SPUTNIK Nexel Level: Bilanz eines Experiments

Veröffentlicht am 03. Apr. 2009 von unter Deutschland

MDR-SputnikVor genau zwei Jahren startete MDR SPUTNIK in das „Next Level“. Mit dem Relaunch verlor der Sender nicht nur die starre Musikfarbe Black, sondern ging auch inhaltlich neue Wege. Der Wortanteil liegt inzwischen bei ca. 25%, überdurchschnittlich viel für eine junge Welle. Um seine Inhalte auch multimedial anbieten zu können, verfügt SPUTNIK über ein eigenes Videostudio und 12 ausgebildete Videojournalisten (VJs) – einzigartig in Deutschland. Aus einem Radiosender wurde ein Multimediaprojekt, das auf Major Promotions und Gewinnspiele verzichtet.

RADIOSZENE zog mit Programmchef Eric Markuse eine erste Zwischenbilanz.

Eric Markuse © MDR/Flad

Eric Markuse © MDR/Flad

RADIOSZENE: Zwei Jahre „SPUTNIK – The Next Level“. Welche Entwicklung sehen Sie?

Markuse: Eine äußert positive. Die Verbindung zwischen Internet und Radio war für uns ein Experiment, das sich gelohnt hat. Das merken wir nicht nur an den klassischen Zahlen der Media Analyse, sondern auch an denen im Online-Bereich. Wir sind aber immer noch in einer Phase, in der sich das Programm etablieren muss. Was wir schon jetzt sagen können ist, dass es funktioniert, ein Radio mit einem höheren Anspruch zu machen. Wir sind ein Jugendkulturradio. Zu dieser Kultur gehört das Internet, aber auch Content. Deshalb bauen wir weiterhin auf Formate mit viel Wort und neuer Musik.

RADIOSZENE: Sie haben eine für einen Jugendsender untypische musikalische Ausrichtung und Rotation. Welche Überzeugung steckt dahinter?

Markuse: Wir glauben, dass wir auch abseits des Mainstreams punkten können. Wir sollten uns in der ARD vielleicht alle zusammen darauf fokussieren, neue Musik zu fördern. Das machen wir bereits auf unserer Online-Plattform, auf der schon über 2.000 Bands angemeldet sind. Darüber hinaus haben wir im letzten Jahr zusammen mit YOU FM und Fritz bei der Popkomm den „Radioaward für neue Musik“ verliehen. Das wollen wir in diesem Jahr fortsetzen und versuchen begabte Bands mit der Plattenindustrie zusammen zu bringen.

RADIOSZENE: Das ist nicht die einzige Kooperation mit den Jugendprogrammen des hr und rbb. Im Internet haben Sie mit „mysputnik.de“ in den letzten Monaten eine neue Community geschaffen. Sie greifen dabei auf eine gemeinsame Datenbank an Hörern zurück, nutzen Synergien…

Markuse: …ja, aber dennoch landet jeder User auf der Seite seines Senders mit dem jeweiligen Branding. Jedes Programm kann darüber hinaus die für sich relevanten Inhalte auf der Community prominenter darstellen. Eigentlich ist so eine Community nichts Neues. Früher gab es die sogenannten Hörerclubs, aber inzwischen haben wir durch die Möglichkeiten des Web 2.0 ganz neue Wege gefunden, mit den Hörern zu kommunizieren. Wir sind einfach viel dichter dran an den Leuten. Alleine auf der Plattform mysputnik.de hatten wir bereits im letzten Jahr knapp 10.000 registrierte User.

RADIOSZENE: Die „Sächsische Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien“ baut auf den neuen digitalen Standard „DAB+“. Ist das der Verbreitungsweg der Zukunft oder sehen Sie das Internet in einer größeren Rolle?

Markuse: Ich glaube, es wird nicht einen einzigen Weg geben und das Problem ist, dass keiner weiss, was sich durchsetzen wird. Was auf jeden Fall weiter funktioniert, ist das Internet. Ich glaube, dass da noch viel drin ist. Über das iPhone kann man Radio zwar schon jetzt gut empfangen, aber ich glaube nicht, dass sich die Internetverbreitung mittelfristig flächendeckend ausbauen lässt. Und jetzt wird ein neuer Versuch unternommen, das DAB mit einer neueren Variante, dem DAB+, auf dem Hörfunkmarkt zu etablieren. Das wäre für uns natürlich ein Glücksgriff, weil wir bisher beispielsweise in ganz Thüringen nicht zu empfangen sind. Ich bin sehr optimisch, dass die Digitaliserung des Hörfunks dieses Mal klappen wird.

RADIOSZENE: Privat sind Sie im Netz auch aktiv, mit einem facebook- und twitter-Account und einer eigenen Homepage. Welchen Stellenwert hat das Internet für Sie persönlich?

Markuse: Einen sehr hohen. Ich bewege mich fast ausschließlich im Internet, bin vielleicht sogar schon teilweise ein Nerd geworden. Ich mag einfach gerne Kommunikation. Manche ziehen es vor auf der Couch zu sitzen und im Fernsehen zu zappen. Für mich ist – so absurd das klingen mag – Fernsehen zum Nebenbeimedium geworden. Ich bin da multitaskingfähig und surfe währenddessen.
Konstantin Winkler

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SPUTNIK

 

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