„Handgemachte Musik gewinnt an Relevanz, deutscher Pop konsolidiert sich“

Veröffentlicht am 10. Feb. 2020 von unter Musik

Die große Umfrage zu den aktuellen Musiktrends im Radio – Teil 3:

The Trend is your Friend! Wie entwickelt sich die Musik im Radio? RADIOSZENE stellte hierzu Musikverantwortlichen deutscher Hörfunkstationen folgende Fragen:

  1. Welche sind die aktuellen Musiktrends im Radio in Ihrem Sendegebiet? 
  2. Werden sich diese Richtungen fortsetzen, sind bereits neue Trends in Sicht?
  3. Welche waren für Sie die Top Songs und Top Alben in 2019?
  4. Wie sehen Sie die derzeitige Entwicklung deutschsprachiger Musik?

Musicmaster Musiktrends 2020

Dabei lieferten die Macher aus den Musikredaktionen eine Vielzahl interessanter Hinweise auf die aktuellen und kommenden Musikströmungen. Fazit: es bleibt spannend – und: deutsche Musik ist bei allen Formaten weiter schwer im Kommen! 

Heute beenden wir unsere kleine Serie mit den Antworten weiterer Entscheidungsträger fort:


 

„Pop und deutschsprachige Songs bestimmen die Playlisten“

 

Alexander Schmitz, MDR JUMP, Musikchef

1) Ein alles überstrahlender Musiktrend ist in unserem Sendegebiet nicht auszumachen. Pop und deutschsprachige Songs bestimmen die Playlisten. EDM spielt nach wie vor ebenfalls eine Rolle. Interessant ist, dass urbanere Sounds zunehmend an Beliebtheit gewinnen.

2) Es ist davon auszugehen, dass sich die oben genannten Vorlieben nicht von jetzt auf gleich ändern werden. Nach den Erfolgen von YouNotUs “Narcotic“ und Gamper & Dadoni “Bittersweet Symphony“ steht zu vermuten, dass noch einige ältere Hits eine ähnliche Frischzellenkur erfahren. Spannend wird die Entwicklung im Segment Deutschrap. Die Vorstöße in Richtung Mainstream in diesem Bereich nehmen zu.

3) Top-Songs unserer Hörerinnen und Hörer waren und sind zum Beispiel: 

  • Tones And I  “Dance Monkey“
  • Ed Sheeran & Justin Bieber  “I Don‘t Care“
  • Johannes Oerding  “An guten Tagen“
  • Vize  “Stars“
  • P!nk  “Walk Me Home“

4) Generell ist die Vielfalt der deutschsprachigen Musik sehr erfreulich und zu begrüßen. Allerdings scheint sich die Akzeptanz im Radio hauptsächlich auf einige wenige Künstler zuzuspitzen wie zum Beispiel Mark Forster, Wincent Weiss und Max Giesinger. 


 

„Ich würde mir wünschen, dass die deutsche Popmusik nicht nur auf den bisherigen Wegen wandelt, sondern im Mainstream mehr Songs deutsche Texte mit aktuellem Sound verbinden würde“

 

Robert Morawa, BAYERN 3, Musikchef

Robert Morawa (Bild: ©BAYERN 3)1) + 2) Was im vergangenen Jahr zugenommen hat, sind Coverversionen beziehungsweise Songs, die mit Elementen aus älteren Hits arbeiten. Vor allem im Dance und Latin Pop. YouNotUs ”Narcotic“, Daddy Yankee ”Con Calma“ (Informer), ”Turn Me On“ (Yazoo), Gamper & Dadoni mit ”Bittersweet Symphony” (The Verve) und ”Gimme Gimme Gimme” (ABBA), Black Eyed Peas mit “Ritmo” (Snap), Tyga mit ”Ayy Macarena“. Weiterhin freuen sich unsere Hörer, wenn wir ungewöhnliche Hits für sie entdecken, an die sich andere Sender zunächst nicht herantrauen, wie zum Beispiel Mathea “2x“, Tones And I “Dance Monkey“, Blanco Brown “The Git Up“, Riton “Turn Me On“, Sarah Connor “Vincent“, Pedro Capo “Calma“, Post Malone “Circles“, Vize “Stars“, The Prince Karma “Later Bitches“, Hugel “WTF“ und andere.

3) Meine persönlichen Lieblingssongs und Highlights aus dem Popjahr 2019 sind: Billie Eilish “Bad Guy“, SIDO & Monchi “Leben vor dem Tod“, Ariana Grande “7 Rings“, Lizzo “Good As Hell“, Tones And I “Dance Monkey“, Camilla Cabello “Liar“, Apache 207 “Warum tust Du Dir das an“, Lea mit Capital Bra & Samra “110“, Blackbear “Hot Girl“ Bummer und eigentlich noch viel mehr. 2019 war ein tolles Jahr fürs Radio.

4) Ich würde mir wünschen, dass die deutsche Popmusik nicht nur auf den bisherigen Wegen wandelt, sondern im Mainstream mehr Songs deutsche Texte mit aktuellem Sound verbinden würde. Für mein Gefühl ist entweder Mark Forster/Namika-Sound oder Apache 207/Capital Bra-Sound erfolgreich. Das ist gar nicht gegen diese Künstler gerichtet. Es wäre dennoch Platz für etwas dazwischen. Deswegen waren wir 2019 schwer begeistert von Juju & Henning May: “Vermissen“, von Leas Schritt, bei “110“ mit Capital Bra und Samra zusammenzuarbeiten, und auch von der österreichischen Newcomerin Mathea. Es ist noch Luft nach oben bei deutschsprachigen Produktionen. Es gibt keinen Grund, warum ein Sound wie zum Beispiel von Post Malone, Billie Eilish oder Dua Lipa nicht auch mit deutschen Texten funktionieren sollte. 


 

„Deutschsprachige Musik entwickelt sich sehr erfreulich, da sie sowohl sound- und produktionstechnisch, als meist auch textinhaltlich mit internationalen Produktionen locker mithalten kann“

 

Holger Lachmann, RBB 88.8, Musikchef

Holger Lachmann1) + 2) Da die musikalische Ausrichtung unseres Programms primär auf der Popmusik der 80er und 90er Jahre basiert, liegt die Beobachtung aktueller Musiktrends eher weniger in unserem Fokus.

2) Top Songs 2019

  • Johannes Oerding  “An guten Tagen“
  • Wincent Weiss  “Kaum erwarten“
  • Kygo & Whitney Houston  “Higher Love“

4) Als sehr erfreulich, da sie sowohl sound- und produktionstechnisch, als meist auch textinhaltlich mit internationalen Produktionen locker mithalten kann.


 

„Nach wie vor beliebt sind die elektronischen DJs/Produzenten aus Deutschland/Europa“

 

Fred Schoenagel, NDR 2, Musikchef

Fred Schoenagel (Bild: ©NDR/Christian Spielmann)

1) Nach wie vor beliebt sind die elektronischen DJs/Produzenten aus Deutschland/Europa.

Hier fällt auf, dass nach Eigenkompositionen nun Cover erfolgreich waren/sind (“Bittersweet Symphony“, “Turn Me On“, “Narcotic“, “No Good“, “Some Say“).

Zudem war es ein sehr gutes Jahr für die Newcomer unseres Soundcheck Neue Musik Festivals: Lewis Capaldi, Justin Jesso und Freya Ridings zählen zu den von uns meist gespielten Künstlern des letzten Jahres.

Handgemachte Musik (The Strumbellas, Sam Fender, Tom Gregory) scheint wieder wichtiger zu werden.

2) Keine neuen Trends absehbar, wir rechnen damit, dass der seit Jahren anhaltende Trend der elektronischen Musik weitergeht, handgemachte Musik gewinnt an Relevanz, deutscher Pop konsolidiert sich.

3) Top Songs 2019:

  • The Strumbellas  ”Salvation”
  • Decco x Alex Clare  ”Crazy To Love You”
  • Freya Ridings  ”Castles”
  • Sam Fender  ”Will We Talk?”
  • YouNotUs x Janieck  ”Narcotic”
  • Tom Gregory  ”Small Steps”
  • Justin Jesso  ”Getting Closer”

Top Alben 2019:

  • Lewis Capaldi  ”Divinely Uninspired To A Hellish Extent”
  • Billie Eilish  ”When We All Fall Asleep, Where Do We Go?”
  • Johannes Oerding  “Konturen“
  • Sam Fender  “Hypersonic Missiles“

4) Leider zu wenige wirklich spannende Newcomer, Airplay teilt sich unter den Forsters, Bendzkos, Oerdings, Giesingers und Revolverhelden des Landes auf. Künstler wie Wincent Weiss, Adel Tawil, Sarah Connor oder Silbermond haben es schwieriger im Airplay zu punkten.

(Bild: ©NDR/Christian Spielmann)


 

„Es wird weiterhin recycelt, was das Zeug hält und auch die Latin- und Deutschrap-Welle wird so schnell nicht abebben“

 

Matthias Zähler, BREMEN NEXT, Musikchef

Matthias Zähler (Bild: ©Radio Bremen/Christian Wasenmüller)1) Clubversionen bekannter Songs wie Chico Rose mit “Sad“ oder Clubtracks mit Anleihen von Klassikern wie Riton mit “Turn Me On“. Aber auch Latin Beats von Künstlern wie J. Balvin sind weiterhin sehr beliebt. Über allem steht bei der jungen Zielgruppe aber weiterhin Deutschrap!

2) Da sind mit unter anderem Yves V & Ilkay Sencan und “Not So bad“ schon die nächsten Hits im Anmarsch. Es wird weiterhin recycelt, was das Zeug hält und auch die Latin- und Deutschrap-Welle wird so schnell nicht abebben.

3) Top Alben 2019: Ed Sheeran, Billie Eilish und die EP von Apache 207

Top Songs 2019: Wiley, Stefflon Don & Sean Paul  ”Boasty”, Apache 207 ”Roller” und  Meduza  ”Piece Of Your Heart”.

4) Sehr gut! Deutschrap wird facettenreicher und genreübergreifende Kollaborationen wie Trettmann/Ali Neumann oder Juju/ Henning May machen es spannend!

(Bild: ©Radio Bremen/Christian Wasenmüller)


 

„Jugendformate sind gut beraten, weiterhin auf Urban/HipHop und deutschen Rap zu setzen“

 

Thomas Rosch, UNSERDING, Leiter der Programmgruppe Musik und Unterhaltung

Thomas Rosch (Bild: ©SR, 2018)1) Die aktuellen Trends funktionieren deutschlandweit. Weder bei SR 1 noch UNSERDING lassen sich regionale Abweichungen feststellen. Im AC-Markt (SR 1) hat nach wie vor deutsche Popmusik – bislang (leider) mehr männlich dominiert (etwa Max Giesinger, Wincent Weiss, Mark Forster und Johannes Oerding) – Hochkonjunktur. Dancepop/EDM erfreut sich auch immer noch großer Beliebtheit. Im Vergleich zum Deutschpop ist bei EDM im AC-Markt nach meinem Empfinden ein minimaler (!) Abschwung zu erkennen, aber beide Stilrichtungen haben sich auf jeden Fall fest im Mainstream etabliert und werden dort auch nicht mehr so schnell verschwinden. Calvin Harris, David Guetta oder Robin Schulz sowie viele in der Masse meist noch unbekannte Producer landen immer wieder Hit nach Hit. Das belegen sowohl die Callouts wie auch die Verkaufscharts. Jugendformate sind gut beraten, weiterhin auf Urban/HipHop und deutschen Rap zu setzen (zum Beispiel DER Newcomer 2019 Apache 207, Capital Bra oder Trettmann), der sich aber auch schon auf sehr gefällige Art und Weise klassischen Pop-Produktionen annähert und somit weniger derb und sehr viel massentauglicher daherkommt. Auch im CHR-Segment führt am Dancepop/EDM natürlich kein Weg vorbei.

Trotz immer großer Erfolge einiger gitarrenlastigeren Bands (zum Beispiel Imagine Dragons oder Welshly Arms) spielt neue Rockmusik im Radio nur noch eine untergeordnete Rolle. Hier und da wecken Newcomer wie Sam Fender die Hoffnung auf neue Impulse, geschieht aber meist nur punktuell. Das wiederum rührt auch von der Dominanz der oben genannten Trends her. Festzuhalten bleibt aber, dass gerade die etablierten Rockbands und regelrechte „Klassiker“ (zum Beispiel die Toten Hosen oder Journey auf SR 1 oder die Beatsteaks bei UNSERDING) im Saarland nach wie vor sehr gut ankommen, wie unsere Callouts belegen. Grundsätzlich gilt: Wenn neue oder immer noch angesagte Bands wie beispielsweise Kraftklub (UNSERDING) oder die Toten Hosen (SR 1) ein neues Album veröffentlichen, ist das priorisiertes Thema.

2) 2020 scheint die Marschrichtung vorgegeben: Deutschpop, Dancepop/EDM und internationaler Pop im AC-Segment (auch hier hält langsam schon Rap Einzug, freilich in massentaugliche Popsongs eingebettet, solange große „Künstler-Marken“ dranstehen, etwa Ed Sheeran & Cardi B, um Pop für alle Altersklassen zu verkaufen). Viel hören werden wir in Sachen handgemachter Popmusik noch von Singer/Songwriter Lewis Capaldi, DEM internationalen Durchstarter 2019. Im CHR-Segment sticht besonders internationaler HipHop mit unterschiedlichen stilistischen Einflüssen (zum Beispiel Country, Trap und etcetera) und deutscher HipHop/Deutschrap heraus, der zukünftig noch größeren Einfluss nehmen wird.

Insgesamt ist also kein Ende der Trends in Sicht, die auch schon 2019 führend waren. Zusätzlich haben im Sommer lateinamerikanische Beats und Sounds Hochkonjunktur.

3) Das waren definitiv unsere Top-Songs bei UNSERDING:

  • Daddy Yankee  ”Con Calma”
  • Meduza & Goodboys  “Piece Of Your Heart”
  • Lil Nas X  ”Old Town Road”
  • … aber auch Billie Eilish sollte an dieser Stelle noch erwähnt werden, die mit “Bad Guy“ 2019 so richtig durchgestartet ist!

Zu den Top Alben zählt auch bei uns auf jeden Fall Ed Sheeran ”No.6 Collaborations Project”. Das Solo Projekt von Kraftklub Sänger Felix Kummer “Kiox“ kam bei unseren Hörern sehr gut an und an Trettmann (mit dem gleichnamigen Album) kam 2019 sowieso niemand mehr vorbei.

Was Songs und Album betrifft war Capital Bra natürlich der Überflieger, der sowohl die Charts als auch die Playlist fest im Griff hatte.

4) Deutschsprachige Musik, ob Pop, Rap/Urban und alles dazwischen, führt meines Erachtens deutlich in puncto Beliebtheit. Rap freilich eher/nur in den Altersklassen U35, klassischer Pop á lá Giesinger/Forster eher Ü35. Darüber hinaus gibt es auch hochgradig nachgefragte (gitarrenlastigere) Bands, die die Nase immer weit vorne haben – ob alte Hasen wie die Toten Hosen oder die Ärzte oder sehr begabte und angesagte junge Musiker wie AnnenMayKantereit oder SDP. Gründe für die Entwicklung sind nach meiner Einschätzung: oftmals die Reduzierung auf die Gefühlsebene und der leichtere Zugang zur Musik und zu den Inhalten der Songs über die Muttersprache. Im Rap spielt das „vorgelebte“/inszenierte Lebensgefühl der Protagonisten mit Sicherheit eine große Rolle. Aber selbstverständlich auch die Tatsache, dass die Musik einfach sehr gut produziert ist und viele kreative Köpfe im Hintergrund arbeiten, die das richtige Gespür für Hits haben. Die deutsche Musiklandschaft hat sich zu einer sehr florierenden entwickelt in den letzten Jahren, die nicht mehr an olle Schlagerklischees denken lässt. Sie bringt viele Talente hervor, die das Geschäft nachhaltig verändern werden. Und Plattenfirmen werden nachvollziehbarerweise weiterhin und langfristig auf dieses Pferd setzen. Leider ist das Segment ein immer noch sehr männliches Terrain, trotz einiger Überfliegerinnen (etwa Sarah Connor, Loredana oder Juju). Da kann/sollte die Industrie noch mehr tun, um weibliche Talente stärker in den Fokus zu rücken.


 

„Viele Künstler legen sich nicht mehr auf bestimmte Stile fest. Eigentlich immer ein gutes Zeichen für Abwechslung“

 

Torsten Birenheide, RADIO PSR, Programmchef

Torsten Birenheide (Bild: ©Eric Kemnitz/RADIO PSR)

1) Die Trends aus 2019 halten an. Urbane Künstler wie Post Malone oder The Weeknd klingen jetzt ziemlich nach 80er, was natürlich den Gesamteindruck der Musik bei den deutschen Audioangeboten ziemlich stark beeinflusst. Außerdem setzen die Stars weiter auf Kollaborationen. Viele Künstler suchen sich andere Musiker, um gemeinsam neue Ideen zu entwickeln und zu veröffentlichen. Das hat natürlich fast immer einen starken Impact im Markt. Dabei geht es nicht nur um einzelne Songs, sondern teilweise um komplette Alben, wie Ed Sheeran im letzten Jahr mit “No. 6 Collaborations Project“ gezeigt hat.  Außerdem immer noch beliebt: Gut gemachte Dance-Tracks, Deutsch-Rap bei allen jüngeren Formaten und natürlich deutschsprachige Popmusik. Vor einigen Jahren haben nicht wenige Experten gedacht, das sei nur ein kurzfristiger Hype, der wieder verschwindet. Das Gegenteil ist der Fall! Die moderne deutschsprachige Musikszene ist etabliert und extrem erfolgreich.

2) Wir sehen aktuell, dass die grundsätzliche musikalische Richtung gleichbleibt. Und es sind wirklich spannende Zeiten für die Hörer! Denn die vielen Musikgenres vermischen sich immer mehr und das führt zu überraschenden Ergebnissen. Viele Künstler legen sich nicht mehr auf bestimmte Stile fest. Eigentlich immer ein gutes Zeichen für Abwechslung. 3) Für RADIO PSR und andere AC-Formate der REGIOCAST gibt es da klare Aussagen: Bei den Alben waren das Ed Sheeran mit seinem “No.6 Collaborations Project“, Robbie Williams mit “The Christmas Present“, Billie Eilish mit ihrem Grammy-Album “When We Fall Asleep Where Do We Go“, Lizzo mit “Cuz I Love You“, Taylor Swift mit “Lover“ und die Jonas Brothers mit “Happiness Begins“.

Wenn wir uns einzelne Songs und die Airplays ansehen, waren die absoluten Megahits: Tones and I mit “Dance Monkey“, Ava Max mit “Sweet but Psycho“, Lotte & Max Giesinger mit “Auf das, was da noch kommt“, Calvin Harris mit “Giant“ und Johannes Oerding mit “An guten Tagen“.

4) Die Entwicklung ist immer noch bärenstark! In den Sendertop 5 sind immer mindestens 1 bis zwei deutschsprachige Künstler vertreten. Dabei gibt es nicht nur die üblichen Verdächtigen. Jedes Jahr kommen neue Talente dazu, die mit ihrer Musik überzeugen und sehr schnell sehr erfolgreich sind.  Wir können uns also darauf einstellen, dass die deutschsprachige Musik ihren hohen Stellenwert im Musikangebot der Radiosender behalten wird. 

(Bild: ©Eric Kemnitz)


 

„Wirkliche Genretrends sind im Moment nicht zu erkennen, der aktuelle Pop klingt immer noch meist urban oder hat eine leichte EDM-Anmutung“

 

Axel vom Bruch, N-JOY, Musikchef

N-Joy

1) Wirkliche Genretrends sind im Moment nicht zu erkennen, der aktuelle Pop klingt immer noch meist urban oder hat eine leichte EDM-Anmutung. Viel gute Gitarrenmusik landet momentan nicht auf dem Schreibtischen der Radiomacher – wenn mal wieder jemand nach dem Comeback von Rock/Poprock fragen sollte …

2) Aus meiner Sicht setzt sich der aktuelle Trend in 2020 so fort. Spannend bleibt die Frage, wie lange deutscher HipHop noch die Singlecharts dominiert.

3) Beste Radio-Songs 2019:

  • Shawn Mendes & Camila Cabello ”Senorita”
  • Post Malone ”Circles”
  • Billie Eilish ”Everything I Wanted”.
  • Beste Alben in 2019: King Princess
  • Electric Guest
  • Benee

4) Viel Softes, das aber auch nachgefragt wird! Wenig Spannendes mit Haltung. Der deutsche HipHop steckt was die Produktion/Sound betrifft leider (bis auf wenige Ausnahmen) in einer Dauerschleife, aber es scheint die Zielgruppe (noch) nicht zu langweilen …


 

 „Spannend bleibt weiterhin die Entwicklung von Deutschrap in den Playlisten der Jugendradios. Mit Apache 207 entwickelt sich gerade der vielleicht erste Mainstream-Deutschrap-Star“

 

Andreas Zagelow, JUNGE ANGEBOTE im MDR (MDR SPUTNIK, MDR TWEENS, Musikchef)

MDR Sputnik

1) Im Kern konzentrieren sich MDR SPUTNIK und MDR TWEENS in ihren Programmen weiterhin vor allem auf Dance/Electro und Pop, punktuell auch auf Hip Hop/Urban. Das Interesse an deutschsprachigen Electro-Acts wie Gestört aber Geil hat leicht nachgelassen. Immer mehr Tracks arbeiten mit 1990er Jahre-Samples- und -Melodien.

2) Die beschriebenen Stile werden in unserem Sendegebiet auch 2020 stark und aktuell bleiben. Spannend bleibt weiterhin die Entwicklung von Deutschrap in den Playlisten der Jugendradios. Mit Apache 207 entwickelt sich gerade der vielleicht erste Mainstream-Deutschrap-Star. Andere Acts wie Kontra K und Juju haben schon länger verstanden, dass es für den Durchbruch im Radio eine Pophook braucht. Da geht noch mehr.

3) Top-Songs 2019:

  • Ed Sheeran & Justin Bieber  “I Don’t Care“
  • Vize  “Stars“
  • Lea  “101 (Prolog)“
  • Dynoro & Gigi Dagostini  “In My Mind“ (auch wenn schon 2017 veröffentlicht).

Die Relevanz von Alben in den Zielgruppen von MDR SPUTNIK und MDR TWEENS ist eher gering. Die von Taylor Swift, Ed Sheeran, Lena und Shawn Mendes gehörten sicher zu den wichtigeren.

4) Die deutsche Musikszene ist vital und breit aufgestellt. Das beweist unter anderem die “NEW MUSIC 2020-Hotlist“ der jungen ARD-Programme und von Deutschlandfunk Nova. Explizit deutschsprachige Radiohits sind stark von den Interpreten und Songs abhängig. Bei den Usern von MDR SPUTNIK funktionieren Mark Forster und Lea mit fast jeder Single, Hip Hop wenn er offensiv auf den Pop zugeht. Bei den jüngeren Hörerinnen und Hörern von MDR TWEENS funktionieren deutschsprachige Titel eher, hier auch von jüngeren Künstlern wie Mike Singer und Lukas Rieger sowie Influencern, Instagram- und Tik Tok-Stars. Auch Deutschrap ist in der jüngeren MDR TWEENS-Zielgruppe relevant, für uns aber wegen der Texte oft nicht spielbar.

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