Nannen Preis: Offen für Radio-Einreichungen bis 28. Februar

Moderner Journalismus hat viele Gesichter. Darum wird aus dem renommiertesten Preis für Print-Publikationen die erste Auszeichnung für Journalist*innen aller deutschsprachigen Medien: der neue Nannen Preis. Der Nannen Preis ehrt fortan herausragende publizistische Leistungen jeder Art.

Der neue Nannen Preis

Ganz gleich, ob sie in traditionellen Medien oder auf digitalen Plattformen veröffentlicht werden, ob in gedrucktem oder gesprochenem Wort, in Bildern, in grafischen oder crossmedialen Formaten. Der neue Nannen Preis ehrt ausgezeichneten Journalismus in all seinen Formen.

Carsten Hoyer (Bild: ©Antenne Niedersachsen)
Carsten Hoyer (Bild: ©Antenne Niedersachsen)

Erstmals wurde für den Nannen Preis ein Beirat einberufen, dem namhafte Journalist*innen aller Mediengattungen angehören. Als beratendes Gremium garantiert er die Unabhängigkeit des Preises und gestaltet die inhaltliche Neuausrichtung mit. Die Mitglieder des Beirats sind: Michel Abdollahi (Journalist und Moderator), Daniel Etter (Fotograf), Florian Gless (STERN), Dunja Hayali (ZDF), Carsten Hoyer (Antenne Niedersachsen), Katja Pietsch (Radio Bremen), Annette Ramelsberger (Süddeutsche Zeitung), Sonja Schwetje (ntv), Uwe Vetterick (Sächsische Zeitung), Vanessa Wormer (SWR) sowie Christoph Kucklick (Leiter Henri-Nannen-Schule) als Sprecher des Beirats.

Vanessa Wormer (Bild: ©SWR/Kathrin Martin)
Vanessa Wormer (Bild: ©SWR/Kathrin Martin)

Die Rolle der Jurys wird gestärkt. Jeweils eine eigene Jury aus erstklassigen Journalist*innen befindet in den Wettbewerbskategorien „Investigation“, „Lokal“ und „Egon Erwin Kisch-Preis“ über die Preisträger*innen. Die Jurys benennen jeweils auch die Shortlist und die Nominierten. Diese drei Kategorien sind offen für Einreichungen. Ab dem 1. und bis zum 28. Februar sind alle deutschsprachigen Journalist*innen und Redaktionen eingeladen, die besten Arbeiten in diesen Kategorien unter www.nannen-preis.de einzusenden. In einer der fünf Kategorien haben auch Nicht-Journalist*innen, die Chance auf eine Auszeichnung, wenn sie die Öffentlichkeit in journalistisch herausragender Weise informieren.

Neu sind die Kategorien „Geschichte des Jahres“ und „Republik“. Mit der Auszeichnung „Geschichte des Jahres“ kürt der Beirat die alles überragende journalistische Glanztat der vergangenen zwölf Monate. Eine Geschichte, der es mit großer Eindringlichkeit oder Unmittelbarkeit gelungen ist, das Publikum über alle Grenzen von Alter und Weltanschauung hinweg in ihren Bann zu ziehen.

In der Kategorie „Republik“ steht der Wert des Journalismus für die Gesellschaft im Vordergrund. Über diesen Preis befindet eine weitere Jury. Sie zeichnet Projekte aus, die der Öffentlichkeit einen außergewöhnlichen publizistischen Dienst erweisen.

STERN-Chefredakteur Florian Gless: „Der neue Nannen Preis denkt über Branchengrenzen hinaus und bildet die gesamte Vielfalt des Journalismus ab. Die trennscharfe Unterscheidung nach Gattungen wird im Redaktionsalltag längst nicht mehr gelebt. Journalistinnen und Journalisten erzählen Geschichten multimedial und bedienen sich dabei aller Kanäle, um das Publikum zu erreichen. Die Öffnung des Nannen Preis für alle Mediengattungen steht für veränderte Rezeptionsgewohnheiten und den Wandel journalistischer Formen.“

Christoph Kucklick, Sprecher des Beirats und Leiter der Henri-Nannen-Schule: „Journalismus wirkt. Mit den Neuerungen im Wettbewerb wollen wir stärker auf die gesellschaftliche Bedeutung des Journalismus hinweisen. Deshalb geht es in einigen Kategorien nun ausdrücklich auch um die Wirkung von journalistischen Arbeiten, um ihre Kraft, Debatten auszulösen und Veränderungen anzuregen.“

NannenPreis hoch800

Der Nannen Preis gilt als die bedeutendste Auszeichnung für Journalist*innen deutschsprachiger Medien. Mit ihm werden seit 2005 herausragende journalistische Leistungen in Wort und Bild geehrt. Ab 2021 ist der Wettbewerb für alle Mediengattungen offen. Der Nannen Preis zeichnet herausragende publizistische Leistungen jeder Art aus. Die Stifter des Preises sind das Magazin STERN und das Verlagshaus Gruner + Jahr. Die Unabhängigkeit der Auszeichnung wird durch ein aufwendiges Sichtungsverfahren mit einem Beirat und namhaften Jurys gewährleistet, denen unter anderen Chefredakteur*innen, Redakteur*innen, Autor*innen, Publizist*innen und Fotograf*innen nahezu aller großen Verlage Deutschlands angehören.


„Wichtig bleibt das Handwerk: Recherche, Verständlichkeit, Wahrhaftigkeit.“

Am 1. Februar startet die Einreichungsphase für den Nannen Preis 2021. Im Gespräch erklären Florian Gless, STERN-Chefredakteur, und Christoph Kucklick, Sprecher des Beirats und Leiter der Henri-Nannen-Schule, warum sie den Nannen Preis in diesem Jahr neu ausgerichtet haben:

Herr Gless, Herr Kucklick, Sie haben dieses Jahr beim Nannen Preis alle Regeln geändert. Können Sie uns bitte kurz die wichtigsten Neuerungen nennen? 

Florian Gless: „In diesem Jahr öffnet sich der Nannen Preis für alle Mediengattungen. Es sind ab sofort alle deutschsprachigen Journalist*innen und Redaktionen eingeladen, die besten Arbeiten unter www.nannen-preis.de einzusenden – ganz gleich, wo sie veröffentlicht wurden. Ob im Fernsehen, im Radio, im Netz oder auf Papier. Allein der Egon Erwin Kisch-Preis als Auszeichnung für die beste gedruckte Reportage bleibt als Print-Kategorie erhalten.“

Warum richten Sie den Nannen Preis neu aus? 

Christoph Kucklick: „Aus vielen Gründen. Redaktionen erzählen heute die meisten Geschichten auf vielen Kanälen, nicht nur in Print, sondern auch multimedial, im Podcast, als Bewegtbild. Die Diskussionen der Nannen-Jurys in den vergangenen Jahren haben sich oft um dieses Zerfließen der Gattungsgrenzen gedreht. Und auch das Publikum unterscheidet ja nicht nach Mediengattungen, sondern sucht nach gutem Journalismus, ganz gleich, wie er aufbereitet ist – dem trägt der neue Nannen Preis Rechnung. Ein weiterer Grund ist: Journalismus ist für die Gesellschaft wichtiger denn je. Das wollen wir zeigen und feiern – durch die ganze Vielfalt journalistischer Formen.“

Wie sind diese umfassenden Neuerungen bisher in der Branche aufgenommen worden? 

Florian Gless: „Wir sind überrascht, wie positiv die Reaktionen sind. Der Preis hat nun einen Beirat, in den wir zehn hervorragende Journalistinnen und Journalisten aller Gattungen eingeladen haben. Dieser Beirat vergibt den Preis für die Kategorie ‚Geschichte des Jahres‘ und berät uns bei all den vielen Fragen, die mit der Neuausrichtung einhergehen. Ich habe mit allen Mitgliedern gesprochen und ihnen von unserer Idee erzählt, und wirklich alle waren sofort dabei und fanden, dass dieser Weg zeitgemäß ist, ja, dass es geradezu Zeit wurde, den wichtigsten deutschen Journalistenpreis in diese Richtung zu öffnen.
Wir hatten im vergangenen Jahr eine leidenschaftliche Diskussion um den Nannen Preis für Rezo und unter anderem die Frage, ob er eigentlich ein Journalist sei. Das ist ja keine geschützte Berufsbezeichnung. Diese Frage wird aber umso wichtiger, wenn jede und jeder auf allen möglichen Kanälen senden kann. Was ist mit Joko und Klaas und dem Moria-Video? Ist das Journalismus? Wichtig bleibt in jedem Fall das Handwerk: Recherche, Verständlichkeit, Wahrhaftigkeit. Und über allem: Unabhängigkeit.“

Wie sieht moderner, preiswürdiger Journalismus 2021 in euren Augen aus?  

Christoph Kucklick: „Die Tugenden des Journalismus sind unverändert gültig: gute Recherche, Faktentreue, Unvoreingenommenheit, verständliche, unterhaltsame, spannende Aufbereitung, Relevanz. Idealerweise gelingt es zudem, ein Thema so aufzubereiten, dass es die Menschen bewegt und einen wichtigen gesellschaftlichen Diskurs anschiebt.“

In diesem Jahr findet der Preis wieder digital statt. Wie wichtig ist die Preisverleihung für den Nannen Preis? Wird es ein Zurück zur Galaveranstaltung geben? 

Florian Gless: „Wie gern würden wir den Preisträgerinnen und Preisträgern persönlich gratulieren! Die Nannen Preis-Verleihung ist immer auch ein wichtiges Branchentreffen und eine der seltenen Gelegenheiten, mit Kolleginnen und Kollegen zu feiern. Das vermissen wir sehr, aber wir glauben nicht, dass die Pandemie ein Zusammenkommen in diesem Jahr erlauben wird. Die Online-Preisverleihung hat den Vorteil, dass sie für alle offen ist – im letzten Jahr wurde das Video auf Youtube von 12.000 Menschen gesehen. Und das wollen wir ja auch: Menschen außerhalb der Branche erreichen und dass über Journalismus gesprochen wird. Man kann es nicht oft genug sagen: Die Rolle des unabhängigen Journalismus ist für unsere freie Gesellschaft essenziell. Umso wichtiger ist die offene Auseinandersetzung über unser Tun und über die Bedingungen unseres Tuns.“

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