Karen Schmied: Unsere Rotation ist viel größer als die der Konkurrenz

Veröffentlicht am 17. Sep. 2018 von unter Deutschland

Die Programmstrategen der jungen deutschen Radios sind nicht immer zu beneiden. Bevorzugt öffentliche-rechtliche Angebote stehen – eigentlich seit ihrer Gründung – in der Kritik: falsche Musikauswahl, zu Hit-lastig, zu oberflächliche oder einseitige Inhalte, treffen nicht den Zeitgeist der heutigen Jugend, sprechen eine zu alte Zielgruppe an oder verfehlte Auswahl an Moderatoren und Themen. Die Liste der Beanstandungen ist lang und ließe sich hier beliebig verlängern. 

Kritik an den jungen Wellen kommt gelegentlich auch aus den Redaktionsstuben der Tagespresse und von Magazinen. Nur am Rande sei erwähnt, dass gerade die Inhalte sogenannter Jugendseiten in Zeitungen oder junger Beilagen als häufig völlig verfehlte Zielgruppenansprache einordnet werden dürfen –  was gelegentlich per Copytest durch ein Nutzerdurchschnittsalter von weit jenseits der 45-Jahre-Grenze belegt wird. Sehr zum Ärger der Verlagsleiter, die in Folge einschlägige Seiten auch schon einmal aus dem Blatt gekippt oder eingestellt haben.

Zurück zum Radio: Die sehr breit aufgestellten Interessenslagen der in die Raster von jungen Radios passenden Generationen Y und Z macht in der Tat eine seriöse Programmplanung zu einer Herkulesaufgabe. Was muss gerade in diesem Segment nicht alles akribisch berücksichtigt werden: Alter, Geschlecht, Bildung, Sozialisierung, sich ständig verändernde Musikvorlieben oder geografische Aspekte sind bei der Festlegung von jungen Formaten Teile eines sensiblen Puzzlespieles. Schließlich will man die jungen Hörer ja dauerhaft an das Radio binden und möglichst wenige an die (scheinbar übermächtige) mediale Konkurrenz verlieren. 

Die 14-jährige Hauptschülerin Emily etwa „chillt“ nach der Schule mit dem Sender ihrer Wahl wegen der aktuellen Trendmusik, den lockeren Talks, den coolen Sprüchen des Moderators oder den Star News. Mehr an Wort soll es aber unter keinen Umständen sein – „das nervt“. Der 24-jährige Tim ist Student, liebt es „live, laut und lässig“, steht auf Alternative Rock oder harten Rap und kann dagegen von Infos zu Musik, Popkultur, Film, Literatur, Bildung, Games, Infotainment, Regionales oder Politik nicht genug bekommen. Diese beiden höchst unterschiedlichen Hörertypen – und viele weitere junge Milieus – bei Musikausrichtung, Ansprache, Themengewichtung unter den berühmten breiten Rahmen bekommen, ist gewiss eine schwierigsten Herausforderungen eines Hörfunk-Managers. Namentlich, wenn man unter öffentlich-rechtlicher Flagge sendet und möglichst wenige Personengruppen ausgrenzen soll.

Bremen NEXT (Bild: ©Radio Bremen)

Bremen NEXT (Bild: ©Radio Bremen)

Hinzu kommt der Aspekt der Berücksichtigung des Zuschnitts der jeweiligen Sendegebiete. Die Forschung belegt bei der Erwartungshaltung junger Hörer an das Radio hier immense Unterschiede zwischen urbanen und ländlichen Regionen. Nicht alle Programmverantwortlichen haben den Vorteil der Kollegen der jungen Bremer Welle Bremen NEXT, die in einem überschaubaren Ballungsraum ein klar urban ausgerichtetes Sendeformat anbieten kann. Wie aber findet man die Programmbalance unter einem Dach in Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen oder dem sehr heterogenen Sendegebiet des Norddeutschen Rundfunks.

 

„Die Plattformen der Mediennutzung haben sich zwar grundlegend verändert, aber die Bedürfnisse sind geblieben“

 

Auch bleibt die Frage nach der gewünschten Alters-Klammer, wonach denn die Kritiker den Begriff „Jugend“ einzugrenzen wollen, bislang unbeantwortet. Nach deutschem Recht ist Jugendlicher, wer 14, aber noch nicht 18 Jahre alt ist (§ 1 Abs. 2 JGG). Heranwachsender ist nach dem Jugendgerichtsgesetz jede Person, die das 18. Lebensjahr, aber noch nicht das 21. Lebensjahr vollendet hat. 

Soll man also die Jugendprogramme nur noch für diese Hörerschichten gestalten? Wo bliebe da das Angebot für die jungen Erwachsenen? Sollen sie, weil sie der Anmutung „ihres Programms“ ein Radioleben lang folgen, ausgegrenzt werden – um künstlich den Altersschnitt zu senken? Was für eine Vorstellung! Und: würde sich das Musikprogramm eines Jugendradios tatsächlich wesentlich anders anhören, wenn man es nur auf die jeweils aktuellen Musikvorlieben der 14- bis 20-Jährigen im Sendegebiet zuschneidet?

Beim Sendestart von Radio Galaxy in Deggendorf: (v.l.) vom Galaxy-Team Stella Maisser, Peter Sperber (Präsident der THD), Landrat Christian Bernreiter, Funkhaus-Passau-Geschäftsführer Walter Berndl, BLM-Präsident Siegfried Schneider, Staatssekretär Bernd Sibler, unserRadio Deggendorf Geschäftsführer Christian Reim und Anja Kurz (Galaxy-Team) (Foto Steffi Starke)

Sendestart von Radio Galaxy in Deggendorf (Foto Steffi Starke)

Was die Kritiker gerne übersehen: es gibt in Deutschland (auch im Vergleich mit dem Ausland) sehr wohl ein nennenswertes Angebot passender Alternativen für junge Hörer. Beispiel Bayern: dort senden mit dem preisgekrönten BR PULS, dem bundesweiten Deutschlandfunk Nova und egoFM gleich drei Programme mit Musik jenseits des Mainstream. Wobei zumindest die beiden erstgenannten auch über ein sehr hörenswertes redaktionelles Inhaltsangebot für die Interessenslagen Jugendlicher und jung gebliebener Menschen verfügen. Radio Galaxy bietet dagegen eher aktuelle Trendmusik, wie auch die auf lokaler Ebene operierenden jungen Wellen gong fm, Hitradio N1, Radio Fantasy, Radio Gong Würzburg oder die ENERGY-Ableger in München und Nürnberg. Der Einwand „sendet ja nur auf DAB+ oder nicht in meiner Gegend“ zählt nicht: Jugendliche finden und konsumieren heute via Smartphone jeden Song oder Stream bei YouTube – warum also auch nicht die oben erwähnten Sender, die alle über technisch hochwertige Apps verfügbar sind. Hinzu kommen die zahlreichen jungen deutschen Programme auf regionaler Ebene wie 1LIVE, N-JOY, Fritz, planet radio, bigFM oder DASDING. Wenn sich hier nichts findet, bleibt noch immer der hochgelobte anspruchsvolle Klassiker FM4 aus Österreich. Oder, für die Studis, eines der vielen deutschen Campusradios.

Wir lernen, die Auswahl im Radio für junge Menschen ist viel fragmentierter als gelegentlich bemängelt. Man muss sie nur finden (wollen).

Und überhaupt, dass die ARD-Wellen beim jungen Publikum nicht alles verkehrt gemacht haben zeigt der Blick auf die ma 2018 Audio II. Trotz weiter gestiegener medialer Konkurrenz baut das öffentlich-rechtliche Radio seine Akzeptanz aus: Die Reichweite steigt bei den 14- bis 29-Jährigen von 40,2 Prozent leicht auf 40,6 Prozent. Laut eigener Aussage entscheiden sich täglich sechs Millionen junge Hörer somit für mindestens ein ARD-Hörfunkprogramm. Und dabei sind die Kinder unter 14 Jahren mangels ma-Befragung noch nicht einbezogen.

Fritz-Studio "Fräulein Fritz" (Bild: © rbb/Thomas Ernst)

Fritz-Studio “Fräulein Fritz” (Bild: © rbb/Thomas Ernst)

Ein Dauerbrenner unter den jungen Radios ist das RBB-Programm Fritz. Die „Radiofritzen“ haben auf dem Weg in die Volljährigkeit vieles richtig gemacht und feierten im Februar des Jahres ihren (kaum zu glaubenden) 25. Geburtstag!


Im Gespräch mit RADIOSZENE spricht die Fritz Programmchefin Karen Schmied unter anderem  über Programmstrategie und Erfolgsgeheimnis ihres Senders.

RADIOSZENE: Wie würden Sie das Erfolgskonzept von Fritz, das bereits 1993 als eines der ersten ARD-Jugendradio auf Sendung ging, beschreiben?

Karen Schmied (Bild: ©rbb)

Karen Schmied (Bild: ©rbb)

Karen Schmied: Das erste jung ausgerichtete Programm der ARD war Bremen Vier. Inzwischen möchten sie aber eher eine ältere Zielgruppe erreichen. Fritz hatte eine Mutter und einen Vater. DT64 und Rockradio B. Diese Gene waren sehr gut, denn was entstand, war ein Programm, das sich zum Ziel gesetzt hatte, alles anders zu machen: Spielen andere Radios Musik, talken wir, spielen andere nur Hits, suchen wir die neuen, coolen Sachen raus usw. Für die Zeit damals, so kurz nach der Wende, in Berlin und Brandenburg war das genau die richtige Idee. Sie hat den Nerv getroffen und sich in großen Teilen bis heute erhalten. Eine Sendung gibt es seit 25 Jahren bei Fritz, den „Bluemoon“, den Talk mit Hörern jeden Abend. Das läuft nach wie vor sehr gut.

RADIOSZENE: Fritz feiert in diesem Jahr 25. Geburtstag. Wie viel von der Gründungsidee steckt heute noch im Programm?

Karen Schmied: An sichtbaren Dingen sind das der Name, das rote umgedrehte F, der „Bluemoon“ und die tägliche Interaktion mit den Hörern. In der Redaktion haben wir den Anspruch, ein Thema eine Ecke weiter zu denken und daraus eine Aktion zu stricken. Auch der Fokus auf dem Entdecken von neuer Musik ist erhalten geblieben und wurde Fritz gerade wieder als Imagewert bestätigt.

 

„Wir haben viele Hörer, die Fritz immer noch treu sind. Wir erreichen auch junge Menschen, also nachwachsende Hörer – die Herausforderung ist aber, sie an das Medium Radio zu binden“

 

RADIOSZENE: Die jungen Programme stehen heute in hartem Wettbewerb – nicht nur mit den unmittelbaren Konkurrenten wie ENERGY, KissFM oder Jam FM. Vor allem die Online- und sozialen Medien, aber auch das veränderte Zeitbudget der Menschen machen die Programmplanung nicht einfacher, wie begegnen Sie diesen Herausforderungen? 

Karen Schmied: Indem wir sie annehmen, genau kennen und nutzen, vor allem die Social-Media-Kanäle. Wenn junge Menschen ihre Zeit dort verbringen, kommunizieren wir auch dort. Die Plattformen der Mediennutzung haben sich zwar grundlegend verändert, aber die Bedürfnisse sind geblieben. Junge Menschen wollen in erster Linie Musik – die, die sie kennen, aber auch Tipps für neue Musik. Und sie wollen wissen, was der Tag bringt oder gebracht hat, also Infos, die zu ihrem persönlichen Leben gehören. Das bekommen sie bei Fritz im Radio und künftig in der Onlinewelt noch viel mehr. Auch die Nachfrage nach Audioangeboten on-demand kennen wir, finden wir toll und bedienen sie mit Fritz-Inhalten immer mehr. Neue Podcasts sind entstanden und es werden weitere folgen. 

RADIOSZENE: Welche Hörerschichten nutzen bevorzugt Ihr Programm?

Karen Schmied: Fritz ist in diesem Jahr 25 geworden und hat eine Menge junger Menschen beim Erwachsenwerden begleitet. Ich höre oft: „Fritz hat meinen Musikgeschmack geprägt“. Wir haben viele Hörer, die Fritz immer noch treu sind. Wir erreichen auch junge Menschen, also nachwachsende Hörer – die Herausforderung ist aber, sie an das Medium Radio zu binden.

RADIOSZENE: Laut ARD-Pressemitteilung stieg die Radionutzung in Deutschland bei den 14- bis 29-Jährigen sogar leicht an. Umgekehrt wird dem Hörfunk regelmäßig prophezeit, dass sich die Generationen Y und Z künftig kaum mehr für das Radio interessieren. Was tun Sie, um auch die nachrückenden Jahrgänge zu binden?

Karen Schmied: Natürlich sind Streamingdienste und Social Media Kanäle wie YouTube eine Konkurrenz für uns. Unser Programm wird dadurch aber nicht unattraktiver. Die neue Frage ist, wo und wie die Hörer uns finden. Fritz hat einen Umstrukturierungsprozess gestartet, bei dem wir uns zu einer jungen Medienplattform entwickeln möchten, die auf Inhalte setzt, die mobil und online verbreitet werden – begleitend vom Radio als linearen Ausspielweg. Da bin ich ganz optimistisch, denn junge Menschen, die Musik hören und sich informieren wollen, wird es weiterhin geben.

RADIOSZENE: Gibt es in Ihrem Sendegebiet eigentlich große Unterschiede bei der Hörerstruktur und Interessenslage zwischen urbanen und eher ländlichen Räumen?

rbb-Intendantin Patricia Schlesinger (re.) und Fritz-Programmchefin Karen Schmied (li.) mit Musiker Philipp Poisel im Haus des Rundfunks (Bild: © rbb/Thomas Ernst)

rbb-Intendantin Patricia Schlesinger (re.) und Fritz-Programmchefin Karen Schmied (li.) mit Musiker Philipp Poisel im Haus des Rundfunks (Bild: © rbb/Thomas Ernst)

Karen Schmied: In der Radionutzung gibt es große Unterschiede. Während die Brandenburger treue Radiohörer sind – zumindest was Fritz betrifft, ist die Radionutzung insgesamt bei jungen Menschen in Berlin rückläufig. Man fährt dort mehr Bahn und Fahrrad, nicht mit dem Auto. Und man nutzt Streamingdienste stärker als woanders. Das sehen wir auch in den MA-Zahlen. On top kommt der starke Zuzug nach Berlin. Viele junge Menschen aus ganz Deutschland und Europa, die mit einem anderen Radioprogramm aufgewachsen sind, haben in der Stadt plötzlich die Wahl zwischen über 30 Sendern auf UKW und einem Vielfachen mehr digital.

RADIOSZENE: Die Fritz-Musik war seit Sendebeginn eines der prägenden Markenzeichen. Hier wurden immer Trends gesetzt und viel Neues ausprobiert. Auf einen Nenner gebracht: Fritz war nie ein reines Hitradio. War/ist es vor dem Hintergrund eines immer schwieriger werdenden Wettbewerbs nicht verlockend, hier den einen oder anderen Tophit mehr im Programm einzusetzen?

Karen Schmied: Fritz spielt auch Hits! Das ist nicht neu – und für uns auch wichtig. Unsere Rotation ist dagegen viel größer als die der Konkurrenz. Dadurch ist das Angebot wesentlich breiter. Wir platzieren auch Hits zwischen die neuen und „kantigen“ Songs, eben damit letztere die Aufmerksamkeit bekommen. Fritz ist zudem kein Spartenprogramm, sondern hat den Auftrag, für alle jungen Menschen der Region da zu sein. Das schafft man nicht nur mit reiner neuer Musik oder Songs aus dem Alternative-Bereich.

Konzert mit Philipp Poisel im Großen Sendesaal des Haus des Rundfunks (Bild: © rbb/Thomas Ernst)

Konzert mit Philipp Poisel im Großen Sendesaal des Haus des Rundfunks (Bild: © rbb/Thomas Ernst)

RADIOSZENE: Der Blick in die Single-Charts zeigt dort einen sehr hohen Anteil an Rap und HipHop. Wie stark berücksichtigen Sie das Genre?

Karen Schmied: DeutschRap und Hiphop sind wichtig für unser Programm, weil wir viele Musiker von Anfang an begleitet haben. Im Laufe der letzten Jahre sind sie enorm erfolgreich geworden. Ein Ende ist momentan nicht abzusehen. Tagsüber laufen die bekannteren, in den Musikspezialsendungen am Abend auch die härteren und/oder unbekannteren Songs aus diesem Genre. 

RADIOSZENE: Gibt es, auch vor dem Hintergrund der Diskussion um den ECHO, hier Grenzen bei der Ausstrahlung bestimmter Texte?

Karen Schmied: Die Frage nach den Texten und Aussagen stellen wir uns nicht erst seit dem ECHO-Eklat. Schon immer checkt unsere Musikredaktion JEDEN Text und wägt ab, ob es vertretbar ist, den Song zu spielen oder eben nicht. Dabei geht es nicht nur um einzelne Wörter, sondern auch um den Kontext eines Songs oder Künstlers. Homophobe, rassistische, frauenverachtende oder andere  jugendgefährdende Kontexte senden wir nicht. Und wenn, dann als Grundlage für Diskussionen rund um dieses Thema. 

 

„Fritz ist kein Spartenprogramm, sondern hat den Auftrag, für alle jungen Menschen der Region da zu sein. Das schafft man nicht nur mit reiner neuer Musik oder Songs aus dem Alternative-Bereich“

 

RADIOSZENE: Ist die Gestaltung der Musik im Tagesprogramm über die Jahre schwieriger geworden?

Karen Schmied: Nicht schwieriger, aber breiter, da wir auch im Netz nach neuen Songs suchen und nicht alleinig auf die Musikindustrie warten.

RADIOSZENE: Fritz hat traditionell einen sehr hohen Anteil an musikredaktionellen Inhalten und Musikspecials am Abend und in der Nacht. Welchen Stellenwert haben diese Angebote für das Gesamtprogramm, sind sie auch eine Reaktion auf die wachsende Beliebtheit von Streamingdiensten?

Karen Schmied: Musikspezialsendungen hatte Fritz schon, als es noch kein Internet gab. Sie sind uns weiterhin wichtig, weil sie in ihren „Szenen“ Leute erreichen und wir der großen Vielfalt an Musik zumindest in Teilen gerecht werden können. Nicht nur mit reinen Playlisten, sondern mit kompetenten Moderatoren und Interviews mit den entsprechenden Künstlern.

"Radio mit K" Felix Brummer (re.) und Steffen Israel (Bild: © rbb/Philipp Gladsome)

“Radio mit K” Felix Brummer (re.) und Steffen Israel (Bild: © rbb/Philipp Gladsome)

RADIOSZENE: Wie sehen Sie grundsätzlich die Entwicklung von Spotify und Co.?

Karen Schmied: Die Mediennutzung ist eine andere geworden und wird sich nicht mehr „zurück drehen“. Das Zeitbudget der Menschen für Medien endet irgendwann, wenn der Tag weiterhin 24 Stunden hat. Die zeitliche Konkurrenz ist in jedem Fall gegeben. Auch werden Radiosender Spotify und Co. nicht mehr vom Markt schubsen, dafür sind sie zu etabliert und bieten ja auch viel an. Daher sollten wir sie eher clever nutzen und ggf. zusammenarbeiten. 

RADIOSZENE: Der Trend innerhalb der Bevölkerung zu seriöser Information wird unter anderem durch wachsende Reichweiten bei zahlreichen Info-Programmen belegt. Aber auch durch eine verstärkte Nutzung von Podcasts. Ist dies auch ein Signal an die Macher der jungen Wellen mehr inhaltlich tiefer gehende Information im Programm zu platzieren?

Karen Schmied: Wir arbeiten mit den gleichen journalistischen Anforderungen wie erwachsene Programme, lediglich unsere Sprache ist jünger. Wir betrachten die Themen aus der Augenhöhe junger Menschen. Fritz hat täglich tiefer gehende Informationen im Programm und mit 40 Prozent einen für ein junges Programm ungewohnt hohen Wortanteil. 

Jennifer Rostock live im Fritz-Radiokonzert (Bild: © rbb/Thomas Ernst)

Jennifer Rostock live im Fritz-Radiokonzert (Bild: © rbb/Thomas Ernst)

RADIOSZENE: Wie viel regionale Berichterstattung steckt in Fritz? Mit welchen redaktionellen Themen und Schwerpunkten punkten Sie bei Ihrer Hörerschaft?

Karen Schmied: Unser Fokus liegt auf dem Leben junger Menschen in Berlin und Brandenburg. Hier sind wir täglich unterwegs, haben die Hörer der Region On Air und berichten und diskutieren darüber. Ob Autofahrer vs. Fahrradfahrer, Gentrifizierung, Clubsterben oder Wohnen und Mieten – das alles sind Beispiele für starke und emotionale Themen unseres Sendegebietes. Und manchmal haben wir on-Air einfach Riesenspaß mit den Hörern und ihren Lieblingswitzen.

RADIOSZENE: Der Hörer hat heute mit seinem Smartphone eine vielfältige Auswahl an allzeit verfügbaren Diensten, die früher in kompakter Form das Radio geleistet hat. Ich denke da an News, Service, Lifestyle usw. Mit welchen Strategien und Angeboten kontern Sie dieser Entwicklung, um auf Dauer nicht entbehrlich zu werden? 

Karen Schmied: Absolut, ich bin morgens nicht mehr auf mein Radio angewiesen, um zu erfahren, wie das Wetter wird oder welchen Weg ich jetzt am besten nehme, um mit dem Auto an mein Ziel zu kommen. Aber wir dürfen das Medium Radio nicht unterschätzen. Wie Sie vorhin schon sagten, die Nutzung ist weiterhin hoch. Das bedeutet, dieser Service muss weiterhin verlässlich stattfinden, sollte sich aber auch in beispielweise Apps der Sender wiederfinden. Also in eigenen Angeboten, die ich als Hörer on-demand nutzen kann. Radio hat zudem den wunderbaren Vorteil, dass es live sendet. Moderatoren, also Menschen, sprechen  mich 1:1 an, informieren mich schnell, aktuell und auch unterhaltsam. Das können digitale Dienste und Playlists nicht.

RADIOSZENE: Welche weiteren Aktionen und Highlights haben Sie noch im Jubiläumsjahr geplant? 

Karen Schmied: Die großen Geburtstagspartys haben wir im Februar und März mit unseren Hörerinnen und Hörern gefeiert. Nun sind wir alle wieder nüchtern. Der Alltag hat uns erstmal wieder. Im Herbst geht es mit dem „Fritz Campusquiz“ wieder an die Unis der Region, wir starten eine Communityaktion  mit den Hörern zum heißen und emotionalen Thema „Wohnungen in Berlin“ und übertragen einige tolle Konzerte. 

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