf mindestens je 10 Millionen Euro für NextRadioTV, für Skyrock und für Lagardère und auf über 20 Millionen Euro für die NRJ – Gruppe, also insgesamt über 50 Millionen Euro.

Obwohl es eher unwahrscheinlich ist, dass die Radiostationen am Ende tatsächlich die geforderten Beträge erhalten, bleibt die Größe der Zahl im Vergleich zur Größe der RTL-Radioabteilung (Ebitda von 24 Millionen Euro im Jahr 2015) beträchtlich. Die Gruppe, die derzeit von M6 übernommen wird, muss sicherlich einen Teil dieser Summe zurückstellen, doch verweist Fun Radio darauf, “dass die Forderungen wohl eher darauf abzielen, das Unternehmen zu beunruhigen.”

Laut der Unterlagen, die an das Pariser Handelsgericht gingen, wurde in nur wenigen Monaten ein ungewöhnlich starker Anstieg der Fun Radio-Quoten bemerkt und daraus resultierend auch ein Profitabilitätssprung, nachdem Bruno Guillon mehrmals seine Zuhörer aufgerufen hatte, Fun Radio in den Médiamétrie-Umfragen zu nennen, auch wenn man den Sender gar nicht hört. Laut einer Beratungsfirma, die auf Statistiken spezialisiert ist, die von einem der Wettbewerber beauftragt wurde, können solche immensen Steigerungen nicht ohne Betrug möglich gewesen sein. Nach diesem Hinweis war das Management von RTL über die Machenschaften informiert worden und es gab daraufhin Gespräche zwischen Médiamétrie und RTL, lange vor der Enthüllung des “Fungate”.

Ende Juni 2016 veröffentlichte Médiamétrie dann die Fun Radio-Machenschaften, die die Bedingungen für die Erhebung der Ratings stark beeinflusst hatten. Fun Radio, das jede Art von Betrug leugnet und es als “Schülerstreiche” herunterspielt, wurde von zwei Befragungswellen ausgeschlossen – mit erheblichen Konsequenzen für die Werbeeinnahmen. Im September hatte dann das Pariser Berufungsgericht entschieden, dass Fun Radio wieder in die Erhebung integriert werden muss.

 

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