DAB+ in Frankreich: Sendestart ohne die Großen

Veröffentlicht am 23. Jun. 2014 von unter Weltweit

dab-paris-big In Frankreich ist an diesem Wochende das Digitalradio DAB+ gestartet. Nach dem DAB-Neustart in Deutschland und den Niederlanden sind nun auch in mehreren französischen Großstädten Radiosender digital-terrestrisch on air. Das Programmangebot ist groß. Doch wichtige Unterstützer fehlen.

37 Sender sind nun in Paris auf DAB+ zu empfangen. Nicht alle senden rund um die Uhr, doch alle zusammen liefern ein spannendes Programmangebot. Auffällig ist vor allem die Präsenz von Sendern für Bürger mit Migrationshintergrund: Neben dem ursprünglich aus Gabun stammenden Sender Africa N°1 sind etwa auch „France Maghreb 2“, „Paris Mandarin“, „Radio Orient“, „World Radio Paris“ (auf Englisch), „Fréquence India“, „Beur FM“, „Antinea Radio“, „Radio Alfa“ (portugiesische Gemeinschaft), „Medi 1“ (ein Ableger des marokkanischen Senders) und „LCF“, der zweite Sender für chinesischstämmige Pariser, mit von der Partie. Insgesamt sind folgende Programme auf Sendung:

Logos der Radiostationen auf DAB+ in Paris

Weitere Programme können in Marseille auf DAB+ gehört werden, verschiedenen Berichten zufolge ist ein ebenfalls geplantes Angebot in Nizza abgesehen von Testausstrahlungen jedoch noch nicht auf Sendung. Kleinere Multiplexe werden in Monaco (8 Sender), Nantes (13 Sender) und Lyon (6 Sender) verbreitet, im Rest des Landes herrscht noch Funkstille. Im Vergleich zu den Sendernetzen in der Schweiz, in Deutschland oder den Niederlanden ist bemerkenswert, dass in Frankreich verschiedene Netzbetreiber die Programme auf Sendung bringen. In Paris, Marseille und Nizza sind eine Hand voll Sender noch nicht in der Luft, da sie sich nicht auf einen gemeinsamen Netzbetreiber einigen konnten (darunter TSF Jazz, Skyrock, Sud Radio). Ein wenig chaotisch und so gut wie ohne Testperiode als Vorlauf gestaltet sich der Start des „Radios der Zukunft“ in Frankreich.

Keine öffentlich-rechtlichen Programme, kein RTL, nichts von Lagardère

Mit euronews radio, Programmen aus dem Hause von FG DJ Radio, ado FM oder Skyrock und TSF Jazz sind auch durchaus bekannte Namen Teil der Digitalradio-Angebote. Doch die ganz großen Namen fehlen: Während sich das öffentlich-rechtliche Radio France generell zurückhält, sprach sich das Bureau de la radio sehr deutlich gegen DAB+ aus. Man sehe keine wirtschaftliche Grundlage für die digital-terrestrische Ausstrahlung und wolle sich eher auf Streaming-Angebote im Internet konzentrieren. Mitglieder des Bureaus sind u.a. die Sendergruppen Lagardère, RMC und RTL, damit also Programme wie Europe 1, RTL und RTL 2, Virgin Radio, RMC, Nostalgie und Fun Radio.

Deutschland, Österreich und Belgien als Negativ-Beispiele

Um diesen Standpunkt zu unterstreichen, nennt man auch Großbritannien und Deutschland als Beispiele für eine unbefriedigende Entwicklung, da hier die Marktdurchdringung von DAB-Radios noch nicht zufriedenstellend sei bzw. ein Abschaltdatum im Vereinten Königreich verschoben werde. NRJ ist in Deutschland selbst gegenwärtig mit einem eigenen Programm im nationalen Multiplex aktiv. Lagadère soll sich ebenfalls um einen eigenen Sendeplatz in Deutschland bemüht haben, zu einer Bewerbung kam es jedoch bis zum Sendestart 2011 nie. Gegenüber RADIOSZENE sagte ein Sprecher von ENERGY, die Zukunft des deutschlandweiten NRJ-Progamms auf DAB+ stünde momentan nicht zur Debatte.

Wie das Portal cbnews.fr berichtet, weist die Sendergemeinschaft auch auf die Entwicklung in Belgien und Österreich hin, wo der Digitalradio-Start immer wieder verschoben werde. Ob das Bureau de la Radio auch Dänemark, Norwegen, die Niederlande oder die Schweiz in ihre Untersuchungen einbezogen hat, ist nicht bekannt. Hier wird die DAB-Entwicklung von Beobachtern meist positiv bewertet.

Ob das Digitalradio, das in Frankreich RNT heißt, Erfolg haben wird, werden erst die nächsten Monate zeigen können, der Start ist holprig. Einige Sendeanlagen befinden sich noch im Testbetrieb und sollen erst in den kommenden Wochen mit voller Sendeleistung funken. Neben den großen Programmanbietern vermisst man zudem eine einheitliche Werbekampagne, wie sie in fast allen anderen Ländern stattfand, in Deutschland etwa durch das Digitalradio-Projektbüro mit der Website www.digitalradio.de. Eine ähnliche, aktuelle und moderne Anlaufstelle fehlt in Frankreich noch völlig.

 

Titelfoto: Spitze des Eifelturms. Quelle: Pchiles (cc-by-sa). Zusammenstellung der Logos: sirti.info

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