Warum die Einführung von UKW gescheitert ist

Schlechter Empfang, fehlende Geräte, unattraktives Programm – Es wird nicht genug geboten!

„Für den Außenstehenden mag dieses Resultat einer mehr als einjährigen Aufbauarbeit auf den ersten Blick als recht befriedigend erscheinen. In Wirklichkeit gibt es jedoch verschiedene Gesichtspunkte, die gewisse Besorgnis erregen und nicht dazu angetan sind, die UKW-Entwicklung zu fördern. So selbstverständlich für den Techniker zeitweilige Unterbrechungen des UKW-Sendebetriebes auch sein mögen, so wenig Verständnis bringt erfahrungsgemäß der Radiohörer auf, wenn eine interessierende Sendung unterbrochen wird. Bei einer einstündigen Betriebsstörung kann man den Rundfunkhörer von heute zur Not noch vertrösten. Er wird jedoch mit Recht verärgert, wenn sich Sendepausen von mehreren Tagen einstellen. Immerhin hat der UKW-Hörer mindestens ein Einsatzgerät erworben und einschließlich Antennenanlage und Montage dafür einen Betrag von ca. DM 120,- aufwenden müssen. In den meisten Fällen wird hierfür – von der rühmlichen Ausnahme des NWDR abgesehen – dasselbe Mittelwellenprogramm geboten, das der Radiohörer in 50 km Umkreis höchstwahrscheinlich sowieso ohne nennenswerte Störungen aufnehmen kann.
Die Erfahrungen im Bezirk des NWDR haben eindeutig bewiesen, daß zum Erfolg des UKW-FM-Rundfunks unbedingt ein Zweifachprogramm gehört. Man kann in der heutigen Zeit dem Rundfunkhörer nicht zumuten ein UKW-Gerät zu erwerben, wenn als Gegenleistung lediglich ein Programm geboten wird, das über den Mittelwellenrundfunk bereits zur Verfügung steht.“ („Zur Entwicklung des UKW-FM-Rundfunks. Beschleunigter Ausbau des Sendernetzes und des Zweifachprogrammes“, in: Funkschau, H. 13, 01.07.1950, S. 193, zit. nach Wilhelm Herbst: UKW-Entwicklung in Deutschland 1947-1950. Dessau: Funk Verlag Bernhard Hein e.K. 2007, S. 140-141)

„Das im August mit 14 bundesweiten Sendern neu gestartete Digitalradio DAB+ kämpft weiterhin mit Problemen: Die dem Betreiber Media Broadcast zugeteilten DAB+ Frequenzen stören den analogen Polizeifunk in zahlreichen Bundesländern, unter anderem auch in Nordrhein-Westfalen. Anfang September hatte die Bundesnetzagentur den DAB+ Sendebetrieb vorübergehend untersagt. Es wurde befürchtet, dass das digitale Radiosignal den analogen Funkverkehr von Polizei, Behörden und Rettungskräften während einer für den 3. September geplanten Großdemonstration von Rechtsextremen beeinträchtigen könnte. Der Kabelnetzbetreiber Unitymedia beklagt sich zudem über Störungen durch DAB+ in den Kabelnetzen. Damit es nicht zu weiteren Abschaltungen kommt, soll das Digitalradio laut ‚Financial Times Deutschland‘ (FTD) auf eine neue Frequenz wechseln.“ (Jörg Schamberg: „DAB+: Digitalradio soll auf neue Frequenz umzie-hen“, in: onlinekosten.de vom 20.09.2011, abrufbar unter http://www.onlinekosten.de/news/artikel/45118/0/DAB-Digitalradio-soll-auf-neue-Frequenz-umziehen)

„Ein Vorteil von DAB sei die Möglichkeit einer größeren Programmvielfalt, erklärt Michael Richter, Vorstandsvorsitzender der bundesweiten Digital Radio Plattform. Doch auch das ist bisher selten Realität. Richter räumt ein: ‚In Bayern gibt es viele lokale und überregionale Sender. In Norddeutschland dagegen ist die Versorgung nicht so gut.‘ Dies bestätigt Christoph de Leuw von der Zeitschrift ‚Audio Video Foto Bild‘ in Hamburg: ‚In manchen Gegenden empfängt man zwei, drei Sender. Kein Mensch kauft sich ein neues Radio für 100 Euro, um zwei neue Sender zu empfangen.'“ (Nadine Hantke: „DAB vs. UKW. Digitalradio findet nur wenige Zuhörer“, in: Der Spiegel vom 29.01.2011, abrufbar unter http://www. spiegel.de/netzwelt/gadgets/0,1518,742291,00.html)

„DAB+ heißt der Standard, mit dem ab sofort 14 neue Radio-Sender digital senden. Die Begeisterung ist verhalten. Denn: Es gibt keinen flächendeckenden Empfang, die Auswahl an Geräten ist übersichtlich.“ (Jürgen Overkott: „DAB+ – Ära der Digitalradios startet leise“, in: Der Westen vom 01.08.2011, abrufbar unter http://www.derwesten.de/ panorama/dab-aera-der-digitalradios-startet-leise-id4925882.html)

„Durch Verwendung des effizienten AAC-Codecs ist theoretisch eine sehr gute Klangqualität realisierbar – in der Praxis senden die derzeit empfangbaren DAB+-Sender allerdings mit Datenraten von MAXIMAL! 64 kbit/s, so dass die Qualität bestenfalls das Niveau von DAB erreicht [das dem Autor zufolge unter dem von UKW bleibt], oftmals aber noch deutlich darunter liegt. […] Qualitativ ist DAB+ derzeit keine ernstzunehmende Alternative, auch die Senderauswahl und Verfügbarkeit [sic] ist mäßig.“
(Frank Wollsiefen: „Radioempfang: UKW, DAB, DAB+ oder Webradio?“, in: HiFi & Friends vom 10.10.2011, abrufbar unter http://www.hifi-and-friends.de/?p=1296)

„Auch die Errichtung der projektierten UKW-FM-Sender geht verhältnismäßig langsam vonstatten. […] Leider ist auch heute noch UKW-Empfang nur in wenigen Städten möglich. Wer sich daher mit der Entwicklung von UKW-Geräten befaßt, wird außerhalb dieser seltenen Empfangszonen Geräte nicht in allen Einzelheiten erproben können und zu diesem Zweck mehr oder weniger weite Reisen unternehmen müssen. Verschiedene Industriefirmen sahen sich sogar vor die Notwendigkeit gestellt, eigene UKW-Sender für Versuchszwecke zu betreiben.“
(„Zur Entwicklung des UKW-FM-Rundfunks. Beschleunigter Ausbau des Sendernetzes und des Zweifachprogrammes“, in: Funkschau, H. 13, 01.07.1950, S. 193, zit. nach Wilhelm Herbst: UKW-Entwicklung in Deutschland 1947-1950. Dessau: Funk Verlag Bernhard Hein e.K. 2007, S. 140-141)

„Obwohl in den Medien häufig vom bundesweiten DAB+-Start die Rede ist, wird der digital-terrestrische Hörfunk anfangs nur in den Ballungsräumen und entlang wichtiger Verkehrsrouten zu hören sein. Zum Start gehen am 1. August 27 Sendestationen on Air, damit werden schon über 55 Millionen Einwohner versorgt. Doch gibt es auch zahlreiche Lücken. Bei Radiohörern in Städten wie Kassel, Göttingen, Cottbus oder Stralsund bleibt der DAB-Empfänger zunächst stumm. Der weitere Ausbau des bundesweiten Multiplexes ist erst für 2014 geplant – um die Marktsituation zu analysieren und die beteiligten Sender nicht in ein zu großes finanzielles Risiko zu stürzen.“ (Michael Fuhr/Markus Weidner: „DAB+: Alles zum Neustart des digital-terrestrischen Radios“, 30.07.2011, abrufbar unter http://www.teltarif. de/dab-dab-radio-multimedia/news/43490.html)

„50 Millionen Menschen können derzeit digitales Radio in Deutschland empfangen, vornehmlich in den Ballungsräumen und entlang der Hauptverkehrswege. Ob eine flächendeckende Versorgung zu erreichen ist, wird sehr davon abhängen, wie viele der neuen digitalen Radiogeräte […] abgenommen werden. So ein Gerät kostet mindestens 50 Euro, 15 Millionen verkaufte Empfänger wären nach Einschätzung der meisten Beteiligten notwendig, damit DAB+ sich durchsetzt. Die Hoffnung ruht nun auf dem kommenden Weihnachtsgeschäft […].“ (Stefan Fischer: „Digitalradio: DAB+. Hörer gesucht“, in: Süddeutsche Zeitung vom 02.08.2011, abrufbar unter http://www.sueddeutsche.de/medien/digitalradio-dab-hoerer-gesucht-1.1126962)

Lesen Sie auf Seite 6 u.a.: „Katastrophale Folgen“ und „Schädliche und störende Auswirkungen“

Seite 6

XPLR: MEDIA Radio-Report