A day at the Radio Day

Veröffentlicht am 23. Sep. 2009 von unter Deutschland

RadiodayAlle Jahre wieder geht der Ruf aus Köln übers Land, aber immer weniger kommen – so hatte es zumindest den Anschein bei der diesjährigen Radiovermarktermesse in der Domstadt.

Aber der Schein trog: Immerhin rund 3.000 Fachbesucher aus der Hörfunk-, Medien- und Marketingszene hatten sich versammelt, um herauszufinden, ob die Veranstalter ihrem Motto „Ein Tag – alle Antworten“ gerecht werden könnten. Was noch vor Jahren undenkbar schien, war diesmal ganz normal: Dass man nämlich so manchen Radiokollegen beim Drehen der Runden durch die Kölner Rheinparkhallen mehrmals traf. Die erhöhte Übersichtlichkeit der Veranstaltung hatte aber auch ihr Gutes, nämlich eine deutlich entspanntere Stimmung im anwesenden Radio- und Vermarktervolk. So glänzte der Radio-Day-Standard-Spruch: „Hallo, wie geht´s? Habe leider jetzt keine Zeit, wir sehen uns auf der Party“ diesmal durch Abwesenheit.

Quo vadis Radio?

Stephan_Halfpap200Stattdessen Gespräche über die Zukunft des Radios: UKW wird noch eine ganze Weile der Hauptverbreitungsweg sein, aber Streaming ist schwer im Kommen. Und dann die Social-Networks! Klar, Twittern liegt auch voll im Trend und die Sender dürfen die rasanten Entwicklungen nicht verschlafen. So könnten facebook und twitter schon bald wieder völlig out sein. Über die neuen Verbreitungswege wird ja schon seit geraumer Zeit diskutiert, aber schließlich hängt doch alles am Content. So meinte der erfahrene Radioberater Stephan Halfpap (Bild r.): „Was haben die Leute eigentlich dann von den vielen neuen Stationen im www? Für einen Radiomacher mag es toll sein, eine Mornigshow aus Miami zu empfangen, aber für den deutschen Normalhörer? Die Streamer müssen sich irgendwie positionieren, regional oder lifestylegruppenorientiert, sonst gehen sie in der Masse unter.“ Und der erhöhte Bedarf an Content will auch bewältigt sein. „Voicetracking ist ein probates Mittel und – vernünftig professionell betrieben – besser, als sein Ruf!“ meint Normen Sträche von der Berliner Unitcom.

Verkaufen, verkaufen, verkaufen!

Simon_Boe_radioday2009Aber auch wenn Simon Boé von Goldmedia (Bild l.) den Eindruck hatte, hier würden sich in erster Linie „Radioleute alljährlich gegenseitig auf die Schulter klopfen“, kamen doch einige Kunden und Vermarkter zusammen, um über optimale Nutzungsmöglichkeiten und Vermeidung von Streuverlusten bei der Werbung, z.B. über Internetradios zu sprechen, und das ist ja von jeher die eigentliche Intention des Radio Day. Vielleicht musste auch daher der vormals bunte Jahrmarktcharakter der Messe, als hier noch viele Radiosender mit ihren eigenen Ständen, knalligen Aktionen und knackigen Promotiongirls Flagge zeigten, einer eher nüchternen und geschäftigen Atmosphäre weichen. Vollbesetzte Stände der Radiovermarkter und -kombis, aber eher gemäßigtes Treiben bei den kleineren Anbietern, dafür klaustrophobieförderndes Gedränge an den Wurstständen.

Radio ist trendy

Aber es wurde nicht nur getrunken, gegessen und geredet, sondern auch zugehört: Der alljährliche Kongress fand regen Zuspruch, hatten sich doch prominente Referenten angekündigt, deren Kernkompetenz teilweise in ganz anderen Bereichen lag: So hob der bekannte Philosoph Peter Sloterdijk das Thema Radio auf eine nachgerade metaphysische Ebene, was man in diesem Jahr sogar live via Webstream mitverfolgen konnte. Ein begrüßenswerter Service der Veranstalter, zumal die gesammelten Beiträge auch nachträglich abrufbar bleiben. Echte Radioprofis versammelten sich hingegen zur Podiumsdiskussion „Radiostar Reanimated“, bei der Moderatoren und Programmdirektoren eine bekannte Frage wieder aufleben ließen: Brauchen wir mehr Radiopersonalities und, wenn ja, woher sollen sie kommen?

Koschwitz_2009Thomas Koschwitz (Bild r.) vom Berliner Rundfunk findet, dass die Branche sich einfach heftiger feiern muss, vielleicht mit einer Wiederbelebung des Radio Award. Nur, wenn Außenstehende Radio als Big Time wahrnehmen würden, wäre das Medium für junge Talente auch wieder attraktiv. Man war sich einig, dass dazu senderseitig allerdings entsprechende Investitionen in Form von Ausbildung, Förderung und leistungsgerechter Bezahlung vonnöten seien, damit echte Personalities nicht sogleich wieder ins Fernsehlager wechselten.

Kreative aus zwei Welten

Smudo_Radioday2009Ein besonders spannendes Panel erlebten die Besucher dieses Jahr zum Thema Kreativität: Zwei Köpfe voller Ideen aus völlig unterschiedlichen Welten prallten aufeinander: Hip-Hop-Musiker Smudo (Bild l.) und Profi-Werber Amir Kassaei. Freiheitsliebender Künstler der Eine, weisungsgebundener Kopfarbeiter der andere, und doch gibt es Parallelen. So seien die „Fantastischen Vier“, die Band von Smudo schließlich auch eine Marke. Radiowerbung sei weitaus schwieriger, als die Arbeit für Print und TV, konstatierte Kassaei, denn während man z.B. im Fernsehen „durch tolle Bilder Ideenlosigkeit kaschieren“ könne, sei Radiowerbung „richtiges Handwerk“ und „Kopfkino“. Bleibt zu hoffen, dass diese Aussage des Profis einen positiven Impact auf die zuweilen recht öde Radiowerbewirklichkeit bewirken möge.

See you later

Der Tag war wie im Flug vergangen, der Kopf voller Eindrücke, die Westentasche spannte sich unter der Last all der gesammelten Visitenkarten, und die Füße signalisierten, dass man das nächste Paar Schuhe doch etwas größer wählen sollte. „Ein Tag – alle Antworten“? Nun, ein paar Fragen bleiben, liegen die Antworten doch in der Zukunft. Letzte Gespräche am frühen Abend wurden dank der geräuschvollen Aufräumungsarbeiten der Messecrew zusehends schwieriger. So kam das bekannte Radio-Day-Zitat schließlich doch noch zum Zuge: „Wir sehen uns auf der Party!“ Oder nächstes Jahr, zum nächsten Klassentreffen.

Conny Ferrin

Zusammenfassungen der Panels und Audiomitschnitte gibt es unterwww.radioday.de und bei 1000Mikes auch zum Download.

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Fotos vom Radioday 2009

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