BVZM: NRJ strauchelt in Germanien

Veröffentlicht am 05. Mrz. 2008 von unter Standpunkte

BvzMEine börsennotierte Mediengruppe wie NRJ aus Paris ist ein sensibles Gebilde. Anhaltende Misserfolge, wie zum Beispiel das stockende und verlustbringende Radiogeschäft in Deutschland und Österreich, lesen sich im Jahresbericht für die Aktionäre nicht gut. Deshalb ist der vorsichtig angekündigte Rückzug aus dem deutschsprachigen Radioraum nur logisch. NRJ ist letztlich aber nicht in Deutschland gescheitert, weil es ein schlechtes Produkt hat, sondern weil die NRJ-Manager mit der grundsätzlich anderen Situation nicht klar kamen. In Frankreich beruhte der Siegeszug der NRJ-Sender auf der Möglichkeit Lizenzen und Frequenzen zu kaufen. Keine Chance, auf diese Weise in Deutschland vorwärts zu kommen. Das mühselige Zusammensammeln von Minderheitenbeteiligungen und nur bruchstückhaft vernetzten NRJ-Radios in München, Berlin, Nürnberg, Bremen und Stuttgart bekam nie die Größe eines nationalen Netzwerks wie in Frankreich. Das Klein-Lego-System in Deutschland hievte auch keines der NRJ-Radios auf den Thron des lokalen Marktführers und die Generation iPod machte aus anfänglich frisch klingenden Jugendradios unsicher herumexperimentierende Einzelkämpfer. Das meiste wurde teuer erkauft. Und der französische Management-Stil, alles aus Paris lenken zu wollen, ist ebenfalls gescheitert.

Bernt von zur Mühlen arbeitet als Medienberater in Luxemburg. E-Mail: bvzm@bvzm.net

Dieser Beitrag ist im Rahmen des täglichen Tagebuchs von Bernt von zur Mühlen im Medienboten am 05. März 2008 erschienen und wird mit freundlicher Genehmigung des Medienbote Verlags auf RADIOSZENE veröffentlicht.

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Medienbote

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