Digital-Relaunch bei bigFM, REGENBOGEN und RPR1.

Audiotainment SüdwestAlle vier Radiosender der Audiotainment Südwest bigFM, RPR1., RADIO REGENBOGEN, und REGENBOGEN 2) haben seit kurzem neue Webseiten und Apps im Einsatz. Der Online-Auftritt wird ab jetzt in einer gemeinsamen Multimedia-Redaktion für alle vier Programme von einem neuen Content-Management-System (CMS) und auf Basis einer neuen Streaming-Technologie gesteuert. Das Funkhaus in Mannheim generiert damit insgesamt monatlich 11,63 Millionen Audio Sessions (Quelle ma 2022 IP Audio IV).


RADIOSZENE sprach mit Andy Abel, dem Leiter Digital der Audiotainment Südwest, über die Beweggründe zum großen digitalen Relaunch der vier Radiosender und wo die Synergieeffekte genau zum Tragen kommen.

ATSW AppsCollage


RADIOSZENE: Herr Abel, seit einigen Wochen gibt es bei den Radiosendern der Audiotainment Südwest neue Webauftritte und Apps. Wie unterscheiden sie sich von den vorherigen Homepages? Ins Auge springt ja vor allem der große Play-Button zum Start des Simulcast-Livestreams…

Andy Abel (Bild: © Audiotainment Suedwest)
Andy Abel (Bild: © Audiotainment Suedwest)

Andy Abel: Wir haben bei allen vier Sendern Audio in den absoluten Fokus gesetzt. Die Hörer bzw. Nutzer haben einen sehr einfachen Zugriff auf unsere Radioangebote. Bisher glich unser Webauftritt eher einem Gemischtwarenladen, wo Webradio nicht direkt ansteuerbar war. Wir wissen, dass die Webseiten hauptsächlich aufgesucht werden, um Radio zu hören. Also ist der Play-Button nun immer ganz oben und bleibt auch „sticky“.

Noch bedeutender ist die Auswahl der Regionen, die sogar noch vor dem Playbutton erscheinen, weil wir uns gerade hier von Spotify & Co unterscheiden können. Die Stärken des linearen Radios bzw. Audios sind das Lokale und Regionale, und da bieten z.B. bigFM fünf, RADIO REGENBOGEN drei und RPR1. sechs regionale Audiostreams mit den passenden Inhalten.

Jetzt sind auch die Audiostreams, allen voran die Highlights-Streams auf den Webseiten direkt sichtbar. Im Moment sind das z.B. die Weihnachts-Streams, zu Silvester sind es die Party-Streams. Oder nehmen Sie unsere Live-Sport-Streams, die nur für die Dauer eines Spiels oben auf unseren Seiten erscheinen. Das lässt sich heute ganz einfach vorher einplanen und wird automatisch in den Apps synchronisiert.

Man muss es den Hörerinnen und Hörern so einfach wie möglich machen, ihren Radiosender oder ihren Lieblings-Audiostream zu hören.

RADIOSZENE: Wie hat sich die Nutzung der digitalen Ausspielwege in den letzten Jahren entwickelt und wie haben Sie darauf reagiert?

Andy Abel: Die Radio-Nutzung ist heute mobil größer als über Desktop-PCs, bei bigFM ist das Verhältnis noch deutlicher als bei RPR1. oder RADIO REGENBOGEN und REGENBOGEN 2. Daher müssen die Webseiten mobil gut aussehen und am Handy einfach und schnell funktionieren, d.h. sie dürfen nicht überladen sein, man muss auch hier den Audioknopf immer sofort finden.

Regenbogen Homepage

Wichtig nach Audio und den Teamseiten sind die regionalen News und die Musiknews, die wir für den mobilen Bereich im nächsten Jahr auch noch mit On Demand Audio ausbauen wollen. Alles, was on-air gesprochen wird, soll über unser neues System dann als Text und Audio auf die Webseiten und gleichzeitig in die Apps übertragen werden. Das war vorher ein aufwändiger manueller Prozess und geht jetzt aus einem System heraus für alle Sender der Audiotainment Südwest.

Über eine integrierte Nutzungsanalyse können wir nun auch schneller auf das reagieren, was die User bevorzugen und was weniger. Geplant ist für RPR1. und RADIO REGENBOGEN sowie REGENBOGEN 2 ein Regio-On-Demand-Tool, das alle verfügbaren Regionalnachrichten auf einer Seite – nach Regionen geordnet – abrufbar macht. Bei bigFM werden stattdessen Musik-, Lifestyle- und Entertainment-News mit ca. 8-10 Artikel pro Tag angeboten.

RADIOSZENE: Wie viele reine Musik-Channels bietet die Audio Audiotainment im Moment an und wie können sie sich gegenüber Streamingdiensten wie Spotify behaupten? Welche Sidechannels werden am häufigsten gehört?

Andy Abel: Wir haben mittlerweile über 100 Musikstreams wie bigFM HipHop, RADIO REGENBOGEN 90er oder RPR1. Weihnachtslieder, letzteres wird im Moment natürlich häufig gehört. Der Unterschied zu Spotify-Playlists ist, dass die Musik bei uns nicht von Algorithmen, sondern von Menschen ausgesucht und so programmiert wird, dass der Musikmix zur Tageszeit und Jahreszeit passt, dass die Übergänge rund klingen, das hört sich einfach besser an.

 

Je mehr wir zusammenarbeiten, ums besser ist das für die Gattung Radio.

 

RADIOSZENE: Wie gehen Sie eigentlich damit um, wenn manche Nischen-Streams sehr wenig gehört werden, werden die dann irgendwann wieder gecancelt und gegen andere Stream getauscht?

Andy Abel: Wir haben den Anspruch, die Hörer:innen in allen Situationen etwas bieten zu können. Es gibt natürlich die Mainstream-Angebote wie z.B. bei bigFM Dance und HipHop oder bei RADIO REGENBOGEN Charts, 80er, 90er oder REGENBOGEN 2 Classic Rock. Es gibt aber auch Hörer: innen die mögen Yogasounds, Workout-Musik, Accoustic, Deep House bis hin zu Karneval und Mallorca-Schlagerhits. Denen möchten wir auch etwas bieten. Recht einzigartig sind dabei die „Worldwide Streams“ bei bigFM, bei denen unsere DJs z.B. bigBalkan, bigSES, Latin Beats, bigMUZYKA und Worldbeats als Party-Mixe zusammenstellen.

Wir versuchen auch immer herauszufinden, was lohnt sich und was nicht, was ist zu kleinteilig? Da werden wir auch nächstes Jahr viele neue Streams ausprobieren nach dem Motto „trial“ and error“. Wir sind viel im Austausch mit den Digital Heads der anderen Sender über die Webradios. Denn je mehr wir zusammenarbeiten, umso besser ist das für die Gattung Radio.

RADIOSZENE: So haben Streaming-Dienstleister wie Spotify, Apple und Co. ein bisschen dafür gesorgt, dass sich die Sender untereinander weniger als Konkurrenten verstehen?

Andy Abel: Ja, ich sehe die Tendenz, dass die Radiosender immer enger zusammenarbeiten und sich gemeinsam verbünden gegen die großen Player wie Apple, Amazon und den Streamingdiensten Deezer und Spotify, die schon viele Werbegelder aus unser Wertschöpfungskette holen. Daher wird im Hintergrund auch schon viel bei der datengetriebenen Vermarktung kooperiert.

RADIOSZENE: Übernehmt Ihr Playlisten anderer Sender?

Andy Abel: Wir übernehmen keine Playlisten von anderen Sendern. Innerhalb der Audiotainment Südwest werden aber Streams für mehrere Audiomarken gebrandet. Über das neue Streaming-System von QuantumCast, das wir seit diesem Jahr verwenden, bekommen wir mehr Informationen über das Nutzerverhalten.

 

Durch Fokussierung auf das Wesentliche und Simplifizierung für den User hat sich die digitale Hördauer verlängert.

 

RADIOSZENE: Wie wichtig sind Apps für die Sender – würden mobile Webseiten nicht reichen? Worin liegen die Vorteile für Apps?

Andy Abel: Alles, was wir tun, ist nutzerorientiert. Bei uns ist die App eine der wichtigsten Ausspielwege für unsere Streams. Auch hier gilt die volle Konzentration auf die Audioangebote, also alle Streams und Podcasts. Unsere neuen Apps sind „seamless“. Das heißt, das Zusammenspiel der App von resc. und QuantumCast funktioniert so, dass der Nutzer keine Abbrüche mehr hört, wenn z.B. der Empfang zwischen WLAN und mobilem Datenempfang wechselt oder schlechter wird. Dann wird einfach die Datenrate angepasst. Auch die Kommunikation mit dem Sender läuft über die App jetzt besser als früher. Über den Loginbereich können Mails, Audios oder Videos direkt ins Studio gesendet werden. Nächstes Jahr soll noch ein Chat-Bereich dazukommen. Durch diese Fokussierung auf das Wesentliche und die Simplifizierung für den User hat sich auch die digitale Hördauer verlängert.

RADIOSZENE: Können Sie trotz DSGVO von ihren Usern noch genug Daten generieren und welche Schlüsse können Sie noch daraus ziehen?

Andy Abel: Bei unseren Angeboten gibt es nur eine geringe Ablehnung der Consentbanner, so dass wir adressierbare IDs aus unseren Radio-Webseiten und auch unseren zusätzlichen Angeboten (bigKarriere.de, vereinsleben.de, liedergut.de, speedmedia.de und fashionszone.de) generieren können. Wichtig ist, dass die User in unserem eigenen Ökosystem bleiben und auch wiederkommen. Das ist eine Challenge für das kommende Jahr: Wie überzeuge ich den User, unsere Apps und Webseiten verstärkt zu nutzen? Und welche Mehrwerte können wir noch bieten, damit sie sich einloggen? Kann man schneller an Gewinnspielen teilnehmen, weil man die Daten nicht neu eingeben muss oder bessere Zugänge zu Konzerten- und Veranstaltungen. Natürlich alles DSGVO-konform.

bigFM Homepage

RADIOSZENE: Was hat sich in der digitalen Vermarktung Ihrer Online-Angebote verändert?

Andy Abel: Das digitale Geschäftsmodell wird zunehmend relevanter. Deswegen wird derzeit auch viel innerhalb der Gattung Radio in diesen Bereich investiert. Jeder Radiosender muss schauen, dass er genug digitales Inventar anbieten kann, um digitale Werbung ausliefern zu können.

 

Unsere Vision war es,  alles In-House zu produzieren und nicht mehr auf externe Agenturen angewiesen zu sein.

 

RADIOSZENE: Sie haben für bigFM, RPR1., RADIO REGENBOGEN und REGENBOGEN 2 nun eine gemeinsame Multimedia-Redaktion eingerichtet. Was ist der Mehrwert?

Andy Abel: Wir hatten früher vier verschiedene Redaktionen mit vier unterschiedlichen Systemen, die teilweise 3-4 Mal die gleichen Nachrichten oder Beiträge geschrieben haben. Mit dem neuen Content Management System, an das alle Webseiten angedockt sind, arbeiten alle Multimedia-Redakteure. Unsere Vision ist es, alles In-House zu produzieren und nicht mehr auf externe Agenturen angewiesen zu sein. Dafür gibt es bei uns eine Unit für Bewegtbild, eine für Grafik, Social Media, für Suchmaschinen-optimierung und Digitalmarketing. Alle sitzen an nun einem Tisch und arbeiten gemeinsam effektiver. Wir erreichen durch den Einsatz der Technik und den Synergien der gemeinsamen Multimediaredaktion einen höheren Output an digitalen Inhalten. Wir haben in diesem Jahr durch die Bündelung der Ressourcen in einer Redaktion und mit Hilfe von Technologie-Partnern wie resc. bzw. QuantumCast einen enormen Schritt in Richtung Effizienz erreicht.

 

Nichts ist wirksamer als ein gemeinsamer Feind. So haben Spotify, Apple und Amazon sicher dafür gesorgt, dass die Kooperationsbereitschaft unter den Radiosendern gestiegen ist.

 

Und da immer mehr Radiosender diese Systeme verwenden, wird die Technologie durch deren Feedback ständig weiterentwickelt und verbessert. Nur so können wir der heutigen Geschwindigkeit in der immer komplexer werdenden digitalen Welt Stand halten.

RADIOSZENE: Was Sind Ihre Digitalpläne für die Zukunft, an welchen Projekten arbeitet Ihre Digitale Unit gerade?

Andy Abel: Ich sehe die Zukunft auf jeden Fall bei den Kollaborationen mit anderen Marktteilnehmern. Wenn gemeinsame Systeme verwendet werden, ist das natürlich leichter, als wenn jeder Sender sein eigenes Süppchen kocht. Es wird auch schon jetzt mehr Wissen unter Sendern und ganzen Sendergruppen geteilt, um die Gattung Radio gegen über den Big Playern zu verteidigen. Nichts ist wirksamer als ein gemeinsamer Kontrahent. So haben Spotify, Apple und Amazon dafür gesorgt, dass diese Kooperationsbereitschaft in den letzten Jahren deutlich gestiegen ist.

 

Die digitale Welt wird immer visueller und so wollen wir bei bigFM nächstes Jahr auch mit Visual Radio starten.

 

Was wir auch weiterverfolgen wollen: unsere On Air Personalities müssen noch mehr Content liefern für die sozialen Medien wie TikTok, Instagram & Co. Die digitale Welt wird immer visueller und so wollen wir bei bigFM nächstes Jahr auch mit Visual Radio starten. Das Sendestudio wird mit einem vollautomatischen Kamerasystem ausgestattet und die Sendung im Netz visuell begleitet. Das ist eines von vielen Projekten, die wir für nächstes Jahr auf der Liste haben.

RADIOSZENE: Dann wird Ihnen 2023 sicher nicht langweilig werden. Vielen Dank für das Gespräch.

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