NOXX: „Unsere Musik wirkt durch Kompaktheit, Abfolge und Abwechslung“ 

Veröffentlicht am 09. Feb. 2022 von unter Musik

Nehle Schröter (Bild: ©NOXX)Am 29. Oktober 2021 wurde nach zäher Anlaufphase endgültig auch in Nordrhein-Westfalen das digitale Hörfunkzeitalter einläutet. Mit dem landesweiten DAB+ Multiplex und 16 neuen Sendern (einige gehen/gingen erst später auf Sendung) kam hörbare Bewegung in die dortige – bis dato eher überschaubare – Radiowelt (RADIOSZENE berichtete). Wobei es sich bei einem guten Teil der neuen Kanäle um vertraute Marken aus anderen deutschen Hörfunkmärkten handelt.

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Wie ENERGY NRW, KISS FM, Schlager Radio oder Radio TEDDY, die mit ihren erprobten Konzepten (mehr oder weniger identisch) nach NRW exportiert wurden. Nagelneu allerdings ist das im heimischen Bundesland produzierte Musikradio NOXX – ein „Modern-Pop-Musikformat für junge Erwachsene“ aus dem Hause radio NRW in Oberhausen (RADIOSZENE berichtete).

Mit NOXX entstand ein Programm, bei dessen Konzeption die verantwortlichen Architekten offensichtlich etwas wirklich Unverwechselbares schaffen wollten. Nicht nur im Sendegebiet, auch deutschlandweit. Keine simple Aneinanderreihung aktueller oder älterer Hits, auch kein willkürlich zusammengewürfelter Alternative Sound.

Der Star bei NOXX ist die besondere „klangliche“ Anmutung – sowie ein mit Ohr, Herz und Hirn ausgewählter Titelpool. Ein kuratiertes Dorado für Musikenthusiasten, das so auch als Premium-Playlist bei Spotify platziert sein könnte. Mit einer kompetenten Moderation als Klammer.


Thomas Rump (Bild: ©radio NRW)

Im Gespräch mit RADIOSZENE-Mitarbeiter Michael Schmich sprach mit Thomas Rump (Bild re.), Programmdirektor und Mitglied der Geschäftsleitung von radio NRW und in dieser Funktion auch zuständig für NOXX über Programminhalte, Musik und Perspektiven des Radio-Frischlings.

 

„Wir sind kein experimentelles Nischenformat was den Sound angeht. Trotzdem hören Sie bei NOXX hauptsächlich Songs, die sonst nur wenig oder gar nicht laufen“

 

RADIOSZENE: Mit Start der landesweiten DAB+ Plattform in Nordrhein-Westfalen hat radio NRW mit NOXX ein neues Musikradio gestartet. Was waren die Beweggründe für dieses neue Angebot?

Thomas Rump: Ein wichtiger Grund war, dass es ein solches Format noch nicht gab. Wir wollten weder ein Platzhalter-Programm noch einen weiteren Aufguss etablierter Standards anbieten. Nordrhein-Westfalen ist ein großes und facettenreiches Bundesland, da darf Vielfalt nicht bloß ein Werbebegriff sein. Weiter wollten wir ein qualitativ hochwertiges und außergewöhnliches Musikkonzept (ergänzend zu unserem landesweiten Programm) gestalten und es mit Inhalten und Infos, die zum Lebensumfeld unserer angedachten Nutzer passen, anreichern.

RADIOSZENE: NOXX ist ja auch der Name der radio NRW-Abendschiene. Ist das neue Programm damit eine 24/7 Verlängerung dieser Sendezeit?

Thomas Rump: In der Tat haben wir seit 2018 unsere Abend- und Nachtstrecke im Rahmenprogramm kontinuierlich ausgebaut. Der Hintergrund ist schnell erklärt: In den meisten Programmen passiert nach 20 Uhr nicht mehr viel. Entsprechend ritualisiert klingen die Sendestrecken. Wir glauben, dass gerade am Abend mehr Raum für Entdeckung, Einordnung und Besonderheiten musikalischer Inhalte geschaffen werden kann – und dies auch vom Publikum honoriert wird.

Möchte man die ausgetretenen Pfade sich wiederholender Musikmoderationen und -präsentationen verlassen, muss man den Mut haben, auch mal andere Musik zu spielen. Neben unseren rotierenden Neuheiten-Kategorien mit über 30 Titeln stellen wir zusätzlich jede Woche über 20 Songs vor, die unsere Musikredaktion für so bemerkenswert hält, dass sie als sogenannte One-Plays in die Playlists des Abends eingebaut werden – immer moderiert und oft auch mit Interviews der vorgestellten Künstler aufgewertet. Zusätzlich gibt es dann noch den Anteil an speziellen NOXX Songs im Abend/Nachtprogramm zwischen 20 und 05 Uhr; da peilen wir 30 bis 40% an.

NOXX auf DAB+ folgt dieser grundlegenden Philosophie, spielt allerdings zu 100% NOXX Songs – 24/7. Hervorzuheben wäre, dass unsere NOXX DAB+ Repertoire-Überlappung mit anderen AC- oder CHR-Formaten deutlich unter 10% liegt. Und dies allein bei den Titeln, die von gängigen Fingerprint-Companies erkannt werden. Fast ein Drittel des NOXX DAB+ Formats ist selbst diesen (noch) unbekannt.

RADIOSZENE: Das Angebot wurde „als in der deutschsprachigen Radiowelt einzigartiges Musikkonzept“ angekündigt. An welche Bevölkerungsgruppe richtet sich das Programm? Haben Sie hier auch bisherige Nichthörer im Visier, die sich wegen mancher Eintönigkeit vom Radio abgewandt haben?

Thomas Rump: Wir richten uns in erster Linie an alle Menschen, die melodische, gut gemachte und sauber produzierte Musik mögen. Wir sind kein experimentelles Nischenformat was den Sound angeht. Trotzdem hören Sie bei NOXX hauptsächlich Songs, die sonst nur wenig oder gar nicht laufen.

Wer musikalische Abwechslung sucht und sich ab und an überraschen lassen möchte, hört bei uns goldrichtig. Zudem rotieren wir deutlich geringer als gängige Mainstream-Formate. Unsere Songwiederholungen halten sich in Grenzen und wir spielen die Titel auch nicht bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag.

Nehle Schröter (Bild: ©NOXX)

Nehle Schröter (Bild: ©NOXX)

NOXX spricht eher eine persönliche Haltung gegenüber Musik, als einen reinen Konsumwunsch nach Musik an. Natürlich besteht auch die realistische Hoffnung, einige (hoffentlich viele) Nicht-Hörer wieder ins Radio-Camp zu ziehen. Über 75% des Repertoires ist nicht älter als 6 Jahre, daher dürften wir auch bei Hörerinnen und Hörern unter 35 ganz gut abschneiden. Da es sich bei NOXX um ein sound-dominiertes Format handelt, bin ich mir allerdings sicher, dass das Alter hier nicht der Hauptsegmentierungsgrund ist.

Wir müssen – wie alle anderen auch – mit Zielgruppen kalkulieren, aber wir programmieren für Mind-Groups. Das transportieren wir auch in der Verpackung, in allen Trailern und natürlich durch unseren Moderationsstil.

 

„NOXX spricht eher eine persönliche Haltung gegenüber Musik, als einen reinen Konsumwunsch nach Musik an“

 

RADIOSZENE: Beschreiben Sie uns das Musikkonzept doch genauer. Auf welche Genres greifen Sie bei der Auswahl zurück?

Thomas Rump: Ich versuche es mal in einem Satz: Wir spielen in NOXX in einem vertrauten Sound-Umfeld viel mehr Musik weniger häufig, mit unzähligen Angeboten, Neues zu entdecken, ohne dabei avantgardistisch oder elitär zu sein.

Im Kern ist NOXX ein Pop beziehungsweise ein Pop-Rock-Format. Abends wird es etwas rockiger. Dazu kommen eine Menge angrenzender Stile wie EDM/New Disco, R&B/Funk, Folk/Singer-Songwriter, Alternative/Indie, Modern Blues oder New Country/Americana. Aber wir spielen diese Stile nie ihrer selbst wegen. Es müssen Titel sein, die in den NOXX-Sound passen.

An diesem Format arbeiten wir seit über 2 Jahren. Die erste große Hürde lag darin, aus zehntausenden Songs einen Grundsound zu extrahieren, basierend auf weitgehend unbekannten Künstlern und Titeln. Diese Songs reichen teilweise bis in die 70er Jahre zurück, aber je älter ein Song ist, desto vorsichtiger setzen wir ihn ein. Er muss entweder eine interessante Reibung bieten oder zur Bereicherung des unmittelbaren Soundumfeldes beitragen. Unsere NOXX-Classic-Hits beginnen im Jahr 2010 und müssen die gleichen Sound-Voraussetzungen erfüllen, wie unsere Modern Pop/Rock Stücke.

Nehle Schröter (Bild: ©NOXX)

Nehle Schröter (Bild: ©NOXX)

Fünf Kriterien sind für uns ausschlaggebend: Komposition, Arrangement, Melodie, Stimme und Sound/Produktion. Die Bekanntheit eines Künstlers oder eine hohe Chartplatzierung spielen keine Rolle. Da wir weitgehend unbekannte Musik spielen, ergibt es wenig Sinn, diese zu testen. Unsere Musik wirkt durch ihre Kompaktheit, die Abfolge und natürlich ihre Abwechslung.

Wir sind immer auf der Suche nach weiteren Titeln für unseren Backkatalog und da wir sicher noch einige 10tausend Stücke vor uns haben, die wir auf ihre NOXX Tauglichkeit abklopfen, wird es nicht langweilig.

Unsere wöchentlichen Neuvorstellungen sind ebenfalls ein Novum in der Art und Weise, wie wir mit ihnen arbeiten. Je nach Veröffentlichungsdichte hören wir uns im Schnitt durch 400 bis 500 Titel. Wir greifen inzwischen auf einen umfangreichen Katalog interessanter Playlists, Publikationen und Plattformen zurück; hier holen wir uns viele Anregungen für unsere Neuheiten. Mindestens 40 Songs stehen ab Dienstag für eine Woche im Fokus. Zusätzlich kann man diese Auswahl in unserem NOXX Weekly TOP 40 Channel eine Woche lang 24/7 hören. Wir starten aus drei Gründen etwas später: Zunächst ist da der bereits geschilderte zeitliche Aufwand, um aus vielen hundert Titeln unsere Top 40 herauszufiltern. Zweitens brauchen wir Zeit, um alle GEMA/GVL relevanten Daten in Erfahrung zu bringen. Das ist bei einem Künstler aus Idaho, der sich selbst verlegt, gar nicht so einfach. Und von solchen Künstlern spielen wir viele. Und schließlich ist es nicht minder aufwändig, Informationen über die Künstler zusammen zu tragen und diese redaktionell für unsere Hörerinnen und Hörer aufzubereiten. Die neuen Künstler und Songs stellen wir nicht nur im Programm, sondern auch mit Kurzporträts auf unserer Website (www.noxx.de) vor.

Wir haben die klassische Dekaden-Aufteilung weitgehend aufgelöst und unterteilen unsere Songs danach, ob sie höher oder geringer rotieren sollen. In unserer Hitkategorie spielen wir auch immer wieder Lieder, die ihren Weg in die Mainstream Programme finden. Doch wenn sie dort an Fahrt gewinnen, landen sie bei uns meist schon im Backkatalog.

Unsere Neuvorstellungen steuern wir individuell aus. Jeden Montag entscheiden wir dann, in welcher Kategorie ein Titel landet, oder ob er zu einem OPA (One Play Alt) wird – ein Schicksal, dass circa 90% aller Vorstellungen ereilt. OPAs setzen wir gezielt ein, um auch im Backkatalog noch mehr Überraschungen zu bieten.

Unsere Musikauswahl soll erwachsen klingen und nicht möchtegern-jugendlich klingeln. Zuviel Hektik oder Kettenkarussell sind für unsere Auswahl Ko-Kriterien.

 

„Unsere Musikauswahl soll erwachsen klingen und nicht möchtegern-jugendlich klingeln“

 

RADIOSZENE: Der Sound soll „vertraut, ist aber komplett anders und überraschend klingen“. Liegt der Unterschied dann tatsächlich in der Auswahl der Songs und/oder der Breite des Titelpools?

Thomas Rump: Streng genommen sind wir ein alternatives AC-Format mit größerer stilistischer Tiefe und strengen Anforderungen an Sound und Klang eines Stücks. Wer uns nebenbei hört, wird keine musikalischen Gründe finden, das Programm zu wechseln. Wer uns bewusst hört und neugierig auf das ist, was die Musikwelt noch zu bieten hat, wird noch weniger Anlass zum Umschalten haben.

Aber: wir sind kein Alternative-Format. Da gibt es bereits viele Programme, die sich um die echten Nischen kümmern. Wir möchten eine breitere Basis ansprechen darunter auch Menschen, die aus unterschiedlichen musikalischen Gründen nicht mehr so viel oder gar nicht mehr Radio hören, aber nicht prinzipiell Mainstream mit dem Teufel verwechseln.

 

Nehle Schröter (Bild: ©NOXX)

Nehle Schröter (Bild: ©NOXX)

Dafür ist die Auswahl der Songs von größter Bedeutung. Gleich danach kommt die moderative/redaktionelle Rahmung der Musik – hier bauen wir unser Angebot kontinuierlich aus. Für unser Konzept ist ein wachsender Backkatalog gemeinsam mit den wöchentlichen Neuvorstellungen sicher auch wichtig. Aber wir müssen aufpassen, dass wir den Kern von NOXX nicht aufweichen. Daher heißt es bei uns immer: „in dubio contra“.

RADIOSZENE: Können Sie uns einige Musiker und Bands nennen, die als typische Stellvertreter für den NOXX-Sound stehen?

Thomas Rump: Das ist gar nicht so leicht, da sich unser Format nicht über Künstler, sondern über den Sound definiert. Natürlich gibt es in jedem Genre Musiker, die eher in unsere Richtung komponieren. Ob sie etabliert sind oder nicht, spielt dabei keine Rolle. Nehmen wir zum Beispiel die Mischung der Musikstile Pop/R&B/Soul. Ein etablierter Künstler, den ich hier anführen kann, wäre JP Cooper. Aber wir spielen andere Titel als der Markt. Unbekanntere Künstler aus diesem Genre-Umfeld wären Samuel Jack oder Teddy Swims, die bei NOXX mit einigen Titeln vertreten sind.

Im Bereich Pop/Rock/Alternative fielen mir Biffy Clyro ein. Eine erfolgreiche Band, die wir sowohl mit bekannten Hits, aber auch mit unbekannten Nummern im Repertoire haben. In diesem Segment spielen wir dann auch Stücke von World’s First Cinema, Daytime TV oder Bishop Briggs.

Ein letztes Beispiel aus dem Pop/Singer/Songwriter Genre. Tom Walker ist inzwischen ein gestandener Künstler, den wir mit vielen, bislang ungehörten Songs spielen. Neu wären zum Beispiel Musikerinnen und Musiker wie Kovic, Jordan Hart oder Valerie Broussard, die allemal das Zeug haben, oben mitzumischen, wenn sie denn mal gehört werden könnten.

RADIOSZENE: Der bisherige Platzhirsch für trendige Musik ist die öffentliche-rechtliche Welle 1LIVE. Ein Format, das zumindest im Tagesprogramm eine gute Zahl sehr bekannter Hits ausstrahlt. Aktuelle Songs aus den Charts sind bei NOXX eher wenige zu hören. Liegt genau auch hier ein Ansatz Ihres Konzepts?

Thomas Rump: Die deutschen Airplay-Charts basieren weitgehend auf Call-Out gestützten Redakteursentscheidungen und einem nicht ganz unwichtigen Bonussystem. Sicher ein Grund, warum sich die Künstler und Songs der großen AC/CHR-Formate kaum unterscheiden. Da bilden selbst Jugendformate kaum Ausnahmen.

Wir analysieren jede Woche die wichtigsten deutschen AC/CHR Formate. Die Programme unterscheiden sich natürlich auch im Titelpool, aber deutlich stärker in der Rotation. Zugespitzt formuliert, spielen alle das Gleiche, aber anders – und das klingt dann unter Umständen auch anders. Für uns machen die Sweeps die Musik aus, nicht isolierte Einzeltitel-Entscheidungen, die auf 8-Sekunden-Hooks fußen.

Im Rahmenprogramm von radio NRW nutzen wir auch Call-Outs. Sie sind ein Entscheidungsfaktor, aber nicht der einzige. In NOXX haben wir uns für einen anderen Weg entschieden. Wir schaffen ein Angebot, für das wir zu 100% geradestehen. Da gibt es kein Delegieren von Verantwortung à la „Der Hörer will das (nicht)“. Es gibt so viele Programme, die die aktuellen Charts abbilden. Wer das hören möchte, ist bestens versorgt.

NOXX spielt Titel, die sich unserer Ansicht nach vor keinem Hit verstecken müssen, aber selten im großen Markt ankommen, weil sie kaum aus der kritischen Phase der Unbekanntheit treten können. Aber unsere Hörerinnen und Hörer werden sie zu ihren Hits machen.

 

„Wir möchten eine breitere Basis ansprechen darunter auch Menschen, die aus unterschiedlichen musikalischen Gründen nicht mehr so viel oder gar nicht mehr Radio hören, aber nicht prinzipiell Mainstream mit dem Teufel verwechseln“

 

RADIOSZENE: Wie stark berücksichtigen Sie neuerschienene Musik, Newcomer und Musik aus Deutschland?

Thomas Rump: Es ist uns sehr wichtig, Künstler aus NRW oder Deutschland zu finden, die in unseren Sound passen. Hier öffnen wir die stilistischen Schleusen noch etwas mehr und berücksichtigen auch die melodisch-moderaten Bereiche des HipHops. Wir versuchen immer, neue deutsche Musiker im Interview vorzustellen. Dabei greifen wir auch auf die redaktionellen Kapazitäten der NOXX Abend- und Nachtstrecke im Rahmenprogramm sowie auf unseren Podcast „Heimspiel“ zurück.

Gerade letzterem liegt ein außergewöhnliches Konzept zugrunde. Unsere Redakteurin und Moderatorin Annick Manoukian trifft monatlich einen etablierten Künstler, der als Pate neue und spannende Musik aus Deutschland vorstellt. So haben wir schon viele bemerkenswerte Musikerinnen und Musiker kennen lernen dürfen, die bislang noch unter dem Radar musizieren.

Wir sind sehr glücklich, diesen Künstlern in NOXX DAB+ zusätzlichen Raum geben zu können. Auch in der Branche kommt dieses Konzept hervorragend an. Inzwischen brauchen wir kaum noch auf Labels oder Künstler zuzugehen, sie wollen von selbst zu uns.

RADIOSZENE: Wie viel der Sendezeit wird moderiert?

Morning-Show-Moderator Daniel Wallroth (Bild: ©NOXX)

Morning-Show-Moderator Daniel Wallroth (Bild: ©NOXX)

Thomas Rump: Wir haben mit einem Team aus 7 festen und freien Mitarbeitern begonnen von denen immer 4 im Tageseinsatz sind. Dazu nutzen wir alle sich bietenden Synergien mit dem Rahmenprogramm. Werktags senden wir von 6 bis 10 Uhr live aus Oberhausen. Musik holt die Menschen ab, Moderation hält sie im Programm. Daher ist es unser Ziel, die moderierten Strecken auszuweiten. Das ist bei einem Start-Up, das auch quotentechnisch noch nicht ausgewiesen wird natürlich immer ein Spagat zwischen Wünschen und Wirtschaftlichkeit.

Wobei spätestens jetzt ein großer Dank an unsere Gesellschafter geht, die unser Konzept vorbehaltlos unterstützen und mit uns den gleichen Optimismus an den Tag legen, was die Perspektive für ein solches Format betrifft. Ohne diesen Rückhalt wäre ein solch ambitioniertes Projekt nicht denkbar.

NOXX versteht sich in erster Linie als Musiksender mit Info-Inseln. Die Nachrichten übernehmen wir stündlich aus dem Rahmenprogramm. Zur vollen Stunde starten wir mit einem Wetterbreak für NRW. Auf einen Verkehrsservice haben wir bewusst verzichtet. Alle relevanten Verkehrsinformationen können auf der NOXX Webpage abgerufen werden. Zudem gehen wir davon aus, dass DAB+ häufiger im Auto genutzt wird. Hier bieten dann die Navigations-Systeme streckengenaue Informationen zur Verkehrslage.

Zurzeit sind wir dabei, unsere redaktionellen Inhalte jenseits von Musikinfos und Interviews zu definieren. Wir beschäftigen uns mit musikalischen und kulturellen Veranstaltungen (mit Fokus auf NRW), die zu NOXX passen, Schwerpunktthemen zu gesellschaftlich relevanten Diskussionen, inhaltlichem Austausch mit externen Partnern und arbeiten an einer zunehmenden Einbindung unserer wachsenden Hörerschaft über alle Plattformen hinweg.

 

„NOXX versteht sich in erster Linie als Musiksender mit Info-Inseln“

 

RADIOSZENE: Gibt es nach etwas mehr als über 100 Tagen on air bereits Reaktionen auf das neue Programm?

Thomas Rump (Bild: ©NOXX)

Thomas Rump (Bild: ©NOXX)

Thomas Rump: Ich denke, nicht nur für uns ist der Start von DAB+ in NRW ein großes Abenteuer. Es gibt zwar Informationen zur Anzahl von DAB+-Empfängern im Land, aber was die Nutzung betrifft, tappen wir alle noch weitgehend im Dunkeln. Das wird sich in diesem Jahr sicher ändern, aber wir sind von vornherein nicht mit überzogenen Erwartungen in diesen Markt eingestiegen und wissen, dass wir einen langen Atem brauchen.

Im Vergleich zu einem UKW-Verbund mit fast 7 Millionen Hörerinnen und Hörern am Tag wird wahrscheinlich jede erste Zahl verschwindend klein erscheinen. Aber wie heißt es so schön: Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne! Die Reaktionen, die wir über DAB+, WhatsApp, Social Media oder unsere App/Web-Page erhalten, sind bislang ausnahmslos positiv bis begeistert. Und es scheint eine rege Empfehlungsszene für NOXX zu geben – ein viraler Effekt, den wir gerne so mitnehmen.

RADIOSZENE: Über welche Kanäle machen Sie auf das Programm aufmerksam?

Thomas Rump: NOXX ist anders und benötigt daher eine ständige Erklärung, ohne den Nutzern auf den Zeiger zu gehen. In der Anfangsphase haben wir uns auf Social Media und unseren DAB+ Auftritt konzentriert. Wir werden unsere zukünftigen Marketingmaßnahmen dahingehend ausrichten, NOXX auch auf unorthodoxen Wegen als interessante und einzigartige Alternative/Ergänzung zu bestehenden Programmen oder Streamingdiensten zu positionieren.

Zusätzlich prüfen wir, inwieweit wir auch das ein oder andere reichweitenstarke klassische Medium für unser Produkt nutzen können. NOXX ist ein sehr dynamisches Star-Up mit kurzen Wegen und schnellen Entscheidungen. Das ist keine Garantie, aber eine Voraussetzung für langfristigen Erfolg.

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