Über 1 Million DAB-Radios in Dänemark: Jetzt Umstieg auf DAB+?

Veröffentlicht am 12. Okt. 2012 von unter Weltweit

Bald wagt die Schweiz den Umstieg von DAB auf den Nachfolger DAB+. Wagemutig, denn die Eidgenossenschaft gehört zu den wenigen Ländern, in denen DAB zum Erfolg wurde – und alte DAB-Geräte nun größtenteils schweigen werden. Doch nicht nur im Süden ist DAB gern gehört. Auch in Dänemark ist DAB inzwischen eine feste Größe.  Wird man nun auch hier den Umstieg zu DAB+ wagen? Und wenn nicht: Wann dann?

Schaut man auf die Entwicklung des Hörfunks in Dänemark, so muss man unweigerlich auch einen Blick auf das Hörfunkgebäude in Kopenhagen werfen. Denn als das öffentlich-rechtliche Danmarks Radio 2009 feierlich sein neues Hauptquartier, das „DR Byen“ (zu Deutsch: „DR Stadt“) eröffnete, hatte die ganze Feier einen bitteren Beigeschmack: Man hatte sich mit der Kostenkalkulation extremst vertan, das Rundfunk-Hauptquartier mit angeschlossenem Konzertgebäude kostete schließlich rund 230 Millionen Euro. Zu viel für Danmarks Radio. Der alte Generaldirektor musste seinen Platz räumen, der neue unterzog „DR“ einem strengen Sparkurs und entließ schleunigst 300 Mitarbeiter, strich teure Fußballübertragungen aus dem Fernsehprogramm und ersetzte sie durch billige Livesendungen von Turn- und Tanzveranstaltungen.

Acht Prozent hören DAB, drei Internetradio

Sparen lautet die Devise – und das gilt auch im Digitalradio. Bereits seit 1995 ist Danmarks Radio im DAB-Geschäft. Nicht unerfolgreich: Inzwischen hören immerhin 8% der Dänen DAB, nur 3% Internetradio, den Löwenanteil von 89% beansprucht natürlich noch immer der konventionelle UKW-Empfang.

Landesweit empfangbare DAB-Programme. In Nordsjælland kommen noch 8 lokale Radiosender hinzu. (Stand: Oktober 2012)

Interessant ist ein Blick auf die in Dänemark wöchentlich (!) erscheinenden Radio-Quoten. Im vergangenen Jahr erreichte DR P5 (u.a. Oldies, Schlager) Platz 9 der Radio-Top-Ten mit 1,6% (ab 12 Jahren). In den vergangenen Wochen erreichte außerdem DR P7 (Soft AC-Format) Marktanteile bis 2,1%. Zur Veranschaulichung: Mit so einer Zahl erreicht letztgenannter Sender bereits Platz sechs unter den landesweiten Programmen. Zwischen Platz 1 (DR P4, 43%), Platz 2 (DR P3, 20%) und Platz 3 (DR P1, 7%) liegen Welten, der erste Privatsender in der Auflistung, Nova FM meldet sich dann mit 4% auf Platz 5. Zudem sind auch diese Sender digital zu empfangen.

Neue Ausstrahlungskonzepte

Zurück zum Geldproblem: Mit DAB+ könnte Danmarks Radio gehörig einsparen. Gegenwärtig werden zwei Multiplexe landesweit ausgestrahlt, den zweiten betreibt Danmarks Radio zusammen mit Nova FM, Pop FM, radio100, Radio 24syv und The Voice, der erste enthält ausschließlich DR-Programme. Mit DAB+ wäre es theoretisch möglich, alle Programme von Danmarks Radio in einem landesweiten und die landesweiten und regionalen Privatsender zusammen mit den regionalen DR-P4-Programmen in einem zweiten, regionalisierten Multiplex auszustrahlen.

DAB-Empfangsprognose Dänemark

Segen wird zum Fluch?

Das Problem: Dänische Supermärkte verkauften in den vergangenen Jahren Digitalradio-Empfänger zu Schnäppchenpreisen, bereits vor mehreren Jahren fanden sich für umgerechnet 30 Euro DAB-Geräte in den Regalen. Wohlbemerkt: DAB-Geräte, ohne Empfang von DAB+. Danmarks Radio geht von mindestens rund 750.000 DAB-alt-Geräten aus, die inzwischen verkauft wurden, während es „nur“ 500.000 Geräte in die dänischen Haushalte geschafft haben, die das neue Digitalradio DAB+ empfangen können. Für dieses Jahr erwartet man die DABplus-Bilanz mit weiteren 200.000 Geräten abschließen zu können.

UKW-Abschaltung frühestens 2019

DR-Sender Rangstrup, der auf UKW fast bis nach Hamburg zu hören ist

Sender Rangstrup: Auf UKW fast bis nach Hamburg zu hören und DAB-Versorger für fast ganz Syddanmark

In den kommenden 12 Monaten sollen nach Angaben von Danmarks Radio nähere Untersuchungen vorgenommen werden, um über den möglichen Wechsel von DAB zu DAB+ und den Umbau der Multiplexe entscheiden zu können. Sollten bis Mitte 2018 mindestens 50% der Radiohörer auf digitale Empfangswege umgestiegen sein, so soll Danmarks Radio nach Wünschen der Regierung im darauf folgenden Jahr auf seine UKW-Sender verzichten. Eine Ausnahme für den „FM Switch-Off“ besteht für kleine Lokalsender. Wobei auch diese Programme Möglichkeiten haben, mit kleinen, eigenen Multiplexen kostengünstig auf Sendung zu gehen, wie gegenwärtig ein kleiner Lokalsender nördlich von Kopenhagen beweist.

Ein Umstieg auf neue DAB+-Geräte käme vielen Hörern in Grenznähe durchaus zugute. Denn die deutschen Digitalradioprogramme können auch in Teilen Syddanmarks gehört werden. Im Gegenzug funktioniert der Empfang der dänischen Programmen im äußersten Norden sowie an der Schleswig-Holsteinischen Ostseeküste.

 

Weiterführende Informationen

Danmarks Radio verliert UKW-Kette an neues öffentlich-rechtliches Radio 24syv

Digitalradio-Übersicht von Danmarks Radio

Quelle aller statistischen Angaben: TNS Gallup Radio Meter bzw. Danmarks Radio

 

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