BFBS Germany ist auch eine deutsche Radio-Erfolgsgeschichte

Ehemalige BFBS-Granden treffen sich jährlich zur „BFBS Cologne Re-Union“, um in Erinnerungen zu schwelgen und die alten glorreichen Radiozeiten in Köln noch einmal aufleben zu lassen.

Von WALTHER KAHL und JÜRGEN BOERNIG

Die Geschichte des britischen Soldatensenders BFBS in Deutschland ist eine Erfolgsgeschichte, die auch von Generationen junger deutscher Radiohörer geprägt war. Sie reicht weit zurück bis in die 50er Jahre, als BFBS, der British Forces Broadcasting Service, damals noch BFN British Forces Network hieß und  am 29. Juli 1945 seinen Senderbetrieb in der Hamburger Musikhalle aufnahm. BFN war gegründet, um die britischen Streitkräfte mit Rundfunkprogrammen zu versorgen und ihnen eine Verbindung zur Heimat zu bieten.

In den frühen Jahren des Senders gab es noch keine eigene Station für Deutschland. Die Programme wurden stattdessen aus Großbritannien gesendet und über Kurzwellenfrequenzen in Deutschland empfangen. Dies änderte sich jedoch in den späten 1950er Jahren, als BFN Germany in Hamburg eine eigene Station eröffnete, mit einem damals noch völlig unbekannten DJ namens Chris Howland, auf den, dank seiner Unterhaltungs-Qualitäten, schon wenig später auch das deutsche Fernsehen und Radio sowie der Kinofilm aufmerksam wurden. Im Gegensatz zum AFN, dem American Forces Network in Frankfurt, waren die BFBS-Moderatoren/DJs keine Soldaten.

Chris Howland (© WDR/PicturePool)
Chris Howland (© WDR/PicturePool)

1954 erfolgte der Umzug von BFN Germany von Hamburg nach Köln, mitten ins noble Villenviertel Marienburg. In einer prachtvollen Villa des ehemaligen Kaufhausbesitzers Leonhard Tietz (später  KAUFHOF), in der Parkstraße 61, bezog man das neue Hauptquartier. BFN stellte für seinen Kölner Sendebetrieb  auch deutsche Mitarbeiter wie Ton-Ingenieure, Sekretärinnen sowie Bibliothekare für das Plattenarchiv ein. Von Köln aus begann BFBS Germany, ein umfangreiches Radioprogramm für die britischen Truppen in Deutschland zu senden. Und auch hier zählte Chris Howland zum DJ der ersten Stunde. Es wurden nicht nur aktuelle Nachrichten und Musik gesendet, sondern auch Unterhaltungsshows, Sportübertragungen und spezielle Programme für die Familien der Soldaten. 1964 wurde aus BFN der British Forces Broadcasting Service BFBS.

bfbs 80s fbEs dauerte nicht lange, dass der BFBS nicht nur die in Deutschland stationierten britischen Soldaten und ihre Familien, sondern immer mehr auch junge deutsche Hörer erreichte. Übrigens unter argwöhnischer Beobachtung so manch öffentlich-rechtlichen deutschen Senders. Während die öffentlich-Rechtlichen in ihren Musiksendungen auf deutsche Schlager und französische Chansons setzten, eroberte BFBS Germany die Herzen seiner Hörer mit englischsprachigen Neu-Erscheinungen und aktuellen Ergebnissen der britischen Pop-Charts. Dass immer mehr junge deutsche Radiohörer den britischen Sender einschalteten, registrierte man am Wallrafplatz in Köln und in der Hamburger Rothenbaumchaussee mit Unbehagen. Sie mussten miterleben, wie den Radio-Pros von der britischen Insel mit herzerfrischender  professioneller Leichtigkeit, junges Radio zu machen, die Herzen junger deutscher Radiohörer zuflogen. Beim BFBS spielte man regelmäßig  die in Großbritannien und den USA veröffentlichten Neuerscheinungen, lang bevor sie, wenn überhaupt, Monate später in deutschen Radioprogrammen zu hören waren.

Zu den meist gehörten Musik-Sendungen des BFBS der 60er und 70er Jahre zählten der „Saturday Club“ mit Brian Matthews und die in London von der BBC produzierte legendäre samstägliche „Top Twenty-Show“, u.a. mit Tommy Vance als Presenter. In den folgenden Jahrzehnten erreichte der Sender eine Millionen-Zuhörerschaft, darunter viele deutsche Hörer, die von der Vielfalt und Qualität des englischsprachigen Programms, sowie seiner locker plaudernden DJs begeistert waren. Dazu gehörten u.a. Chris Howland, Peter McDonagh, Dave Lee Travis, Steve Mason, Stephen Withers, David Rodigan, Alan Bangs, John Peel, Colin Rugg, Guy Francis, Richard and Andy Astbury. Sie waren nur einige der Radio-Stars, die für die britischen Streitkräfte und ihren Angehörigen längst zu „Familienmitgliedern“ geworden waren.  Für Millionen junger deutscher Radiohörer wurden sie zu „Radio-Stars“, über die man am nächsten Morgen in der Schule, im Freundeskreis oder am Arbeitsplatz sprach. 

Chris Howland (© WDR/PicturePool)
Chris Howland (© WDR/PicturePool)

„Zivile“ Hörer waren beim britischen Armeesender nur als „Zaungäste“ zugelassen, denn offiziell durfte der BFBS aufgrund des NATO-Truppenstatus, die rechtliche Grundlage für seinen Sende-Betrieb, sie nicht in seine Programme einbinden. Dennoch erhielt BFBS Germany monatlich etwa 3.000 Hörerbriefe, darunter regelmäßig bis zu 600 Zuschriften von deutschen Hörern.

Im November 1990 wurde das „Cologne-Broadcasting-House“ in Köln-Marienburg nach 36 Jahren geschlossen und der Sendebetrieb nach Herford verlegt. Branchenbeobachter vermuteten, dass hinter den Kulissen die deutsche Medienpolitik bei den Briten auf die Einhaltung des Senderstatus hingewiesen habe. Aus offiziell britischer Sicht wurde der Standortwechsel damit begründet, der BFBS habe sich den sich ändernden Anforderungen und Strukturen der britischen Streitkräfte angepasst. 

BFBS radio1

Die fast vierzig Jahre BFBS Germany in Köln haben, wie auch das US-Pendant AFN in Frankfurt, Hilversum 3 und Radio Luxemburg, bis heute unsere deutsche Radioszene maßgeblich beeinflusst.

Die Geschichte des britischen Armee-Senders BFBS in Deutschland war geprägt von Engagement, Professionalität und dem Bestreben, den britischen Truppen eine Verbindung zur Heimat zu bieten. Als vertrauensvolle Informations- und Unterhaltungsquelle für die britischen Streitkräfte in Deutschland hat BFBS Germany zugleich einen wichtigen kulturellen Brückenschlag zwischen unseren Ländern vollzogen.

BFBS Germany Re-Union in Köln

Wie intensiv Erinnerungen auch nach Jahrzehnten noch an die „guten alten Kölner Jahre von BFBS Germany“ sein können, beweist seit vielen Jahren die „BFBS Germany Re-Union“ in Köln, eine Art Klassentreffen, zu dem sich ehemalige Programmverantwortliche, DJs, Mitarbeiter, Ton-Ingenieure und Archivare, aber auch langjährige Freunde aus der deutschen Musik- und Medienindustrie einmal im Jahr versammeln, um in gemeinsamen Erinnerungen zu schwelgen. Viele von ihnen nehmen hierzu den weiten Weg aus ihrer Heimat Großbritannien oder ihrem aktuellen BFBS-Standort Zypern oder Malta in Kauf, um alte Freunde aus gemeinsamen Kölner Zeiten wiederzusehen.

 

Walther Kahl (Musikverleger SEYCHELLES MUSIC, Köln), Richard Astbury (BFBS-Radiolegende) und Monika Howland (Witwe von Chris Howland, dem 1. BFBS-DJ) (Bild: © Jürgen Boernig / BFBS 6_2023)
Walther Kahl (Musikverleger SEYCHELLES MUSIC, Köln), Richard Astbury (BFBS-Radiolegende) und Monika Howland (Witwe von Chris Howland, dem 1. BFBS-DJ) (Bild: © Jürgen Boernig / BFBS 6_2023)

Am zurückliegenden Pfingstwochenende haben sich nach drei Jahren Corona-bedingter Pause, erneut viele ehemalige BFBS-Granden und Freunde in Köln versammelt, um an die guten alten legendären Radiotage in Köln-Marienburg zu erinnern. Dabei waren u.a. der ehemalige Station Manager Colin Rugg, die BFBS-Legenden Richard Astbury, Chris Russel, Tony Orsten, Karen Margolis, Charly Lowndes, Monika Howland (Witwe von Chris Howland), Guy Francis und Andy Astbury. Ebenso dabei waren ehemalige Tontechniker, Musikarchivare, Sekretärinnen und Freunde aus der deutschen Medienindustrie, darunter die ehemalige WDR-Journalistin Carmen Thomas. Bestens organisiert wurde die diesjährige Re-Union von Jürgen Boernig, dem ehemaligen BFBS-Ton-Ingenieur und Heidi Brauer, eine viele Jahrzehnte treue Hörerin aus der ehemaligen DDR, die seit Jahren vor dem Mauerfall heimlich und regelmäßig BFBS hörte. Dank BFBS spricht Heidi heute perfekt Englisch.

Die nächste Re-Union findet im Juni 2024, traditionell in Köln statt.

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