Neue Studie: Wirtschaftliche Verflechtungen der Medien in Bayern

Veröffentlicht am 08. Dez. 2012 von unter Pressemeldungen

BLMDie bayerische Medienlandschaft weist nach wie vor eine vergleichsweise hohe Vielfalt hinsichtlich der verbreiteten Inhalte und der engagierten Unternehmen auf. Die beobachtbaren Beteiligungsveränderungen sind in ihrer Summe relativ gering, auch wenn sowohl im lokalen Hörfunk als auch im lokalen Fernsehen die Beteiligungen von bedeutsamen bzw. größeren Unternehmensgruppen weiter angestiegen sind.

Dies ist ein zentrales Ergebnis der nun vorliegenden Untersuchung „Wirtschaftliche Verflechtungen und Wettbewerb der Medien in Bayern“, die das Medien Institut Ludwigshafen im Auftrag der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) erstellt hat. Zielsetzung der Studie, die bereits in den Jahren 1993, 2001 und 2006 durchgeführt wurde, ist die Erhebung und Dokumentation der Angebotsstruktur aller lokal berichtenden Medien in Bayern und gleichzeitig die damit verbundenen wirtschaftlichen Verflechtungen. In die Analyse einbezogen wurden Tageszeitungen, Anzeigenblätter, Heimatzeitungen, lokale Hörfunk- und Fernsehsender sowie erstmals auch Onlineangebote mit einer dezidiert auf Bayern bezogenen lokalen Berichterstattung. Mit der vorliegenden Auflage, die 2011 erhoben wurde, liegt nicht nur eine Analyse der aktuellen Medienlandschaft in Bayern vor, sondern auch eine Dokumentation der Veränderungen dieser Medienlandschaft über einen Zeitraum von 18 Jahren.

Im Tageszeitungsbereich ist eine leicht fortschreitende Verringerung der Anzahl aktueller Tageszeitungsausgaben zu beobachten. Zum Erhebungszeitpunkt erschienen in Bayern 238 Tageszeitungen und damit 9 weniger als im Jahr 2006. Eine zunehmende Marktkonzentration spiegelt sich im Anteil der Landkreise wider, in denen lediglich eine Tageszeitung mit lokaler Berichterstattung angeboten wird: Er liegt aktuell bei rund 30 Prozent und damit um 7 Prozent höher als im Jahr 2006. Nationale Untersuchungen zeigen, dass vor allem lokale Tageszeitungen in ihrer Gesamtheit mit einem Rückgang der Auflagen zu kämpfen haben. Diesem Trend konnten sich auch die lokalen Tageszeitungen in Bayern nicht entziehen. Die verbreitete Gesamtauflage sank um rund 300.000 auf 2,83 Mio. Exemplare.

Anteile bedeutssamer Unternehmensgruppen an lokalen Hörfunkangeboten in Bayern

Anteile bedeutssamer Unternehmensgruppen an lokalen Hörfunkangeboten in Bayern

Die bayerische Hörfunklandschaft ist von hoher Stabilität und Kontinuität geprägt. Die Anzahl der angebotenen Programme ist im Vergleich zum Jahr 2006 um 2 Sender auf nunmehr 63 lokale Hörfunkprogramme gesunken. Im bundesweiten Vergleich rangiert das Angebot nach wie vor an erster Stelle.

Die Veränderungen bei den Beteiligungen der bedeutsamen Unternehmensgruppen – der marktführenden Tageszeitungsverlage, Müller Medien und Burda – am lokalen Hörfunk liegen im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Tendenziell zeigt sich jedoch im Vergleich zur Untersuchung aus dem Jahr 2006, dass die Unternehmensfamilie Müller Medien und die marktführenden Zeitungsverlage am stärksten zugewinnen. Gleichzeitig gehen die Anteile der sonstigen Akteure – also von Firmen, Vereinen oder Privatpersonen – in allen Regierungsbezirken zurück. Die Anteile von Tageszeitungsverlagen an lokalen Hörfunkangeboten in Bayern liegen aktuell bei 48,3 Prozent (2006: 44,3 Prozent), von Müller-Medien bei 19,9 Prozent (2006: 16,7 Prozent), von sonstigen Firmen/Personen/Vereine inkl. Burda bei 23,8 Prozent (2006: 20,3 Prozent).

Die bayerische Fernsehlandschaft ist im Vergleich zur Vorgängerstudie weitgehend konstant geblieben: Insgesamt waren 2011 in Bayern 26 lokale Fernsehprogramme auf Sendung. Abgesehen von einigen Veränderungen in der Genehmigungslage entspricht dies im Wesentlichen der Situation im Jahr 2006.

Auch im lokalen Fernsehen konnten sowohl die Unternehmensfamilie Müller Medien als auch die Tageszeitungsverlage ihre Beteiligungen erhöhen. Die Anteile von Müller Medien steigerten sich von 20,7 Prozent im Jahr 2006 auf aktuell 29,6 Prozent, die der Tageszeitungsverlage von 21 Prozent auf 30,6 Prozent. Größte Anteilseigner bleiben im lokalen Fernsehen jedoch sonstige Firmen/Personen/Ver-eine mit einem Anteil von 38,4 Prozent (2006: 54,9 Prozent). Die Anteile von Burda haben sich von 3,4 Prozent im Jahr 2006 auf aktuell 1,4 Prozent reduziert.

Erstmals wurden im aktuellen Bericht auch Onlinemedien in die Analyse mit einbezogen. Derzeit finden sich nur wenige Angebote, die eine von den etablierten Medien (Tageszeitungen, Rundfunk) organisatorisch unabhängige lokale Berichterstattung leisten. Dezidiert lokal ausgerichtete Angebote gibt es in fünf Landkreisen (München/Starnberg, Schweinfurt, Rosenheim, Forchheim/Bayreuth und Ingolstadt), darüber hinaus sind drei weitere Plattformen zu finden, die es ermöglichen, von Nutzern erstellte lokale Inhalte aus verschiedenen Städten in Bayern bzw. ganz Deutschland abzurufen. Dazu kommen im Jahr 2011 26 Onlineangebote, die als Internetfernsehen bzw. Internethörfunk durch die BLM genehmigt waren. Von einer wirklichen Etablierung neuer Anbieter kann aktuell nicht die Rede sein; vielmehr ist zu beobachten, dass so gut wie alle etablierten Anbieter mittlerweile auch im Internet präsent sind. Sie profitieren dabei von der Bekanntheit und dem Markenimage ihrer Angebote. Folgerichtig finden sich unter den am häufigsten genutzten Seiten im Netz vornehmlich „Ableger“ der klassischen Medien.

Siegfried Schneider (Bild: BLM)

Siegfried Schneider (Bild: BLM)

BLM-Präsident Siegfried Schneider zu den Ergebnissen der Studie: „Die Zahlen bestätigen, dass es in Bayern weiterhin eine vielfältige Presse- und Rundfunklandschaft gibt. Eine vergleichbare Angebotsdichte wie im Freistaat wird in keinem anderen Bundesland erreicht. Die Tatsache, dass sich das Nutzungsverhalten bei lokalen Themen bisher kaum verändert hat, festigt die Rolle der etablierten Medien. Insgesamt ist eine Konsolidierung bzw. zunehmende Konzentration im Bereich des lokalen Hörfunks und Fernsehens festzustellen. Diese muss allerdings differenziert betrachtet werden: Wirtschaftlich starke Unternehmen sind in Zeiten des Umbruchs eher in der Lage die bestehende strukturelle Vielfalt zu erhalten. Andererseits erhöht eine große Anzahl unterschiedlicher Akteure die Wahrscheinlichkeit eines publizistischen Wettbewerbs, auch wenn sie kein Garant dafür ist.“

Die gesamte Studie „Wirtschaftliche Verflechtungen und Wettbewerb der Medien in Bayern“ kann ab sofort auf der Website der BLM als E-Book 6 eingesehen und als PDF heruntergeladen werden.

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