UKW-Lizenzen sind immer weniger wert – Macht nichts!

Für London ist es eine große Neuigkeit: In Kürze wird es dort zwei neue Talk-Radiostationen geben – CitiTalk und CitiSport. Dafür werden noch ein Programmdirektor, On-Air-Talente und Produktionsmitarbeiter gesucht.

Die Radiostationen werden von Kelvin MacKenzie geleitet, einem Mann, der eine erfolgreiche Radiostation und mit “The Sun” die größte Zeitung Großbritanniens geleitet hat. Er war auch Chef einer Fernsehstation, die mit einem Zwerg auf einem Trampolin vor einer Wetterkarte berühmt wurde – denn der zeigte unter dem Titel “Britain’s Bounciest Weather” hüpfend auf Schottland. Aber ich schweife ab.

In London gibt es nicht wenige Radiosender. Ein DAB-Radio hätte ca. 120 Stationen zur Auswahl. (Ich frage mich, ob das die Speicherkapazität einiger der älteren DAB-Sets nicht überfordern würde. Es muss doch einen Punkt geben, an dem sie aufgeben würden, oder?

UKW-Lizenzinhaber könnte dieses Ausufern der DAB-Auswahl ein wenig verärgern. Haben sie doch die UKW-Lizenz erworben, weil es sich schließlich um eine Quasi-Monopol-Deal handelte. Und nun schauen sie verdutzt aus der Wäsche: Auf DAB gibt es Stationen für Bauherren und Installateure sowie Angebote für Polnisch sprechende Menschen, Kinder oder Minderheiten aller Art.

DAB verwendet höhere Frequenzen (um 220 MHz) und deckt damit ein anderes Sendegebiet ab – in Großbritannien sind vor allem, um die Franzosen nicht zu verärgern, eine Reihe von DAB-Sender um eine Stadt herum verteilt – ein großer Sender auf einem Hügel existiert dann nicht. Wenn man bedenkt, dass die Briten gerade für den Austritt aus der EU gestimmt haben, fragt man sich, warum sie immer noch so sehr darauf bedacht sind, die Franzosen nicht zu verstimmen. Ich habe gerade Wikipedia nach “Anglo-Französischer Krieg” durchsucht und festgestellt, dass wir 23 davon hatten.

Jedenfalls verlieren die teuren UKW-Lizenzen der Radiostationen langsam an Wert, weil DAB ein anderes Versorgungsgebiet und eine erheblich größere Auswahl abdeckt. Abgesehen von der Tatsache, dass UKW in Großbritannien bald abgeschaltet werden könnte, bietet eine UKW-Lizenz nur noch wenig Vorteile: immer mehr Hörer steigen auf DAB um. In Großbritannien findet fast die Hälfte des Radiohörens über eine digitale Plattform statt.

Dies wird manchmal als Grund gegen DAB gesehen. Man denkt “Wir fühlen uns mit unserem Beinahe-Monopol wohl und möchten anderen nicht erlauben, in unseren Markt einzudringen.” – Und in meiner Heimatstadt Brisbane heißt es “und wir wollen nicht, dass DAB aus Brisbane in unseren Markt im Großraum Brisbane eindringt”.

Die Geschichte ist übersät mit Dingen, die wir daraus lernen könnten.

Vor vielen Jahren gab es nur ein einziges Telekommunikationsunternehmen – AT&T, British Telecom, Telecom Australia oder Deutsche Telekom. Dann wurden Märkte geöffnet. Telekommunikationskosten brachen ein, als neue Wettbewerber auf den Markt kamen. Allerdings stieg die Qualität der Produkte und Dienstleistungen zugunsten der Verbraucher.

Monopole fallen (Foto: Jens F. Hofstadt)

An vielen Orten wurden lokale Taxiunternehmen – speziell lizenziert von lokalen Aufsichtsbehörden – durch Uber und andere technologische Lösungen ergänzt. Das war ein Nachteil für die angestammten Taxiunternehmen, für die ein Taxischein nicht länger eine Lizenz zum Gelddrucken war, aber auch gut für Verbraucher.

Das Gleiche gilt für das Radio: In Norwegen hat der durchschnittliche Hörer von 5 nationalen Radiostationen auf der Radioskala nun die Auswahl zwischen mehr als 35 Stationen. Einige Stationen haben von der Umstellung profitiert, andere haben das Nachsehen.

Natürlich bringt das Internet Zehntausende von Radio-Anbietern ans Publikum. Interessant ist, dass in Norwegen das Streamen von Musik durch Anbieter wie Spotify tatsächlich zurückgegangen ist, da die Hörer von mehr Auswahl und sorgfältig formatierten Musikstationen profitieren.

Es ist also unvermeidlich, dass der Wert einer UKW-Lizenz in dieser neuen Welt sinkt. Was jedoch nicht abnehmen wird, ist der Wert einer Radiostation, die greifbar und für ihr Publikum relevant ist. Das kann eine traditionelle UKW-Station, ein neuer DAB-Anbieter oder sogar etwas Inter-nettes sein. Aber dem Hörer wird eine größere und bessere Auswahl geboten- und bleibt letztendlich dem Radio treu.

UKW-Lizenzen mögen auf Dauer vielleicht weniger wert sein – große Rundfunkanstalten aber wissen, wie sie auch in Zukunft relevant bleiben können. Wo es nötig ist, sollten wir uns neu erfinden – aber stets in dem Bewusstsein, dass sich die Dinge ändern. Es ist nicht unsere Aufgabe, diese Veränderung zu bekämpfen, sondern Publikum und Werbetreibende dafür zu begeistern.


Der Radio-Futurologe James Cridland, spricht auf Radio-Kongressen über die Zukunft des Radios, schreibt regelmäßig für Fachmagazine und berät eine Vielzahl von Radiosendern immer mit dem Ziel, dass Radio auch in Zukunft noch relevant bleibt. Er betreibt den Medieninformationsdienst media.info und hilft bei der Organisation der jährlichen Next Radio conference. Er veröffentlicht auch podnews.net mit Kurznews aus der Podcast-Welt. Sein wöchentlicher Newsletter (in Englisch) beinhaltet wertvolle Links, News und Meinungen für Radiomacher und kann hier kostenlos bestellt werden: james.crid.land. Kontakt: james@crid.land oder @jamescridland.

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