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Warum die Einführung von UKW gescheitert ist

„Macht nicht aus einer frequenzmodulierten Mücke einen ultrakurzen Elefanten.“ („Funk für Anspruchsvolle. Ultrakurz-Verdienste“, in: Die Zeit vom 14.10.1954, abrufbar unter http://www.zeit.de/1954/41/ultrakurz-verdienst)

„Wie immer im Leben, wird auch bei der Einführung der ultra-kurzen Welle nicht alles so schnell gehen, wie es in den Laboratorien geplant wurde. Sollte also am 1. Januar 1950 die Frequenzmodulation unsere heutige Sendeart noch nicht ersetzt haben – und sie wird sie bis dahin bestimmt nicht ersetzen können – so bleibt uns bei Verlust unserer bisherigen Wellen immer noch der Drahtfunk, dessen Empfang ohne jedes Zusatzgerät mit dem kleinsten Volksempfänger möglich ist.
Wenn also einer unserer Leser die Möglichkeit hat, sich ein neues, besseres Radio zu kaufen, so sollte er es ruhig tun. Eine Weiterentwicklung der Technik zum Vollkommenen abzuwarten, dürfte in keinem Falle ratsam sein, so wird jedes Jahr bessere Geräte auf den Markt bringen und den Zweifler nie in den Genuß einer Radiosendung kommen lassen.“ („Wird unser Radio ‚Altmaterial‘ werden?“, in: Radio-Almanach, H. 9, 27.02.1949, S. 15, zit. nach Wilhelm Herbst: UKW-Entwicklung in Deutschland 1947-1950. Dessau: Funk Verlag Bernhard Hein e.K. 2007, S. 32-33)

„Auch wenn es zu einer Umstellung auf DAB kommen sollte, wird diese nicht abrupt sein. ‚Bis dahin kann man mit gutem Gewissen auch ein UKW-Radio kaufen‘, meint Hansen [Redakteur der Computerzeitschrift „c’t“, Hannover].“ (Nadine Hantke: „DAB vs. UKW. Digitalradio findet nur wenige Zuhörer“, in: Der Spiegel vom 29.01.2011, abrufbar unter http:// www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/0,1518,742291,00.html)

„Eile ist beim Umstieg nicht geboten, denn die Sender werden noch lange auf analogen UKW-Frequenzen ausgestrahlt. Als letzte Übergangsfrist für den Umstieg war 2015 geplant. Es sieht aber nicht danach aus, dass die UKW-Ausstrahlung tatsächlich 2015 abgeschaltet wird. Es ist auch nicht abzusehen, ob 2015 die gleiche Sendervielfalt digital zur Verfügung steht wie derzeit für UKW.“ (Christian Fenselau: „Digitalradio: Das müssen Sie wissen“, 29.07.2011, abrufbar unter http://digitalleben.t-online.de/digitalradio-dab+-startet-das-muessen-sie-wissen/id_48422168/index)

„In der britischen Zone wird zusätzlich ein Doppelnetz leistungsfähiger UKW-Sender im 3-m-Band aufgebaut, das nach seiner Fertigstellung das so oft gewünschte ‚zweite‘ und ‚dritte‘ Programm des NWDR übertragen soll. Ehe es soweit ist, hat es noch gute Weile: der Verwaltungsrat des NWDR hofft, bis Ende 1950 sechs UKW-Stationen fertiggestellt zu haben. Ähnlich liegen die Verhältnisse in Bayern, wo man mit 15 UKW-Sendern rechnet. […]
Es erscheint also wirklich abwegig, wenn heute etwa der Käufer ausdrücklich schon auf das UKW-Rundfunk-Gerät wartet. Dann muß er auch gleich noch drei weitere Jahre zugeben können, um sich den ersehnten kombinierten ‚Rundfunk-UKW-Fernseh-Empfänger‘ anzuschaffen. Vielleicht hat auch uns dann schon das Haus-Fernsehen beglückt. Soll man aber aus diesem Grunde so viele Jahre ohne Radio bleiben…?“ (Karl Tetzner: „Über Wellen-Demontage zu Ultra-Kurz. Kopenhagener Plan bereinigt Wellenchaos – Bisherige Geräte bleiben brauchbar“, in: Die Zeit vom 21.04.1949, abrufbar unter http://www.zeit.de/1949/ 16/ueber-wellen-demontage-zu-ultra-kurz, Hervorhebungen im Original)

„Der Ton ist sachlicher geworden und das pp. Publikum hat inzwischen erkannt, wie sehr die ganze Sache noch im Anfangsstadium steckt. Es ist sehr zu empfehlen, diese erfreulich ruhige Atmosphäre zu pflegen und sich streng sachlich auf die Realitäten des UKW-Rundfunks zu beschränken. Heute noch Versuchsbetrieb, ohne daß in absehbarer Zeit mit zusätzlichen Programmen gerechnet werden darf. Empfänger und Vorsatzgeräte sind in der Entwicklung (laufend Neueröffnung weiterer UKW-Sender in der Doppelzone, die ebenfalls nur Versuche machen). UKW ist heute schon ein interessantes Betätigungsfeld für den Bastler, aber keinesfalls ein Tummelplatz für Rundfunkhörer. UKW wird eines Tages auch geschäftlich von Bedeutung sein, aber eben… erst eines Tages!“ (Karl Tetzner: „UKW im ruhigen Fahrwasser“, in: Funk-Technik, H. 16, 15.08.1949, S. 470, zit. nach Wilhelm Herbst: UKW-Entwicklung in Deutschland 1947-1950. Dessau: Funk Verlag Bernhard Hein e.K. 2007, S. 59)

„In the course of the German discussion VPRT members have soundly analysed and assessed the framework conditions, the market opportunities, as well as the risk of a systematic DAB+ introduction in Germany and in neighbouring countries. They came to the conclusion that DAB+ is not a market driven standard and therefore, for the time being, they do not see an economically sustainable future for DAB+ for the next 5-10 years. Participating in DAB+ is linked with high investments. For the next 5-10 years our members only see a small chance to refinance these costs. Therefore the suggested common European strategy for introducing Digital Terrestrial Sound Broadcasting, and in particular, with the emphasis on a timeline, is not an appropriate way forward as it does not take the economic reality into account. From the regulatory side it should be ensured that the frequencies of Band III and L-Band are saved for radio broadcasting to give them the long-term opportunity for a digital development in these bands.“ (VPRT Position: RSPG Report on Spectrum Aspects Related to „The Future of Radio Broadcasting in Europe“, Januar 2011)

Im Rückblick nichts als eine Anekdote?

„Erinnern Sie sich noch an das Jahr 1948, als wir durch den Kopenhagener Wellenplan unsere Langwellen verloren und mit wenigen dürftigen Mittelwellen dastanden? Damals war es Dr. Nestel, der neun verschiedene Methoden (Drahtfunk, Kleinstgleichwellensender, Ultrakurzwelle usw.) durchprüfen ließ, um zu ermitteln, wie man diese scheußliche Situation meistern könnte. Er […] entschied sich für UKW. Der Erfolg dieser Idee war frappant: Die Engländer gaben seinem Plan bei den schlechten Produktionsmöglichkeiten und der üblen Wirtschaftslage eine einprozentige Chance. Die Industrie erklärte ihn für ‚irre geworden‘, weil das viel zu teuer würde. Der Verwaltungsrat des NWDR ließ sich nur zögernd gewinnen (auf dem Umweg von De-monstrationen über Polizeifunk!), die Post neigte zunächst mehr dem Drahtfunk zu. ‚Ich stand zuerst völlig allein‘, sagt Prof. Nestel […].“ („Prof. Dr. Werner Nestel“, in: Hör Zu! 1954, Heft 43)

 

Köln, Februar 2012

HGB sw 200

Helmut G. Bauer, Rechtsanwalt in Köln, Studium der Rechtswissenschaften, Publizistik, Politik und Ethnologie in Heidelberg und Mainz. Er gehört zu den Pionieren des Privatfunks in Deutschland. In seiner Arbeit konzentriert er sich auf Fragen der Rundfunkinfrastruktur und neuer Medientechnologien, insbesondere für den Hörfunk. Bis Ende 2011 war er Geschäftsführer der Digitalradio Deutschland GmbH.

E-Mail: hgb@hgb.fm

Unter Mitarbeit von Anna Bienefeld M.A., wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Kanzlei Helmut G. Bauer

© Helmut G. Bauer 2012