Rückblick auf die Lokalrundfunktage Nürnberg 2019

Veröffentlicht am 08. Jul. 2019 von unter Deutschland

Rückblick auf die Lokalrundfunktage Nürnberg 2019

Von Dominik Sichling-Scharrer

Vergangene Woche haben sich über 1.000 Teilnehmer zu den 27. Lokalrundfunktagen in Nürnberg getroffen, um sich über die aktuellen Entwicklungen in der Branche zu informieren, die dieses Jahr geprägt ist von einem “Audio-Boom”, der durch Streamingdienste, Podcasting und Smartspeaker ausgelöst wurde.Masters of Music präsentiert von MusicMasterIn der Eröffnungsrede betone BLM-Präsident Siegfried Schneider, die wichtigsten Aufgaben für die lokalen Sender seien gute lokale Inhalte, Präsenz auf allen digitalen Kanälen und mehr Kooperationen untereinander: “Radio ist spontan. Radio ist emotional. Radio ist lokal. Radio hat Information und Musik. Diese vielen Vorzüge des Radios, für die es Menschen lieben, muss es in der digitalen Welt mehr denn je ausspielen. Der Mut zur lokalen Marke, der direkte Draht zu den Menschen vor Ort ist in der globalen digitalen Welt das Pfund, mit dem es zu wuchern gilt: Nachrichten aus dem eigenen Umfeld gibt es nur vor Ort”, so Siegfried Schneider.

BLM-Präsident eröffnet die Lokalrundfunktage Nürnberg 2019 (Bild: ©Dominik Sichling)

BLM-Präsident eröffnet die Lokalrundfunktage Nürnberg 2019 (Bild: ©Dominik Sichling)

Die Eröffnung der Lokalrundfunktage geht aber auch immer mit ein wenig Spannung einher, wartet doch jeder gespannt auf die Zahlen der Funkanalyse Bayern. Während man noch entspannt den Preisträgern der BLM-Preise applaudiert, macht sich Oliver Ecke auf den Weg zur Bühne um die Ergebnisse der Funkanalyse Bayern zu präsentieren. Dieses Jahr allerdings nur für das Radio.

Oliver Ecke präsentiert die Funkanalyse Bayern 2019 (Bild: ©Dominik Sichling)

Oliver Ecke präsentiert die Funkanalyse Bayern 2019 (Bild: ©Dominik Sichling)

So Manchem wird aufgefallen sein, dass kaum Vergleichszahlen zum Vorjahr gezeigt wurden. Das könnte wohl daran liegen, dass die Tendenzen sinkend sind und im direkten Vergleich nicht mehr ganz so rosig aussehen.

Oliver Ecke präsentiert die Funkanalyse Bayern 2019 (Bild: ©Dominik Sichling)

Oliver Ecke präsentiert die Funkanalyse Bayern 2019 (Bild: ©Dominik Sichling)

Bayernweit mussten auch die Landeswellen ein paar Prozentpunkte einbüßen. Antenne Bayern, Bayern 1, Bayern 2 und Bayern 3 waren davor nicht gefeit. Lediglich B5 aktuell konnte in der Tagesreichweite 0,6 Prozent zulegen. Und auch die “Sonstigen Programme” haben mit 12,2 Prozent deutlich zugelegt, lagen der Wert im Vorjahr noch bei 7,1 Prozent. Hier sind die Top 3: Schlagerparadies, Radio BOB! und ENERGY Digital. Die Lokalprogramme verloren zum Vorjahr sogar 3,4 Prozent.

Oliver Ecke präsentiert die Funkanalyse Bayern 2019 (Bild: ©Dominik Sichling)

Oliver Ecke präsentiert die Funkanalyse Bayern 2019 (Bild: ©Dominik Sichling)

Betrachtet man diese Zahlen in Altersgruppen, wird es besonders bei den jungen Hörern düster. In der jungen Zielgruppe 20 bis 29 fällt die Hördauer um ganze 36 Minuten und liegt damit nur noch bei rund 166 Minuten. Noch weniger hören die 14-19 Jährigen. Hier sind es im Schnitt nur 89 Minuten und damit ganze 25 Minuten weniger als es noch 2018 der Fall war.

Inzwischen stellt sich ja seit Langem nicht nur die Frage nach dem WER und dem WEN, sondern auch die Frage nach dem WIE.
Radio beschränkt sich schon sehr lange nicht mehr auf UKW oder gar das Internet. Die Augen sind immer mehr richtung DAB+ gerichtet.
In Bayern sind nun erstmals mehr als 30 Prozent der Bevölkerung in Besitz mindestens eines DAB+ Radios. 2018 waren es noch 5,2 Prozent weniger.

Oliver Ecke präsentiert die DAB+ Zahlen in Bayern (Bild: ©Dominik Sichling)

Oliver Ecke präsentiert die DAB+ Zahlen in Bayern (Bild: ©Dominik Sichling)

Doch Besitz ist nicht gleich Nutzung. An einem durchschnittlichen Werktag hören 18,4 Prozent der Bevölkerung über ein Digitalradio. Das ist eine Steigerung von 3,4 Prozent. Im Übrigen der einzige Verbreitungsweg, der einen Zuwachs verzeichnen konnte. Die Nutzung über das Internet sank nur wenig auf 13 Prozent. Ebenso der Empfang über Kabel und Satellit. (jeweils 0,7 Prozent weniger als im Vorjahr.)

Nach wie vor bleibt der Empfangsweg über UKW der Spitzenreiter mit 71,1 Prozent, wobei es auch hier Verluste von 4 Prozent gegeben hat. Die reinen Digital-Programme profitieren nur gering vom allgemeinen DAB+ Zuwachs. In der Tagesreichweite kommt BR-Heimat auf 1,4 Prozent, wie auch schon 2017.

Yvonne Malak: Was brauchen wir wirklich und was kann weg? (Bild: ©Ulrich Köring)

Yvonne Malak: Was brauchen wir wirklich und was kann weg? (Bild: ©Ulrich Köring)

Auf den Lokalrundfunktagen selbst referierte Yvonne Malak über die Macht der Morningshows. Was macht eine gute Morningshow aus und worauf kann und sollte eine Morningshow verzichten?

 

“Ohne persönliche Themen wird eine Morningshow nie eine Show sein, sondern allenfalls eine Sendung.”  (Yvonne Malak)

 

Das berichtet auch Torsten Birenheide von Radio PSR und zeigt das am Beispiel der Steffen Lukas Show. Zentrale Eckpfeiler sind die Nähe zum Hörer und positive Meldungen in der Show. Der Hörer braucht beim Zuhören ein gutes Gefühl und die Möglichkeit, sich mit dem Host zu identifizieren.

"Der freundliche Dreh" Torsten-Birenheide- auf den #LRFT19 (Bild: ©Ulrich Köring)

“Der freundliche Dreh” Torsten-Birenheide- auf den #LRFT19 (Bild: ©Ulrich Köring)

Der Programmberater David Lloyd erklärte in seiner Keynote “Effective Radio Presentation”, wie es Moderatoren schaffen, eine Sendung unvergesslich zu machen und wie man sein Publikum wirklich gewinnen kann: Je näher die eigene Art zu sprechen und das, worüber man spricht, an der Zielgruppe sei, desto besser erreiche man die Hörerinnen und Hörer. Geschichten aus der Du-Perspektive beziehen sie mehr ein, dadurch bleiben sie eher dran: “Wer sein Publikum wirklich versteht, bekommt die besten Reaktionen”.

Aber auch Podcasts werden ein immer zentraleres Thema, ist doch die Herstellung ein recht ähnlicher Prozess. Neben Podcast-Formaten von und für Radiosender und Podcast-Advertising-Beispielen wird gezeigt, wie auch lokale und regionale Radioanbieter den Audio-Boom für sich nutzen können.

 

“Radio will become more like podcasts. And podcasts will become more like radio” (David Lloyd)

 

Rob Szymoniak von Podcastmania erklärt, wie man es mit einfachen Mitteln schafft, tiefgründigen Content zu produzieren und neue Zielgruppen zu erreichen. Sein Impulsvortrag ist der Auftakt zu einem Podcast-Special am zweiten Tag der Lokalrundfunktage: “Es kommt vor allem darauf an, die Zielgruppe zu kennen, neue Themenfelder zu besetzen und gute Inhalte zu bieten”, so Szymoniak.

Danach werden Ideen und Formate einiger, bekannter Podcasts etablierter Radiostationen vorgestellt und mit den Teilnehmern diskutiert.

Und schließlich erfahren wir von Christoph Arras, wie sich mit Podcasts Geld verdienen lässt, allerdings nicht wieviel – konkrete Zahlen für Deutschland kann er noch nicht nennen.

Direkte Einnahmequellen für Podcasts (Bild: ©Ulrich Köring/RADIOSZENE/AS&S)

Direkte Einnahmequellen für Podcasts (Bild: ©Ulrich Köring/AS&S)

Formate & Package (Bild: ©Ulrich Köring/RADIOSZENE/AS&S)

Formate & Package (Bild: ©Ulrich Köring/RADIOSZENE/AS&S)

Podcasts werden uns auch auf den künftigen Lokalrundfunktagen weiter begleiten. Und im nächsten Jahr erwarten wir wieder gespannt die neuen Ergebnisse der Funkanalyse Bayern. Und dann mit hoffentlich besseren Zahlen als in diesem Jahr…

 

Hinweis: Im nächsten RADIOSZENE-Podcast mit Christopher Deppe werden wir uns noch ausführlicher mit dem Podcast-Special der Lokalrundfunktage Nürnberg beschäftigen.

 

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