Geheimtipp: Lokalradio!

Veröffentlicht am 05. Feb. 2010 von unter Deutschland

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Interview mit Stephan Schwenk, The Radio Group

RADIOSZENE: Seit eineinhalb Jahren ist das neue Lokalradio-Network der Radio Group in Rheinland-Pfalz auf Sendung. Vor kurzem hat die Landeszentrale für Medien und Kommunikation (LMK) Ergebnisse einer Studie des Marktforschungsunternehmen Ipsos veröffentlicht, nach der die Antenne-Sender “in der Gesamtheit vor allen Konkurrenten liegen”. Können Sie da ein paar Zahlen nennen?

Schwenk: Die Antenne-Sender, damit sind die Lokalradios in Rheinland-Pfalz gemeint, haben bei der Gesamt-Tagesreichweite sensationell hohe Werte, im Durchschnitt 33%. Kein anderer Sender erreicht in dieser Studie auch nur annähernd 30%. SWR3 kommt auf etwa 26% und RPR auf 23%.

RADIOSZENE: Solch eine Bekanntheit in allen Sendestandorten und die enormen Werte sind für die kurze Sendedauer von nicht einmal zwei Jahren erstaunlich hoch. Wie erklären Sie sich das?

Schwenk: Das hängt natürlich damit zusammen, dass wir in den einzelnen Städten ein sehr lokalbezoges Programm machen. Die überregionalen Radios wie SWR3 kümmern sich sehr wenig um diese Städte, wie Idar-Oberstein oder Kaiserslautern, aber wir machen dort ein 24 Stunden-Programm. Das wissen die Hörer natürlich zu schätzen, wenn es einen Sender gibt, der von frühmorgens bis spätabends das Wetter oder die Blitzermeldungen in der eigenen Stadt durchgibt. Es gibt hier sogar einen richtigen Hype, so wie es in der Gründungsphase der Privatradios in Deutschland war, so nach dem Tenor: „Endlich gibt´s ein Radio für uns”.

RADIOSZENE: Aber wie ist das zu erklären, dass die Bekanntheit höher ist als die der etablierten Sender? Gab es so viele Plakat-Aktionen?

Stephan Schwenk

Stephan Schwenk

Schwenk: Nach 25 Jahren Privatradio-Erfahrung weiß man natürlich, wie man Sender sehr schnell bekannt macht. Wir haben eine extrem hohe Durchdringung erreicht, natürlich durch Plakatwerbung, aber auch mit sehr vielen Promotions, und Guerillataktiken. So ist es uns in kürzester Zeit gelungen, auch mit Werten deutlich vor den bestehenden Sendern zu liegen. Gerade in Idar-Oberstein ist 91% Bekanntheit gemessen worden, der SWR3 liegt nur bei 78%. Da muss man sich schon fragen: warum sind wir so viel bekannter dort?

RADIOSZENE: Ja, genau das tue ich ja auch…

Schwenk: …weil wir uns jeden Tag in der Stadt präsent zeigen. Man kommt in so einer Stadt wie Idar-Oberstein oder Pirmasens an unseren Sendern gar nicht vorbei. Wir sitzen mitten im Zentrum, machen sehr viel Leuchtreklame und machen sehr viele Events für die Leute vor Ort, eben alles, um aufzufallen. Wenn man in Städten wie Berlin, Hamburg oder Wien tätig war, dann weiß man, was man tun muss. Dann ist es ein Leichtes, in einer Stadt wie Kaiserslautern in kürzester Zeit extrem bekannt zu werden.

RADIOSZENE: Der Bekanntheitsgrad ist ja nicht das Wichtigste, was ist mit den „Hörer Gestern“-Werten?

Schwenk: Also von der Bekanntheit kommen wir ja erstmal auf den weitesten Hörerkreis und das sind Werte, die man wirklich deutschlandweit beim Privatradio kaum oder gar nicht findet. Ein Sender wie Radio Idar-Oberstein hat 78% WHK, das heißt, fast 80% der Leute dort haben innerhalb der letzten vierzehn Tage den Sender gehört. In Kaiserslautern sind es 58% und auch alle anderen Sender liegen über 50%. Der Transfer von der Bekanntheit zu WHK ist also schon mal gut. Das dann in die Tagesreichweite umzusetzen, ist uns aber auch sehr gut gelungen: zum Beispiel Idar-Oberstein: 54% Tagesreichweite (RPR1: 31%, SWR 3: 26%). Das sind schon richtig schöne Werte für uns.

RADIOSZENE: Wie groß war die Stichprobe?

Schwenk: Insgesamt wurden 1800 Leute befragt, davon jeweils 300 in den sechs Städten.

RADIOSZENE: Am 10. März kommen die offizielle Media-Analyse-Daten. Glauben Sie, dass sie ähnlich gut ausfallen? Ist die Befragungsmethode denn auch mit der von Ipsos vergleichbar?

Schwenk: Ipsos befragt natürlich auch bei der MA. Sie haben das auch nach MA-Standard gemacht, nur mit einer viel höheren Fallzahl. In der MA werden in so einer Stadt wie Idar-Oberstein vielleicht 17 Leute befragt. Da sind die Schwankungsbreiten enorm. Außerdem sind die MA-Daten schon älter. Wir rechnen nicht damit, dass sich das Ergebnis sofort auch in der MA 2010 zeigt, eher in der MA 2011.

RADIOSZENE: Wer hat die Studie eigentlich in Auftrag gegeben und gezahlt? Die LMK selbst?

Schwenk: Ja, die LMK hat ja Lokalradios lizenziert und wollte wissen, ob das Konzept auch richtig ist. Deshalb war das nicht nur eine Reichweitenstudie, sondern vor allem eine qualitative Studie. Und gerade in den Qualitätsfragen liegen unsere Lokalradios sehr gut, wenn es um Nachrichtenkompetenz, politische Berichterstattung, Sport oder Kultur geht. Insbesondere ein Wert macht mir großen Mut. Auf die Frage: „Wie sehr würden Sie denn das Radio vermissen, wenn es plötzlich nicht mehr da wäre?“ antworteten 66% der Bevölkerung: “Ich würde es sehr vermissen”.

RADIOSZENE: Die Entscheidung, die Frequenzen Rockland Radio wegzunehmen, hat sich für die LMK also als richtig herausgestellt…

Schwenk: …ja, absolut! Das Konzept, einen reinen Lokalsender zu machen, hat sich eindeutig durchgesetzt. Jeder Bürger in den Städten, in denen wir senden, freut sich über diesen Sender. Es lesen ja immer weniger Leute Zeitung. Früher wurde das Lokale durch die Lokalzeitung verbreitet, heute wird das Lokale durch die Radios verbreitet. Die Chance für Lokalradio in dem Sinne wird in Zukunft immer größer.

RADIOSZENE: Wir berichteten im letzten Jahr über einen Sloganstreit zwischen den Antenne-Sendern und RPR1. Ist der nun beigelegt?

Schwenk: Ja der Streit ist beigelegt. RPR1 hat uns gegenüber geäußert, dass sie den Slogan „Die meiste Musik in Rheinland-Pfalz“ so jetzt nicht mehr verwenden werden. Leider verwenden sie ihn in einer klein wenig abgewandelten Form, aber nicht so wie wir ihn verwenden.

RADIOSZENE: In Trier hat ein Lokalsender Insolvenz angemeldet und es gab eine Neuausschreibung. Wieso darf The Radio Group die Frequenzen vorübergehend nutzen, was ist dort jetzt zu hören?

Schwenk: Im Moment läuft dort nur Musik ohne Moderation und lokale Nachrichten. Aber es gibt eine ganz normale Ausschreibung, bei der sich jeder bewerben kann. Die Radio Group sendet vorrübergehend, um die nationale Werbung von Antenne West weiter ausstrahlen zu können. Dies ist notwendig, damit die Werbekunden ihre bezahlte Leistung bei den Lokalradios auch erhalten.

RADIOSZENE: Wie hoch stehen die Chance, den Sendestandort Trier dauerhaft zu bekommen?

Schwenk: Ich schätze sie deutlich über 50% ein. Man muss jetzt mal ganz ehrlich sein. Wir haben der LMK bei jeder Ausschreibung gesagt, wir werden mehr Arbeitsplätze schaffen, viele Redakteure einstellen und lokale Studios aufbauen. Genau dies haben wir auch eingehalten. Diese Verlässlichkeit ist ein Vorteil, den wir in die Bewerbung einbringen.

RADIOSZENE: Wie viele haben Sie denn schon eingestellt?

Schwenk: Mit „Festen” und „Freien” sind wir über 170. Von der Mitarbeiterzahl sind wir mittlerweile größer als RPR. Wir tun auch sehr viel für die Ausbildung junger Nachwuchskräfte. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein anderer Bewerber in Trier genau das gleiche extensive Konzept abgibt wie wir. Das beinhaltet natürlich ein eigenständiges 24 Stunden-Programm mit vielen Redakteuren vor Ort. Wir berichten jetzt schon aus Trier in den Lokalnachrichten mit vielen O-Töne aus der Stadt und arbeiten bereits sehr eng mit den Vereinen und Institutionen zusammen. Wir bewerben uns nicht mit einem speziellen Musikformat, wir bewerben uns vor allem mit unserer starken Redaktion und das, glaube ich, wird uns sehr viel weiter helfen.

RADIOSZENE: Herr Schwenk, vielen Dank für das Gespräch.

Link:
The Radio Group

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Archivierte Kommentare

  1. molak77

    11. Feb. 2010

    Glaube nicht das da nachgedacht wird.
    Da man unter der Hand die Frequenzen vergibt siehe Trier.
    Ich hab zweimal reingehört in einer der Sender dieser Gruppe.
    Da hör ich lieber SWR3 oder 1.
    Ein Geheimtip sind die Sender nicht.

  2. Marcel Pauly

    05. Feb. 2010

    Hätte ja gerne noch gewusst, wie’s mit der Ausbreitung des Lokalradio-Angebots auf andere rheinland-pfälzische Städte aussieht. Wird darüber nachgedacht?