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Radioempfang im Auto: Einfach Scheibe!

Design follows Function? Bei Autoradioantennen schon lange nicht mehr. Die sollen am liebsten nur noch niedliche, waschanlagenfeste kleine Knubbel sein oder sich in der Scheibe verstecken. Dass dann das Radio nicht mehr ordentlich funktioniert, interessiert nicht.

Autoradio im Citroën DS 7 (Bild: ©W.D.Roth)
Autoradio im Citroën DS 7 (Bild: ©W.D.Roth)

15b30f2cb1b340859d20ab2c5d306b24Meine ersten Erinnerungen an Radio hören im Auto sind ziemlich blass: Im Opel meines Vaters war – damals eine Neuheit – statt einer normalen Teleskopantenne eine Scheibenantenne verbaut. Die Folge: Das Blaupunkt Radio spielte nur sehr leise und verrauscht, Zündfunkenstörungen kamen während der Fahrt auch noch hinzu. Im Stand wiederum war ich meist alleine im Auto, ohne Schlüssel und damit auch ohne Radio. Scheibenantennen hasse ich seitdem wie die Pest, und daß Blaupunkt-Autoradios eigentlich recht gut empfangen, lernte ich erst später.

Auch Küchenradios und Radiowecker werden gerne mit Wurfantennen statt Teleskopantennen ausgerüstet, was zwar so manchem verschlafenen Musikhörer erspart, sich beim Aufstehen versehentlich mit der Antenne die Augen auszustechen. Dafür ist dann aber oft auch nicht nur die Antenne, sondern auch der Empfang zum Wegwerfen.

Burmester Anlage mit DAB+ im Mercedes (Bild: ©Wolf-Dieter Roth)
Burmester Anlage mit DAB+ im Mercedes (Bild: ©Wolf-Dieter Roth)

Das Radio ist oft nur noch gelitten – mit eingebaut in Geräte, die eigentlich etwas ganz anderes tun. Nein, gemeint sind nicht die Radios, die sich in vermeintlichen Colaflaschen verstecken, das ist schon lange Vergangenheit. Doch so wie es vor einigen Jahrzehnten die Uhr war, die sich plötzlich überflüssigerweise in der Briefwaage, in der Mikrowelle, im Autoradio breit machte, ständig falsch ging und gestellt werden musste, und spätestens mit der Einführung der Siommerzeitumstellung jeden in den Wahnsinn trieb, weil er nun zwei Dutzend Uhren umstellen musste, ist es heute das Radio, das im Auto irgendwie mit ins Bordkommunikationssystem mit Temperaturanzeige, Rückfahrkamera, Wegfahrsperre, Navigationssystem, Freisprechanlage und Hotspot verbaut, aber gar nicht mehr als eigenes Gerät wahrgenommen wird.

Das soll nicht heißen, dass diese Radios schlechter sind als frühere Modelle, obwohl zumindest DAB, das extra für den besseren Autoradioempfang erfunden wurde, oft miserabel behandelt wird, in eben jenen teuren Multitainmentsystemen keinen Platz mehr hat oder so früh stummschaltet, dass der Empfang eher jenem eines UKW-Radios von 1965 nahe kommt.

Nur hat das Radio im Auto keine Wichtigkeit mehr. Es wie einst gegen ein besseres Modell austauschen kann man ohnehin nicht mehr, das wollen die Hersteller nicht, man könnte dann ja etwa doch noch DAB+ hören. Die Werkradios waren früher stets grauenhaft und der Austausch daher stets der erste Schritt, dies zumindest ist bei modernen Fahrzeugen besser. Doch gibt es viele andere, teurere Elektonik im Auto, dass der Radioempfang hinten an stehen muss. So, wie am Anfang der Autoradiotechnik, als man erst einmal lernen musste, die Störquelle Automobil radiotauglich zu machen.

Die Zündfunken sind heute gar nicht mehr das größte Problem, sondern die moderne Digitaltechnik und Leistungselektronik. Letztere spart zwar Energie, hat aber dazu geführt, dass Radios in Elektroautos gar nicht erst mit Mittelwellenempfang ausgerüstet werden, weil es zu mühselig wäre, die Motortreiber ausreichend zu entstören. Durch die Abschaltung der Mittelwelle, die der großflächigen Verbreitung der E-Autos zuvorkam, blieb diese technische Kapitulation praktisch unbemerkt.

Doch die Digitaltechnik stört nicht nur Mittel- und Kurzwelle, es geht über UKW bis in die Fernsehbänder, in denen heute DAB+ abgestrahlt wird. Gleichzeitig wird gerade DAB+ sehr oft nicht mit funktechnisch korrekten Stabantennen, sondern irgendwelchen auf die Windschutzscheibe geklebten oder irgendwo am Heck versteckten Behelfsantennen empfangen. Wenn überhaupt noch eine Stabantenne verbaut ist, kein Knubbel und keine Haifischflosse, dann ist diese verkürzt, windschnittig geneigt und damit falsch polarisiert.

DAB+ wird dann irgendwie an den Antennenverstärker angepfriemelt, der versucht, die eigentlich mangelhafte Antenne doch noch empfangstauglich zu machen. Dieser gibt jedoch auch bei namhaften Marken wie Blaupunkt nach ein paar Jahren wegen Eindringens von Feuchtigkeit den Geist auf. Doch auch die Stromversorgung des Aktivverstärkers ist mangelhaft und nicht entstört. Und da Störungen bei Digitalempfang nicht mehr als Rauschen und Pfeifen in Erscheinung treten, sondern nur als ständige Aussetzer oder völliges Nichtfunktionieren, bleibt die Ursache meist unerkannt .

Es gibt auch Autohersteller, die dem Radioempfang noch Bedeutung beimessen, wie Mitsubishi. Den deutschen Automarken ist es momentan dagegen eher wichtig, dass die Konjunktur und der Motor ordentlich dröhnt und weiter Verbrenner verkauft werden statt Elektroautos. Da hört man dann ohnehin kein Radio mehr.