Boudgoust kündigt strategischen Sparkurs an

Nötig ist dieser Sparkurs, weil sich die Schere zwischen steigenden Kosten und rückgängigen Einnahmen immer weiter öffnet. Daran ändere auch das geplante neue Finanzierungsmodell auf Basis eines Haushaltsbeitrags nichts. Boudgoust: „Unser Fortbestand, die pure Existenz, ist zwar zunächst gesetzlich garantiert, aber das ist eine trügerische Sicherheit. Wir müssen jetzt handeln, wenn wir noch selbst bestimmen wollen, wohin die Reise geht. Nur so können wir auf die Herausforderungen einer sich stetig wandelnden Medienwelt reagieren.“
Das Grundprinzip des strategischen Sparkurses sei deshalb, inhaltliche Schwerpunkte zu setzen und alle Aktivitäten des Senders im Zusammenhang zu sehen. Kürzungen an einer Stelle dürften nicht zu unkontrolliertem Mehraufwand an anderer Stelle führen. Im kommenden Jahr, so kündigte Boudgoust an, würden vor allem übergeordnete Etats der Intendanz, der Verwaltungsdirektion und der Direktion Technik und Produktion gekürzt. In den folgenden Jahren seien aber nachhaltige Einschnitte in einzelnen Programmbereichen unausweichlich. Damit die Programme auch weiterhin ihren Auftrag erfüllen könnten und ihrem Anspruch gerecht würden, werde dort differenziert vorgegangen. Die Geschäftsleitung habe sich auf Kennzahlen als Arbeitshypothese geeinigt, die binnen zehn Jahren erreicht werden sollen, sagte Boudgoust. SWR1 werde zum Beispiel bei einem Einsparvolumen von 15 Prozent liegen. SWR2, das Programm mit dem größten Etat, werde dagegen einen größeren Einsparbetrag erbringen müssen. Man gehe von bis zu einem Viertel des Budgets aus. Gerade hier zeige sich, dass Sparen am Geld keineswegs gleichzusetzen sei mit Sparen an der Qualität. Das Programm nehme die Aufgabe, ein Viertel seines Etats einzusparen, bewusst zum Anlass, SWR2 noch journalistischer und noch frischer zu gestalten.
Bei SWR3 und DASDING, also bei den jungen Wellen zu sparen, wäre dagegen kontraproduktiv, sagte SWR-Intendant. Boudgoust: „Gerade bei DASDING machen wir eher jetzt noch zu wenig, hier werden wir gezielt stärker werden müssen, um das Publikum von Morgen nicht zu verlieren.“ Bei SWR4 sei ein Einsparvolumen von etwa ein Fünftel des Etats angedacht. Das heiße aber nicht, dass der SWR Regionalität reduziere. Boudgoust sagte, dass der SWR derzeit teste, wie man gerade für junge Menschen noch besser aus ihrer unmittelbaren Lebenswelt berichten kann. Ziel sei es, die Zukunftsfähigkeit der regionalen Standorte zu sichern.
Im SWR Fernsehen werde für jede Sendung hinterfragt, ob sie im Zentrum des öffentlich-rechtlichen Programmauftrags steht, ob sie die journalistische Qualität biete, die das Publikum vom SWR erwarte, ob sie ihr Publikum erreiche, und ob sich dasselbe Ziel mit weniger Mitteln erreichen lasse. In diesem Zusammenhang sei der Strategieprozess des Senders sehr hilfreich. Dieser sei schon vor einiger Zeit angestoßen worden, um das SWR Fernsehen an den Wandel der Zeit anzupassen. Am Ende stehe auch hier ein Einsparvolumen von bis zu 25 Prozent.
Trotz des strikten strategischen Sparkurses bleibe er bei seiner Zusage, dass die Sparanstrengungen, wenn irgendwie möglich, ohne Entlassungen geleistet würden, sagte Boudgoust. Hierbei helfe die natürliche Fluktuation. Im Zeitraum zwischen 2013 und 2020 gingen etwa 1.000 Mitarbeiter in Ruhestand. Ihre Stellen könnten dann entweder gezielt nicht wiederbesetzt oder in einem anderen Bereich verwendet werden.









