Warnstreik beim WDR: DJV fordert 6% mehr – WDR muss 500 Stellen streichen

Veröffentlicht am 09. Jul. 2019 von unter Deutschland

Warnstreik WDR 1LIVEDer Deutsche Journalisten-Verband Nordrhein-Westfalen ruft die Journalistinnen und Journalisten/Beschäftigten aller Standorte des WDR heute zum Warnstreik auf.

Die zeitlich befristeten Arbeitsniederlegungen stehen im Zusammenhang mit der dritten Runde der Tarifverhandlungen von DJV und dju mit dem WDR am Donnerstag, den 11. Juli 2019 in Köln. „Die Arbeitskampfmaßnahmen sollen der Geschäftsführung des WDR deutlich machen, dass nur konstruktive Verhandlungen zum Ziel zukunftsfähiger Tarifverträge führen“, sagte DJV-Verhandlungsführer Volkmar Kah.

DJV-NRW-Geschäftsführer Volkmar Kah (Bild: djv.de)

DJV-NRW-Geschäftsführer Volkmar Kah (Bild: djv.de)

Bislang hat der Sender ein völlig unzureichendes Angebot vorgelegt. Als wäre das nicht schon genug, will er auch die Vergütungsstruktur zu Lasten der Beschäftigten verändern. „Die Tarifsteigerungen im WDR haben sich in der Vergangenheit immer am öffentlichen Dienst orientiert. Es gibt keinen Grund das jetzt zu ändern“, sagt DJV-NRW Geschäftsführer Volkmar Kah. „Die Beschäftigten des WDR müssen von der guten Entwicklung im öffentlichen Dienst profitieren. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des WDR leisten jeden Tag mit Herzblut sehr gute Arbeit. Sie dürfen von der allgemeinen Entwicklung nicht abgekoppelt werden.“ Der DJV-NRW ruft seine Mitglieder deshalb auf, sich heute an den Aktionen zu beteiligen.

Die Streikenden treffen sich am 09. Juli 2019 ab 10 Uhr am Appellhofplatz 1a, Köln, Haus Forum, gegenüber dem Vierscheibenhaus

Der DJV fordert:

  • 6% mehr für Feste und Freie!
  • Deutlich höhere Einmalzahlungen für Freie!
  • NEIN zu Verschlechterungen bei Tarifverträgen!

Quelle: DJV-Pressemeldung


WDR zum aktuellen Warnstreik: “Tarifangebot muss wirtschaftlich bleiben”

Die Gewerkschaften haben heute Morgen (9.7.2019) die WDR-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter zu einem Warnstreik aufgerufen. Hintergrund sind die aktuellen Tarifverhandlungen. Das Programm läuft bis auf kleinere Einschränkungen, u.a. beim ARD-Morgenmagazin, bisher störungsfrei.

WDR Funkhaus am Wallrafplatz 2010 (Bild: © WDR/Herby Sachs)

WDR Funkhaus am Wallrafplatz 2010 (Bild: © WDR/Herby Sachs)

WDR-Verwaltungsdirektorin Dr. Katrin Vernau: “Jedes Ergebnis, auf das wir uns mit den Gewerkschaften einigen, müssen wir vor den  Beitragszahlern vertreten können. Deshalb können wir nur ein Angebot vorlegen, das in einem wirtschaftlich vertretbaren Rahmen bleibt.  Eine Tarifsteigerung entsprechend der Forderungen der Gewerkschaften  hätte weiteren Personalabbau und Einschnitte im Programm zur Folge.”

Anders als im öffentlichen Dienst habe der WDR in den vergangenen Jahren keine stark steigenden Einnahmen gehabt. Stattdessen stagniere der Rundfunkbeitrag seit über zehn Jahren – bei gleichzeitigen Preissteigerungen. Der WDR baue derzeit 500 Stellen ab und unternehme
weitere Kostenreduktionen, um seine Finanzen im Griff zu halten, so Vernau.

Im ARD-Morgenmagazin gab es aufgrund des Streiks personelle Engpässe, sodass zwischen 7 und 8 Uhr die vorherige Stunde wiederholt wurde. Die Moderatoren Anja Bröker und Sven Lorig informierten die Zuschauerinnen und Zuschauer über die Ursache der Wiederholung. Entfallen musste der ca. dreiminütige Sportblock innerhalb von WDR Aktuell um 12.45 Uhr.

Quelle: WDR-Pressemeldung


400 Streikende fordern: Jetzt ist der WDR am Zug!

DJV NRW

Mehr als 400 Redakteur*innen, Volontär*innen, Kameramänner und –frauen und sogar Fridays for Future-Anhänger*innen demonstrierten heute Morgen im Rahmen der Warnstreiks beim WDR vor dem Vierscheibenhaus in Köln. Damit endlich Bewegung in die Tarifverhandlungen mit dem Westdeutschen Rundfunk kommt, wird seit sechs Uhr an allen Standorten des WDR gestreikt. Betroffen war auch das ARD-Morgenmagazin: Das Magazin konnte zwischen 7 und 8 Uhr nicht wie gewohnt live, sondern nur eine Wiederholung der vorherigen Stunde senden.

Auch aus den Regionalstudios hatten sich festangestellte und freie Kollegen auf den Weg gemacht. Solidarische Grüße gab es unter anderen von Schülerinnen und Schülern der Fridays-for-Future-Bewegung. Bevor die Kolleg*innen mit Trillerpfeifen durch die Redaktionen zogen, fand eine sehr gut besuchte Kundgebung mit Reden und Musik statt. Der DJV-NRW Landesvorsitzende Frank Stach und der DJV-Bundesvorsitzende Frank Überall stimmten die Streikenden auf den Protest ein. Überall, selbst freier Journalist beim WDR, appellierte an den Sender: „Jetzt sollen wir abgekoppelt werden? Gerade wir, die das Programm machen, und wir, die wir dafür sorgen, dass überhaupt etwas läuft, sollen jetzt weniger Wert sein? Lieber WDR, ihr braucht uns.“

Für ihren Protest haben die Streikenden gute Gründe: Zum einen hat der Sender bislang ein völlig unzureichendes Angebot vorgelegt. Und als wäre das nicht schon genug, will er auch die Vergütungsstruktur zu Lasten der Beschäftigten verändern.

Bereits zwei Verhandlungsrunden haben mit der Geschäftsleitung des WDR stattgefunden. Trotzdem weigert sich der Sender, ein angemessenes Angebot vorzulegen. Im Gegenteil: Man will durch Neustrukturierung der Gehaltsstruktur erhebliche Kürzungen durchsetzen.

Am heutigen Tag sollte dann auch noch ein Maulkorberlass die Berichterstattung über den Streik unterbinden. In einer internen Rundmail wird dazu aufgefordert, dass “Moderator*innen ihre Position am Mikrofon nicht dazu benutzen, sich inhaltlich zum Thema zu äußern, sondern neutral zu verhalten. Nicht die Gewerkschaften, sondern einzig und allein der WDR hat die Programmverantwortung und entscheidet, inwieweit Streiks gegen den WDR zu Programminhalten werden. Der DJV-NRW sagt dazu: Nicht mit uns!

Den heutigen Warnstreik kann die Geschäftsführung nicht einfach ignorieren. Dafür sind die Auswirkungen allzu deutlich. Höchste Zeit also, dass sich in der nächsten Tarifrunde etwas bewegt!

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