„RT Deutsch wird zensiert!“ – Zensur? Nein, selbst schuld!

Veröffentlicht am 04. Mrz. 2022 von unter Standpunkte

Das Arpanet, die Grundlage des Internets, wurde einst entwickelt, um auch noch bei einem Atombombenangriff kommunikationsfähig zu sein. Deshalb wird das Internet auch für Radio bis heute für eine besonders sichere Sache gehalten – doch das Gegenteil ist der Fall. Statt sich über „Zensur“ im Netz, bei Satelliten- und DAB-Lizenzen zu beschweren, wäre der klassische AM-Rundfunk für die „Stimme Moskaus“ nützlicher gewesen.

Um eine Internet-Verbindung zu unterbrechen, E-Mail, Web, Radio oder Video abzustellen, braucht es keinen Atomschlag. Es reicht schon eine hungrige Ratte, eine einstweilige Verfügung eines geltungsbedüftigen Intendanten – oder einen EU-Beschluss. Und statt des Originaltons aus Moskau bleibt nur eine Trollarmee, die in allen passenden und unpassenden Foren über „Zensur“ jammert.

Sehr, sehr unpassend, wo eben jener Imperator die Bevölkerung der Ukraine mittels Raketenwerfer sogar daran hindert, ihr eigenes Rundfunkprogramm hören und sehen zu können und lieber andere Ausstrahlungen sehen möchte. Im II. Weltkrieg wurden die deutschen Sender von den Alliierten erst gegen Ende zerbombt, im III. Weltkrieg werden Sender nun gleich zu Beginn beschossen. Wohlgemerkt lokale UKW- und Fernsehsender, die nur im Land empfangen werden konnten.

Doch hat Russland ja – wie die meisten anderen Staaten auch – Lang-, Mittel- und Kurzwellensender abgebaut. Es war viel billiger, Sendezeit auf Satelliten und DAB-Multiplexen zu mieten und einen Stream-Server ins Netz zu stellen.

Aber: Was fremde Infrastuktur benötigt, ob einen Satelliten, eine Sendeanlage in einem anderen Land oder Internet-Backbones und Nameserver, kann – und darf – nun einmal abgeschaltet werden. Niemand kann gezwungen werden, ein ungewolltes Programm aktiv weiter zu übertragen.

Über das Abklemmen des Pornoportals Xhamster wurde weit weniger gejammert, obwohl es vermutlich mehr genutzt wurde als „RT Deutsch“ – aber das würde natürlich kein Betroffener zugeben.

Dieser Tage entdecken Uraine, Österreich und England wieder die Vorzüge der Rundfunksender, die ohne weitere Hilfsmittel im In- und Ausland zu empfangen sind. Doch die nutzt Russland ebenso wie Deutschland nicht mehr. Es gab Zeiten, da war das Hören der Stimme Moskaus mit Todesstrafe belegt – aber technisch möglich. Störsender kamen erst nach dem II. Weltkrieg auf – den RIAS konnte ich auf Mittelwelle in Westdeutschland nicht empfangen, weil die Störsender aus Ostdeutschland stärker waren.

Es gab auch Zeiten, da war das Hören der Stimme Russlands interessant – heute ist es das nicht mehr. Doch dass es jetzt technisch nicht mehr geht, das liegt daran, dass auch Moskau wie die Deutsche Welle nur noch auf Satellit, Internet und lokale Sendestationen in fremden Ländern gesetzt hat. Störsender und Bomben gegen einen Sender aus Russland würde die EU sicher nicht einsetzen und Rechtsmittel könnten ihm nichts anhaben. Umgekehrt wäre das weniger sicher, weshalb es vielleicht ganz gut ist, dass die Deutsche Welle die Sendeanlage Wertachtal aufgab und sprengen ließ – sonst würde Putin dies irgendwann tun und die umgebenden Wohnorte gleich mit…


Wolf-Dieter RothÜber den Autor:
Wolf-Dieter Roth, Dipl.Ing. Nachrichtentechnik, ist Radiofan seit der Kindheit und war in den Datennetzen über Festnetz und (Amateur-) sowie Mobilfunk schon aktiv, als 1200 und 9600 Bit/s als „schnell“ galten und man gewohnt war, die eingehenden Daten live mitlesen zu können. Beruflich ist er in Elektronik, Internet- und Funktechnik, Fachjournalismus, PR und Marketing zu Hause.

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