Alexander Tauscher bringt Kult und Reisefieber ins Radio

Veröffentlicht am 21. Jan. 2020 von unter Deutschland

Alexander Tauscher (Bild: Privatarchiv)Erste Erfahrungen im Radiomachen sammelte Alexander Tauscher beim Moderieren bei Radiosendern in seiner Heimat Sachsen und im thüringischen Vogtland.

Neben seiner Tätigkeit im BLR RadioDienst kamen ihm die Ideen zur „Radioreise“ und zur „Plattenkiste“ mit denen er auf UKW, DAB+ und im Internet dem Medium Radio zwei weitere viel beachtete bunte Mosaiksteinchen hinzufügte, die dazu beitragen, das häufig anzutreffende auf Durchhörbarkeit getrimmte Programmeinerlei zu durchbrechen. RADIOSZENE-Mitarbeiter Hendrik Leuker stellte Alexander Tauscher hierzu ein paar Fragen.


RADIOSZENE: Wann wurdest Du geboren? Welche Ausbildung hast Du?

Alexander Tauscher (Bild: Privatarchiv)

Alexander Tauscher (Bild: Privatarchiv)

Alexander Tauscher: Ich wurde am 26.01.1973 in Karl-Marx-Stadt, heute Chemnitz, geboren. Wie so viele Menschen im Radio bin ich als gelernter Industriekaufmann ein klassischer Quereinsteiger.

RADIOSZENE: Was waren Deine Radiostationen?

Alexander Tauscher: Radio Chemnitz, Radio PSR, Vogtland Radio und BLR RadioDienst mit bayern- und deutschlandweiter Verbreitung; Radioreise, die eigene Sendung, die auf rund 50 Stationen läuft.

RADIOSZENE: Seit wann gibt es “Tauschers Plattenkiste”? Wie kamst Du auf diese originelle Idee?

Alexander Tauscher: Die Plattenkiste ging erstmals im Januar 2013 auf Sendung. Unmittelbar davor hatte der von mir sehr verehrte Christian Bienert zum letzten Mal das legendäre, einst im RIAS geborene, Sonntagsrätsel auf Deutschlandradio Kultur moderiert. Ich wollte den Geist dieser Sendung und die Musikfarbe bewahren. Gleichzeitig wollte ich etwas anbieten, das auch im kommerziellen Radio ohne direkten RIAS-Bezug laufen kann. Daher überlegte ich mir, mit welchem Vorwand ich urkomische, seltene deutsche Musiktitel ins Radio bringen kann. Meine Idee war: Ich stelle zu jedem Wort fünf bis sechs Musikstücke vor, in denen das gesuchte Wort im Refrain, also im Titel vorkommt. Und ich moderiere es so, wie ich es moderiert hätte, wenn ich die Ehre gehabt hätte, das legendäre Sonntagsrätsel im damaligen Deutschlandradio Kultur zu übernehmen. Denn das Rätsel ist seit Bienerts Weggang lieblos und nicht in seinem Sinne weitergeführt worden, es verkommt in der musikalischen Beliebigkeit. Vor allem wollte ich meine unglaublich große Sammlung an Musikraritäten endlich in den Äther blasen.

Tauschers Plattenkiste (Bild: Privatarchiv Alexander Tauscher)

Tauschers Plattenkiste (Bild: Privatarchiv Alexander Tauscher)

RADIOSZENE: Jede Show steht unter einem Wortmotto, das dann auch in den Liedern vorkommt- von „Autolieder“ bis „Zuckerlieder“. Was waren schon alles für Themen dran? 

Alexander Tauscher: Hunderte Wörter habe ich schon behandelt: Telefonlieder mit lustigen Schlagern, Radiolieder mit wunderbaren Liebeserklärungen an unser großartiges Medium und sogar Sexlieder mit herrlichen Anspielungen. Bei mir ist alles möglich, sofern es zu dem Wort passende Titel gibt. Und hier lautet die oberste Devise: die Musikstücke müssen melodisch sein. 99 Prozent aller Titel sind in deutscher Sprache, weil da einfach die Wortspielerei am besten rüberkommt. Ich möchte junge Hörer neugierig machen auf Musik, die sie sicher noch nie gehört haben und gleichzeitig älteren Hörern eine Erinnerung bieten. Ich baue Brücken zwischen den Jahrzehnten und will Radio zu dem machen, was es auszeichnet und was ich als RIAS-Hörer gelernt habe: Radio ist der treue Begleiter, der nette Plauderer, bestenfalls sogar der Freund.

RADIOSZENE: Welche Musikrichtungen kommen darin vor? Was fasziniert Dich so am Swing der 20er und 30er Jahren?

Alexander Tauscher: Die Palette reicht von den Schellack-Schlagern der 20iger Jahre bis zu besonderen Liedern der jüngeren Zeit. Ich spiele häufig Chansons von großen Diven oder Diseusen an, ich suche Couplets und Balladen heraus und ergänze es durch poppige Stücke. Mein Herzblut hängt an Archivschätzen, etwa aus RIAS-Zeiten. Günther Neumann und seine Insulaner haben satirische, oft auch sehr spitze Lieder gesungen, die heute leider verstaubt in den Katakomben verhungern. Sehr gern lege ich auch Schlager aus der „guten alten Zeit“ in Österreich auf. Daher dürfen Peter Alexander oder Heinz Conrads nicht fehlen. Verstärkt habe ich in den letzten Jahren Musik aus der ehemaligen DDR eingebaut: Viele Interpreten mit ihren Liedern sind „im Westen“ völlig unbekannt, zu Unrecht, wie ich finde. Ich erkläre in der Moderation die Entstehung, erzähle über die Künstler und deren Zeit. „Tauschers Plattenkiste“ ist eine kleine Sendung innerhalb einer Sendung, von der Länge her wie ein großes Magazinstück, von der Aufmachung wie eine kleine Show, mit Begrüßung und Überleitung, jeder Titel wird an- und abmoderiert. Und wie es bei großen Shows früher oft üblich war, so folgt am Ende ein schönes Instrumental als Rausschmeißer. Hier setze ich die großen Orchester und Big Bands ein, von Max Greger bis Billy Vaughn, von Helmut Zacharias bis Annunzio Mantovani, vom RIAS-Tanzorchester mit Horst Jankowski bis zum Südfunk-Tanzorchester von Erwin Lehn. Genauso ist es der Platz für Soundtracks, von Dr. Schiwago bis High Noon, von der Praxis Bülowbogen bis zum Traumschiff. „Tauschers Plattenkiste“ überrascht: Wenn Hape Kerkeling den griechischen Weihnachtsmann singt oder Karel Gott sich an den Rolling Stones abarbeitet. Bei der Musiksuche unterstützt mich immer wieder der Plattensammler Torsten Bernauer. „Tauschers Plattenkiste“ ist modular aufgebaut. Diese „Kultserie“, wie sie auch von mir on air bezeichnet wird, gibt es als Einzelfolge zum Tracken in der laufenden Musikrotation sowie als Stundensendung für größere Sendeflächen.

RADIOSZENE: Auf welchen Sendern läuft „Tauschers Plattenkiste“? Gibt es auch eine Adresse im Netz?

Alexander Tauscher: Alle Infos zur Sendung gibt es auf der Facebook-Fanseite. Die Sendung läuft auf UKW zum Beispiel auf Radio Europa, dass auf allen Kanarischen Inseln ausgestrahlt wird. In Deutschland läuft sie auf UKW vor allem auf nicht-kommerziellen Sendern wie Hamburger Lokalradio, Ems-Vechte-Welle, Kiel FM oder Radio hbw. In Zusammenarbeit mit dem überaus geschätzten Kollegen Mathias Marx gibt es „Tauschers Plattenkiste“ auf Radio hbw auch als Sonntagsausgabe über zwei Stunden. Viele Webradios übernehmen die Sendung, von Radio Grenzenlos in der Schweiz bis zum German Radio in Los Angeles. Wegen der großen Nachfrage wird es demnächst auch einen 24-Stunden-Livestream geben. Mit Antenne Pulheim und Radio Saarschleifenland haben sich nun auch zwei kommerzielle Sender „getraut“, die Kiste on air zu schicken. Ich kann den zögerlichen Programmchefs nur sagen: Traut Euch, es ist eine echte Bereicherung für fast jede Welle. Und der Kult ist unsterblich!

RADIOSZENE: Wie kam es zu Deiner Idee mit der “Radioreise”?

Alexander Tauscher: Im Januar 2010 strahlte Baden.fm die erste Folge der „Radioreise“ aus. Seitdem hat sich die Sendung nur leicht verändert. In den Anfangsjahren war Dominik Kollmann der Co-Moderator, inzwischen moderiere ich die Sendung allein. Die Redaktion und Produktion lag von der ersten Stunde ohnehin in meinen Händen. Ich hatte bis zum Jahr 2006 immer wieder Beiträge für die Reise-Sendung von BLR Radio Dienst produziert. Als es dort nicht möglich war, ohne Sponsor eine Destination vorzustellen, dachte ich mir: Machs doch selbst und machs gleich besser! Nach ein paar Jahren als „Check In – das Reisemagazin“ vor allem im Webradio wurden die ersten Radiomacher auf UKW aufmerksam und boten mir Sendestrecken an. Damit startete das Format der heutigen Sendung. Inzwischen ist die „Radioreise“ die meistgehörte Reisesendung im privaten Hörfunk.

Alexander Tauscher in Lissabon (Bild: Privatarchiv)

Alexander Tauscher in Lissabon (Bild: Privatarchiv)

RADIOSZENE: Sind Reisen ein Thema fürs Radio? Was muss bei der akustischen Umsetzung alles bedacht werden?

Alexander Tauscher: Natürlich kann Radio kein blaues Meer zeigen und keine grünen Berge darstellen. Aber Radio kann Geschichten erzählen und Bilder im Kopf entstehen lassen. Die „Radioreise“ ist immer im Gespräch mit Menschen, sie entdeckt die Welt mit den Ohren. Ich laufe mit einem Guide durch Dublin, besuche Menschen im Kibbuz am Toten Meer in Israel und treffe in Moskau eine der renommiertesten Fernsehmoderatorinnen Russlands. Ich wandere mit dem Sternekoch durch die Alpen und treffe auf den Malediven eine Tauchlehrerin. In Berlin laufe ich auf den Spuren der einstigen Mauer und begleite in London eine ehemalige Obdachlose zu ihrem Underdog-Schlafplatz. Diese Gespräche werden unterlegt mit passender Musik, die damit den Hörer gedanklich dorthin bringen, wo ich mit dem Mikrofon unterwegs bin. Ich habe ein eigenes Format entwickelt, mit der die „Radioreise“ in Einzeltracks über mehrere Stunden im modernen formatorientierten Radio laufen kann, ebenso als kompakte Sendestunde. Jede Radioreise hat einen Gesamtwortanteil von 53 Minuten. Damit ist sie nicht nur gehaltvoll, sie erhöht bei vielen Sendern den für die GEMA-Abrechnung relevanten Wortanteil. Die einzelnen Etappen werden an- und abmoderiert, so dass sich die Sendung – gerade auch mit Opener und entsprechender Verpackung– wunderbar ins Programm des Senders einpasst.

RADIOSZENE: Zu welchen Zielen führten Dich Deine Radioreisen bereits? Gibt es Lieblingsreiseziele für Dich?

Alexander Tauscher an der Istrischen Küste (Bild: Privatarchiv)

Alexander Tauscher an der Istrischen Küste (Bild: Privatarchiv)

Alexander Tauscher: Ich war schon in fast allen europäischen Ländern, besonders häufig natürlich bei unseren unmittelbaren Nachbarn. Sehr viele Reisen führten mich durch Deutschland, von der Sächsischen Schweiz bis in den Schwarzwald, von den Alpen bis zur Ostseeküste. Auch wegen meiner familiären Wurzeln bin ich sehr häufig und gern in Russland, speziell in Moskau. Über all die Jahre ist mir auch Israel ans Herz gewachsen, allein zehn Sendungen beschäftigen sich mit dem Heiligen Land. Traumhaft waren die Reisen auf die Malediven oder die Seychellen, ebenso die Expeditionen in Norwegen. Doch es müssen keine spektakulären Ziele sein. Interessante Geschichten habe ich auch in Bad Kissingen oder Dessau zu erzählen. Hunderte Sendungen der „Radioreise“ sind schon pro

duziert worden, so dass sich jeder Sender auf eine langjährige Ausstrahlung verlassen kann. Jede Radioreise endet mit der Feststellung, dass es noch mindestens 1.000 Orte in dieser Welt zu entdecken gilt. Das ist das programmatische Motto der Sendung. Denn es gibt für mich so viele weiße Flecken auf der Reisekarte.

RADIOSZENE: Auf welchen Sendern laufen die „Radioreisen“? Gibt es auch eine Adresse im Netz?

Alexander Tauscher: Die „Radioreise“ läuft auf etwa 50 Stationen (UKW, DAB+, Web). Meine Stimme hört man von Charivari Rosenheim bis Radio 90vier in Niedersachsen, von Cityradio Trier bis Bheins in Potsdam, von Radio hbw in Aschersleben bis Radio Ton in Heilbronn, von Radio Sunshine in Ostbelgien bis Hola FM auf Fuerteventura. Natürlich ist die Radioreise auch als Podcast vertreten, bei den großen Portalen von ITunes bis Spotify. Übrigens: Wir haben auch bunte Bilder im Radio: Auf der Website www.radioreise.de gibt es zu den meisten Sendungen auch einen Blog mit vielen Fotos und Texten.

Alexander Tauscher in Moskau (Bild: Privatarchiv)

Alexander Tauscher in Moskau (Bild: Privatarchiv)

RADIOSZENE: Wie kann der Hörer / die Hörerin mit Dir Kontakt aufnehmen, Lob und Kritik äußern?

Alexander Tauscher: Am einfachsten funktioniert es über die Facebook-Fanseite oder das Kontaktformular auf www.radioreise.de. Ich antworte garantiert, ob bei Lob oder Kritik. Aber letzteres kommt so gut wie gar nicht vor. Immer wieder schreiben Menschen wir, dass mit meiner Sendung eigene Reise-Erinnerungen wach werden oder Lust auf neue Ziele entsteht. Viele haben die Podcasts abonniert und hören die „Radioreise“ auf längeren Wegen, beim Joggen, beim Bügeln oder heimlich im Büro. Übrigens, sehr oft werden aus Interviewpartnern nach dem ersten Hören der eigenen Stimme im Kontext der Sendung neue Fans der „Radioreise“. Jede Sendung bereitet mir mindestens 20 Stunden Arbeit. Da mir dieser Aufwand nicht bezahlt wird, ist das Lob der beste Lohn. Und auch bei der „Radioreise“ gilt der Aufruf an die Programmverantwortlichen: Traut Euch! Nonstop-Musik gibt es auf jeder Internet Playlist, die „Radioreise“ bringt Farbe ins Programm!

Kontakt: info@alexander-tauscher.de
Websites: www.alexandertauscher.de, www.radioreise.de

Das könnte dich auch interessieren: 

Der Retter von RIAS-Sendungen

Kommentar hinterlassen

Tags: , ,